Archive for the 'werbung' Category

Wirbt Wikipedia für Apples iPhone?

Ich finde das Prinzip Wikipedia uneingeschränkt gut. Ich habe keine Probleme mit Cupertino. Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Ich glaube auch nicht, dass die Wikipedia von bösen Mächten unterwandert wird.

Nur diesen Eintrag auf der Startseite der Wikipedia heute finde ich geschmacklos:

Ein derartiges product placement auf der Startseite einer der meistbesuchten und mit hohen Glaubwürdigkeitswerten ausgestatteten Seite – jede Werbeagentur würde sich nach einem derartigen Coup die Finger abschlecken. Auch ohne Einflussnahme des Herstellers verfallen die Wikipedia-Autoren hier in den üblichen Werbejargon: “Funktionalität”, “ermöglicht”, “darüber hinaus”, “vereint”, “angeboten”. Und dann wird der Artikel auch noch als “lesenswert” (vorher sogar “exzellent”) gekennzeichnet. Warum nicht gleich “Produkt des Tages” anstelle “Artikel des Tages”?

Mal sehen, wie die Wikipedisten, die diesen Artikel mit dem Verweis auf die formale Richtigkeit des Verfahrens sowie darauf, dass dafür kein Geld geflossen ist, rechtfertigen, reagieren, sollte Apple auf diese Vorlage einsteigen und dieses user generated advertising in irgendeiner Form aufnehmen.

Worum es eigentlich geht: darum, dass hiermit eine Grenze verschoben wird für die Akzeptanz nicht gekennzeichneter kommerzieller Inhalte in Social-Media-Projekten. Denn wenn demnächst ein Möbelgeschäft sich dafür einsetzt, die Neueröffnung des größten Möbelhauses in Europa zum Artikel des Tages zu machen, wird man dem etwas weniger entgegensetzen können wie vor dem iPhone-Artikel.

Noch einmal: Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Nur sollte sie als solche gekennzeichnet sein und sollte auch als solche bezahlt werden. Ansonsten werden die Marktpreise verzerrt. (via)



Verwandte Artikel:
  • Kostenloser Ratgeber für Journalisten 2.0
  • Weinblogs und -portale fast gleichauf mit Zeitschriften und Sommeliers
  • Scientific American versucht sich am Prinzip Trackback
  • Internetwerbung legt weiter zu

    Der Branchenverband Interactive Advertising Bureau hat zusammen mit PricewaterhouseCoopers die aktuellen Zahlen für die Entwicklung der Internetwerbung in den USA vorgestellt (hier geht’s zum kompletten Bericht). Insgesamt hat dieser Bereich zwischen 2006 und 2007 ein beeindruckendes Wachstum von 17 Mrd. auf 21 Mrd. USD gezeigt. Damit kann die Internetwerbung erneut auf ein Rekordjahr zurückblicken. IAB-LeiterRandall Rothenberg kommentierte die Entwicklung wie folgt:

    Explosive innovation in the industry is providing marketers with new and unique ways to reach consumers—it’s a very exciting time.

    Die Einnahmen durch Onlinewerbung liegen zwar noch deutlich hinter der Fernsehwerbung (31 Mrd. USD) und der Zeitungswerbung (49 Mrd. USD), hat aber mittlerweile Radio (21 Mrd. USD) und Kabelfernsehen (20 Mrd. USD) hinter sich gelassen.

    Deutlich expandiert konnten der Bereich rich media. Wurden 2006 erst 7 Prozent der Werbeeinnahmen im Internet über Videos, Animationen und Audioclips erzielt, waren es 2007 bereits 10 Prozent. Auch die Werbung über Suchmaschinen, die 2006 bereits den größten Umsatz erzielte, konnte von 40 auf 41 Prozent leicht zulegen. Zum Thema Blogs und Social Media findet man in dem Bericht allerdings nichts. In absoluten Zahlen dürfte es sich um eine kleine Nische handeln, aber die Entwicklung wäre interessant zu beobachten.

    Unter den Pricing-Modellen lässt sich ein leichter Trend in Richtung Leistungsorientierung feststellen: 51 Prozent der Einnahmen werden mittlerweile auf diese Weise erzielt (2006: 47 Prozent) und nur noch 45 Prozent über CPM- oder Abrufmodelle (2006: 48 Prozent). Allmählich scheint sich in der Industrie also herumzusprechen, dass Leistungsmodelle den großen Vorteil haben, eine unmittelbare Aussage über den Erfolg einer Werbemaßnahme zu treffen und relativ robust gegenüber künstlich generierten Trafficströmen sind. Zudem sind das die Modelle, die einer entwickelten digitalen Konsumgesellschaft momentan am besten entsprechen. (via Media Bullseye)



    Verwandte Artikel:
  • Internet beeinflusst Kaufentscheidungen stärker als Print oder Fernsehen
  • Twitter Starter-Kit: Die zehn wichtigsten Twitterstreams
  • Du bist peinlich
  • Das Ende der URL – “Google ‘viralmythen’ to find out more”

    Die Geschichte der massenhaften Durchsetzung des Internet ist auch eine Geschichte eines sprachlichen Wandels. Zu Anfang waren die Adressen, die man händisch in den Browser eingeben mussten, noch kryptische Kombinationen – tief verschachtelt und in der häufigen Verwendung der Tilde “~” noch mit deutlichen Referenten an die UNIX-Filestruktur (dort ist “~” eine Abkürzung für das Heimatverzeichnis eines Benutzers). So war zum Beispiel ein sehr frühes Blog unter der Adresse http://www.link-goe.com/~hwo/MeinFramo.htm erreichbar.

    Mit der großen Internetblase um die Jahrtausendwende veränderte sich auch das Sprechen über das Internet. Der Buchstabe “w” wurde damit zu einem der wichtigsten auf den Tastaturen. Zudem entstanden Unternehmen, die sich über ihre Internetadresse definierten und die .com- oder .de-Endung in ihren Markennamen integrierten. Ein prominentes Beispiel dafür ist Amazon.com (“Amazondotcom”).

    Cabel Maxfield Sasser hat auf seiner Japanreise erste Anzeichen dafür gefunden, dass sich dieses Phänomen wieder auf dem Abschwung befindet. Die URLs werden in der Werbesprache allmählich durch etwas neues ersetzt: Plakat- oder TV-Werbung, auf der ein Suchmaschinenfeld abgebildet ist, in dem der Name des Unternehmens steht. Das ergibt natürlich nur dann Sinn, wenn das Unternehmen oder die Marke im Suchmaschinenuniversum auch überall an erster Stelle gerankt wird. Ergebnis ist eine Semantik, die wesentlich auf dem Funktionieren der Suchmaschinenoptimierung (SEO) beruht. “Google ‘pontiac’ to find out more”, hieß es zum Beispiel 2006 in einem Werbeclip des Autoherstellers (siehe dazu auch dieses schöne Beispiel).

    Nachdem nur noch die wenigsten Leute sich URLs merken und Buchstabe für Buchstabe in die Adresszeile des Browsers eintippen, sondern einfach die Google-, Yahoo- oder Wikipedia-Suchleiste daneben verwenden, spielt die Reservierung einer möglichst kurzen Domain keine große Rolle mehr. Lieber eine etwas umständliche URL, auf die dann aber bei alle wichtigen Suchmaschinen bei der Suche nach Unternehmen oder Marke verweisen. Vielleicht spielen in Zukunft aber auch Quick Response-Codes bei der Überwindung der Medienlücke zwischen Offline und Online eine größere Rolle oder RealName-ähnliche Dienste werden als Geschäftsidee wieder attraktiv.



    Verwandte Artikel:
  • Datenbank abgeschossen
  • Open Social in Wort und Bild
  • viralmythen + metaroll
  • Das Ende der Klickökonomie?

    153250398_1b794486b6_m.jpgMan stelle sich einmal vor, die Werbewirkung mobiler Außenwerbung würde so gemessen, dass man ausschließlich zählt, wie oft ein Sandwich-Mann, der für eine Zigarettenfirma durch die Fußgängerzone schlendert, um Zigaretten gebeten wird. Das Szenario mag zwar ungewöhnlich wirken, eignet sich aber nach wie vor für die Beschreibung des Onlinewerbemarktes.

    Wenn es um die Online-Werbevermarktung geht, ist nicht nur die Volumensfrage von Bedeutung – Wie stark wird das Internet überhaupt genutzt? Wie oft werden Werbemittel angeklickt? Wie oft resultieren aus Klicks tatsächliche (Trans)aktionen -, sondern immer häufiger wird nun auch die Qualitätsfrage gestellt: Wer klickt überhaupt auf Banner? Die Volumensfrage lässt sich vergleichsweise einfach beantworten indem man die Werbeklicks in ein Verhältnis zu den gesamten Seitenaufrufen, Besuchen oder möglicherweise auch der Besuchszeit setzt. Die Qualitätsfrage nicht.

    Um herauszufinden, wer die „Werbeklicker“ sind, muss man das Surfverhalten mit Hilfe Panels von Internetnutzern beobachten, deren demographische Merkmale bekannt sind bzw. kontrolliert werden können. Eines der größten solcher Panels aus zwei Millionen Teilnehmern besitzt comScore, die sich in Zusammenarbeit mit Tacoda und Starcom nun dem Werbeklickverhalten gewidmet hat. Das Ergebnis der Studie mit dem schönen Titel „Natural Born Clickers“ lautet schlicht: „der Klick ist tot“.

    Da die Werbeklicker („natural born clickers“) nur eine kleine Gruppe von Nutzern darstellen, die in keiner Weise repräsentativ für die große Mehrheit der Onlinenutzer sind, wird nun das Prinzip „Bannerklick“ oder „Click-Through-Rate“ als solches in Frage gestellt. Eigentlich ist es überraschend, dass sich das so lange halten konnte. Zunächst war die Euphorie noch verständlich: Werbekunden und Werbevermarkter hatten mit der Onlinewerbung ein Instrument in der Hand, das es technisch relativ leicht macht, den Abruf der Werbemittel sowie die Konversion der Werbeklicks in tatsächlich Kaufakte zu messen, da diese – so die Theorie – ebenfalls online stattfinden.

    So rückten nach und nach die Klicker in den Mittelpunkt der Online-Werbebemühungen, während die indirekte Konversion von Werbemittelabrufen in zeitlich oder räumlich verschobene ökonomische Transaktionen aus dem Blick gerieten. Erst jetzt wird dieser Irrweg klar sichtbar, denn Studien wie diese legen die Vermutung nahe, dass diejenigen, die tatsächlich auf Werbebanner klicken, als Zielgruppe sehr viel weniger spannend sind als die Nichtklicker. Womöglich lässt sich das auch auf den nach wie vor grassierenden Bildergaleriewahn auf den Portalen von Spiegel, Süddeutsche und Focus übertragen: diejenigen, die sich eifrig durch die Galerien klicken, schaffen zwar vergleichsweise billig Reichweite, sind aber in allen anderen Punkten schlicht uninteressant.

    Die Studie zeigt, dass die Natural Born Clickers nur sechs Prozent der gesamten (US-)Onlinenutzer darstellen, aber für die Hälfte der Werbeklicks verantwortlich sind. Schaut man sich die Merkmale dieser Gruppe an, dann ist die klickfreudige Population mittleren Alters (25-44) und hat ein eher niedriges Jahreseinkommen (unter $40.000). Außerdem verbringen sie überdurchschnittlich viel Zeit im Internet – Auktionsportale, Glücksspielseiten und Karriereportale gehören zu ihren Lieblingszielen –, was sich jedoch nicht in entsprechende Onlineumsätze übersetzen lässt. Kurz: Die Heavy Clickers sind im WWW eine Ausnahme.

    Aber noch ein weiteres Ergebnis der Studie ist brisant für die Onlinevermarkter: Die Klickraten auf Werbebanner haben kaum etwas mit der Markenwahrnehmung zu tun. Insofern laufen Bemühungen, das Markenbewusstsein über klick-optimierte Kampagnen zu fördern, ins Leere. Auch – oder vielleicht gerade dann –, wenn die Werbemittel überdurchschnittlich häufig angeklickt werden. Erfolg ist gleich Misserfolg.

    Für die Markt- und Medienforschung kommen diese Ergebnisse wie gerufen, bieten sie doch eine Gelegenheit, das spezifische Know-how dieser Branche – zum Beispiel, wenn es um die Untersuchung von Konsumentenkulturen oder Markenwahrnehmung geht – wieder in den Mittelpunkt zu stellen. So fragt Danah Boyd zu recht:

    While studies of consumer culture go back decades, I’m having a hard time surfacing what is known about the culture of web advertising. Who is being targeted? Who is responding? Why are they responding? What are the implications?

    (Abbildung “strange work” von \\kleezerocinque//)



    Verwandte Artikel:
  • Gastbeitrag für KoopTech: Messen nach dem Ende der Massengesellschaft
  • Das Ende der Blogsphäre
  • Erntezeit (2): Wölfin trotz inet zugangs weiterhin zum offline schreiben verurteilt
  • Mehrdeutigkeit: Doppelt geworben hält besser

    Manchmal erwecken praktisch angewandte Onlinewerbeformen schon den Eindruck, als wolle man es jedem Recht machen. In einem Artikel über eine BMW M5-Testfahrt taucht dann schon einmal rechts daneben eine Audiwerbung auf und unten links eine Werbung für ein Bluetoothset für den Ford Fiesta:

    fg1.png

    Lässt sich das noch toppen? Na klar. Ganz oben wird auch noch der VW Polo beworben. Irgendeine Marke wird der Leser schon mögen.

    fg2.png

    Hatte ich nicht auf dem DLD etwas von den Platzierungsprobleme von Onlinewerbung gehört?



    Verwandte Artikel:
  • Internet beeinflusst Kaufentscheidungen stärker als Print oder Fernsehen
  • Wissenschaftskultur und Blogkultur
  • Wie politisch ist die Blogosphäre?
  • Puntila 2.0 – die neuen Gutsherren des WWW

    ‘s wird Zeit, daß deine Knechte dir den Rücken kehren.
    Den guten Herrn, den finden sie geschwind, wenn sie
    erst ihre eigenen Herren sin
    d (Bert Brecht)

    Auf den ersten Blick konnte man in den letzten Monaten eine eigentlich ganz positive Öffnung der Printverlage und Medienhäuser in Richtung Weblogs beobachten. Oberflächlich könnte man das in die Richtung deuten, dass die Medienhäuser die Zeichen der Zeit begriffen haben: gerade bei Wissensthemen, Nischenthemen oder Regionalthemen lassen sich Printerzeugnisse sinnvoll mit Web 2.0-Elementen verbinden. Mit Blicken in die Werkstätten von Wissenschaftlern, mit Videoclips oder -tagebüchern und geolokalisierten Informationen lassen sich darüber hinaus womöglich auch noch neue Leser für ein Medium gewinnen.

    Aber warum hört man dann in der Blogosphäre immer wieder Negatives von diesen Unterfangen? Weil viele Verlage die Blogger nach wie vor nicht als gleichberechtigte Partner akzeptieren, sondern als eine Art künstlich herstellbare Power-User, die einer Plattform Inhalte liefern, ohne dafür entsprechend entlohnt zu werden. Zuerst werden geradezu blogtrunken die neuen Möglichkeiten des Mitmachwebs als Zukunft der Medien gelobt; wenn der Rausch verflogen ist, bleibt davon nur die Fehlannahme einer natürlichen intrinsischen Motivierbarkeit von Bloggern (auch bekannt als Dabeisein-ist-alles-Fehlschluss). Statt 150 Euro pro aufwändig recherchierten und gut geschriebenen Blogbeitrag gibt’s ein paar freundliche Dankesworte und vielleicht ab und zu einmal eine symbolische Prämie oder ein T-Shirt mit Logo. Und in Wirklichkeit gehören die öffentlich bemitleideten 300-Euroblogger gar nicht mal zum unteren Rand.

    Das Problem dabei: auf diese Weise bekommen die Verlage nur die Blogger, die sie verdienen. Und nicht nur das. Wenn die anfängliche Euphorie verflogen ist, bloggen die Blogger dann auch nur so, wie es der Verlag verdient hat. Die sinkende Qualität hat dann verständlicherweise zur Folge, dass die Vorurteile der Web 2.0-Skeptiker in der Printwelt voll und ganz bestätigt werden: “Siehste, hab ich immer gesagt, dass dieses Mitmachweb nichts taugt.” Doch ich glaube nicht unbedingt, wie es bei Don Alphonso immer wieder durchscheint, dass hier auf Seiten der Medienhäuser eine bewusste Strategie zugrunde liegt. Bis nicht das Gegenteil einwandfrei bewiesen ist, würde ich an dieser Stelle Hanlon’s razor gelten lassen: “Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity.”

    Aber wie kommt man aus diesem Teufelskreis aus nutzergenerierter Mängelware und verlagsgenerierter Abwertung heraus? Die folgenden Lösungsvorschläge sind zugegebenermaßen nicht besonders innovativ. Am sinnvollsten für die Qualitätssicherung von Weblogs erscheint mir tatsächlich das Modell des festangestellten Bloggers, der in allen wesentlichen Rechten und Pflichten dem Verlag gegenüber einem Journalisten gleichgestellt ist. Oder man setzt wirklich auf Freiwilligkeit und lässt die Leute schreiben, muss dann aber akzeptieren, dass man nicht als Informationsproduzent wahrgenommen, sondern als Anbieter einer Plattform (wenn man sich nicht gleich auf das Aggregieren von Informationen beschränkt, wie es das Wissenschafts-Café derzeit mustergültig vormacht). Die dritte Option wäre – schön nachzulesen bei Kooptech – entweder eine faire Beteiligung der Blogger an den mit Hilfe ihrer Inhalte erzielten Werbeeinnahmen (das Glam-Modell: “Glam finds the good blogs and creates a relationship. It features good content from them on Glam and also sells ads on the blogs, sharing revenue with and supporting those bloggers.”) bzw. die Möglichkeit, selbständige Einnahmen mit ihren Inhalten zu generieren (genannt wird Infopirat).

    Völlig unmöglich ist dagegen, was der Wissenschaftsblogger MattiDominikus Herzberg in seinem Blog denkspuren berichtet:

    Dann kam der Vertrag vom Galeristen mit der Post. Da stand zum Beispiel, er solle doch nach Möglichkeit an jedem Werktag ein Bild malen. Wie das?! Er malte ein Bild im Monat, manchmal sogar zwei oder drei, wenn es sehr gut lief vier oder fünf — aber Fließbandkreativität? Seltsam, das klang alles so anders als im Gespräch mit dem Galeristen. Der Künstler verstand nicht viel von Juristerei, also zog er einen Anwalt zu Rate. Und der sagte ihm: “Laß die Finger von dem Vertrag. Der Galerist erhält alle Rechte an deinen Bildern, sie gehören dir nicht mehr. Er darf deine Bilder sogar übermalen, wenn er Lust dazu hat. Und übrigens: Gegen Diebstahl und Vandalismus musst du deine Bilder selber versichern. Ich kenne keine Versicherung, die das für ‘ein paar Euro’ macht.”



    Verwandte Artikel:
  • Die Isarrunde fast live
  • Von Infovöllerei und Infogourmets
  • Kostenloser Ratgeber für Journalisten 2.0
  • Kurze: Leseschwäche, Onlinewerbung, Sterbekarten, Blogsterben und Projektemacher

    ep2_outland_11a_deaths.jpgDie Zukunft ist jetzt (Aus der Selbstbeschreibung des Startups 23andMe, gefunden bei René bzw. Wired): “Welcome to 23andMe, a web-based service that helps you read and understand your DNA. After providing a saliva sample using an at-home kit, you can use our interactive tools to shed new light on your distant ancestors, your close family and most of all, yourself.”

    Thomas Pany behandelt in seinem Telepolis-Beitrag “Ausgelesen” die Studie “To Read or not to Read” (pdf) des National Endowment for the Arts, die zu dem Ergebnis kommt, dass Kinder und Heranwachsende in den USA immer weniger und immer schlechter lesen. Pany hinterfragt die Ergebnisse und zweifelt daran, dass die NEA-Verantwortlichen “selbst so genau hinhören und hinschauen und offen sind für andere Botschaften als die klassische des Lesenverlernens: Die Stapel in den Buchhandlungen sind nicht kleiner geworden. Und das Textangebot im Netz unendlich. Vielleicht lesen wir heute anders.”

    Klaus Eck ist immer noch an dem Thema Werbung im Web 2.0 dran und zeigt sich optimistisch, dass sich die Reichweitenmetriken nach und nach ändern werden, so dass die eigentliche Stärke und Besonderheit der Social Networks, die lange Verweildauer, stärker zum Tragen kommt: “Im Verhältnis zu den Giganten wie Google und Yahoo verdienen Web 2.0 Seiten erst einen Bruchteil des Geldes. Das wird sich von selbst ändern, denn die Vermarktung läuft gerade erst an.” Auch Werkanon widmet sich dem Thema Werbung im Internet und prophezeit: “Wenn die Hersteller von Konsumgütern das Internet fest ins Herz schließen, dann wird es gefährlich für die Zeitungen, vor allem für regionale Blätter.”

    Statistisch gesehen sterben die meisten Menschen im Bett. Ergo: lieber mal eine Nacht durchmachen, der Gesundheit wegen. Ein alter Einführungsvorlesungsgag. An welchen Orten man sich tatsächlich nicht aufhalten sollte, sieht man auf diesen geheimnisvollen “Death Maps” (siehe Bild), allerdings momentan nur für Half Life 2 und noch nicht fürs Real Life. (via Information Aesthetics)

    Ab dem 26.11.2007 wird es Jeriko One nicht mehr geben.” Einer der lesenswertesten Blogger lässt das Bloggen sein. Das ist zwar ein Verlust, aber mir leuchtet nicht ganz ein, wieso man davon ausgehen sollte, dass Bloggen so eine Art “Lebenslänglich für Digerati” sein sollte. Ein Blog ist ein Projekt und wenn sogar Ehen oder Jobs keine Entscheidungen für die Ewigkeit mehr sind, warum sollte es das Führen eines Weblogs sein? Irgendwann ist das Tagebuch eben voll.

    Und abschließend noch ein Lesetipp, der recht gut zu dem eben geschriebenen passt: Der von Markus Krajewski herausgegebene Sammelband “Projektemacher. Zur Produktion von Wissen in der Vorform des Scheiterns“. Grandios.



    Verwandte Artikel:
  • Mehrdeutigkeit: Doppelt geworben hält besser
  • Interview zum Wissenschaftsbloggen und zur Arbeitsgemeinschaft Social Media
  • Die 25 dynamischsten Job-, Karriere- und Produktivitätsblogs
  • Kurze

    post.pngIn den letzten Tagen hat sich einiges angesammelt, deshalb hier ein paar Kurzmitteilungen:

    Martin Recke (Fischmarkt) berichtet von einer massiven Umschichtung der Werbebudgets ins Internet, die sich derzeit in den USA abzeichnet. Dazu wird Laurent Burdin zitiert: “Aber der Trend bleibt gleich: Markenartikler interessieren sich immer mehr für das Internet. Es gibt dafür einen einfachen Grund: Ihre Konsumenten haben das Internet als Kanal Nr. 1 gewählt. Sie kaufen dort mehr und mehr.” Dazu Robert Basic: “Aber ist es nicht sozusagen eh ein zwangsweiser Mechanismus, dass die Wirtschaft den Kunden eh immer dahon folgt, wo die Kunden sind?”

    Maingold versucht zu begründen, warum Sevenload hinter YouTube hinterherhinkt: “Und genau dieser „Coolness Faktor“, dieses bestimmte Image, fehlt bei sevenload meiner Meinung nach vollständig. Da können die Damen und Herren noch so viel Geld und Manpower in ihre Technik investieren, ein cooles Image und eine dementsprechende Community kann man sich nicht erkaufen.”

    Die Neue Zürcher Zeitung hat gerade eine Serie zu sozialen Netzwerken veröffentlicht, die auf den Blogpiloten zusammengefasst ist.

    Don Alphonso hat unter dem Titel “Die Hungerlöhne des Web 2.0″ eine spannende Diskussion zum Thema “Bezahlung von Bloggern” losgetreten: “Web2.0 als mediales Subproletariat, als billigste aller möglichen Qualitätsplattformen für den boomenden Medienmarkt”. Die Debatte geht u.a. weiter im JakBlog und KoopTech.

    Bringt demnächst auch Wikipedia ein eigenes Social Network auf den Markt? “Ein Social Network aus dem Hause Wikipedia hätte Sprengkraft. Schliesslich gehört Wikipedia in den meisten Ländern zu den Top-10-Websites, während die Social-Network-Szene weiterhin sehr fragmentiert ist”, meint Andreas Göldi (Medienkonvergenz).

    Außerdem: Dirk Olbertz und Jens Schröder finden 133.300 deutschsprachige Blogs.



    Verwandte Artikel:
  • Interview zum Wissenschaftsbloggen und zur Arbeitsgemeinschaft Social Media
  • Die 25 dynamischsten Job-, Karriere- und Produktivitätsblogs
  • Hat die Blogosphäre Burma schon wieder vergessen?
  • Internet beeinflusst Kaufentscheidungen stärker als Print oder Fernsehen

    Das hat schon Sprengkraft, was W&V gestern über die Studie von Booz, Allen, Hamilton unter dem Titel “Studie: Klassische Werbung entscheidet nicht über den Kauf” vermeldete:

    Nur noch zu fünf Prozent beeinflusst Werbung im Fernsehen oder in den Printmedien, ob wir ein Produkt oder eine Dienstleistung kaufen oder nicht. Im Vergleich dazu legt das Internet als Einflussgeber zu: Zehn Prozent lassen sich durch das Web leiten. Das bedeutet, dass nach dieser Studie, das Web doppelt soviel Einfluss hätte wie Print- und TV-Werbung.

    Die besondere Stärke und Glaubwürdigkeit des Internet liegt dabei in der Kombination von Merkmalen, die man gemeinhin unter dem Label Web 2.0 nennt: user generated content wie zum Beispiel Bewertungen, Empfehlungen und redaktionellen Inhalten wie Testberichten. Die Studie basiert auf einer Untersuchung des Konsumentenverhaltens sowie der Präferenzen von 1000 Endnutzern. Wobei: Die Endnutzer sind in dieser Studie schon längst zu “Kunden 2.0″ geworden. Das zeigt sich zum Beispiel auch in der Aufgeschlossenheit für das Preisgeben persönlicher Informationen:

    Je nach Produktsegment sind zwischen 50% und 80% der Kunden bereit, soziodemographische Daten sowie Nutzungsdaten offen zu legen. Als Gegenleistung erwarten sie insbesondere eine bevorzugte Behandlung als Produkttester, spezielle Angebote oder Preisnachlässe.

    Siehe auch:



    Verwandte Artikel:
  • Puntila 2.0 – die neuen Gutsherren des WWW
  • Flusser, Twitter, Lobo – für ein dialogisches Fernsehen
  • Print-News sind ein Zombie: IDG-Studie zur Mediennutzung von Entscheidern
  • MS Facebook

    Nun ist geschehen, was bereits seit geraumer Zeit in der Blogosphäre vermutet wurde. Ein Teil von Facebook gehört jetzt dem Microsoft-Konzern. Für 240 Millionen USD hat das Softwareunternehmen einen 1,6%igen Anteil unseres Lieblingszeitvertreibs aufgekauft. Damit liegt der momentane Gesamtwert von Facebook bei 15 Mrd. USD. Damit lag die NY Post, was den Deal an sich angeht, richtig, mit den Zahlen aber doch etwas daneben. Das Unternehmen dürfte jetzt über ausreichend Reserven verfügen, auch in Europa richtig Fuß zu fassen.

    UPDATE: Was meinen die Kolleginnen und Kollegen dazu?

    1. Klaus Eck ist gespannt, wie sich die finanziell gestärkte Netzwerkplattform weiter entwickelt und welche Rolle neue Werbeformen in Zukunft spielen werden.
    2. Robert Basic verleiht facebook das Gütesiegel “hottest shit” und verweist insbesondere auf die “Klebrigkeit” des Netzwerkes, die dazu führt, dass die Nutzer viel Zeit darauf verbringen. Was ich aber nicht ganz verstehe: Wo hörst du ein “Plopp”, Robert?
    3. Der Sichelputzer lenkt den Blick vor allem auf den Umgang mit den Nutzerdaten und fragt: “Das Fratzenbuch lebt nur davon, dass wir uns alle daran beteiligen und unsere Kontaktdaten dort freiwillig hinterlegen. Was haben wir denn bitte schön davon?”
    4. Marcel Weiß sieht den Deal eher positiv und scheint sich für Microsoft zu freuen, endlich einmal einen sinnvollen Gegenentwurf zu Google anbieten zu können.
    5. Fasst schon ins Erotische reicht der Beitrag von Nicolai Kuban, der den Deal als “Kuss” beschreibt. In dem Zusammenhang fällt mir ein: es gibt da so eine in Einführungsvorlesungen immer wieder zitierte Studie über die verschiedenen Stadien des Kennenlernens. Während ein Kuss in Europa eine relativ harmlose Geste ist, sehen Amerikaner darin schon eine eindeutige (wenn nicht sogar obszöne) sexuelle Handlung.
    6. Nicht ein Kuss, sondern eine Blase ist es dagegen bei Thomas Gigold, der in seinem Beitrag auch gleich die Frage stellt, wo das alles enden wird.
    7. dimension2k spricht von einem “Spaß”, den sich Microsoft mit der Übernahme geleistet hat, und zeigt sich skeptisch, ob Facebook eines Tages in Deutschland Xing überflügeln kann.
    8. Robert/Othertimes dreht die Frage geschickt herum und sucht nach Gründen dafür, dass Facebook lieber mit Microsoft als mit Google zusammenarbeiten will. Für ihn ist es nur folgerichtig, dass sich ein Unternehmen, dass eine Art “soziales Betriebssystem” des WWW werden will, mit einem echten Betriebssystemhersteller kooperiert. Interessanter Gedanke.
    9. Auf dem Kasi-Blog gibt es eine ausführliche Zusammenfassung einiger weiterer Positionen u.a. aus der englischsprachigen Presse. Darin taucht dann auch die Frage auf, ob dieser Deal möglicherweise der letzte Deal der Blase sein könnte (Erinnerungen an das letzte Mal gibt es hier)?


    Verwandte Artikel:
  • Gruscheln als Alternative zum Nachrichtenkonsum?
  • Jenseits der Virus-Analogie
  • Der meinVZ-Buzz ist vorbei