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Ernährungswissenschaftlerin warnt vor Schnitzel-Community? Der ganze Wahnsinn des Web 2.0

Gerade wollte ich ansetzen, mich fair und objektiv mit der neuesten Analyse der Süddeutschen Zeitung zum Thema Web 2.0 auseinanderzusetzen. Unter anderem hätte ich darauf verwiesen, dass es durchaus einen ernst zu nehmenden Trend gibt, die tägliche Informations- und Kommunikationslast intelligent zu begrenzen. Auch ein paar soziologische Theoriestücke hätte ich an der Stelle einbauen können, die behaupten, dass dieses Problem des Wissens- und Informationsmanagement ein charakteristisches Signum der entwickelten Wissensgesellschaft ist und uns noch eine ganze Weile begleiten wird. Dann hätte ich aber verdeutlichen müssen, dass ich die Trennung zwischen der Welt der sozialen Netzwerke und der “wirklichen Welt” (bzw. “der virtuellen Ersatzwirklichkeit”) für eine effekthaschende Scharlatanerie halte, auf die nur jemand reinfallen kann, der noch nicht bemerkt hat, dass Online und Offline sich mittlerweile so sehr verschränkt haben, dass es immer schwieriger zu sagen ist, wo das eine aufhört und das andere beginnt – schon einmal einen Geldautomaten bedient? (Wahrscheinlich sind es dieselben Leute, die auf so einen Gedanken kommen, die auch noch nicht begriffen haben, dass Globalisierung und Lokalisierung kein Gegensatz mehr sind) Zumindest hätte ich in so einem Beitrag aber klarstellen müssen, dass asoziale Netzwerke wie Hatebook, Snubster und Getafirstlife vielleicht doch nicht ganz so ernst gemeint sind. Je häufiger ich mir den Artikel von Jean-Michel Berg durchgelesen habe, desto mehr ist mir die Lust an so einem Post vergangen.

Denn jetzt bin ich überzeugt davon, dass in den nächsten Tagen in der SZ eine Ernährungswissenschaftlerin in einem großen Interview zu den Auswirkungen von schnitzlr auf den Ernährungszustand der Bevölkerung befragt werden wird.



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    god.pngAm 22. September wird Marc vom Wissenswerkstattsblog in Bamberg etwas über den “schwierigen Weg zur Wissenschaft 2.0″ erzählen. Darin wird es (sofern sich der Vortrag nicht allzustark von diesem ersten Abstract weg entwickelt hat) vor allem um die spannede Frage gehen, warum die akademische Welt so große Schwierigkeiten hat, sich dem neuen Netz zu öffnen. Mit einigem systemtheoretischen Theoriefundament kommt Marc dann zu seiner These: “so wie sich das Internet gerade in der Spielart des Web 2.0 präsentiert und konstituiert, stellt es eine Provokation und gleichzeitig eine Heraus­forderung für das etablierte Wissenschaftssystem und seine tradierten Publikationspraxen dar.” Vor allem die folgenden vier Punkte beschreiben die Probleme der Wissenschaft (welcher eigentlich? bzw: gilt dies auch für die Naturwissenschaften?) mit dem Read/Write-Web:

    1. Das grundlegende Erfordernis, die Systemgrenzen der “Wissenschaft” stabil zu halten (Stichwort: “Wahrheitsfähigkeit”), verhindert eine allzu große Öffnung zu anderen Gesellschaftsbereichen (vulgo: Subsystemen). Aber: Inwiefern ist das wirklich ein Problem? Da Wissenschaftlichkeit ein Kriterium ist, das stets durch einen Beobachter zugewiesen wird, kann dies doch ebenso auf elektronische Kommunikationen und kollaborative Prozesse angewendet werden.
    2. Im neuen Netz wird die Grenze zwischen Wissensproduktion und -darstellung unscharf. Die Frage ist, ob man hier wirklich, gerade von einem systemtheoretischen Unterbau aus, von einer kategorialen Trennung sprechen sollte. Schließlich sind doch beides kommunikative, auf Anschlussfähigkeit ausgelegte Akte (der romantisch-genialische Geisteswissenschaftler, der erst Jahrzehnte nach seinem Tod rezipiert wird, ist sicher eine Extremfigur). Oder: Wissenschaftskommunikation ist Wissensproduktion.
    3. Das kollaborative Schreiben führt zudem dazu, dass Autorschaft nicht mehr einwandfrei zugerechnet werden kann. Dazu würde ich sagen, dass die Zuschreibung von Autorschaft, gerade wenn es um Entdeckungen und Erfindungen geht, schon immer problematisch gewesen ist. Aber dafür haben wir schließlich die Wissenschaftsgeschichte, die dann genau diese Zuschreibungen leistet. Übrigens können auch Wikipedia-Wissenskommunikationen können mit den entsprechenden (neuen) Werkzeugen in ihren Autorenbeiträgen aufgeschlüsselt werden, wie ich gerade gelesen habe (vgl. dazu diesen Beitrag).
    4. Mit dem bisherigen Fokus auf die Frage des Open Access (und damit: der Zirkulation von Wissen) – ich würde an dieser Stelle auch noch auf die ebenfalls einflussreiche Debatte um “Public Understanding of Science” (PUS) hinweisen, in der es ebenfalls vor allem um die Kommunikation und Rezeption bereits produzierten Wissens geht – verstellt sich die Wissenschaft den Blick auf die neue spannende Frage danach, wie Wissen kollborativ und offen produziert werden kann.

    Die Frage, die mich an diesem Thema besonders interessiert, wäre allerdings: Entwickeln sich im neuen Netz tatsächlich neue wissenschaftliche Textgenres (also neben dem Artikel, der Monographie und der Presentation)? Gerade dem Bloggen würde ich in dieser Hinsicht ein hohes Innovationspotential zusprechen, da es sich in einem Punkt deutlich von den anderen wissenschaftlichen Textsorten unterscheidet: in der Eindringlichkeit der Kommentierungen. Seitdem es durch das exponentielle Wachstum wissenschaftlicher Veröffentlichungen einer einzigen Person nicht mehr möglich war, alle relevanten Texte auch nur im eigenen Fachgebiet vollständig zu rezipieren, konnte man Kommunikationen (Nachfragen, Kritiken, Vorschläge) ignorieren ohne damit ein großes Risiko einzugehen. Genau das ist in Weblogs nicht möglich, da die Antworten auf die eigenen Texte am selben Ort erscheinen wie die Ausgangstexte. Das Ignorieren wird damit beobachtbar und nahezu zwangsläufig zugerechnet. Oder anders ausgedrückt: das Prinzip der Anschlussfähigkeit gerät sehr viel stärker ins Blickfeld des Autors sowie anderer Beobachter.

    Interessanterweise wurde gerade jetzt wieder einmal die Frage nach den “bloggenden Professorengestellt und die zahlreichen Antworten demonstrieren, dass man hier eigentlich nicht mehr von einem Ignorieren des Web 2.0 sprechen kann. Eine wachsende Zahl von Akademikern in unterschiedlichen Disziplinen streckt ihre Fühler schon in diese Richtung aus.

    Und noch etwas: Gerade ist Burda bei der US-amerikanischen Seed Media Group eingestiegen, die man nicht nur ihres interessanten Seed Magazines wegen im Auge behalten sollte, sondern auch, weil dazu mittlerweile bereits 65 Wissenschaftsblogs gehören. Und wie sehen die Pläne der Burda Media Group aus? Nach Marcel Reichart, Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung, soll bereits im nächsten Jahr die deutsche Version von Scienceblogs starten.



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