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Was ist Google FriendConnect?

Ich habe gerade testweise einmal zwei FriendConnect-Widgets von Google in die Seitenleiste des Blogs eingebaut. Das erste verwandelt dieses Blog in eine Social Community, der man mit seinem Google-Profil beitreten kann. Wenn man die entsprechende Aktion in seinem Profil ankreuzt, wird auch ein Aktivitätsstream erzeugt.




Welche Aktivitäten werden in den FC Google-Widgets angezeigt? Die kommen aus dem zweiten Widget, dem Kommentarfeld (oder wahlweise auch Shoutbox oder Wall). Dort kann man entweder angemeldet oder nicht angemeldet Kommentare hinterlassen, auf andere Kommentare reagieren oder sich die Profile der (angemeldeten) Kommentierenden ansehen:


Was bedeutet das?

  • Dezentralisierung: Im Prinzip ähneln die Widgets dem, was man auch schon von Disqus oder Friendfeed kennt – siehe dazu auch die lange Diskussion “The Conversation has left the Blogosphere“, die Anfang des Jahres vor allem in den USA geführt wurde. Mit FriendConnect wird diese Debatte wieder neu aufflammen: Welche Folgen hat es, wenn die Kommentare der eigenen Blogeinträge nun auf Google und nicht mehr auf dem eigenen Server gespeichert werden?
  • Dialogifizierung: Allerdings ermöglicht FriendConnect das Einbauen dialogischer Web 2.0-Elemente auch auf klassische Web 1.0-Seiten. Einfach das Widget einfügen und schon hat man eine statistische Webseite in eine Community oder einen Dialog verwandelt. Dieser Eindruck wird auf jeden Fall vermittelt.
  • Expansion: Noch besitzen nur wenige meiner Kontakte ein öffentliches Google-Profil, aber über Googles Social Graph findet man schon zahlreiche personenrelevante Daten (zum Testen einfach einmal hier die URL des eigenen Blogs oder Friendfeedaccounts eingeben). Vielleicht gelingt Google damit besser, was auch Yahoo und Microsoft versuchen: ihre Emailnutzer in Adressen sozialer Netzwerke verwandeln. Die Frage ist, ob hier nicht Facebook – Googles größter Konkurrent auf dem Gebiet Social Graph derzeit – die besseren Karten hat, denn hier bestehen bereits Netzwerke, die sich in der Tat sinnvoll auf andere Netzwerke übertragen ließen.
Die große Frage lautet auch hier: Erfüllt dieser Dienst ein tatsächliches Bedürfnis der Internetnutzer? Das Interaktiv-Machen von Webseiten? Geht mit einem Blog besser. Die anderen Wohltaten, die FriendConnect verspricht (zum Beispiel das Sammeln von Kontakten im eigenen Social Graph), erscheinen mir hier viel zu umständlich realisiert, um eine breite Benutzergruppe anzusprechen.
Das nächste große Ding wird Google Friend Connect wohl nicht werden. Was hingegen wirklich gebraucht wird, ist ein Protokoll oder Dienst, das es ermöglicht, sich mit seinen Bekannten, Freunden und Kollegen zu vernetzen, ohne dass die Technik dazwischensteht. Ein Netzwerkmedium, das die sozialen Beziehungen in den Vordergrund rückt und selbst als Medium gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Social Networking-Plattformen, aber auch der Microbloggingdienst Twitter oder Blogs allgemein, gehören immer stärker in das Repertoire von Alltagspraktiken, die es uns ermöglichen, mit Menschen in Kontakt zu treten. Langsam wird es Zeit, die dafür benötigten Technologien unsichtbar zu machen.
Ein Freund ist ein Freund. Egal, ob auf Facebook, Twitter oder StudiVZ. Eine Anwendung, die dazu in der Lage ist, dieses Grundgesetz sozialer Medien in eine Praxis zu verwandeln, hat das Zeug, zum next big thing zu werden.

Siehe dazu auch:



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  • Datenbank abgeschossen

    Eigentlich hätte ich an diesem Pfingstmontag etwas ganz anderes tun wollen als vor dem Computer zu sitzen und mich mit Datenbankexporten und -importen etc. auseinanderzusetzen. Aber aus irgendeinem Grund ist der MySQL-Datenbankserver meines Webhosters, auf dem sowohl die viralmythen- als auch die Metarolldaten liegen, nicht mehr zugänglich. Ab und zu komme ich über phpmyadmin auf den Server und kann dann z.B. Tabellen exportieren. Dann ist der Server wieder stundenlang nicht erreichbar: “Too many connections” heißt es dann, obwohl sich die HTTP-Zugriffe laut Logfile in Grenzen halten.

    Ich habe jetzt die Tabellen kurzerhand auf einen anderen Datenbankserver aufgespielt. Bei den viralmythen ging das wunderbar, bei der Metaroll wurden leider die Umlaute in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl sie über phpmyadmin korrekt angezeigt werden (UTF-8), kommen bei mir im Browser nur Rauten an. Sieht das bei euch genauso aus? Hat vielleicht jemand eine Ahnung, was man in so einem Fall anstellen kann?

    Ansonsten: Mal sehen, ob der Support mir etwas über die Herkunft der “too many connections” erzählen kann. Über den anderen Server (allinkl) scheint es ansonsten ganz rund zu laufen.



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    Dasselbe wie hier:
    What Kind of Blogger Are You?



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  • Gehirn&Geist startet Brainlogs-Blogportal

    Aha, allmählich bevölkert sich die Wissenschaftsblog-Szene in Deutschland. Diesen Monat neu hinzugekommen ist die Blogabteilung des Magazins Gehirn&Geist der Verlagsgruppe Spektrum der Wissenschaft (Holtzbrinck). Unter dem grünen Titel und Logo “brainlogs” bloggen hier sieben Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten zu psychologischen und neurowissenschaftlichen Themen:

    Ob freier Wille oder Neuro-Enhancement, Online-Dating oder Alzheimer-WG, Kinofilme oder Anekdoten aus dem Forschungsalltag: Was immer Psyche und Gehirn betrifft – die Brainlogs-Blogger spießen es auf. Mal ernsthaft und tiefgründig, mal humorvoll mit einem zwinkernden Auge. Und jeder ist eingeladen, mit zu diskutieren!

    Das Ziel ist die Verschränkung von Online- und Offlineangebot der Zeitschrift. So sollen die Blogs auch im Heft gefeatured werden und ich vermute, dass die Blogs immer mal wieder auch Themen aus dem Heft aufnehmen werden.

    Ein paar Bemerkungen dazu: Momentan scheint das Portal eher noch im Betastadium zu sein: es fehlt eine vernünftige Navigation zu den älteren Beiträgen, eine persönliche Blogroll, ebenso eine Übersicht der unter dem Label firmierenden Blogs – sind es überhaupt sieben BloggerInnen? Auch besitzen die einzelnen Blogs (noch) keine eigene Identität, sondern man merkt nur an einem kleinen Foto des Autors oben im Header sowie einem versteckten anonymen Punkt “zur Person”, dass man sich in einem bestimmten Blog befindet. Hier sollte man doch den BloggerInnen eine kurzbiografische Darstellung gönnen, die von jedem Beitrag aus einsehbar ist. Da das Gefühl, im einem persönlichen Gespräch mit dem Autor zu stehen, eines der Kernpunkte des Bloggens ist (das hat Paguet 2002 so beobachtet und es gilt noch heute), bleibt hier einiges Potential ungenutzt.

    Und wie wird das Blogexperiment aufgenommen? Wenn man die Kommentare betrachtet, so zeigt sich, dass auch hier vor allem Themen von den Rändern der Wissenschaft (Stichwort: “science + x” oder “Gott und die Welt”) besonders rege diskutiert werden. Hier die Top 3:

    Was ich vielleicht am meisten vermisse: die Alltagspsychologiebloggerin Katja Schwab war einst stolze Trägerin des wunderbaren Hard-Bloggin-Scientists-Buttons. Den konnte ich auf der neuen Seite nicht mehr finden.



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  • Minervas Eule 2.0
  • Endspurt
  • Caramba! Relevanz, Blogblues und Werbehuren revisited

    Natürlich klingt es erst einmal wunderbar, dass Robert mit seinem Blog im Monat 2.000 Euro einnimmt – und das nach dem Verzicht auf Google AdSense. Aber auf der anderen Seite ist er ja kein Berufseinsteiger mehr, sondern bloggt mittlerweile schon eine ganze Weile. Ich nehme an, dass er einer der Gründe dafür ist, dass man heute ein Blog führen kann, ohne erklären zu müssen, was das überhaupt ist, so ein Blog:

    CARAMBA !!! Und ein Blog wie Techcrunch schafft es dagegen, sich nach “nur” zwei Jahren Bloggerei in ein 240.000 USD pro Monat erwirtschaftendes Unternehmen zu verwandeln (allerdings ein Unternehmen, das noch keine größeren Krisen durchgemacht hat, wie der Blog Herald bemerkt). Rechnet man aus, wieviele USD Monatseinnahmen auf einen Technorati-Link kommen, liegt das Verhältnis von Basic Thinking bei etwa 1,3 gegenüber 10,5 im Fall von Techcrunch.

    Da kann mir niemand erzählen, die alle paar Wochen auftretende Relevanz-, Blogblues- oder Werbehurendebatten hätten nichts damit zu tun, dass die Blogosphäre in Deutschland nach wie vor ein Nischengeschäft ist.



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    In einem wunderbaren Beitrag nimmt Marc (Wissenswerkstatt) die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung zum Thema Web 2.0 auseinander, das nicht gerade zur Kernkompetenz der Zeitung gehört. Worum geht es? Die SZ hat anlässlich einer TNS-Infratest-Studie (vgl. dazu auch den Eintrag im Wortgefecht) zum Thema Web 2.0 – zu interpretativen Schwierigkeiten einer älteren TNS-Studie zu einem ähnlichen Thema hatte ich mich bereits an dieser Stelle geäußert – in ihrem “Jugendlexikon” wieder einmal die Lieblingsthese der Qualitätsjournalisten von der Blogosphäre als digitalem Kindergarten aufgewärmt:

    “Schon 81 Prozent der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren hocken heute vorm Computer. Folglich werden es immer seltener Oma und Opa sein, die den goldenen Schlüssel zu ihren Erfahrungsschätzen aushändigen, so ihnen nur aufmerksam zugehört wird. Vielmehr wird Wissen heute fix aus dem Internet gefischt. Genauer, aus dem Web 2.0, dem Mitmach- und Partizipativnetz. Für dessen Inhalte sorgen, wie sich denken lässt, viele Jugendliche.”

    Marc empfiehlt den zuständigen Redakteuren und Journalisten, es doch hin und wieder einmal mit sorgfältiger Recherche und einem Blick auf die Repräsentativität derartiger Aussagen zu versuchen, was dann mitunter überraschende Ergebnisse hervorgebracht hätte: dass zum Beispiel das Durchschnittsalter der Wikipedia-Produzenten bei 35 Jahren liegt oder dass der “Wie ich Blogge”-Studie (Zusammenfassung als pdf) zu entnehmen ist, dass “82,3% aller Blogger 20 Jahre und älter sind”.

    Vielleicht hätte aber auch ein kleiner Blick auf unsere lieben A-Blogger genügt. Normalerweise schauen Qualitätsjournalisten doch auch immer als erstes auf die Herren Niggemeier, Schultheis, Vetter, Basic, Haeusler, René, Schwenzel, Alphonso und Winkel? Warum nicht dieses Mal? Vielleicht weil sie dann sofort auf das kleine Geheimnis der A-Blogger gestoßen wären, dass keiner von ihnen unter dreißig ist und einige sogar bereits die 40 hinter sich gelassen haben.

    Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen ist in dieser Angelegenheit persönlich nicht unbeteiligt, da er ebenfalls der Altersgruppe Ü30 angehörig ist.



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  • Globale Nomaden mit Mobiltelefon: 10 Beobachtungen zum Reisen 2.0

    Jedes Mal wenn eine neue Technologie oder Kommunikationsform auftaucht, melden sich die “Kontinuitätstheoretiker” zu Wort und konstatieren, dass man es hier keineswegs mit etwas Neuem zu tun hat, sondern allenfalls mit einer neuen Welle oder einer Wiederentdeckung. Die Globalisierung der 1990er ist nichts im Vergleich mit der Verflechtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der Computer ist auch nur eine besonders vielseitige elektronische Schreibmaschine und Weblogs sind digitalisierte Tagebücher. Wer jedoch genauer auf die damit verbundenen sozialen Veränderungen blickt, stößt schnell auf eine ganz andere Geschichte. So könnte man auch das Mobiltelefon zunächst recht unspektakulär als “tragbare Telefonzelle” oder “miniaturisiertes Funkgerät” betrachten. Auch dann entgeht einem die Möglichkeit, zu beobachten, wie der Gebrauch von Mobiltelefonen in bestimmten sozialen Gruppen ein neues Verhältnis von home and away schafft.

    Diesem Thema hat sich Giovanna Mascheroni, Sozialwissenschaftlerin an der katholischen Universität zu Mailand, in ihrem Aufsatz “Global Nomads’ Network and Mobile Sociality. Exploring New Media Uses on the Move” gewidmet, der soeben in der Fachzeitschrift Information, Communication & Society erschienen ist. Die zentrale These des Aufsatzes ist: Durch die Konvergenz von Kommunikation und Reisen entsteht in der Gruppe der Backpacker eine neue Form mobiler Sozialität, in der Mobiltelefonie und Internet eine zentrale Rolle spielen. Die Ergebnisse ihrer Feldforschung in italienischen Backpacker-Communities lassen sich in den folgenden 10 Punkten zusammenfassen:

    1. Reisevorbereitung: Das Internet dient ganz praktischen Zwecken von der Reisevorbereitung in Travellerforen bis zur imaginierten Mobilität (“Cybertourismus”) – beides Punkte, die gut zur spontanen Reiseform der Backpacker passen.
    2. Unterwegs arbeiten: Zudem ist es durch das Internet zunehmend möglich, auch unterwegs zu arbeiten und so nicht mehr darauf angewiesen zu sein, auf “immobilen” Zwischenaufenthalten das benötigte Geld für den weiteren Reiseverlauf zu verdienen. Da viele der Backpacker aus Wissensberufen kommen, beginnt sich dadurch das Reisemuster deutlich zu verändern. Ja, ein Reisender beschreibt sogar, wie ihn seine Arbeit im Internet überhaupt erst zum Backpacken gebracht hat: “And I have this image stuck in mind, of myself flying with an open laptop as wings” (531).
    3. Internet Cafés als Traveler Ghettos: Damit eng verbunden sind Internet Cafés mittlerweile zu zentralen Orten der Reiserouten geworden, da dort nicht nur Kontakte zu sozialen Netzwerken zu Hause, sondern auch zu fellow backpackers vor Ort und zum Teil mit Einheimischen geknüpft werden können. Auch Freundschaften mit anderen Backpackern entstehen mittlerweile häufig in Internetcafés. Auf diese Weise durchdringen sich virtuelle und face-to-face Gemeinschaften.
    4. Mikrokoordination: Ein wichtiges Schlagwort in diesem Zusammenhang ist die “Mikrokoordination”, also z.B. das Verabreden von Treffen per Handy und Internet sowie das wechselseitige Abstimmen von Reiserouten. Diese Funktion ist ebenfalls die Grundlage für die von Howard Rheingold beschriebenen Smart Mobs.
    5. Soziales Beziehungsmanagement: Während sich die Mikrokoordination vor allem auf begrenzte Räume bezieht (z.B. eine Stadt), ist es per Email und SMS auch möglich, soziale Beziehungen zu anderen Travellers auf Distanz zu unterhalten: “Inasmuch as it enables regular contact with friends met during the trip, CMC contributes to a deepening of relationships born in contexts of co-presence by providing them with a temporal sediment” (533-534).
    6. Internet als Reiseanreiz: Besonders bemerkenswert ist, dass in einigen Fällen das Internet auch als Anreiz zum Reisen gesehen werden kann. So sagt einer der interviewten Backpacker: “What I like best is to have friends all over the world, and this is always a good reason to make a new trip” (534). Hier zeigt sich sehr deutlich, wie virtuelle und physische Welten sich mittlerweile in diesem “mobilen Medium” durchdringen können und wie Orte und Beziehungen verdoppelt werden.
    7. Online-Offline-Komplementarität: Aber hier kommt es nicht zu einer Substitution, denn die Leute reisen ja immer noch und auch die face-to-face-Kontakte bleiben weiterhin bedeutend. Stattdessen lässt sich eine Komplementarität von online- und offline-Interaktionen beobachten: Über reale Begegnungen unterwegs wird in Blogs berichtet, man verabredet Treffen mit unbekannten Anderen in einem Forum u.s.w.
    8. SMS und Email statt Brief und Festnetz: Was nach Mascheroni tatsächlich kaum eine Rolle mehr spielt sind Briefe und Festnetzgespräche, die früher der einzige Weg gewesen waren, um mit Freunden und Familie in Verbindung zu bleiben. Heute sind SMS und Emails das bevorzugte Material dieser “bridge to home” (wobei interessanterweise Email als das intimere Medium angesehen wird). Dadurch, dass vertraute Personen immer nur eine Email oder eine SMS weit entfernt sind, entsteht zudem ein Sicherheitsgefühl (das allerdings, wie Mascheroni bemerkt, bisweilen auch als Überwachung wahrgenommen werden kann). Vielleicht müsste man heute noch Dienste wie Twitter dazurechnen, durch die ganz ähnliche Formen der ambient communication oder gar intimacy (“Ich bin da – bist du auch da?”) möglich werden.
    9. Interaktive Reise: Letztlich führt dieser mediale Wandel (SMS, Foren, Blogs) zu einer neuen medial vermittelt und kollektiv erfahrbare Form des Reisens: die interaktive Reise, wie Germann Molz das nennt. Für Reisen 2.0 gilt also: “Blogs and personal sites represent a place where these multiple mobile communities are localized, and where sociality and connections within mobility are established” (538-9). Übrigens: Wo sind eigentlich die deutschsprachigen Backpackerforen und -blogs?
    10. Tragbarer Medienraum: Vielleicht kann man aber noch weiter gehen und davon sprechen, dass das Internet selbst zu einer Art Heimat wird, einem “tragbaren Medienraum”, in dem man Freunde und Familie treffen kann. Das bedeutete aber einen tatsächlichen Wandel der Bedeutung des Reisens, denn eines lässt sich damit nicht mehr aufrechterhalten: das Reisen als temporäre Entkopplung von zu Hause.

    Was sind eure Erfahrungen mit Internet und Mobiltelefon auf Reisen? Würdet ihr Mascheroni zustimmen? Ich selbst habe zumindest festgestellt, dass ich auch unterwegs auf die Wikipedia kaum verzichten kann.

    Abbildung aus: Jules Verne, Reise um die Erde in 80 Tagen, 1875, 11. Capitel: Ein Reitthier, S. 66, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH.



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    Der Popkulturjunkie hat entdeckt, dass man sich mit Hilfe des GoogleReaders die Anzahl der Feed-Abonnenten anzeigen lassen kann, was ihn dazu animiert hat, auf Grundlage dieser Daten eine weitere Rangliste der Topblogs zu erstellen. Die eigentlich spannende Frage ist nun: Wie hängen die verschiedenen “Blogcharts” zusammen? Oder: hängen sie überhaupt zusammen? Um darauf eine Antwort zu finden, habe ich mir die drei Listen näher angesehen und mit R ein paar Werte berechnet:

    Die Deutschen Blogcharts, die GoogleReader-Charts und die metaroll erfassen unterschiedliche PräferenzenZunächst fällt auf, dass der Überlappungsgrad der Listen nicht allzu groß ist. Anders ausgedrückt: nur 26 Weblogs finden sich sowohl auf den ersten 50 Plätzen der Deutschen Blogcharts und den Google Feedreader-Abozahlen wieder. Weitere 19 Blogs werden in den GoogleReader-Zahlen und der metaroll gelistet und 18 Blogs sind in den Deutschen Blogcharts und der Metaroll vertreten. Nur 15 Weblogs findet man auf allen drei Listen – ein Indiz dafür, dass sie tatsächlich etwas anderes erfassen (für die 15 gemeinsamen Blogs findet man allerdings eine mittlere (Rang-)Korrelation zwischen den Listen um 0.6, nur zwischen den Google-Charts und der metaroll liegt sie mit 0.4 deutlich darunter, ist allerdings nicht mehr signifikant). Zur Veranschaulichung hier ein kleiner Ausflug in die Mengenlehre:

    Oben rechts finden sich also die “Link-Blogs”, also die Topblogs, was die Verlinkung über Trackbacks und Pings angeht, oben links die “Feed-Blogs”, die am häufigsten mit dem GoogleReader gelesen werden und unten die “Roll-Blogs”, die am häufigsten in den Blogrolls verlinkt werden. Unterscheiden sich diese drei Gruppen nur hinsichtlich der jeweiligen Operationalisierung von Wichtigkeit? Oder stecken dahinter auch inhaltliche Unterschiede? Möglicherweise liefert die Liste der Blogs, die nur in einer bestimmten Liste auftauchen, einen Hinweis darauf.

    Schwierig. Ganz vorsichtig würde ich die Hypothese formulieren, dass in den GoogleReader-Charts technische Blogs stark vertreten sind, was vielleicht auch daran liegt, dass die Leserschaft dieser Blogs mit RSS-Feeds am besten vertraut ist. In den Deutschen Blogcharts findet man einige politische Blogs, die in den anderen Listen nicht auftauchen. Vielleicht ein Indiz dafür, dass vor allem kontroverse Themen häufiger verlinkt und kommentiert werden? Auf der metaroll schließlich überproportional viele lyrische und Notizbuchblogs, deren Wertschätzung man per Blogrollverlinkung ausdrückt, aber nicht unbedingt durch einen Trackback.

    UPDATE: Bei Henning Krieg geht es weiter mit den wichtigsten Blawgs (= juristischen Blogs) in Deutschland und Blognation hat dasselbe für Technologieblogs unternommen.



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  • Tag ‘n’ Roll

    Kaum habe ich das neue Tagging-Feature in die metaroll eingebaut, haben die ersten Besucher schon gemerkt, wie das funktioniert und legen los. Gerade eben waren schon gut 40 Einträge mit Tags versehen; ich wette, wenn die ganzen Blogbesitzer morgen ihr eigenes Blog suchen und taggen, werden noch einmal eine ganze Menge dazukommen.

    Schön wäre ja, statt der üblichen Tagcloud, die nur die Häufigkeiten angibt ein Tagnetz zu entwerfen, das auch die Beziehungen zwischen den Blogs angibt (die sich direkt der Blogrollverlinkung entnehmen lassen). Mal sehen. Aber jetzt seid erst mal ihr dran.



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  • Wissenschaftskultur und Blogkultur

    Nach dem vielen Programmieren im Zusammenhang mit dem letzten metaroll-Update ist es nun wieder einmal Zeit für einen inhaltlichen Beitrag. Marcel Reichart gibt mit dem Satz “Natürlich ist die Blogkultur in Deutschland anders als in den USA, auch im wissenschaftlichen Bereich” dafür eine passende Anregung. Bislang scheinen derartige kulturvergleichende Blogographien (oder Ethnographien des Bloggens) jedoch Mangelware zu sein (ich freue mich aber darauf, durch Gegenbeispiele in diesem Punkt widerlegt zu werden).

    In meinen Free-Burma-Netzwerkanalysen habe ich u.a. auch die Kommentarpraxis in Frankreich und Italien kennengelernt, die sich von der deutschsprachigen Blogosphäre deutlich unterscheidet. Vor allem die ausgeprägten Einzelkommentare in der italienischen Splinder-Szene waren ziemlich genau das Gegenteil des sehr viel stärker gesprächsorientierten Bloggens z.B. bei Basic Thinking. Ich bin mir aber sicher, dass wir in den nächsten Monaten oder Jahren noch einiges über das Kommentieren in Weblogs erfahren werden: Wie entstehen Communities durch das gegenseitige Kommentieren? Wie homogen sind diese Gemeinschaften? Wie werden Informationen (oder etwas stärker à la mode: Meme) weitergegeben oder verändert? Gerade netzwerkanalytische Verfahren dürften hier eine entscheidende Rolle spielen, da sie von Beziehungen ausgehen (Stichwort: social graph) und nicht von Eigenschaften (wie z.B. die Wie ich blogge-Studie).

    Auf dem Feld der Wissenschaftsblogs werden diese blogkulturellen Unterschiede aber noch von den mindestens ebenso deutlichen (wenn auch besser erforschten) Unterschieden zwischen Wissenschaftskulturen überlagert. Als gravierendste Differenz lässt sich womöglich die anhaltende (oder besser: zunehmende) Brisanz der Gretchenfrage in der US-Wissenschaftsöffentlichkeit betrachten: Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Das wird zum Beispiel deutlich, wenn man sich ansieht, welche Themen in diesem Augenblick auf ScienceBlogs am intensivsten diskutiert werden. Die fünf “aktivsten” Blogeinträge sind:

    1. FFRF recap: heroes of the revolution, Hitchens screws the pooch, and the unbearable stodginess of atheists
    2. Student Report: Why do we still talk about the heart
    3. Student Post: Imagining Tennis
    4. The Washington Post’s war on Gore
    5. Gore Derangement Syndrome

    Betrachtet man diese Artikel näher, dann fällt auf, dass sie das Thema Wissenschaft nur periphär berühren, bzw. sich genau mit dem Spannungsfeld Wissenschaft vs. X befassen – wobei dieses X Politik, Emotionalität oder eben: Religion sein kann. Aber das ist wohl eines der Erfolgsgeheimnisse der ScienceBlogs, denn nur durch diese “Randthemen” lässt sich vermeiden, dass ein geschlossener wissenschaftsinterner Kommunikationskreislauf entsteht, der außerhalb der scientific communities als irrelevant wahrgenommen wird. Nun zu den Themen im einzelnen.

    Der erste Beitrag, mit 109 Kommentaren bisher der aktivste der fünf, berichtet von der “Freedom from Religion Convention”, einer Konferenz auf der unter anderem Christopher Hitchens (“God Is Not Great: How Religion Poisons Everything”) die These des “Clash of Civilization” noch einmal aufgewärmt hat und für Rudy Giuliani als US-Präsidenten geworben hat. Da die Konferenz sich explizit mit der Trennung von Staat und Religion befasst hat, ist es nicht verwunderlich, dass auch in den Kommentaren genau dieses Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Religion immer wieder berührt wurde. Einige eifrige Kommentatoren stellen dieses Thema bereits in das Zentrum ihrer Selbstbeschreibung: “I know Evolution is a fact” betont die eine “About Me”-Spalte, “I’m a liberal atheist with a degree in Computer Science” findet man in einem anderen Profil.

    Der zweite Beitrag befasst sich mit der Frage, warum trotz aller wissenschaftlicher Aufklärung das Denken und Reden in Metaphern wie zum Beispiel “er/sie hat mir mein Herz gebrochen” nach wie vor anzutreffen ist. Auch dies ein Thema, das auf die Grenzen von science in society hinweist und sich insofern auch gut für eine breitenwirksame Debatte eignet. Die 37 Kommentare kritisieren nicht nur den Aberglauben bzw. empfehlen, ein gebrochenes Herz als Kardiomyopathie zu operationalisieren, sondern verweisen teilweise auch auf ein grenzwissenschaftliches Wissen, in dem sogar eine spirituelle Funktion des Herzens nicht von vornherein abgetan werden kann.

    Das dritte Thema ist mit dem Problem der Wachkomadiagnose noch am stärksten innerwissenschaftlich ausgerichtet (bei einer gleichzeitigen starken Anwendungsorientierung). Mit 13 Kommentaren ist es auch das am wenigsten kommentierte. Dafür wurden jedoch die beiden letzten Beiträge 21 bzw. 62 mal kommentiert – es ging um die Verleihung des Friedensnobelpreises an Al Gore. Auch diese beiden Beiträge drehen sich nicht explizit um Wissenschaft. Stattdessen geht es um mediale Berichterstattung, insbesondere der Washington Post, die als neokonservatives Sprachrohr beschrieben wird, sowie die Diskussion des politischen Profil Gores und die Frage, wofür er den Preis eigentlich bekommen hat.

    Diese fragmentarische Momentaufnahme der ScienceBlogs (ich hoffe, die Verzerrung ist in diesem sonntäglichen Minisample nicht zu erheblich) gibt für mich einen Hinweis darauf, dass das US-amerikanische Wissenschaftsbloggen die größte Aufmerksamkeit mit Fragen generiert, die sich mit der (gefährdeten) Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft auseinandersetzt oder gar Anschlüsse an die Evolutionismus-vs.-Intelligent-Design-Debatte aufweist. Dabei zeigt sich zudem, dass es sich (zumindest in den hier betrachteten Themen) um eine weitgehend nationale Debatte handelt: auch der (internationale) Friedensnobelpreis wird schnell in den Rahmen der US-Medienlandschaft sowie der kommenden Präsidentschaftswahl gestellt.

    Die Frage lautet nun: Wenn man diese beiden kulturellen Unterschiede (hinsichtlich der Blog- und Kommentarpraktiken sowie der Wissenschaftskommunikation) ernst nimmt, wie könnte ein Modell des Wissenschaftsbloggens aussehen, dass auch in der deutschsprachigen Blogosphäre funktionieren würde? Ich bin gespannt. Auf der anderen Seite: ist die textbasierte Wissenschaftskommunikation (sei es in Blogs, Magazinen oder Zeitungen) wirklich die einzige denkbare? Oder müsste man nicht gleichzeitig auch den Blick für neue Formen der audiovisuellen Wissenschaftskommunikation schärfen – ich denke zum Beispiel an den großartigen filmischen Web 2.0-Essay des Ethnologieprofessors Mike Wesh?



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