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Bloß nicht zu ernst bloggen – Erfolgreiche Blogs handeln von Klamotten, Essen und Billigprodukte

comscore.pngWie dieser Mitteilung auf CNN zu entnehmen ist, will das US-Unternehmen comScore nun mit seinem “comScore Conversational Media Report” präzise Zahlen über die Blogosphäre liefern. Es geht dabei um

a new service that provides enhanced worldwide measurement of the audiences for blogging sites in the burgeoning conversational media space, which includes mainstream and niche blogs and social networking sites.

Und zu welchen Erkenntnissen kommen comScore? Zum Beispiel stellen die Chicagoer fest, dass die Kategorie eines Weblogs entscheidend dafür ist, wie es von seinen Besuchern aufgenommen wird. Besonders gut funktionieren Weblogs, die sich mit Bekleidung, Speisen und Getränken oder mit Billigprodukten befassen. Dagegen sind Weblogs über “ernste” Dinge wie Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Medikamente nicht so besonders günstig. Interessanterweise geht es hier nicht nur um Besucherzahlen, sondern um die Intensität und Qualität der Interaktion zwischen Besuchern und Bloggern, die sich zum Beispiel in Besuchertreue oder Kommentaren äußert. Diese Daten, so die Überzeugung von comScore, sind für Werbevermarkter besonders interessant, denn

this audience measurement tool will help advertisers that in general are spending more on online media better allocate their marketing dollars across Web properties and subchannels.

Die Daten werden aus Logfiles von zwei Millionen Verbrauchern generiert, deren Bewegungen und Transaktionen im Internet im Detail protokolliert werden. (via)



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    Gerade eben habe ich wieder eine neue Funktion in die metaroll eingebaut, die ein erster Schritt in Richtung automatisiertes Entdecken neuer interessanter Weblogs sein könnte. Diese Maßzahl steht in der letzten Spalte der metaroll-Tabelle:
    ratio.png
    Angezeigt wird das Verhältnis von Blogrollzählung und Technorati-Authority, also grob gesagt: der Anteil der Technorati-Verlinkungen, den ein Blog über die Blogrolls erreicht. So bedeutet zum Beispiel der Wert von 25% für das Blog “Imaginary Animals“, dass ein Viertel der Technorati-Authority über die bislang in der metaroll-Datenbank abgespeicherten Weblogs erzielt wird. Das wäre also vielleicht schon einmal ein entdeckenswertes Blog. Ebenso ruhepuls (25%), elektrosmog (24%), [bov] (23%), Brain Farts (23%), Malorama (20%).

    Gerade unter den Blogs mit einem hohen B/T-Wert, so meine Vermutung, könnten sich interessante neue Blogs verbergen, da sie in den alltäglichen Weblogquerverweisen eher unterrepräsentiert sind und vor allem über Blogrolls verlinkt werden. Die absolute Höhe der Zahl sollte man allerdings nicht überinterpretieren, da sie sehr davon abhängig ist, wie viele Blogs in die metaroll eingetragen sind. Die relative Höhe dürfte aber (unter der Annahme, dass die Blogeintragung hier nicht allzu sehr verzerrt ist) schon jetzt spannend sein.



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    pandora.pngEine der interessanteren Debatten auf dem Feld der Wissenschaftskommunikation dreht sich um den Artikel “Framing Science“, den Matthew Nisbet und Chris Mooney in der Aprilausgabe von Science veröffentlicht haben. Darin vertreten sie die These, dass die “Rahmung” (framing) von wissenschaftlichen Informationen entscheidend ist, um sie für bestimmte Öffentlichkeiten interessant und relevant zu machen. Einige Beispiele aus aktuellen (und in der Öffentlichkeit ausgetragenen) wissenschaftlichen Debatten machen deutlich, was die Autoren mit dem Begriff meinen. So kann zum Beispiel die Frage nach der globalen Erwärmung auf der einen Seite in einen skeptischen Rahmen (“wissenschaftliche Unsicherheit”) oder einen ökonomischen Rahmen eingebettet werden (“ökonomische Kosten”). Auf der anderen Seite kann man das Problem aber auch als “Büchse der Pandora” beschreiben (vgl. Abbildung, Quelle: Wikipedia) bzw. nach “Alarmsignalen” suchen. Für einen Wissenssoziologen sind das keine neuen Erkenntnisse, verwandte Phänomene sind unter Begriffen wie “Interpretationsfiguren”, “Deutungsmuster” oder “Storylines” zentrale Bestandteile der qualitativen Diskursanalyse.

    Dass der Artikel, der mit einem Plädoyer für eine zielgruppensensibleres Vorgehen der Wissenschaftler auf der öffentlichen Bühne endet (“In short, as unnatural as it might feel, in many cases, scientists should strategically avoid emphasizing the technical details of science when trying to defend it”), in den USA eine derart große Resonanz hervorrufen konnte, dass z.B. auf dieser Seite hunderte Links zu Reaktionen auf den Beitrag aufgelistet sind (oftmals wieder mit zahlreichen Kommentaren) oder, dass die beiden Autoren seit einiger Zeit nahezu täglich in den Universitäten der USA zu dem Thema vortragen, ist ein Indiz dafür, dass die wissenschaftliche Öffentlichkeit mittlerweile “reif” für eine derartige kritische Intervention zu sein scheint.

    Sieht man näher hin, dann erkennt man, dass es vor allem Wissenschaftsblogs sind, die sich in der Folge mit diesem Thema auseinandersetzen. Auf der einen Seite: Science 1.0, also Wissenschaftler, die jegliche Anpassung ihrer Wissenschaftskommunikationen an politische oder massenmediale Kontexte als Verrat an den ewigen Idealen der Wissenschaft sehen (“Manipulation”) und die Framing-Science-Debatte als ketzerisch empfinden. Auf der anderen Seite: Science 2.0, in der die strikte Trennung zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik infrage gestellt wird – häufig findet man hier einen ausgesprochen kulturalistisches Verständnis von Wissenschaft – und “Framing” (auch unter anderen Begriffen wie “Pädagogik” oder “Spin”) als alltäglicher Teil der wissenschaftlichen Arbeit und Kommunikation verstanden wird. Hier wird dann die Feststellung, dass “citizens do not use the news media as scientists assume” relevant. Anzunehmen ist, dass gerade Wissenschaftsblogger sich mit genau dieser Schlüsselfrage von Science 2.0 immer intensiver auseinandersetzen (müssen): Woher können wir überhaupt wissen, wie die Leute Wissenschaftskommunikationen gebrauchen bzw. verstehen?

    Aber ist nicht diese Debatte selbst ein schönes Beispiel für die Rahmung wissenschaftlicher Diskurse? Sind nicht Science 1.0 bzw. Science 2.0 mit den oben genannten Schlagwörtern “Manipulation” vs. “Pädagogik” immer auch als politische Strategien zu verstehen, eine wissenschaftliche Debatte (auch hier: vergleichsweise unabhängig von den tatsächlichen zugrundeliegenden Details) in Übereinstimmung mit den eigenen Einstellungen oder Interessen zu rahmen? Aber, um die Heftigkeit der Debatte in den USA (aus deutschsprachigen Medien sind mir nur einige vereinzelte Beiträge bekannt) zu erklären, muss man noch einen weiteren Rahmen in Betracht ziehen: die Kreationismus/Intelligent Design-Debatte, die in dem ursprünglichen Beitrag nur am Rande gestreift wurde (“[M]any scientists not only fail to think strategically about how to communicate on evolution, but belittle and insult others’ religious beliefs”), aber von vielen Kommentatoren in den Mittelpunkt gestellt wurde. Nisbet und Mooney mussten also selbst erfahren, wie sie auf einmal in einen Rahmen gebracht wurden, der beinhält, auch Pseudowissenschaften anzuerkennen.



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    Nachdem der erste Eindruck etwas unbeholfen war, hat sich Yahoos neue social networking site mittlerweile erholt und kann in ihrer ganzen Schönheit betrachtet werden (hier geht’s zu meinem Profil). Wobei: der zentrale Unterschied zu Facebook ist, dass der User hier alle Freiheiten hat, sich eine unglaublich scheußliche Seite zu basteln. Und mehr noch: die Scheußlichkeit wird sogar zum Prinzip erhoben, wie Will Aldrich auf seinem Profil erklärt (bzw. blurtet): “Will Aldrich thinks that fugly is the new beautiful”. So weit bin ich mit meinem Profil noch nicht, aber einen ersten Eindruck von den Standardfunktionen, die einen erwarten, wenn man sich neu anmeldet, kann ich schon einmal in folgendem kommentierten Screenshot vermitteln (Klick auf das Bild zum Vergrößern):
    mash2.png
    Einige interessante Ansätze sind in dieser Kreuzung aus Facebook, MySpace und Wikiwiki jedem Fall dabei. Besonders gespannt bin ich darauf, wie sich die Wiki-Funktionen (fremde Profile verändern, Revisionsliste) zu dem eigentlichen Kern der social networking sites, der Selbstpräsentation, verhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass daraus ein ernsthafter Konkurrenr zu den klassischen professional networking sites wie Facebook, LinkedIn oder Xing werden kann. Aber was wird es dann?

    Mittlerweile gibt es auch in der deutschen Blogosphäre die ersten Reaktionen auf das neue Netzwerk, zum Beispiel von Timo Heuer, der Mash in einem Videoclip vorstellt oder von Sebastian Erlhofer, der den Aspekt des Vertrauens hier besonders interessant findet.

    Wünsche nach Einladungen bitte in die Kommentare.



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    god.pngAm 22. September wird Marc vom Wissenswerkstattsblog in Bamberg etwas über den “schwierigen Weg zur Wissenschaft 2.0″ erzählen. Darin wird es (sofern sich der Vortrag nicht allzustark von diesem ersten Abstract weg entwickelt hat) vor allem um die spannede Frage gehen, warum die akademische Welt so große Schwierigkeiten hat, sich dem neuen Netz zu öffnen. Mit einigem systemtheoretischen Theoriefundament kommt Marc dann zu seiner These: “so wie sich das Internet gerade in der Spielart des Web 2.0 präsentiert und konstituiert, stellt es eine Provokation und gleichzeitig eine Heraus­forderung für das etablierte Wissenschaftssystem und seine tradierten Publikationspraxen dar.” Vor allem die folgenden vier Punkte beschreiben die Probleme der Wissenschaft (welcher eigentlich? bzw: gilt dies auch für die Naturwissenschaften?) mit dem Read/Write-Web:

    1. Das grundlegende Erfordernis, die Systemgrenzen der “Wissenschaft” stabil zu halten (Stichwort: “Wahrheitsfähigkeit”), verhindert eine allzu große Öffnung zu anderen Gesellschaftsbereichen (vulgo: Subsystemen). Aber: Inwiefern ist das wirklich ein Problem? Da Wissenschaftlichkeit ein Kriterium ist, das stets durch einen Beobachter zugewiesen wird, kann dies doch ebenso auf elektronische Kommunikationen und kollaborative Prozesse angewendet werden.
    2. Im neuen Netz wird die Grenze zwischen Wissensproduktion und -darstellung unscharf. Die Frage ist, ob man hier wirklich, gerade von einem systemtheoretischen Unterbau aus, von einer kategorialen Trennung sprechen sollte. Schließlich sind doch beides kommunikative, auf Anschlussfähigkeit ausgelegte Akte (der romantisch-genialische Geisteswissenschaftler, der erst Jahrzehnte nach seinem Tod rezipiert wird, ist sicher eine Extremfigur). Oder: Wissenschaftskommunikation ist Wissensproduktion.
    3. Das kollaborative Schreiben führt zudem dazu, dass Autorschaft nicht mehr einwandfrei zugerechnet werden kann. Dazu würde ich sagen, dass die Zuschreibung von Autorschaft, gerade wenn es um Entdeckungen und Erfindungen geht, schon immer problematisch gewesen ist. Aber dafür haben wir schließlich die Wissenschaftsgeschichte, die dann genau diese Zuschreibungen leistet. Übrigens können auch Wikipedia-Wissenskommunikationen können mit den entsprechenden (neuen) Werkzeugen in ihren Autorenbeiträgen aufgeschlüsselt werden, wie ich gerade gelesen habe (vgl. dazu diesen Beitrag).
    4. Mit dem bisherigen Fokus auf die Frage des Open Access (und damit: der Zirkulation von Wissen) – ich würde an dieser Stelle auch noch auf die ebenfalls einflussreiche Debatte um “Public Understanding of Science” (PUS) hinweisen, in der es ebenfalls vor allem um die Kommunikation und Rezeption bereits produzierten Wissens geht – verstellt sich die Wissenschaft den Blick auf die neue spannende Frage danach, wie Wissen kollborativ und offen produziert werden kann.

    Die Frage, die mich an diesem Thema besonders interessiert, wäre allerdings: Entwickeln sich im neuen Netz tatsächlich neue wissenschaftliche Textgenres (also neben dem Artikel, der Monographie und der Presentation)? Gerade dem Bloggen würde ich in dieser Hinsicht ein hohes Innovationspotential zusprechen, da es sich in einem Punkt deutlich von den anderen wissenschaftlichen Textsorten unterscheidet: in der Eindringlichkeit der Kommentierungen. Seitdem es durch das exponentielle Wachstum wissenschaftlicher Veröffentlichungen einer einzigen Person nicht mehr möglich war, alle relevanten Texte auch nur im eigenen Fachgebiet vollständig zu rezipieren, konnte man Kommunikationen (Nachfragen, Kritiken, Vorschläge) ignorieren ohne damit ein großes Risiko einzugehen. Genau das ist in Weblogs nicht möglich, da die Antworten auf die eigenen Texte am selben Ort erscheinen wie die Ausgangstexte. Das Ignorieren wird damit beobachtbar und nahezu zwangsläufig zugerechnet. Oder anders ausgedrückt: das Prinzip der Anschlussfähigkeit gerät sehr viel stärker ins Blickfeld des Autors sowie anderer Beobachter.

    Interessanterweise wurde gerade jetzt wieder einmal die Frage nach den “bloggenden Professorengestellt und die zahlreichen Antworten demonstrieren, dass man hier eigentlich nicht mehr von einem Ignorieren des Web 2.0 sprechen kann. Eine wachsende Zahl von Akademikern in unterschiedlichen Disziplinen streckt ihre Fühler schon in diese Richtung aus.

    Und noch etwas: Gerade ist Burda bei der US-amerikanischen Seed Media Group eingestiegen, die man nicht nur ihres interessanten Seed Magazines wegen im Auge behalten sollte, sondern auch, weil dazu mittlerweile bereits 65 Wissenschaftsblogs gehören. Und wie sehen die Pläne der Burda Media Group aus? Nach Marcel Reichart, Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung, soll bereits im nächsten Jahr die deutsche Version von Scienceblogs starten.



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    Wer etwas auf sich hält in der neuen Internetwelt, verbringt die Tage wahrscheinlich am ZKM Karlsruhe auf der Tagung “ICH, WIR & DIE ANDEREN. Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen II“. Für alle anderen gibt es in Oliver Gassners Blog zumindest die Möglichkeit, frische Notizen von den Vorträgen zugespielt zu bekommen. Danke.

    Ergänzung: Mittlerweile hat auch Ralf in seinem Blog eine gut lesbare Zusammenfassung des ersten Tags geschrieben. Und hier gibt es noch ein Blog zur Konferenz. Außerdem berichtet Julie Paradise mit roten Ohren von dem Gefühl, in einem Vortrag über die “Relevanz-Debatte” “irgendwie mit drin zu sein, und andererseits eben nicht”.



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