Archive for the 'suchmaschinen' Category

Woher kommen die Nutzer?

Gerade habe ich bei Turi2 folgendes Zitat von Manfred Hasenbeck (Burda-Yukom) gelesen:

Sie können heute die schönsten medialen Weihnachtsbäume ins Netz stellen. Wenn der Rezipient nicht weiß, dass es sie gibt, wird er sie nicht finden.

Ganz ähnliche Kommentare habe ich in den letzten Tagen auch immer gehört, wenn es um die Produktion neuer, zum Teil crossmedialer Angebote der Wissenschaftskommunikation geht: “Was ist denn, wenn wir mit großem Aufwand tolle Filme über Wissenschaftler herstellen, und dann findet diese Filme niemand im Netz?”

Der Denkfehler liegt darin, dass es gar nicht so sehr darum geht, dass die Rezipienten (hoffentlich landet dieses Schimpfwort zusammen mit dem Konsumenten auf dem diskursiven Müllhaufen) selbst diese Inhalte finden. Natürlich guckt der normale Nutzer nicht täglich auf die Seiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um nachzusehen, ob es da womöglich neue Multimediainhalte gibt. Was für eine seltsame Vorstellung.

Nutzer suchen nach Themen. Die meisten suchen auf Google. Deshalb gilt: Wenn die Inhalte gut sind und über Suchmaschinen wie Google gut auffindbar sind (also gut verschlagwortet), dann werden sie gefunden. Wenn ich meine Angebote im Deep Web verstecke, brauche ich mich nicht wundern, dass sie nicht gefunden werden.

Also: stellt eure schönen medialen Weihnachtsbäume ins Netz, sorgt dafür, dass Google damit etwas anfangen kann. Wenn die Inhalte gut sind, dann werden die Nutzer auch kommen.



Verwandte Artikel:
  • Münchener Medientage auf Twitter
  • Vom Geist des modernen Prosumerismus
  • Facebook als Flirtbörse? Zur Soziodemographie der Facebook-Nutzer
  • Das Ende der URL – “Google ‘viralmythen’ to find out more”

    Die Geschichte der massenhaften Durchsetzung des Internet ist auch eine Geschichte eines sprachlichen Wandels. Zu Anfang waren die Adressen, die man händisch in den Browser eingeben mussten, noch kryptische Kombinationen – tief verschachtelt und in der häufigen Verwendung der Tilde “~” noch mit deutlichen Referenten an die UNIX-Filestruktur (dort ist “~” eine Abkürzung für das Heimatverzeichnis eines Benutzers). So war zum Beispiel ein sehr frühes Blog unter der Adresse http://www.link-goe.com/~hwo/MeinFramo.htm erreichbar.

    Mit der großen Internetblase um die Jahrtausendwende veränderte sich auch das Sprechen über das Internet. Der Buchstabe “w” wurde damit zu einem der wichtigsten auf den Tastaturen. Zudem entstanden Unternehmen, die sich über ihre Internetadresse definierten und die .com- oder .de-Endung in ihren Markennamen integrierten. Ein prominentes Beispiel dafür ist Amazon.com (“Amazondotcom”).

    Cabel Maxfield Sasser hat auf seiner Japanreise erste Anzeichen dafür gefunden, dass sich dieses Phänomen wieder auf dem Abschwung befindet. Die URLs werden in der Werbesprache allmählich durch etwas neues ersetzt: Plakat- oder TV-Werbung, auf der ein Suchmaschinenfeld abgebildet ist, in dem der Name des Unternehmens steht. Das ergibt natürlich nur dann Sinn, wenn das Unternehmen oder die Marke im Suchmaschinenuniversum auch überall an erster Stelle gerankt wird. Ergebnis ist eine Semantik, die wesentlich auf dem Funktionieren der Suchmaschinenoptimierung (SEO) beruht. “Google ‘pontiac’ to find out more”, hieß es zum Beispiel 2006 in einem Werbeclip des Autoherstellers (siehe dazu auch dieses schöne Beispiel).

    Nachdem nur noch die wenigsten Leute sich URLs merken und Buchstabe für Buchstabe in die Adresszeile des Browsers eintippen, sondern einfach die Google-, Yahoo- oder Wikipedia-Suchleiste daneben verwenden, spielt die Reservierung einer möglichst kurzen Domain keine große Rolle mehr. Lieber eine etwas umständliche URL, auf die dann aber bei alle wichtigen Suchmaschinen bei der Suche nach Unternehmen oder Marke verweisen. Vielleicht spielen in Zukunft aber auch Quick Response-Codes bei der Überwindung der Medienlücke zwischen Offline und Online eine größere Rolle oder RealName-ähnliche Dienste werden als Geschäftsidee wieder attraktiv.



    Verwandte Artikel:
  • Datenbank abgeschossen
  • Open Social in Wort und Bild
  • viralmythen + metaroll
  • Schöne neue Suchwelt: Googles Schnittstellenexperimente

    Google-Suchergebnisse lassen sich seid kurzem nicht mehr nur als schnöde Liste mit kurzen Ausschnitten darstellen (“list view”), sondern auch chronologisch (“timeline view”), räumlich (“map view”) oder als Ansicht, in der Orte, Zeitpunkte, Maße oder Bilder hervorgehoben werden. So kann man zum Beispiel die Treffer eines Suchbegriffs dahingehend einschränken, dass sie zwischen 100m und 1km liegen sollen – wofür auch immer das nützlich sein soll. Oder man erhält eine Zeitleiste, auf der alle in den Texten vorkommende Jahreszahlen markiert sind (hier frage ich mich dann schon, wie 2000 als Jahreszahl von 2000 als einfache quantitative Angabe unterschieden wird).

    google2.png

    Deutlich intuitiver ist natürlich die ortsbezogene Sichtweise, die allerdings zunächst nicht viel mehr ist als Geomashup der Suchergebnisse anhand des Vorkommens bestimmter Schlüsselwörter, die auf Orte hinweisen. Damit lässt sich aber auch der Suchraum geographisch einschränken, zoomt man in dem rechten Kartenausschnitt und klickt auf “Update Results”, dann erhält man auch nur die Treffer, die sich auf die angezeigte Region beziehen.

    google1.png

    Etwas ähnliches hatte ich mit meiner mivino-Anwendung auch schon einmal unternommen: Damit lassen sich die RSS-Feeds der partizipierenden Weinblogs je nach den im Text vorkommenden Winzern, Weinlagen oder Orten in einem GoogleMaps-Mashup darstellen. Das Ziel ist dabei etwas ähnliches, nur auf eine bestimmte Thematik bezogen und dadurch auch etwas feinkörniger (letztlich sollen dann auch einzelne Lagen geokodiert werden).

    riefling.png

    Das Muster dahinter ist dasselbe: Es geht darum, Daten aus dem WWW mit Hilfe von Zuordnungs-Tabellen oder künstlicher Intelligenz auf eine andere Weise als üblich darzustellen. Oder besser: dem Anwender eine Vielzahl an Möglichkeiten anzubieten, durch die Datensätze zu browsen. Als “Personalisierung” würde ich das jedoch noch nicht bezeichnen, erst dann, wenn z.B. sich Google die regionale oder zeitliche Eingrenzung merken würde. Eigentlich ist es ja erstaunlich, wie lange sich die Suchmaschinen-Trefferliste als Darstellungsform gehalten hat und Veränderungen nur behutsam eingeführt wurden, wie Kate Green bemerkt: “Die Web-Suche wird sich wohl verändern, doch nur schrittweise. Schließlich ist es ein schmaler Grad zwischen nützlichen Zusatzinfos und der Überfrachtung des Nutzers mit neuen Funktionen.”

    Dabei gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten: Zum einen die Einführung bestimmter Metadaten, mit denen eine Ressource z.B. nach Datum oder Ort kodiert werden kann. Die Standards hierzu gibt es bereits (z.B. GeoRSS in den Varianten Simple und GML), das Problem ist nur der Aufwand bei der Einfügung dieser Daten. Sehr viel eleganter finde ich daher die zweite Möglichkeit, den Computer diese Zuordnungen selbst machen zu lassen (siehe diese Demoanwendung). Wenn in einem Text der “Eifelturm” erwähnt wird, sollte es möglich sein, einen Pin fünf Kilometer südlich vom Nürburgring in die Karte zu stecken – bzw. aus den weiteren Wörtern im Kontext des Begriffs herauszulesen, ob dies der gemeinte Ort ist. Vielleicht das ganze dann noch durch eine Community “korrekturlesen” lassen oder gleich bei häufig verwendeten Begriffen auf die große Zahl geokodierter Wikipedia-Artikel zugreifen, die mittlerweile schon eine sehr brauchbare semantische Geodatenbank darstellen.



    Verwandte Artikel:
  • Wird Google die Spielregeln für das Social Networking verändern?
  • Was ist Googles Open Social und wozu brauche ich das?
  • Google AdPlanner: Das Ende der Online-Mediaplanung?