Archive for the 'wissenschaft' Category

Woher kommen die Nutzer?

Gerade habe ich bei Turi2 folgendes Zitat von Manfred Hasenbeck (Burda-Yukom) gelesen:

Sie können heute die schönsten medialen Weihnachtsbäume ins Netz stellen. Wenn der Rezipient nicht weiß, dass es sie gibt, wird er sie nicht finden.

Ganz ähnliche Kommentare habe ich in den letzten Tagen auch immer gehört, wenn es um die Produktion neuer, zum Teil crossmedialer Angebote der Wissenschaftskommunikation geht: “Was ist denn, wenn wir mit großem Aufwand tolle Filme über Wissenschaftler herstellen, und dann findet diese Filme niemand im Netz?”

Der Denkfehler liegt darin, dass es gar nicht so sehr darum geht, dass die Rezipienten (hoffentlich landet dieses Schimpfwort zusammen mit dem Konsumenten auf dem diskursiven Müllhaufen) selbst diese Inhalte finden. Natürlich guckt der normale Nutzer nicht täglich auf die Seiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um nachzusehen, ob es da womöglich neue Multimediainhalte gibt. Was für eine seltsame Vorstellung.

Nutzer suchen nach Themen. Die meisten suchen auf Google. Deshalb gilt: Wenn die Inhalte gut sind und über Suchmaschinen wie Google gut auffindbar sind (also gut verschlagwortet), dann werden sie gefunden. Wenn ich meine Angebote im Deep Web verstecke, brauche ich mich nicht wundern, dass sie nicht gefunden werden.

Also: stellt eure schönen medialen Weihnachtsbäume ins Netz, sorgt dafür, dass Google damit etwas anfangen kann. Wenn die Inhalte gut sind, dann werden die Nutzer auch kommen.



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    Nächste Woche geht’s nach Bremerhaven, um dort in einem Workshop des Symposiums der Initiative “Wissenschaft im Dialog” etwas zum Thema Wissenschaftsbloggen zu erzählen. Das Programm für meinen Input sieht in etwa so aus:

    Die Zeichen stehen auf Öffnung. Public Understanding of Science, Wissenschaftskommunikation oder Wissenschaftsmündigkeit – mit Schlagworten wie diesen wird gerade in den letzten Jahren immer stärker eine Wissenschaft gefordert, die nicht nur forscht, sondern auch kommuniziert, ja gar in einen Dialog mit der Öffentlichkeit tritt. Die Wissenschaftler sollen also endlich ihre Alchemistenlabors verlassen und der Welt mitteilen, was sie tun und was das für die Gesellschaft bedeutet.

    Sind Blogs als typische dialogische Medien der Königsweg zu diesem Ziel? Wie lassen sich Blogs für die interne und externe, formelle und informelle Wissenschaftskommunikation einsetzen? Welche Arten wissenschaftlicher Blogs sind tatsächlich in der freien Wildbahn (in erster Linie der deutschsprachigen Blogosphäre) zu beobachten? Wo liegen die spezifischen Vorteile von Weblogkommunikationen und welche Herausforderungen für Öffentlichkeit und Wissenschaft sind damit verbunden?

    In meinem Referat werde ich versuchen, einige Antworten auf diese Fragen vorzustellen – verbunden mit einigen praktischen Anregungen, das Wissenschaftsbloggen selbst einmal auszuprobieren.

    Sehr gut gefällt mir, dass es nicht nur um das übliche public understanding of science einer erwachsenen Öffentlichkeit geht, sondern dass die Veranstalter Wissenschaftskommunikation bereits im Kindergarten beginnen lassen. Ich glaube, dass wir mehr derartige ganzheitliche, lebenslange Herangehensweisen benötigen.

    Warum sollte man nicht auch schon in der Grundschule anfangen, mit den Schülern über den Umgang mit sozialen Medien zu sprechen? Dabei könnten nicht nur die Schüler einen Eindruck von den Möglichkeiten aber auch Gefahren der digitalen Werkzeuge (SchülerVZ, Wikipedia, ICQ etc.) erlangen, die sie sowieso nahezu täglich verwenden. Auch die Lehrer könnten ein realistisches Bild davon bekommen, wie das Aufwachsen in einer hochmedialisierten Gesellschaft aussieht. Howard Rheingold scheint sich gerade intensiv mit diesen Fragen zu befassen – ich bin gespannt, welche Ideen zu einer Lebenslangen Medienpädagogik oder vielleicht besser: einem Lebenslangen Mediendialog noch alle auftauchen werden.



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  • Mit kollegialen Grüßen …

    Gerade eben habe ich von der Post ein Päckchen mit einem Stapel Sonderdrucke meines Aufsatzes über “Amtliche Statistik, Sichtbarkeit und die Herstellung von Verfügbarkeit” (DOI: 10.1007/s11609-008-0005-8) bekommen, dem aktuellen Berliner Journal für Soziologie abgedruckt wurde. Es handelt sich bei diesem Medium (Fachbezeichnung: Separatum) mit Sicherheit um eine aussterbende Art. Da die Aufsätze sowieso für die Onlineausgaben der Zeitschriften ins PDF-Format umgewandelt werden, wenn sie nicht schon in diesem Format gedruckt wurden, ist es viel günstiger und praktischer, Sonderdrucke als digitale Dokumente zu verschicken. Spätestens wenn der letzte Soziologie-Professor einen Email-Account besitzt, wird sich das wohl durchsetzen.

    Die Wikipedia definiert den Sonderdruck wie folgt:

    Sonderdrucke oder Separata sind die Einzeldrucke eines Zeitschriftenartikels oder eines Beitrags in einem Sammelband. Sie dienen dem Autor (den Autoren) als Belegexemplar und zum Versand an interessierte Fachkollegen.

    Der Schluss dieser Definition verweist jedoch auf die eigentliche Bedeutung des Sonderdrucks als akademischen Ritualgegenstand. Durchforstet man die Nachlässe von Professoren, so findet sich dort zumeist ein großer Stapel von vergilbten Sonderdrucken, die befreundete – oder befeindete – Peers ihnen zugeschickt haben. Meist findet sich dabei noch eine darangeheftete Visitenkarte oder ein handschriftlicher Vermerk à la “mit kollegialen Grüßen”. Dieser symbolische Überschuss lässt sich freilich mit den digitalen Nachfolgern des Sonderdrucks nicht auffangen. Insofern handelt es sich bei den momentan noch versandten Sonderdrucken um eine Art Luxusobjekt, einen Gegenstand aus einer zunehmend verblassenden Symbolwelt.

    Wer unter den Leserinnen dieses Blogs – eines fast schon zu digitalen Mediums – einmal in den Genuss eines mit handschriftlichen kollegialen Grüßen versehenen Sonderdrucks kommen möchte, hat jetzt die Gelegenheit dazu. Ein guter Kommentar zu diesem Beitrag genügt, und ich führe dreimal diesen alten akademischen Ritus des “Sonderdruck-Zueignens” aus.



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  • Workshop zur Twitterforschung auf der Netnography08


    Ein Hinweis in eigener Sache. Ich wurde gefragt, ob ich anlässlich der Münchener Tagung “Netnography08” am 12. Juni etwas zu aktuellen Entwicklungen in der Welt der Communities, Foren, Blogs und Online-Portale erzählen möchte. Da ich mich gerade sowieso mit diesem Thema auseinandersetze und zu gerne einmal den Doyen der Internetethnographie und begeisterten Blogger Robert Kozinets live erleben möchte, habe ich zugesagt, einen Workshop zum Thema “Twitter als (n)etnographisches Feld” abzuhalten.

    Denn spätestens seit Anwendungen wie dem wunderbaren Emotool Twistory, den diversen Buzz-Maßen wie Twist oder seit Mario Scheuermanns kurzen Analysen von Weinsorten-Tweets ist mir klargeworden, was für eine faszinierende Datenquelle das Gezwitscher der mittlerweile über eine Million Twitternutzer – mich eingeschlossen, siehe twitter.com/furukama – darstellt. In meinem Workshop werde ich je nach Vorwissen der Teilnehmer einen kurzen Überblick über Twitter geben (und bei der Gelegenheit hoffentlich noch einige zur Konversion bewegen können) und anschließend ein paar Gedanken und praktische Beispiele zur Twitter-Ethnographie präsentieren – ich bin zwar nur Nebenfach-Ethnologe, aber trotzdem.

    Natürlich dürfen auch ethische Erwägungen nicht zu kurz kommen, denn man hat es hier schließlich zum Teil mit recht persönlichen Äußerungen zu tun. Hier gilt es, die üblichen ethnographischen Standards – zum Beispiel Offenlegung der eigenen Ziele, Anonymisierung der Äußerungen, Rückkopplung der Ergebnisse an die Befragten – ernst zu nehmen. Wer Lust hat, sich mit mir zum Thema angewandte Twitterforschung auszutauschen, sollte sich den 12. Juni schon einmal vormerken – oder am besten gleich anmelden, denn bis Donnerstag gilt noch der Frühbuchertermin.



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  • Blogclouds: Die dynamischsten Wissenschaftsblogs II/08

    Blogcharts überall: Die Deutschen Blogcharts wurden aktualisiert (was diesem Blog den erfreulichen 100. Platz einbrachte), die Wissenschaftsblog-Charts des Wissenschafts-Cafés gibt es in einer neuen Ausgabe und auch die Medienblogcharts wurden auf den jüngsten Stand gebracht (unter dem schönen, wenn auch nicht ganz zutreffenden Titel “Bloggerland scheint ausgebrannt“. Deshalb hier ebenfalls ein Blick auf die aktuellen Veränderungen in der Blogdynamik.

    Kurze Erklärung: Diese Blogclouds zeigen den Zuwachs der Verlinkungen (gemessen durch Technorati) in den letzten 30 bzw. 7 Tagen. Dabei handelt es sich um den absoluten Zuwachs, das heißt: wenn ein Blog von 2 auf 12 Punkte klettert wird das genauso gewertet als ein Blog, das von 202 auf 212 Punkte wächst. Junge Blogs haben dadurch einen leichten Vorteil, da sie nur zulegen können, denn Technorati misst die Links innerhalb von sechs Monaten. Erst mit einem Alter von mehr als sechs Monaten können Blogs Links verlieren. Je größer der Name des Blogs in der Blogcloud, desto größer der absolute Zuwachs.

    Hier die aktuelle Blogcloud der Wissenschaftsblogs:

    Die 25 dynamischsten Wissenschaftsblogs (30 Tage)

    Viel hat sich nicht geändert in den letzten zwei Wochen. Die meisten Blogs sind also auf ihrem Wachstumskurs geblieben. Neu dabei ist das Scholarz-Blog, das Begleitblog zu einer an der Uni-Würzburg entwickelten Forschungs-Social-Software. Dieses Blog hier hat ebenfalls ein deutliches Wachstum hingelegt. Ansonsten setzt sich die Blogcloud immer noch zur Hälfte aus Scienceblogs zusammen, die eine wachsende Aufmerksamkeit in der Blogosphäre auf sich ziehen konnten. In den letzten 30 Tagen hat die gesamte Subblogosphäre der Wissenschaftsblog weiter zugelegt und 603 Links dazugewonnen (fast 15 Prozent).

    Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man nur die Entwicklungen der letzten sieben Tage betrachtet:

    Die 25 dynamischsten Wissenschaftsblogs (7 Tage)

    In diesem Zeitabschnitt haben andere Blogs wie zum Beispiel das Weiterbildungsblog “Informelles Lernen“, das Blog der “Forschungsgruppe Kooperationssysteme” der Bundeswehruniversität Neubiberg, die Klimalounge, die soeben durch eine spektakuläre Wette Aufsehen erregt hat, sowie die Kulturwissenschaftliche Technikforschung. Vielleicht schaffen es ja einige dieser Blogs ihr Moment auch in die Monatswertung einzubringen.



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    Eine weitere interessante Maßzahl kann nun über die metaroll-Channels abgerufen werden: die quantitative Entwicklung der Technorati-Authority eines Channels bzw. einer Subblogosphäre. Was bedeutet das? Während über die Sparklines der einzelnen Blogs abgelesen werden kann, ob ein Blog in den letzten 30 Tagen Links dazugewonnen oder verloren hat, kann man mit der neuen Maßzahl Aussagen über eine gesamte Subblogosphäre treffen, z.B. über die Wissenschafts-, Medien-, Karriere- oder Foodblogs. Diese Angaben findet man ganz unten auf den Channelseiten, direkt über der dynamischen Blogcloud:

    Die 282 in der metaroll verzeichneten Wissenschaftsblogs haben im Beobachtungszeitraum 637 neue Links dazugewinnen können. Wobei es sich hier um den Nettozugewinn handelt, denn im selben Zeitraum gab es selbstverständlich auch Verluste, die jedoch in der Zahl schon berücksichtigt sind. Die Wissenschaftsblogosphäre hat damit um fast 16 Prozent zugelegt. Ein ziemlich beachtliches Ergebnis, insbesonders wenn man es im Vergleich mit den anderen Subblogosphären betrachtet.

    Denn die 79 verzeichneten Medienblogs haben im selben Zeitraum sogar 176 Links verloren. Ihre Technorati-Authority ist damit um fast 2 Prozent geschrumpft. Zumindest hier scheint der Spruch vom ausgebrannten Bloggerland einigermaßen zuzutreffen. Noch stärker hat es die 76 Foodblogs getroffen. Sie mussten 158 Links abgeben, was einen Rückgang um über 3 Prozent bedeutet. Die 90 Jobblogs der metaroll konnten dagegen 98 Links dazugewinnen, was ein Wachstum von knapp 3 Prozent bedeutet. Wenn man sich die Zahlen nur für die letzten sieben Tage betrachtet, bleibt der Trend ähnlich, wenn auch deutlich schwächer: Wissenschaftsblogs +2%, Medienblogs -0%, Jobblogs +2%, Foodblogs +0%.

    Kurz: Während die Jobblogs nur leicht zugelegt haben und die Food- und Medienblogs sogar an Technorati-Authority verloren haben, haben die Wissenschaftsblogs in der letzten Zeit einen regelrechten Boom erlebt. Das hat sich dann unter anderem auch darin ausgedrückt, dass endlich wieder ein Wissenschaftsblog unter den Top 100 Blogs in Deutschland vertreten ist.



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    Okay, ich muss zugeben, dass die Formulierung “Bücher liest ja keiner mehr” ein bisschen arg zugespitzt ist. Ich merke es aber an mir selbst: In meiner wissenschaftlichen Arbeit rezipiere ich immer mehr online verfügbare Texte – ganz gleich ob es um die sogenannte “graue Literatur”, Aufsätze in Onlineausgaben von Fachjournals (am besten Open Access) oder um digitale Buchausgaben geht. Aber auch Blogs spielen für mich als Ideengeber eine immer wichtigere Rolle. Soweit als kurze Vorbemerkung zu dem folgenden Interview, das turi2-Mitarbeiter Peter Schwierz am Rande der re:publica mit mir geführt hat.

    Zur Arbeitsgemeinschaft Social Media geht’s übrigens da lang.



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    Klar, was man für die Medienblogs machen kann, lässt sich auch für die Wissenschaftsblogs anstellen. Hier also die Blogcloud der “heißesten” Wissenschaftsblogs der deutschsprachigen Blogosphäre. Je größer der Name, desto größer das Wachstum in den letzten 30 Tagen:

    Die 25 dynamischsten Wissenschaftsblogs

    Insbesondere das starke Wachstum der Scienceblogs ist bemerkenswert. Am Anfang des Monats waren viele von ihnen noch im einstelligen Authority-Bereich. Jetzt findet man sie schon unter den 25 bestplatzierten Wissenschaftsblogs. Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Wenn jemand noch ein deutschsprachiges Wissenschaftsblog kennt, das hier fehlt – bitte in die Kommentar schreiben, ich nehme es dann möglichst bald in die Liste auf.



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    Nachdem die Wissenswerkstatt schon seit ich damit angefangen habe im tagesaktuellen metaroll-Wissenschaftschannel ganz oben anzutreffen ist, hat mein Lieblingswissenschaftsblog nun einen weiteren Sprung getan und taucht seit ein paar Tagen auch in den Deutschen Blogcharts auf:

    Diese Liste setzt sich zusammen aus den 100 deutschsprachigen Weblogs mit der höchsten Technorati-Authority (Verlinkung durch andere Feedmedien). Damit ist es das erste zweite Mal einem wissenschaftlichen Weblog gelungen, in die A-Liste der deutschsprachigen Blogosphäre vorzudringen. Zwar momentan erst auf Platz 98, aber wenn ich mir die Entwicklung der letzten Zeit ansehe (die Sparkline am Anfang), ist da noch mehr drin.

    Herzlichen Glückwunsch, Marc!



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    Einmal mehr stellt eine Studie über die Internetnutzung fest, dass es eine erhebliche digitale Spaltung gibt: Der Branchenverband BITKOM zeigt im aktuellen Webmonitor, dass die Emailnutzung deutlich von dem Bildungsgrad abhängt. Während zwei Drittel der Personen mit Abitur oder Hochschulabschluss dieses Dialogmedium nutzen, sind es bei den Realschulabsolventen nur knapp die Hälfte und unter den Hauptschulabsolventen nur noch ein knappes Drittel. So überrascht es kaum, dass angesichts der großen Wichtigkeit von IT-Kenntnissen und der schlechten Ausstattung der deutschen Schulen eine große Bildungsinitiative gefordert wird.

    Man sollte allerdings, ohne das Phänomen der digitalen Spaltung kleinreden zu wollen, einmal darüber nachdenken, dass auch das Diskursmedium Fernsehen in der Anfangszeit ein Elitenphänomen gewesen ist (vgl. dazu die Dissertation “Fernsehen und sozialstruktureller Wandel” von Rudolf Stumberger). Erst in den 1970er Jahren konnte man in Deutschland von einer Vollversorgung sprechen, in den 1950er und frühen 1960er Jahren kennzeichnete die Besitzer von Fernsehgeräten ein überdurchschnittlicher Bildungsgrad und ein relativ hohes Einkommen. Aber im Falle des Fernsehens kam es sehr schnell zu einer Umkehr: So besaßen die einkommensstärksten 12 Prozent der Bevölkerung Großbritanniens im Jahr 1947 fast die Hälfte der Fernsehgeräte, bereits sechs Jahre später standen über die Hälfte der Geräte in Haushalten der “Lower 68%” der Bevölkerung. In Deutschland fand diese Entwicklung entsprechen später statt: Zwischen 1954 und 1963 ist der Anteil der Selbständigen unter den Gerätebesitzern von 59 auf 14 Prozent gesunken, während gleichzeitig der Arbeiteranteil von 9 auf 53 Prozent gestiegen ist.

    Insofern ist fraglich, ob wir es bei der digital divide im Fall von Email tatsächlich mit einem Phänomen eigener Art zu tun haben. Denkbar wäre auch eine Kombination aus den folgenden Faktoren:

    • schichtspezifische Präferenzen und Fähigkeiten, was das freie Verfassen von Texten betrifft,
    • ein ganz gewöhnlicher lag in der Diffusion von neuen Technologien
    • das “Überspringen” der Technologie Email und eine stärkere Nutzung von Chat, IM oder Direktnachrichten in Social Networks wie SchülerVZ oder Lokalisten


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