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Überwachen mit Twitter

twitterstats.pngIm Unterschied zu Social Networks wie Xing oder Facebook, in denen Profilinformationen und insbesondere auch Statusmeldungen je nach Sicherheitseinstellungen nur für andere Mitglieder oder sogar nur bestätigten Kontakten einsehbar sind, ist Twitter in der Praxis weitgehend ein offenes Forum. Nur eine geringe Zahl von Personen macht von der Möglichkeit gebrauch, ihr Profil für nicht bestätigte Kontakte zu sperren, so dass man im Prinzip auch als Nicht-Twitterer sehen kann, was eine bestimmte Person von den mittlerweile 860.000 Nutzern den ganzen Tag über schreibt, welche anderen Kontakte diese Person “verfolgt” (follow), welche Statusmeldungen die Person besonders interessant gefunden hat. Über Twitterholic kann man dann auch noch sehen, wie sich die Zahl der Kontakte in den letzten Tagen entwickelt hat.

Insbesondere nachdem ich diese Ratschläge gelesen habe, die beschreiben, wie man Twitter-Nutzern, zum Beispiel Konkurrenten, folgen kann, ohne dass diese es merken (würde man der Person folgen, bekäme sie eine Benachrichtigung darüber). Das führt dann so weit, dass auch noch per Twitter-Suchmaschine alle Erwähnungen einer Person regelmäßig abgefragt und per RSS-Feed verschickt werden. Ein Überwachungssystem zum Selberbasteln. Auf den ersten Blick mag man vielleicht entgegnen: Na und? Selber schuld, wer sein Privatleben in eine unbekannte Öffentlichkeit versendet. Außerdem wird der wirtschaftliche Konkurrent ja zu den selben Methoden greifen, um einen selbst zu überwachen. Solange dieses Spiel in einem geschlossenen Teilnehmerkreis stattfindet – jeder überwacht jeden – ist das im Prinzip nicht sehr weit weg von der hellhörigen Dorfgemeinschaft. Aber in dem Moment, in dem Außenstehende dazu kommen – seien es staatliche Akteure oder der eigene Vorgesetzte – wird dieses Spiel asymmetrisch und es entstehen Beobachterpositionen, die selbst unbeobachtet bleiben.

Brauchen wir eine Twitter-Ethik?



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    Nach zwei Tagen ist der Buzz um das neue Netzwerk meinVZ auch schon wieder vorüber. Auch die damit verbundenen Netzwerke studiVZ und schülerVZ, die ebenfalls von dem Buzz profitieren konnten sind wieder auf ihre normalen Werte zurück, wie der Blick auf das aktuelle Diagramm zeigt:

    Nun liegt wieder MySpace als meistdiskutiertes Netzwerk vorne, gefolgt von Facebook. Bemerkenswert ist allerdings, dass es die deutschsprachige Internationalisierung von Facebook nahezu überhaupt nicht geschaft hat, die Blogosphäre zum Brummen zu bringen. Vielleicht hat sich der meinVZ-Buzz schon allein deshalb für die Holtzbrinck-Gruppe gelohnt, weil er diese Nachricht der Konkurrenz “auslöschen” konnte? Da sich mit dem hier verwendeten Tool leider noch keine Aussagen treffen lassen, ob es ein positiver oder negativer Buzz ist, gibt es auch keine Auskunft darüber, ob sich an den Imageproblemen von studiVZ und schülerVZ, die ethority herausgefunden haben, etwas geändert hat.



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    meinvz.pngErst lässt man die Blogosphäre ein wenig über den genauen Namen des künftigen StudiVZ für Ex-Studenten spekulieren, dann geht man gegen die Verwendung der Buchstabenkombination VZ vor und schließlich dann die große Enthüllung des neuen Netzwerks meinVZ.

    Wenn man den Buzz beobachtet, den diese Ereignisse in der letzten Zeit in der deutschsprachigen Blogosphäre erzeugt haben, kann man nur zu dem Ergebnis kommen, dass die Strategie zumindest in dieser Hinsicht aufgegangen ist:


    (Monatsansicht)


    (Wochenansicht)

    Gerade die Marke studiVZ, die bisher, was die Erwähnungen in der deutschsprachigen Blogosphäre betrifft, hinter Facebook und MySpace an dritter Stelle gelegen ist, hat sich dadurch an die erste Stelle katapultiert. Dieser Buzz nützt aber auch der Konkurrenz, die dadurch ebenfalls wieder ins Gespräch kommen und zum Teil neue Februar-Höchstwerte erreichen können. Der meinVZ-Hype könnte sich also zu einem neuen Community-Hype entwickeln. Betrachtet man den Querschnitt für gestern und heute, dann erwähnen zwei von drei Blogbeiträgen mit Bezug auf Social Networks eines der Holtzbrinck-VZe:

    Das spiegelt sich dann natürlich auch darin wieder, das die Holtzbrinck-Gruppe gerade die Blogkonversationen dominiert und Bertelsmann, Springer und Burda auf die Plätze verweist:

    Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das in den nächsten Tagen und Wochen weiterentwickeln wird.

    UPDATE: Wie man hier erkennen kann, hat studiVZ gestern weiter Buzz erzeugt und meinVZ ist nun das am zweithäufigsten erwähnte Social Network in der deutschen Blogosphäre. Dabei gab es einen time lag zwischen studiVZ und meinVZ, das erst einen Tag später einen entsprechenden “Sprung” gemacht hat:

    Was schreiben die anderen zum Thema meinVZ?

    • In der Gründerszene gibt’s ein Videointerview mit den StudiVZ-Gründern Michael Brehm und Dennis Bemmann
    • Martin Weigert kündigt den meinVZ-Start an und verursacht eine lebhafte Diskussion.
    • Auf turi-2 gibt es die ersten Screenshots des neuen VZs.
    • Brandkraft hat ein Video entdeckt, das die Zielgruppe von meinVZ darstellen soll.
    • Markus relativiert den Hype etwas und verweist auf eine Le Monde-Karte, auf der man sehen kann, in welchen Netzwerke Nord- und Süd-Amerikaner, Europäer, Afrikaner und Asiaten am liebsten gruscheln.
    • Und Robert Basic findet das alles nicht besonders spannend, während der Sichelputzer nicht davon lassen konnte, es gleich einmal am eigenen Leib auszuprobieren.


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    maunaloamap2.jpgWie misst man den “Erfolg” oder die “Wichtigkeit” eines Weblogs? Wenn es um die Werbeanzeigen geht, spielen nach wie vor die Seitenaufrufe (Page Impressions) eine zentrale Rolle, obwohl es mittlerweile eine ganze Reihe alternativer Metriken gibt, mit denen man z.B. den Wert oder das Potential eines Weblogs erkennen kann. Angeregt durch die sehr lesenswerte Zusammenstellung von Avinash Kaushik, hier ein paar Möglichkeiten:

    1. Alter: Wie alt ist das Blog? In vielen Fällen ist das einer der wichtigsten Indikatoren, da er häufig ein Indiz dafür ist, wie wichtig einer Bloggerin das Blog ist. Bisherige Blogstudien haben gezeigt, das die “Sterblichkeit” junger Blogs sehr groß ist und sehr viele Blogger ziemlich bald die Lust und Motivation verlieren.
    2. Volumen: Hier wird einfach der Umfang eines Blogs gemessen. So wie es dicke Wälzer und dünne Broschüren gibt, haben manche Blogs viele Einträge, andere nur sehr wenige. Gemessen wird entweder die Zahl der Beiträge oder die Zahl der Zeichen, die insgesamt in einem Blog publiziert wurden. Allerdings ist die zweite Variante dann schwierig, wenn es sich um Blogs handelt, die viel mit Bildern, Audiodateien oder Videos arbeiten.
    3. Postfrequenz: Mit der Postfrequenz wird nicht die Gesamtzahl der Beiträge erfasst, sondern die Beiträge, die in einem bestimmten Zeitraum veröffentlicht werden, z.B. in der Einheit Beiträge pro Woche. Während das Volumen in der Regel stark vom Alter eines Blogs abhängt, ist die Postfrequenz in dieser Hinsicht neutral. Gezählt wird nur, was in einer durchschnittlichen Woche geschrieben wird.
    4. Aufmerksamkeit: Der klassische Indikator des Web 1.0 misst, wie häufig das Weblog abgerufen wird (Page Impressions) beziehungsweise wie viele Besucher das Blog anziehen kann (Visitors / Unique Visitors). Zu bedenken ist allerdings, dass auch die Abonnenten des RSS-Feeds eines Blogs zum Publikum zu zählen sind.
    5. Einfluss: Der Einfluss eines Blogs zeigt an, wie stark es in der Blogosphäre vernetzt ist, konkret: wie viele andere Blogs sich auf dieses Blog beziehen. Dabei gibt es mehrere Ansatzpunkte um dieses Maß, das sich sehr gut für eine netzwerkanalytische Interpretation eignet, zu operationalisieren: a) anhand der Blogrollverlinkung, die sich besonders gut eignet, Affinitäten abzubilden (“Ich mag Blog X”), jedoch sehr statisch ist und sich über lange Zeit kaum ändert (siehe metaroll), b) anhand der Beitragsverlinkung, also z.B. über Trackbacks oder “via”-Links (siehe Technorati) oder c) anhand der Benutzerbewegungen von einem Blog(beitrag) zu einem anderen (Traffic, früher: blogscout).
    6. Nähe und Betweenness: Neben dem Verlinkungsgrad sind auch noch zwei weitere netzwerkanalytische Maßzahlen denkbar. Die Nähe (closeness) misst, wie weit ein Blog zu den anderen Blogs der Blogosphäre (oder auch: der interessierenden Subcommunity) entfernt ist und mit der Betweenness-Zentralität erfasst man, wie wichtig die Position eines Blogs in einem Blognetzwerk ist, um zwischen anderen Blogs zu makeln.
    7. Kommentarintensität: Mit diesem Indikator wird erfasst, wie sehr es einem Blogger gelingt, seine Leser über die Kommentarfunktion in ein Gespräch zu verwickeln. Außerdem ist eine hohe Kommentarintensität – gemessen als Anzahl der Kommentar pro Post – oftmals ein Indiz dafür, dass die Blogposts sehr kontrovers formuliert sind und viele Leser zum Widersprechen motivieren (vgl. etwa die Posts von Pharyngula)

    Alle diese Indikatoren machen allerdings nur wenig Sinn, wenn sie für ein einzelnes Blog berechnet werden. Erst im Vergleich mit den Werten für andere Weblogs lassen sich die einzelnen Werte in ihrer Bedeutung interpretieren. Oder aber man betrachtet die Entwicklung der Werte für ein einzelnes Blog über die Zeit hinweg und erhält so einen Eindruck davon, ob und in welchem Maße ein Blog an Einfluss etc. gewinnt.



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