Archive for the 'wissenschaft2.0' Category

Fachzeitschriftsblogger gesucht

Was mir als ketzerischer bzw. nicht ganz ernst gemeinter Gedanke zu Marcs Lob der SAGE-Pseudoöffnung durch den Kopf geht: Sollte man nicht dankbar sein für jeden Fachverlag, der seine Texte nicht ins Internet stellt? Schließlich ist das Problem nicht, das man sich als Wissenschaftler langweilt, weil man nichts zu lesen hat, sondern im Gegenteil: es ist immer viel zu viel!

Hier könnte eine Aufgabe von Wissenschaftsblogs liegen: in der Selektion und Bewertung von Informationen. Die RSS-Feeds der akademischen Zeitschriften sind zum Teil grottenschlecht, so dass man nicht erkennen kann, wer den Artikel geschrieben hat und ob es ein Essay oder eine Rezension ist. Fachzeitschriftsblogger wären eine interessante Einrichtung, die neu erscheinende Zeitschriften kurz zusammenfassen – und das natürlich nicht in dem üblichen Ich-fasse-einen-80.000-Zeichen-Text-so-weit-zusammen-dass-er-in-sechs-Zeilen-passt-und-nur-noch-aus-abstrakten-Substantiven-besteht-Abstractgeholze. Also eher locker, flapsig – unplugged eben. Jan Schmidt hat es in diesem Beitrag zur neuen JCMC schon einmal vorgemacht: Titel, Abstract und Kurzkommentar.

Und jetzt kommt sogar noch eine konkrete Idee, wie man das machen könnte (Marc, bitte zuhören): Alle Wissenschaftscafé-Blogger könnten sich auf einen Tag, mit dem Sie Beiträge dieser Art kennzeichnen, einigen. Dann bräuchte man nur noch die entsprechende Kategorie aufrufen oder abonnieren und erhielte alle möglichen Notizen zu neu erscheinenden Zeitschriften – intelligente Aggregation. Ich könnte dann endlich ruhigen Gewissens all diese Zeitschrifts-RSS-Feeds abbestellen, die meinen Feedreader zur Zeit so belasten.



Verwandte Artikel:
  • Was ist ein Blog?
  • Wie berechenbar wir doch auf Google suchen…
  • Warum twittern die deutschen Unternehmen? Warum sollten Verlage twittern?
  • Die Struktur der Wissenschaft

    Eine der zentralen Fragen der Wissenschaftsforschung lautet: Welche Struktur hat das System der Wissenschaft? Insbesondere die quantitativen Wissenschaftsforscher (Scientometricians) haben sich vorgenommen, aus dem Zitierverhalten in wissenschaftlichen Publikationen abzulesen, wie sich die Disziplinen und Subdisziplinen zueinander verhalten. Mit dem Science Citation Index (SCI) des Institute of Scientific Information (ISI) gibt es eine umfangreiche Datenbank, aus der man zum Beispiel genau ablesen kann, in welchen Journals wie oft auf welche andere Journals verwiesen wird und ob diese Verweise auch erwiedert werden. Ein Paradies für Netzwerkforscher!

    In ihrem jüngsten Papier “A Global Map of Science Based on the ISI Subject Categories “versuchen Loet Leydesdorff und Ismael Rafols auf Grundlage von Faktoren- und Netzwerkanalysen der 22 Hauptkategorien und 172 Themenfelder des ISI den Zusammenhang der wissenschaftlichen Disziplinen und Subdisziplinen zu ergründen (aufgrund der unterschiedlichen Zitierverhalten geht es dabei nur um naturwissenschaftliche Felder, also die englischen sciences). Dabei sind sie auf 14 Makrodisziplinen und drei große Cluster gestoßen:

    • Biologie-Medizin,
    • Physik-Material-Ingenieurswissenschaften-Informatik
    • Umwelt-Ökologie-Geowissenschaften

    Unter den 14 Makrodisziplinen sind die Biomedizin (gelb), aber auch die Chemie (orange), was die Zitierhäufigkeit angeht, besonders prominent (interessanterweise sind die Wikipedia-Einträge zur Biomedizin trotz ihrer innerwissenschaftlichen Bedeutung sehr klein bzw. unvollständig)

    (Hier gibt es diese Karte in groß und navigierbar.)

    Man sieht deutlich, dass die Chemie eine vermittelnde Position (“broker”) zwischen dem medizinischen Pol links und dem “hard-science”-Pol auf der rechten Seite einnimmt. Aber es gibt auch noch eine Verbindungslinie zwischen der Informatik und einigen medizinischen Spezialfeldern sowie eine Verbindung über das Umweltthema. Geht man auf die Ebene der Unterkategorien, so zeigt sich, dass auch die Biologie als interdisziplinäres Feld betrachtet werden kann.

    Sehr erfreulich ist, dass das Forscherteam ihre Datengrundlage als Excel-Datei zur Verfügung stellen, so dass andere die Möglichkeit haben, ihre Schlussfolgerungen zu überprüfen.



    Verwandte Artikel:
  • Wissensblogs gestartet
  • Wie ernst meint es die Wissenschaft mit dem Dialog?
  • Wie berechenbar wir doch auf Google suchen…