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OnlineStar: Hotelsoftware bei deutschen Usern beliebter als Facebook

Die beliebtesten Webseiten Deutschlands bekommen den OnlineStar, der so wichtig ist, dass er nicht nur auf den Bayerischen Ex-Ministerpräsidenten als Schirmherren verweisen kann, sondern sich auch in der Beschreibung mit zahlreichen wohlklingenden Formulierungen schmücken kann: “Europas größter Internet-User-Award”, “Web-Oscar”, “hohe Glaubwürdigkeit”, “Branchenereignis”, “richtungsweisend im Bereich der Qualitätsprüfung im Internet”, “so User-orientiert wie möglich”. Kurz: “Es geht um die Besten der Besten!” bzw. “Eine bessere Erfolgskontrolle gibt es nicht”.

Und wie lauten die Sieger in der Kategorie “Online Communities”? StudiVZ, ICQ, Yahoo, Lokalisten, MSN, StayFriends, Freenet, Xing, Knuddels und Myspace.de. Nun mag man sich wundern, was an Yahoo, Freenet oder MSN die Bezeichnung “Community” rechtfertigt (oder inwiefern T-Online ein Weblog ist). Aber geschenkt. Viel interessanter ist, dass bei dieser besten aller Erfolgskontrollen ein Hotelsoftwareanbieter auf den 10. Platz gerutscht ist, denn das ist es, was sich hinter myspace.de verbirgt.

Als großer Freund des deutschen Hotelgewerbes gratuliere ich zu diesem tollen Erfolg. Und den Ehrenpreis für den Internetversteher des Jahres dürfen sich der OnlineStar und die Süddeutsche Zeitung teilen. Einverstanden?



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    Gerade wollte ich ansetzen, mich fair und objektiv mit der neuesten Analyse der Süddeutschen Zeitung zum Thema Web 2.0 auseinanderzusetzen. Unter anderem hätte ich darauf verwiesen, dass es durchaus einen ernst zu nehmenden Trend gibt, die tägliche Informations- und Kommunikationslast intelligent zu begrenzen. Auch ein paar soziologische Theoriestücke hätte ich an der Stelle einbauen können, die behaupten, dass dieses Problem des Wissens- und Informationsmanagement ein charakteristisches Signum der entwickelten Wissensgesellschaft ist und uns noch eine ganze Weile begleiten wird. Dann hätte ich aber verdeutlichen müssen, dass ich die Trennung zwischen der Welt der sozialen Netzwerke und der “wirklichen Welt” (bzw. “der virtuellen Ersatzwirklichkeit”) für eine effekthaschende Scharlatanerie halte, auf die nur jemand reinfallen kann, der noch nicht bemerkt hat, dass Online und Offline sich mittlerweile so sehr verschränkt haben, dass es immer schwieriger zu sagen ist, wo das eine aufhört und das andere beginnt – schon einmal einen Geldautomaten bedient? (Wahrscheinlich sind es dieselben Leute, die auf so einen Gedanken kommen, die auch noch nicht begriffen haben, dass Globalisierung und Lokalisierung kein Gegensatz mehr sind) Zumindest hätte ich in so einem Beitrag aber klarstellen müssen, dass asoziale Netzwerke wie Hatebook, Snubster und Getafirstlife vielleicht doch nicht ganz so ernst gemeint sind. Je häufiger ich mir den Artikel von Jean-Michel Berg durchgelesen habe, desto mehr ist mir die Lust an so einem Post vergangen.

    Denn jetzt bin ich überzeugt davon, dass in den nächsten Tagen in der SZ eine Ernährungswissenschaftlerin in einem großen Interview zu den Auswirkungen von schnitzlr auf den Ernährungszustand der Bevölkerung befragt werden wird.



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    In einem wunderbaren Beitrag nimmt Marc (Wissenswerkstatt) die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung zum Thema Web 2.0 auseinander, das nicht gerade zur Kernkompetenz der Zeitung gehört. Worum geht es? Die SZ hat anlässlich einer TNS-Infratest-Studie (vgl. dazu auch den Eintrag im Wortgefecht) zum Thema Web 2.0 – zu interpretativen Schwierigkeiten einer älteren TNS-Studie zu einem ähnlichen Thema hatte ich mich bereits an dieser Stelle geäußert – in ihrem “Jugendlexikon” wieder einmal die Lieblingsthese der Qualitätsjournalisten von der Blogosphäre als digitalem Kindergarten aufgewärmt:

    “Schon 81 Prozent der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren hocken heute vorm Computer. Folglich werden es immer seltener Oma und Opa sein, die den goldenen Schlüssel zu ihren Erfahrungsschätzen aushändigen, so ihnen nur aufmerksam zugehört wird. Vielmehr wird Wissen heute fix aus dem Internet gefischt. Genauer, aus dem Web 2.0, dem Mitmach- und Partizipativnetz. Für dessen Inhalte sorgen, wie sich denken lässt, viele Jugendliche.”

    Marc empfiehlt den zuständigen Redakteuren und Journalisten, es doch hin und wieder einmal mit sorgfältiger Recherche und einem Blick auf die Repräsentativität derartiger Aussagen zu versuchen, was dann mitunter überraschende Ergebnisse hervorgebracht hätte: dass zum Beispiel das Durchschnittsalter der Wikipedia-Produzenten bei 35 Jahren liegt oder dass der “Wie ich Blogge”-Studie (Zusammenfassung als pdf) zu entnehmen ist, dass “82,3% aller Blogger 20 Jahre und älter sind”.

    Vielleicht hätte aber auch ein kleiner Blick auf unsere lieben A-Blogger genügt. Normalerweise schauen Qualitätsjournalisten doch auch immer als erstes auf die Herren Niggemeier, Schultheis, Vetter, Basic, Haeusler, René, Schwenzel, Alphonso und Winkel? Warum nicht dieses Mal? Vielleicht weil sie dann sofort auf das kleine Geheimnis der A-Blogger gestoßen wären, dass keiner von ihnen unter dreißig ist und einige sogar bereits die 40 hinter sich gelassen haben.

    Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen ist in dieser Angelegenheit persönlich nicht unbeteiligt, da er ebenfalls der Altersgruppe Ü30 angehörig ist.



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    Sehr schön, was der “Medienhacker” Dave Winer auf dieser Seite mit dem NY-Times-Newsfeed anstellt: er filtert aus allen neuen Nachrichtenartikel die Keywords heraus und erstellt eine Rangfolge. Beziehungsweise: nicht er macht das alles, sondern ein Script. Möglich wird das dadurch, dass alle (jedenfalls die meisten) Artikel der NY Times auf vorbildliche Weise mit Metadaten versehen sind. So findet man zum Beispiel im Quelltext der Nachricht “In Iran, Putin Warns Against Military Action” folgende Metadaten, die sich alle per Computer auslesen und weiterverarbeiten lassen:

    • Kurzbeschreibung
    • Schlagworte
    • Datum
    • Titel
    • Autor
    • Themengebiete
    • Personen
    • Geographischer Kontext
    • Ressort

    Ein Computer könnte diesen Metadaten entnehmen, dass sich das berichtete Ereignis auf Russland und den Iran bezieht, dass es mit Vladimir Putin und Mahmoud Ahmadinejad zu tun hat sowie dass es dabei um Internationale Beziehungen und Atomenergie geht. Damit lässt sich schon eine Menge anfangen und ohne großen Aufwand Verknüpfungen zu anderen Nachrichten herstellen. Fehlt nur eine geeignete Darstellungsform, um der Leser könnte durch diese Angaben “Pivot-Browsen“, also immer wieder einen neuen Ausgangspunkt auswählen, sei es ein Ort, eine Person oder ein Thema, und von dort aus neue Beiträge entdecken. Vielleicht sogar in anderen Nachrichtenquellen oder gar Medienformen (GoogleEarth, Youtube, Facebook).

    Sieht man sich dagegen die deutschen überregionalen Tageszeitungen an, so kann man nur einen gewaltigen Aufholbedarf feststellen. Der Artikel zum selben Thema in der Süddeutschen Zeitung wartet zwar mit einigen Keywords auf, doch diese wollen mir doch tatsächlich weißmachen, es gehe in dem Artikel um “Bush”, “Cofi Annan”, “Saddam”, den “Bundestag” oder um “Steuer”. Davon, dass “Saddam” und “Cofi Annan” schon etwas länger Geschichte sind, will ich gar nicht reden.

    Weiter zur FAZ, die ebenfalls einen Artikel zu Putins Solidaritätserklärung parat hat. Aber auch hier ist das semantische Netz zerrissen, denn ein Computer würde zu dem Ergebnis kommen, der Artikel thematisiere “Merkel”, die “EU”, “Steuern” und irgendeine “Wahl”.

    Die Welt hat keinen Artikel direkt zu dem Thema, also habe ich mir einen Beitrag über die Terrorrisiken der Putinreise ausgesucht. Auch hier führen die Metadaten zunächst ins Leere, denn mit “Urlaub”, “Sport” und “Satire” hat das nichts zu tun. Aber halt! Ganz am Ende der Keywords doch noch ein paar sinnvolle Hinweise: Iran, Russland, Wladimir Putin, Staatsbesuch, Atomenergie, Anschlag. Gar nicht übel, aber schlecht auszuwerten.

    Zum Schluss noch zur taz, wo mich wieder nur Standardkeywords erwarten, außer hinter der Wahl von Schlagworten wie “politische Karikatur”, “Cartoons” und “Comic” steckt eine tiefere Absicht? Klar ist: ein Computer würde beim Versuch, diesen Humor zu entschlüsseln, versagen.



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