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Wenn Social Networks Bundesländer wären …

Manchmal ist es sehr anschaulich, Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen. In meiner Diplomarbeit habe ich zum Beispiel transnationale Unternehmen mit Staaten verglichen. Und John Lanchester hat im Guardian im November 2006 Social Networks mit Staaten verglichen und ist für MySpace zu folgendem Schluss gekommen:

It has more than 110m registered users; if it were a country it would be the 10th biggest in the world, just behind Mexico.

Warum dann nicht einmal die Nutzerzahlen der in Deutschland aktiven Social Network-Plattformen mit den Einwohnerzahlen von Bundesländern vergleichen?

Das Ergebnis ist wahrscheinlich eine kleine Überraschung für diejenigen, die dem Social Web immer wieder mangelnde Relevanz attestieren: StudiVZ zum Beispiel käme in dieser Liste bereits an sechster Stelle. Wäre StudiVZ ein Bundesland, lebten dort mehr Menschen als in Sachsen, Rheinland-Pfalz oder Berlin. Hier die ausführliche Liste:

1. Nordrhein-Westfalen 18.058.000
2. Bayern 12.469.000
3. Baden-Württemberg 10.736.000
4. Niedersachsen 7.994.000
5. Hessen 6.092.000
6. StudiVZ 5.427.300 (08/2008, GWP)
7. Sachsen 4.274.000
8. Rheinland-Pfalz 4.059.000
9. Wer-Kennt-Wen 4.000.000 (09/2008, Faktenblatt)
10. SchülerVZ 3.400.000 (04/2008, Pressemitteilung)
11. Berlin 3.395.000
12. Schleswig-Holstein 2.833.000
13. Brandenburg 2.559.000
14. Sachsen-Anhalt 2.470.000
15. Thüringen 2.335.000
16. Lokalisten 2.300.000 (08/2008, Homepage)
17. Xing 2.000.000 (Q1/2008)
18. Hamburg 1.744.000
19. Mecklenburg-Vorpommern 1.707.000
20. Saarland 1.050.000
21. Bremen 663.000

Es fehlen aber noch die Zahlen für Facebook oder Myspace.



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    Wittgenstein 2.0:
    Was sich überhaupt sagen läßt,
    läßt sich twittern.

    off_the_record (via Twitter)

    Jan Schmidt hat (z.B. hier) für seine Analysen der Blogosphäre ein Analyseraster entwickelt, das drei Grundfunktionen von Social Media im Allgemeinen und Blogs im Besonderen unterscheidet:

    • Identitätsmanagement: Meistens ist das persönliche Blog, sofern es nicht anonym geführt wird, einer der ersten Treffer bei der Googlesuche nach einer Person (der bekannte Blogbias der Suchmaschinenöffentlichkeit). Deshalb spielen die dort präsentierten Informationen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, sich ein Bild dieser Person zu machen. Blogs sind also ein Instrument der Selbstdarstellung. Mit ihrer Hilfe kann man sich so darstellen, wie man nach außen wirken möchte (bei Goffman heißt das “presentation of self in everyday life“). Das gilt natürlich auch für andere digitale Identitäten von der klassischen Homepage über das Xingprofil bis zum Lifefeed, aber aufgrund der großen Sichtbarkeit und einfachen Aktualisierung haben Blogs hier eine prominente Bedeutung erlangt.
    • Beziehungsmanagement: Dieser Punkt lässt sich aus dem vorangegangenen Punkt ableiten. Selbstdarstellung ist immer ein sozialer Akt. Sie bedarf eines Publikums, einer Bühne. Weblogs dienen deshalb schon in ihrer einfachsten Erscheinungsform als digitales Tagebuch als Beziehungswerkzeug. Denn auch wenn man nicht explizit für ein Publikum schreibt, die Wahl des Internets als Medium der Selbstdarstellung nimmt Sozialität zumindest in Kauf. Die sich in der Blogosphäre entwickelte Kultur der Verlinkung (culture of links) fördert diesen Charakter noch, insbesondere durch das automatisierte Setzen von Referenzen (Trackbacks und Pingbacks) sowie die Neigung vieler Blogger, ihr soziales Kapital, das mit Angeboten wie Technorati direkt quantifizierbar scheint, zu vermehren.
    • Informations- oder Wissensmanagement: Die beiden ersten Punkte skizzieren die Entwicklung vom digitalen Tagebuch zur entwickelten, gut vernetzten Blogosphäre. Aber man kann die Geschichte der Weblogs auch von einem anderen Startpunkt aus erzählen: der kommentierten Linkliste. In viele frühen Noch-nicht-ganz-Blogs wie zum Beispiel denen von Tim Berners-Lee oder Marc Andreessen bestanden die Einträge aus einer Sammlung Hyperlinks, die teilweise mit kurzen Kommentaren versehen waren, in etwas so wie die gegenwärtigen del.icio.us-Feeds. Hier geht es weniger um Identität oder soziale Beziehung, sondern der Fokus liegt hier auf dem Archivieren und Dokumentieren von Wissen. Diese Funktion findet man auch in vielen zeitgenössischen Weblogs wieder, so lassen sich meine viralmythen auch als elektronischer Zettelkasten betrachten und dienen auch der Vermittlung und Vernetzung von Wissen.

    Keine der drei Funktionen ist neu. Die eigene Identität lässt sich auch über ein papiernes Tagebuch konstruieren, Beziehungen per Visitenkartenaustausch pflegen und Wissen lässt sich in Büchern speichern oder in Briefen austauschen. Weblogs sind jedoch eine ungewöhnliche Kulturtechnik, in der diese drei Funktionen konvergieren und sich gegenseitig steigern lassen.

    Nun stellt sich die Frage, ob das alles auch für Mikrobloggingtechniken wie Twitter, Pownce oder Jaiku gilt. Also: Wie sehen Identitäts-, Beziehungs- und Wissensmanagement im mikrobloggerischen Kontext aus?

    • Identitätsmanagement: Ebenso wie mit Blogs lässt sich auch per Twitter die eigene Identität konstruieren und repräsentieren. Nur: 140 Zeichen sind natürlich viel zu wenig, um komplexe Gedankengänge auszudrücken, so dass es hier meist bei stenographischen Äußerungen bleibt, die sich immer wieder auf neue Technologien, Orte, Fernsehsendungen und Internetseiten beziehen. Viele Twitterati stellen ihre eigene Identität dementsprechend als technikkompetente, hypermobile, prokrastinierende Internetavantgarde mit einem chronisch untererfüllten Schlafbedürfnis dar (“3 Stunden Schlaf ist einfach zu wenig auf Dauer”).

      Bemerkenswert ist die Tatsache, dass man sich hier weniger als das Darstellt, was man ist oder erreicht hat (vergleiche die doch recht konventionellen Lebensläufe bei Facebook oder Xing), sondern als das, was man im Moment tut oder denkt. Für Psychologen ist es nichts neues, aber hier kann man das ganz konkret erfahren: Identität als Prozess.

    • Beziehungsmanagement: Mikrobloggen ist sozial. Vielleicht sogar etwas zu sozial. Denn wenn man nur die Statusmeldungen (“Tweets”) einer Person beobachtet (“follow”), dann wird man schnell bemerken, dass diese für sich nicht entschlüsselbar sind. Immer wieder (unter meinen Twitterkontakten variiert zwischen 1/5 und 1/4 liegen) taucht das Zeichen “@” auf, das für Reaktionen auf andere Tweets steht. Ohne die Ursprungsnachrichten sind diese Tweets unverständlich.

      Insofern besteht ein epistemologischer Anreiz zur Sozialität: Je mehr Kontakten man followt, desto mehr vollständigere Konversationen bekommt man mit (dem ist natürlich aufgrund der Netzwerkstruktur nicht so, denn mit jedem neuen Kontakt kommen neue unvollständigere Gespräche dazu). Mit Twitter lässt sich aber auch eine basale Kontaktpflege betreiben, da es die Grundfunktionen eines Social Networks besitzt (Profil, Kontakte hinzufügen und bestätigen, Avatare).

    • Wissensmanagement: Die Funktion des Wissensmanagements lässt sich mit Twitter, so hat es zunächst den Anschein, denkbar schlecht erfüllen. Denn es gibt nur rudimentäre Möglichkeiten, eigene oder fremde Nachrichten zu speichern und vor allem wiederzufinden. Die einzige Möglichkeit, die Twitter von sich aus mitbringt: Man kann bestimmte Nachrichten anderer Twitterati als Favorit abspeichern. Mittlerweile hat sich aber auch das Taggen von Nachrichten mit Hashtags (z.B. “#politik“) durchgesetzt und wird von Drittanbietern unterstützt, die sich der Twitter-Datenschnittstelle (API) bedienen. Dasselbe gilt für die Suche, auch hierfür gibt es mittlerweile Lösungen. Dennoch: Als digitales Notizbuch lässt sich Twitter schon aufgrund der Beschränkung auf 140 Zeichen nur schwer einsetzen.

      Aber: denkt man nicht nur in den klassischen Kategorien von Informationsspeicherung und -retrieval, dann lässt sich hier doch ein interessantes Potential von Twitter und anderen Mikroblogs erkennen: Die fragmenarischen, oft aphoristischen Meldungen sind immer wieder für Irritationen oder Anregungen gut (bisweilen erinnert das an Brian Enos Oblique Strategies), zudem erhält man auf diese Weise, je nachdem wer die eigenen Kontakt sind, täglich unzählige Links auf andere Internetseiten (Wissen in Gestalt von Hyperlinks). Die unvollständige Sozialität hat auch Folgen für das Wissensmanagement, denn oft sind interessante Gedanken erst in der Abfolge mehrerer – und vor allem verteilter! – Tweets erkennbar. Es kommt zu einer Sozialisierung des Wissens, einem sozialen sechsten Sinn, der sich durchaus in Richtung des Teilhard’schen Noosphäre denken lässt.

    Letztlich lässt sich, glaube ich, recht plausibel die These vertreten, dass auch per Twitter, Pownce und Jaiku Identitäts-, Beziehungs- und Wissensmanagement möglich sind. Aber die Einschränkung auf 140 Zeichen, die nur rudimentäre Vernetzung (es gibt zwar Permalinks, aber Antworten werden auf Personen, nicht Nachrichten bezogen, außerdem fehlen Track- und Pingbacks) sowie das nur wenig ausgearbeite Informationsretrieval lassen das Microblogging zunächst als defizitäre Variante des richtigen “Voll-Bloggens” erscheinen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass in diesen Einschränkungen gerade auch der Reiz und die Innovativität dieses Systems liegen, die Schlagworte lauten: Identität als Prozess, unvollständige Sozialität, aphoristisch-fragmentarisches Wissen. Für Twitter-Soziologen scheint genügend Material da zu sein.

    Nebenbei: Hier geht’s zu meinem Twitter-Feed



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    sw-horz-w3c.pngVor wenigen Tagen zitterten Blogosphäre und Web2.0 vor Aufregung: Yahoo, so hieß es, würde große Nachrichten bekanntgeben, die das Netz zu einem besseren Ort machen würde. Also konnte es schon einmal nicht um die Übernahme durch AOL gehen. Tatsächlich gab Yahoo am Freitag bekannt, dass das Unternehmen sich von nun an als Evangelist des Semantic Web betrachten will.

    Worum geht es im Semantic Web? Die grundlegende Idee ist schnell erzählt: Die Informationen, die wir auf unseren Homepages, in unseren Blogs und Social Networks hinterlegen, sollen maschinenlesbar werden. Die nur für Menschen entzifferbare Aussage “X ist ein Kollege von mir” soll nun zusätzlich mit Hilfe von Mikroformaten wie XFN (kurz für “XHTML Friends Network”) oder FOAF (Akronym für “Friend of a Friend”) derart ausgezeichnet werden, dass ein entsprechender Parser sie verstehen kann. Das kann dann zum Beispiel so aussehen (“friend met” verweist hier auf eine befreundete Person, die der Verlinkende schon im wirklichen Leben getroffen hat):


    <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/" rel="friend met">Marcs Wissenswerkstatt</a>

    Davon erhofft man sich einen besseren Zugriff auf die im Web 2.0 gespeicherten Informationen. So könnte man zum Beispiel mit Personensuchmaschinen auf diese Weise nicht nur erfahren, auf welchen Internetseiten der Name einer Person auftaucht, sondern zudem auch Dinge wie: die eigene Homepage der Person, die Seiten seiner Freunde und Arbeitskollegen, seine Profile bei Facebook, Twitter, Xing usw. Es geht also um die Übertragung der realen Beziehungsnetzwerke (“everyone’s connected”) in die digitale Sphäre (“social graph”). Das Internet wird dadurch sehr viel enger und aussagekräftiger verlinkt als bisher:

    Linked Data is about using the Web to connect related data that wasn’t previously linked, or using the Web to lower the barriers to linking data currently linked using other methods.

    So praktisch das sein mag, wenn es darum geht, seine Freunde und Bekannte im Netz ausfindig zu machen – ganz abgesehen davon, dass ein derart ausgezeichnetes Netz die wildesten Träume vieler Netzwerkanalytiker übertreffen würde –, so problematisch ist diese Entwicklung, was die Missbrauchmöglichkeiten betrifft.

    Was geschieht, wenn meine Seite (und damit meine virtuelle Identität) mit einer Person aus organisiert-kriminellem oder terroristischem Umfeld per Mikroformat verknüpft werden? Die Stärke eines dezentralen Systems (es gibt keinen “Datenbankadministrator, der Gott spielen kann”) werden hier zur Schwäche. Denn: Wer garantiert, dass die Verbindungen zu meiner Person, die auf anderen Webseiten formuliert werden, auch tatsächlich zutreffen? Denn die meisten dieser Formate sind, anders als LinkedIn-, Xing- oder Facebook-Freundschaften, nicht nur dezentral, sondern auch unidirektional, d.h. sie müssen nicht bestätigt werden.

    Verschärft wird dieses Problem noch durch die Permanenz des Internet: wenn einmal an einer Stelle eine Beziehungsaussage über mich getroffen wurde, kann diese möglicherweise nicht mehr gelöscht werden, da sie über Archive aufgefunden werden kann (so scheint das Google Social Graph API, kurz: SGAPI, Beziehungsdaten zu cachen) oder bereits in zahlreiche FOAF-Datensätze auf anderen Seiten integriert wurde. Denn eine sinnvolle Möglichkeit, Beziehungsclaims zu zitieren (“Ich sage, dass Markus gesagt hat, Anne ist mit Peter befreundet”) gibt es meines Wissens noch nicht.

    Das hat zur Folge, darauf hat danbri in seinem VortragSocial Network Portability” am 1. März in Cork hingewiesen, dass derartige Aussagen nicht als Tatsachenaussagen betrachtet werden dürfen, sondern nur als Behauptungen (“Claims”). Ein Semantic Web-Parser muss also in Betracht ziehen, welche Person hinter einer FOAF-Aussage steckt.

    Einen möglichen Ausweg stellen Systeme wie SPARQL (kurz für “SPARQL Protocol and RDF Query Language”) da, die nicht nur die Aussagen aus dem semantischen Netz ziehen, sondern sich darüber hinaus auch dafür interessieren, an welcher Stelle und von welchem Akteur die Aussagen gemacht wurden. Hier geht es also nicht nur um die Frage: “Wer ist mit Peter befreundet?” sondern um “Wer sagt, dass Anne mit Peter befreundet ist?”

    Momentan laufen erste Versuche, WordPress SPARQL-freundlich zu machen (“SparqlPress”). Damit werden zwei Ziele verfolgt: zum einen über einzelne Blogs Daten bereitzustellen, die mit SPARQL abgerufen werden können. Dadurch kann dann zum anderen das eigene Blog in eine automatisch aktualisierte Kontaktdatenbank verwandelt werden. Auf Grundlage der eigenen Kontaktliste können dann Aktivitätsströme erstellt werden, ähnlich zu den Facebook- und Xing-Statusmeldungen oder zu neuen Lifestream-Diensten wie Friendfeed. Mit dem FOAFnaut gibt es auch schon ein graphisches Interface, um das eigene FOAF-Kontaktnetzwerk zu visualisieren.

    Wahrscheinlich lassen sich die Veränderungen, die sich durch die allmähliche Etablierung des Semantischen Netzes für das digitale Identitäts- und Beziehungsmanagement ergeben werden, überhaupt noch nicht in ihrer ganzen Tragweite erkennen. Zwei Punkte scheinen mir jedoch absehbar:

    • Klar ist, dass die in diesem Ausmaß noch nie da gewesene Archivierung und öffentliche Zugänglichkeit von Beziehungsdaten das digitale Identitäts- und Beziehungsmanagement zu einer sehr viel komplexeren Aufgabe machen wird. Das Prinzip “security through obscurity” wird es für diesen Bereich nur noch rudimentär geben: meine sozialen Beziehungen sind nicht mehr Teil der Privatsphäre, sondern öffentlich einsehbar.
    • Das professionelle Reputationsmanagement wird ein sehr wichtiges Geschäftsfeld werden, da für den Normalbürger die Kanäle gar nicht mehr absehbar sind, über die Informationen über die eigene Person verbreitet werden. Früher konnte man sich schon denken, wer ein Gerücht in die Welt gesetzt hat, heute sind es anonyme Maschinen, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen kombinieren und als Ergebnis dann z.B. ein mit Ortskoordinaten versehenes Bild der eigenen Familie ausspucken.
    • Zugleich wird sich dadurch auch das Wesen der Suchmaschinen verändern, die nicht mehr allein zum Abrufen von Textinhalten genutzt werden können, sondern auch zum Abfragen von Beziehungsdaten.

    Frei nach Kisch könnte man also schlussfolgern: Mit den Möglichkeiten des Semantischen Netz wird das Leben schöner, aber unsicherer.



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    meinvz.pngErst lässt man die Blogosphäre ein wenig über den genauen Namen des künftigen StudiVZ für Ex-Studenten spekulieren, dann geht man gegen die Verwendung der Buchstabenkombination VZ vor und schließlich dann die große Enthüllung des neuen Netzwerks meinVZ.

    Wenn man den Buzz beobachtet, den diese Ereignisse in der letzten Zeit in der deutschsprachigen Blogosphäre erzeugt haben, kann man nur zu dem Ergebnis kommen, dass die Strategie zumindest in dieser Hinsicht aufgegangen ist:


    (Monatsansicht)


    (Wochenansicht)

    Gerade die Marke studiVZ, die bisher, was die Erwähnungen in der deutschsprachigen Blogosphäre betrifft, hinter Facebook und MySpace an dritter Stelle gelegen ist, hat sich dadurch an die erste Stelle katapultiert. Dieser Buzz nützt aber auch der Konkurrenz, die dadurch ebenfalls wieder ins Gespräch kommen und zum Teil neue Februar-Höchstwerte erreichen können. Der meinVZ-Hype könnte sich also zu einem neuen Community-Hype entwickeln. Betrachtet man den Querschnitt für gestern und heute, dann erwähnen zwei von drei Blogbeiträgen mit Bezug auf Social Networks eines der Holtzbrinck-VZe:

    Das spiegelt sich dann natürlich auch darin wieder, das die Holtzbrinck-Gruppe gerade die Blogkonversationen dominiert und Bertelsmann, Springer und Burda auf die Plätze verweist:

    Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das in den nächsten Tagen und Wochen weiterentwickeln wird.

    UPDATE: Wie man hier erkennen kann, hat studiVZ gestern weiter Buzz erzeugt und meinVZ ist nun das am zweithäufigsten erwähnte Social Network in der deutschen Blogosphäre. Dabei gab es einen time lag zwischen studiVZ und meinVZ, das erst einen Tag später einen entsprechenden “Sprung” gemacht hat:

    Was schreiben die anderen zum Thema meinVZ?

    • In der Gründerszene gibt’s ein Videointerview mit den StudiVZ-Gründern Michael Brehm und Dennis Bemmann
    • Martin Weigert kündigt den meinVZ-Start an und verursacht eine lebhafte Diskussion.
    • Auf turi-2 gibt es die ersten Screenshots des neuen VZs.
    • Brandkraft hat ein Video entdeckt, das die Zielgruppe von meinVZ darstellen soll.
    • Markus relativiert den Hype etwas und verweist auf eine Le Monde-Karte, auf der man sehen kann, in welchen Netzwerke Nord- und Süd-Amerikaner, Europäer, Afrikaner und Asiaten am liebsten gruscheln.
    • Und Robert Basic findet das alles nicht besonders spannend, während der Sichelputzer nicht davon lassen konnte, es gleich einmal am eigenen Leib auszuprobieren.


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    Xing verwendet das blogistische Maskulinum:

    xing1.png



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    Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann Xing einen persönlichen Newsfeed (“awareness feed”) einbauen würde, wie man ihn aus Facebook kennt:

    xing.png

    Aber ist das wirklich notwendig? Und vor allem: in dieser Form? Denn nicht nur sind, wie Robert bemerkt, die Möglichkeiten bei Xing noch sehr eingeschränkt, diesen Feed zu persönalisieren, indem man einstellt, welche Nachrichten einem wie wichtig sind und vor allem: über welche Kontakte man besonders gut informiert bleiben möchte. So sieht das z.B. bei Facebook aus:

    facebook.png

    Zudem werden nur Xing-interne “Nachrichten” angezeigt: der Feed bleibt also selbstreferentiell, während bei Facebook über diverse Plugins auch externe Ereignisse und Informationen wie zum Beispiel Twitter-Microbloggings angezeigt werden können.

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso Xing sich nun verstärkt darum bemüht, möglichst Facebook-ähnlich zu werden (bevor Facebook wirklich im europäischen Markt Fuß fassen wird), anstatt sich auf die Features zu konzentrieren, in denen es wirklich etwas besonderes zu bieten hat (zudem sich die Debatte um das neue Feature in eine ähnliche Richtung zu bewegen scheint wie anlässlich Facebooks Newsfeed):

    • Da wäre zum einen so etwas wie ein Seriositätsbonus, denn bislang war Xing vor allem ein einigermaßen leicht bedienbares Adressbuch, mit dessen Hilfe gerade Freiberufler oder Jobwechsler ihre Kontakte aufrechterhalten konnten. Bislang gibt es auf Xing noch keine Piraten, Zombies und virtuelle Maßkrüge.
    • Auf der anderen Seite gehört OpenBC/Xing zu den Pionieren, was die alltagspraktische Umsetzung des Netzwerk- oder Smallworlddenkens angeht. Die Anzeige der unterschiedlichen Verbindungspfade zu einer Person ist schlicht genial. Umso weniger ist verständlich, dass man sich anscheinend nur wenig Gedanken darüber macht, wie man das Potential, das darin steckt, verwirklichen kann. Ich denke z.B. an eine echte Möglichkeit, das eigene Xing-Kontaktnetzwerk zu durchwandern (“surfing the social graph”), an die gewichtete Anzeige der eigenen Kontakte nach der Interaktionshäufigkeit bzw. den Profilbesuchen oder anhand netzwerkanalytischer Einflussmaße.


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    Sehr schön zu beobachten, wie Google mit einer Neuentwicklung an die Öffentlichkeit geht, und die Diskussionen darüber, ob Google nun die Welt regieren wird oder nicht, brechen los. Nur, was genau Googles Open Social sein soll, haben wohl die allerwenigsten verstanden. Allmählich lichtet sich der Nebel und die ersten verständlichen Erklärungen tauchen auf. Zuallererst: Open Social ist kein neues Netzwerk. Kein Closed Beta des Facebook von Morgen. Es bringt also nichts, Inviteshare um Einladungen anzuhauen, neue Profilfotos beim Fotografen in Auftrag zu geben und den Lebenslauf noch einmal durchzugehen. Aber wenn kein neues Netzwerk – was ist es dann?

    • Lars Hinrichs zum Beispiel weist im OpenBlog auf die Vorteile offener APIs und Standards hin: “Our members themselves can choose which applications they adopt—who better? The freedom of such an approach is infinitely superior to a walled garden approach.”
    • Marc Andreessen erklärt: “Open Social’s API is based entirely on Javascript. If you know HTML and Javascript today, you will be able to immediately use Open Social to turn your web applications and web sites into Open Social apps.” Dabei geht es um zwei verschiedene Komponenten: Container (darunter sind z.B. soziale Netzwerke wie Ning, OpenBC oder MySpace zu verstehen) und Applikationen. Der Witz an Open Social ist, dass die Netzwerke weder an bestimmte Container gebunden sind, noch an bestimmte proprietäre Sprachen wie es zum Beispiel bei den Facebook-Anwendungen der Fall ist.
    • Die von Google bereitgestellten JavaScript-Anwendungen ermöglicht also den Programmierern von Anwendungen für Social Software, in drei Dimensionen Informationen aus einem (oder mehreren) bestimmten Netzwerk(en) abzurufen: Profil-Informationen (Name, Adresse, Beruf), Kontakte (“Freunde”) sowie Aktivitäten (z.B. Feeds). Dimension2K ist begeistert: “Zumindest aus Entwicklersicht bietet OpenSocial fast unendlich viele Möglichkeiten, Applikationen für diverse Networks zu schreiben, ohne sich dabei ständig mit neuen Markup-Sprachen auseinandersetzen zu müssen.”
    • Ob auch ein Authentifizierungsmechanismus dabei sein wird, ist nicht ganz klar. Fischmarkt befürchtet, das könnte das Ende von OpenID bedeuten.

    Also: Open Social ist zunächst vor allem für Programmierer interessant, die Anwendungen für Social Networks schreiben wollen oder verschiedene Social Networks miteinander vernetzen wollen (Cem Basman nennt das “seamless social networking”, ich würde es eher “noserubbing” nennen). Aber damit ist noch nicht gesagt, dass das von Google für den 5. November angekündigte “Second Generation Social Network” (GoogleContacts?) nicht auf der Grundlage von Open Social das ein oder andere spannende Alleinstellungsmerkmal besitzen wird.

    Was könnte daraus entstehen?

    • Eine erhebliche Expansion des Marktes für Social Software-Applikationen
    • Sehr viele, differenzierte Nutzerprofile, die sich für gezielte Werbevermarktung nutzen lassen (à la Facebook Flyer). Durch die Vernetzung der Profile entsteht, so finyard, eine “unglaubliche Flut an persönlichen Daten, die sich wunderbar in personalisierte Werbung umwandeln lässt.”
    • Ein Soziales Netz der Netze, das zum Beispiel als Informationskanal genutzt werden kann (“Publicity Network“)
    • Ein Brücken-API, das früher oder später die Mobilität zwischen sozialen Netzwerken kontrollieren wird und Google eine weitere Monopolstellung ermöglicht (Andreas Göldi fasst das mit “Kontext ist King” schön zusammen)
    • Vielleicht, wie auch Robert Basic hofft, irgendwann eine stärkere Interoperabilität der Social Network Services, die bedeutet, dass ich die Dienste eines Netzwerkes auch aus einem anderen heraus nutzen kann.
    • Das Netzwerkparadigma wird sich weiter durchsetzen und Leuten wie mir, die sich mit der social network analysis befassen, viel Freude und harte Arbeit verschaffen. Yes!


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    Viel wurde bereits geschrieben über die Einzig- oder Neuartigkeit des sozialen Netzwerks Facebook. Für mich sind es folgende vier Merkmale, die einen Unterschied machen und mit denen Facebook seinen Konkurrenten deutlich voraus ist:

    1. Natürlich ist die Strategie, Third Party Applications nicht nur zuzulassen, sondern bewusst in das System zu integrieren, eine geniale Entscheidung gewesen. Dass auf vielleicht 10-20 brauchbare Anwendungen massenhaft Schrott kommt, ist wahrscheinlich nicht einmal ein schlechtes Verhältnis.
    2. Der zweite Vorteil von Facebook gegenüber anderen professionellen sozialen Netzwerken ist, dass man ständig das Gefühl hat, dass sich etwas tut. Im Unterschied zu Xing bekommt man hier immer wieder Nachrichten darüber, was der eigene “Freundeskreis” gerade tut, schreibt, ausprobiert etc.
    3. Damit eng verbunden ist die Möglichkeit, die eigenen Kontakte mit ausgesprochen niedrigschwelligen Kommunikationsformen zu erreichen. Die Schwelle, einem Kontakt bzw. vielen Kontakten eine Email zu schreiben oder etwas ins Gästebuch zu tippen, dürfte einiges höher liegen, als ein Webfundstück oder einen Blogeintrag als “Notiz” kurz zu kommentieren und ins System zu “heften”. Der Witz ist, dass man in Wirklichkeit nicht nur “heftet”, sondern dass die Notiz direkt auf die Facebook-Startseite von zahlreichen der eigenen “Freunde” gelangt.
      post.png
      Eine Push-Kommunikation, die sich als Pull-Kommunikation verkleidet hat. Dasselbe passiert, wenn einer der Kontakte in einer der zahlreichen Gruppen etwas schreibt: per Startseite wird meine Aufmerksamkeit genau dorthin gelenkt.

    4. Viertens spricht auch die Binsenweisheit “Die Leute wollen dort sein, wo auch die anderen Leute sind” für Facebook. Man braucht nur einen Blick darauf werfen, welche namhaften Soziologen und Medienwissenschaftler (als Fake oder in Person) dort angemeldet sind und sich z.B. an Diskussionsgruppen beteiligen, um zu verstehen, warum dieses Netzwerk momentan in bestimmten professionellen Milieus konkurrenzlos ist.


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    Einen interessanten Versuch der Klassifikation (digitaler) sozialer Netzwerke hat Robert Peck, Internetanalyst bei Bear Sterns unternommen. Er unterscheidet vier verschiedene Typen:

    1. Freizeitorientierte Seiten (“leasure-oriented sites”)
    2. Berufsorientierte Seiten (“professional networking sites”)
    3. Medienorientierte Seiten (“media sharing sites”)
    4. Begegnungsorientierte Seiten (“virtual meeting place sites”)

    Zu der ersten Form, den freizeit- oder unterhaltungsorientierten Seiten rechnet er zum Beispiel MySpace, Facebook, Orkut oder Friendster. Also alles Seiten, auf denen sich die Benutzer mit anderen in Kontakt setzen, um sich über bestimmte Bands, Hobbies etc. auszutauschen oder Spiele miteinander spielen (z.B. Roshambull auf Facebook). Die Berufsorientierten Seiten wie LinkedIn (oder Xing, wäre hier zu ergänzen) dienen vor allem Karrierezwecken, also dem Ziel der Vernetzung mit Personen, die für die eigene berufliche Tätigkeit relevant sind. Medienorientierte Netzwerke wie YouTube oder Flickr benutzt man, um Videos oder Bilder miteinander auszutauschen. Schließlich sind noch virtuelle Räume wie Second Life aufzuführen, in denen man sich, vermittelt über Avatare und simulierte Architekturen, in einem virtuellen dreidimensionalen Raum begegnen kann. Seiner Ansicht nach werden diese Netzwerke früher oder später die Rolle der klassischen Internetportale wie Yahoo! übernehmen, vor allem, weil sie mittels Widgets andere Informationen (Wetter, Musik, Horoskope etc.) integrieren können.

    Den kommenden Trend sieht er in der Ausweitung von digitalen sozialen Netzwerken auf mobile Clients, die es ermöglichen, dass der Benutzer praktisch ununterbrochen (auch unterwegs) in seinem Netzwerk präsent ist. Dabei spielen GPS-Geräte eine große Rolle, die durch die Positionsangabe dem Netzwerken eine neue “real world dimension” hinzufügen können. Allerdings verwendet nur ein geringer Teil der Mobiltelefonienutzer (17%) auch das mobile Internet.

    In Anschluss an die Präsentation, die Yahoo nahe legt, (digitale) soziale Netzwerke ernst zu nehmen (und zum Beispiel Facebook zu kaufen) wird zum Beispiel hier darüber diskutiert, inwiefern es sich bei diesen Netzwerken nicht um ein Phänomen handelt, das von Anfang an die Entwicklung des Internets begleitet hat (also vom Usenet über BBS, AOL, Geocities bis hin zu Friendster, Myspace, LinkedIn, Facebook und Twitter. Außerdem wird daran erinnert, dass Yahoo! 1999 mit der Übernahme von Geocities (für 3,5 Mrd. USD) schon einmal versucht hat, in das Social-Networkingbusiness einzusteigen. Andere bemerken, dass sich Yahoo! mit seinen eigenen Netzwerken (360°, del.icio.us, Yahoo Answers, Geocities, Flickr und dem Yahoo Messenger nicht hinter Facebook zu verstecken braucht, sondern versuchen sollte, diese Dienste einfacher zugänglicher zu machen und vor allem in eine einheitliche Oberfläche zu integrieren. (via)



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