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Die Suche nach dem Social Media Dashboard

Social-Media-Monitoring ist derzeit hoch im Kurs. Immer mehr Unternehmen, Parteien und Journalisten bemerken, dass man nicht nur durch Fokusgruppen und Panels etwas darüber erfahren kann, was über sie gedacht oder geredet wird, sondern dass diese Gespräche an zahlreichen Orten des Internets bereits stattfinden. In Foren, Blogs, Social Networks oder Chatrooms. Übrigens schon lange – vermutlich schon so lange, wie es das Internet gibt. Nur war es in den Anfangszeiten des Web 1.0 nur eine ganz kleine Zahl ganz spezieller Personen, die sich über dieses Medium austauschten: “Internet-Freaks”. Also der Legende nach Chips-futternde, korpulente männliche Technikjünger mit langen Haaren. Ihre Meinung zählte nicht.

Mittlerweile ist die Internetdurchdringung jedoch so stark angestiegen, dass aus Sicht von Politik, Unternehmen und Presse auch ganz normale Menschen dieses Medium nutzen. Dazu kommen dann noch neue Technologien, die es eben diesen Leuten ermöglichen, sich ohne technisches Know-how im Internet auszudrücken – Social Web oder Web 2.0 sind die mehr oder weniger eleganten Formeln, mit denen diese Entwicklung bezeichnet wird. Kurz: Es wird immer interessanter, zu erfahren, was die Leute im Internet über Parteien, Politiker, Produkte, Marken, Unternehmen oder auch nur andere Personen sprechen. Die Suche nach dem Social Media Dashboard hat begonnen.

Gesucht wird ein Interface für das Social Web, auf dem in Echtzeit zum Beispiel abgelesen werden kann,

  • wie oft über eine Partei, Marke etc. gesprochen wird (“Buzz”)
  • was über sie gesagt wird (“Content”)
  • welche Bedeutungen dahinter stecken (“Sinn”)
  • welche Werturteile in den Konversationen auftauchen (“Bewertungen”)
  • wer darüber spricht (“Zielgruppen”)
  • wie diese Gruppen konstituiert sind (“Brand Communities”)
  • welche Personen in den Gesprächen eine besondere Rolle spielen (“Einfluss”)
  • wie sich das alles über die Zeit verändert (“Wandel”)
  • wie schnell sich die Gespräche ausbreiten (“Viralität”)
  • wie diese Veränderungen mit anderen Ereignissen zusammenhängen (“Kontext”)
  • wie sich die Veränderungen weiter entwickeln könnten (“Trends”)
  • … und das alles dann auch noch ansprechend und anschaulich dargestellt (“Visualisierung”)

Noch gibt es ein derartiges Social Media Dashboard noch nicht und insbesondere der qualitativ-verstehende Aspekt (die “Sinndimension” der Social Media Analyse) lässt sich derzeit nur mit vergleichsweise aufwändigen und noch nicht echtzeitfähigen Methoden wie der Netnography erfassen. Und die Trendforschung steht auf diesem Gebiet noch auf sehr wackligen Beinen. Aber früher oder später werden die Marketing-, Kommunikations- und Customer-Support-Abteilungen solche Tools wie selbstverständlich für die Planung, Überwachung und Evaluierung ihrer KampagnenInitiativen verwenden.

Einen kleinen Vorgeschmack liefert das Tool Perspctv, mit dem sich immerhin schon der Buzz auf sehr vielen unterschiedlichen Kanälen in Echtzeit verfolgen lässt:

Man kann sich ein ähnliches Dashboard auch für selbst gewählte Begriffe erstellen lassen, zum Beispiel um den Social Media-Buzz von Audi, VW und BMW miteinander zu vergleichen. Aber verglichen mit der obigen Liste potentieller Bestandteile eines Social Media Dashboards ist das dann noch ziemlich wenig Information.



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    Das ist doch einmal eine schöne Formulierung: “Userdaten sind heilig”. René Seifert (eLab) hat sich rechtlichen Rat geholt, wozu ein Social Media-Plattformbetreiber verpflichtet ist, wenn eine dritte Partei eine unliebsame Bewertung in einem Bewertungsportal erhalten hat und rechtlich dagegen vorgehen will. Muss ein solcher Plattformbetreiber die Nutzerdaten herausgeben oder nicht? Der Anwalt beantwortet die Frage klar mit “nein”. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn wer sachlich kritisiert wird, muss das in einer offenen Gesellschaft ertragen.

    Die Erklärungen des Juristen lauten wie folgt: Zum einen wäre die Ermittlung der Nutzerdaten (hier: ladungsfähige Anschrift) technisch aufwändig, zum anderen – und hier wird es spannend – ist der Plattformbetreiber dazu gar nicht befugt, will er nicht gegen die datenschutzrechtlichen Vorgaben z.B. in §12 Abs. 2. Telemediengesetz verstoßen. Dort heißt es nämlich:

    Der Diensteanbieter darf für die Bereitstellung von Telemedien erhobene personenbezogene Daten für andere Zwecke nur verwenden, soweit dieses Gesetz oder eine andere Rechtsvorschrift, die sich ausdrücklich auf Telemedien bezieht, es erlaubt oder der Nutzer eingewilligt hat.

    Wenn ein Benutzer allerdings in seiner Bewertung eine dritte Parte beleidigt oder verleumdet hat, kann freilich ein Richter die Herausgabe der Nutzerdaten anordnen.

    Ich habe allerdings auch schon von Fällen gehört, in denen falsche Behauptungen von Nutzern in Bewertungsportalen dazu geführt haben, dass die Nutzer (nicht die Plattformbetreiber!) eine kostenpflichtige Abmahnung erhalten haben. Klar: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, kann aber trotzdem genau den Falschen treffen und damit wichtige Mitglieder einer Community vergraulen.

    Hat sich daran mittlerweile auch schon etwas geändert? Wie gehen Bewertungsplattformen damit um? Sie sind es ja, deren Geschäftsmodell auf den nutzergenerierten Inhalten basieren – fühlen sie sich in der Pflicht, auch einen Teil der nutzergenerierten Risiken zu tragen? Wie sieht der Sozialvertrag zwischen der “We-Generation” und ihren Plattformbetreibern aus? Wie sollte er aussehen?



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  • Amerikaner wünschen sich mehr Social Media im Kundendialog

    In Deutschland kann es einem schon einmal passieren, dass man nach einem Vortrag zum Thema Social Media oder Web 2.0 die Frage gestellt bekommt, was man denn genau in die Adresszeile eingeben müsse, um ins Web 2.0 zu gelangen. Oder sogar, wo es die Web 2.0-Software zum downloaden oder kaufen gäbe. Aber gut, es ist gar nicht so lange her, da lag bei den meisten Leuten das “Internet” als CD mit Aufdruck “AOL” im Briefkasten.

    Amerika, du hast es besser. Zumindest, wenn man den Ergebnissen dieser Studie glauben möchte, die Cone gerade veröffentlicht hat. In dieser Studie, für die gut 1.000 erwachsene Amerikaner befragt wurden, geht es darum, welche Rolle soziale Medien (definiert als “Technology facilitated dialogue among individuals or groups, such as blogs/microblogs, forums, wikis, content sharing, social networking, social bookmarking and social gaming”) in der Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen spielen.

    Besonders spannend ist dabei der Blick auf die Erwartungen der Kunden. 93% der befragten Onliner geben an, Unternehmen sollten auch das social web für ihre Außendarstellung nutzen. 85% sagen, Unternehmen, sollten soziale Medien nutzen, um mit ihren Kunden zu interagieren. Die Leute erwarten also mittlerweile mehr als nur eine statische Außendarstellung in Blogs, Social Networks etc., sondern wünschen sich Unternehmen, die mit ihnen in einen Dialog treten.

    Aber es geht noch weiter. 60% der Onliner geben an, schon einmal soziale Medien in der Interaktion mit Unternehmen verwendet zu haben – 25% sogar mehr als einmal in der Woche. Und jetzt wird es für PR und Marketing besonders spannend: 56% verspüren durch die Interaktion mit sozialen Medien eine stärkere Verbindung zu den Unternehmen und fühlen sich besser von ihnen versorgt. Ein gutes Drittel wünschen sich mehr Möglichkeiten, mit Marken in Social Networks in Kontakt zu treten, zum Beispiel über Widgets oder Applikationen.

    Das Bedürfnis, als Kunde ernst genommen zu werden, lässt sich also diesen Beobachtungen nach durch soziale Medien besonders gut erfüllen. Das kann von direkten Kundendialogen bis hin zur indirekten Analyse von Kommunikationen über Unternehmen, Marken und Produkten, zum Beispiel mit der Methode der Netnography, gehen.

    Dieser Wunsch nach Dialogen über soziale Medien ist besonders stark bei

    • Männern
    • jungen Leuten (18-34)
    • wohlhabenden Haushalten (mehr als 75.000 USD)
    • großen Haushalten

    Mike Hollywood fasst die Studienergebnisse euphorisch zusammen:

    All of this is great news for marketers. Men and younger consumers are traditionally the most challenging to reach, while the highest-income households are typically very desirable; here they are saying ‘come market to us and interact with us online.’ This is really a license to put more energy and resources into this medium and do it effectively.

    Jetzt würde mich natürlich interessieren, wie es in Deutschland aussieht. Welche Erwartungen stellen die Onliner hierzulande an die Social Media-Strategien der Unternehmen? Gibt es dazu aktuelle Zahlen?

    (via)



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  • Fünf Irrtümer über Computerspiele

    Alle, die beim Stichwort “Gamer” sofort an pubertierende Soziophobiker denken, die zwangsläufig irgendwann einmal die Maus gegen eine Schrotflinte austauschen, bitte diesen Bericht des US-amerikanischen PEW-Instituts sorgfältig durchlesen. Dasselbe gilt für diejenigen, die Computerspiele mit dem Untergang des Abendlandes gleichsetzen.

    In der Studie wurden 1.102 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren zu ihren Computerspielerfahrungen und -gewohnheiten befragt. Dabei ist das Forscherteam um Amanda Lenhart zu folgenden Ergebnissen gekommen:

    1. Computerspielen ist nur eine Nischenbeschäftigung? Falsch. Es ist nicht einmal eine Mehrheitsbeschäftigung, sondern ist ubiquitär. 97% der befragten Jugendlichen spielen Computerspiele auf ihren Computern, Konsolen oder Handys. 50% geben sogar an, gestern ein Computerspiel gespielt zu haben. Sollten also die Kulturpessimisten Recht haben, dann wird der Untergang schnell kommen. 3% Abstinenzler können hier nicht mehr viel ausrichten.
    2. Computerspielen tun nur die Jungs, während die Mädchen lieber miteinander reden? Falsch. Die Verteilung der Geschlechter ist nicht ganz gleichmäßig, aber dennoch spielen 94% der Mädchen Computerspiele. Bei den Jungen sind es 99%.
    3. Computerspiel = Ballerspiel? Falsch. Es gibt eine enorme Vielfalt unterschiedlicher Spieltypen. Ego-Shooter landen gerade einmal auf dem 10. Platz der Beliebtheit. Viel stärker verbreitet sind Rennspiele, Puzzlespiele und Sportspiele.
    4. Computerspiele machen einsam? Meistens falsch. Zwei Drittel der spielenden Jugendlichen spielen ab und zu mit Freunden zusammen, die sich sogar im selben Zimmer befinden. 42% geben an, am häufigsten mit anwesenden Freunden zu spielen. Es stehen also nicht die anonymen Internet-Spielepartner im Vordergrund, sondern andere, bekannte Jugendliche. Nur ein Viertel spielen tatsächlich alleine.
    5. Computerspiele fördern asoziales Verhalten? Falsch. Zunächst einmal ließ sich kein Zusammenhang von zivilgesellschaftlichem oder politischem Engagement und häufigem Computerspielen feststellen. Gamer sind genauso stark oder schwach engagiert wie andere Jugendliche auch. Aber: Jugendliche, die oft zusammen mit anderen Anwesenden Computerspiele spielten, zeigten ein höheres gesellschaftliches Engagement. Das gilt insbesondere auch für Jugendliche, die sich in Foren, Communities oder auf Blogs mit anderen über ihre Spiele austauschten.

    Gerade die letzten Punkte zeigen deutlich: Computerspiele sind in vielen Fällen soziale Medien. Und Engagement in sozialen Medien ist häufig auch mit Engagement in anderen Zusammenhängen verbunden, seien es soziale oder politische Initiativen (obwohl es natürlich auch sein kann, dass eine allgemeine Neigung zu Engagement und Soziabilität hinter beiden Variablen steckt). Höchste Zeit, einmal darüber nachzudenken, wie man diese vergemeinschaftenden und aktivierenden Momente des Gamings fördern kann. Außerdem wird deutlich, dass wir parallel zu quantitativen Studien dieser Art endlich auch qualitative Einblicke in die Welt der Gamer, ihre Bedeutungen, ihre Wahrnehmungen brauchen, um stichhaltigere Aussagen zu den Folgen des Computerspielens treffen zu können. Es gibt viel zu forschen!

    (Siehe dazu auch apophenia, BuzzPeople und Mimi Ito; Foto “tex playing video games” von RebeccaPollard, CC-Lizenz)



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    Meistens sind es gar nicht die neuen Gedanken, die einen brillianten Denker ausmachen. Oft ist es viel mehr die Fähigkeit, einen Gedanken so zu formulieren, dass seine Bedeutung, seine Folgen deutlich werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die Definition von “Kultur” wie auch “Kommunikation” (beide Begriffe gehören hier eng zusammen), wie sie Vilém Flusser vornimmt:

    Denn worum geht es in der menschlichen Kommunikation? Es geht darum, erworbene Informationen zu speichern, zu prozessieren und weiterzugeben.

    In diesem Satz steckt ein zutiefst antibiologisches Menschenbild. Der kommunizierende oder kulturschaffende Mensch lehnt sich gegen die Natur auf. Warum? Weil er damit bewusst gegen zwei Grundgesetze der Naturwissenschaften verstößt.

    Auf der einen Seite gegen den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der besagt, dass das Universum immer wahrscheinlicher, immer gleichmäßiger verteilt wird, dass also die Unordnung oder Uninformation auf lange Sicht zunimmt. Das Speichern von Informationen ist genau das Gegenteil davon. Das steckt bereits im Begriff der In-Formation, des Einprägen einer Form in einen Gegenstand. Also: Herstellen von Ordnung.

    Auf der anderen Seite verstößt dieser Kultur- und Kommunikationsbegriff gegen die Mendelsche Regel, dass erworbene Informationen nicht genetisch weitergeben werden können. Kultur vererbt dagegen auch erworbene Informationen. Flusser bezeichnet dies treffend als Engagement gegen den eigenen Tod, so wie man auch den ersten Punkt als Engagement gegen die Unordnung – Philip K. Dick-Lesern auch als “Kipple” bekannt – lesen kann. Dennoch ist der Mensch beiden Prozessen unausweichlich ausgesetzt. In diesem tragischen Spannungsfeld findet menschliche Kommunikation statt. Kein Wunder, dass Flusser seine Kommunikologie als Forschungsfeld von universeller und grundlegender Bedeutung ansah.

    Was mich jetzt besonders interessiert und weshalb ich denke, dass es eine Philosophie der sozialen Medien geben müsste (wenn es sie nicht schon gibt): Welche Schlüsse lassen sich daraus für soziale Medien (social media) ziehen? Sind Blogs, Facebook-Profile, Twitter-Statusmeldungen und Lebensströme (man beachte den Namen!) wie Friendfeed nicht ebenfalls aus dieser Perspektive zu betrachten? Nur sind es nicht mehr außergewöhnliche Individuen (Künstler) oder professionell dafür zuständige Menschen (Journalisten), die sich um diesen anti-entropischen Prozess kümmern, sondern ganz gewöhnliche Leute.

    Welche Folgen hat diese Potenzierung der Kommunikationen? Auf der einen Seite könnte man positiv sagen, dass Computer und Internet noch viel mehr Scheinerfolge im Kampf mit der Entropie erlauben. Auf der anderen Seite ist jede derartige Ausweitung immer auch auf inflationäre Effekte zu befragen. Wird dadurch, dass ich immer mehr Handlungen meines Lebens über das Netz vermittle, nicht der Informationswert sinken? Wenn jeder bloggen würde, wäre das negative oder positive Entropie?

    Es heißt immer wieder: Das Internet vergisst nichts. Handelt es sich hier vielleicht um das bislang heroischste Projekt des Menschen in der Auseinandersetzung mit seiner eigenen condition humaine?



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    Ich finde das Prinzip Wikipedia uneingeschränkt gut. Ich habe keine Probleme mit Cupertino. Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Ich glaube auch nicht, dass die Wikipedia von bösen Mächten unterwandert wird.

    Nur diesen Eintrag auf der Startseite der Wikipedia heute finde ich geschmacklos:

    Ein derartiges product placement auf der Startseite einer der meistbesuchten und mit hohen Glaubwürdigkeitswerten ausgestatteten Seite – jede Werbeagentur würde sich nach einem derartigen Coup die Finger abschlecken. Auch ohne Einflussnahme des Herstellers verfallen die Wikipedia-Autoren hier in den üblichen Werbejargon: “Funktionalität”, “ermöglicht”, “darüber hinaus”, “vereint”, “angeboten”. Und dann wird der Artikel auch noch als “lesenswert” (vorher sogar “exzellent”) gekennzeichnet. Warum nicht gleich “Produkt des Tages” anstelle “Artikel des Tages”?

    Mal sehen, wie die Wikipedisten, die diesen Artikel mit dem Verweis auf die formale Richtigkeit des Verfahrens sowie darauf, dass dafür kein Geld geflossen ist, rechtfertigen, reagieren, sollte Apple auf diese Vorlage einsteigen und dieses user generated advertising in irgendeiner Form aufnehmen.

    Worum es eigentlich geht: darum, dass hiermit eine Grenze verschoben wird für die Akzeptanz nicht gekennzeichneter kommerzieller Inhalte in Social-Media-Projekten. Denn wenn demnächst ein Möbelgeschäft sich dafür einsetzt, die Neueröffnung des größten Möbelhauses in Europa zum Artikel des Tages zu machen, wird man dem etwas weniger entgegensetzen können wie vor dem iPhone-Artikel.

    Noch einmal: Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Nur sollte sie als solche gekennzeichnet sein und sollte auch als solche bezahlt werden. Ansonsten werden die Marktpreise verzerrt. (via)



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    Ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Das nächste Treffen der Arbeitsgemeinschaft Social Media findet nächsten Mittwoch, 28. Mai, um 15:00 in Berlin statt. Dort werden wir einen Entschluss über die Höhe der Mitgliedsbeiträge treffen, den Arbeitsausschuss wählen und die unterschiedlichen Mitgliedsgruppen zusammenstellen. Ich bin gespannt, auf der Versammlung wieder viele neue Leute kennenzulernen. Mehr Informationen gibt es in der Terminankündigung und im letzten Newsletter der AG Social Media.

    Zum Ausprobieren habe ich auch einen FriendFeed-Raum für die AG Social Media eingerichtet. Dorthin kann man z.B. interessante Links zum Thema Social Media-Forschung posten.



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    Eine weitere interessante Maßzahl kann nun über die metaroll-Channels abgerufen werden: die quantitative Entwicklung der Technorati-Authority eines Channels bzw. einer Subblogosphäre. Was bedeutet das? Während über die Sparklines der einzelnen Blogs abgelesen werden kann, ob ein Blog in den letzten 30 Tagen Links dazugewonnen oder verloren hat, kann man mit der neuen Maßzahl Aussagen über eine gesamte Subblogosphäre treffen, z.B. über die Wissenschafts-, Medien-, Karriere- oder Foodblogs. Diese Angaben findet man ganz unten auf den Channelseiten, direkt über der dynamischen Blogcloud:

    Die 282 in der metaroll verzeichneten Wissenschaftsblogs haben im Beobachtungszeitraum 637 neue Links dazugewinnen können. Wobei es sich hier um den Nettozugewinn handelt, denn im selben Zeitraum gab es selbstverständlich auch Verluste, die jedoch in der Zahl schon berücksichtigt sind. Die Wissenschaftsblogosphäre hat damit um fast 16 Prozent zugelegt. Ein ziemlich beachtliches Ergebnis, insbesonders wenn man es im Vergleich mit den anderen Subblogosphären betrachtet.

    Denn die 79 verzeichneten Medienblogs haben im selben Zeitraum sogar 176 Links verloren. Ihre Technorati-Authority ist damit um fast 2 Prozent geschrumpft. Zumindest hier scheint der Spruch vom ausgebrannten Bloggerland einigermaßen zuzutreffen. Noch stärker hat es die 76 Foodblogs getroffen. Sie mussten 158 Links abgeben, was einen Rückgang um über 3 Prozent bedeutet. Die 90 Jobblogs der metaroll konnten dagegen 98 Links dazugewinnen, was ein Wachstum von knapp 3 Prozent bedeutet. Wenn man sich die Zahlen nur für die letzten sieben Tage betrachtet, bleibt der Trend ähnlich, wenn auch deutlich schwächer: Wissenschaftsblogs +2%, Medienblogs -0%, Jobblogs +2%, Foodblogs +0%.

    Kurz: Während die Jobblogs nur leicht zugelegt haben und die Food- und Medienblogs sogar an Technorati-Authority verloren haben, haben die Wissenschaftsblogs in der letzten Zeit einen regelrechten Boom erlebt. Das hat sich dann unter anderem auch darin ausgedrückt, dass endlich wieder ein Wissenschaftsblog unter den Top 100 Blogs in Deutschland vertreten ist.



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    Okay, ich muss zugeben, dass die Formulierung “Bücher liest ja keiner mehr” ein bisschen arg zugespitzt ist. Ich merke es aber an mir selbst: In meiner wissenschaftlichen Arbeit rezipiere ich immer mehr online verfügbare Texte – ganz gleich ob es um die sogenannte “graue Literatur”, Aufsätze in Onlineausgaben von Fachjournals (am besten Open Access) oder um digitale Buchausgaben geht. Aber auch Blogs spielen für mich als Ideengeber eine immer wichtigere Rolle. Soweit als kurze Vorbemerkung zu dem folgenden Interview, das turi2-Mitarbeiter Peter Schwierz am Rande der re:publica mit mir geführt hat.

    Zur Arbeitsgemeinschaft Social Media geht’s übrigens da lang.



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    Häufig wird das Buzzword “Social Media” (die deutsche Übersetzung “soziale Medien” klingt leider etwas missverständlich) verwendet, um zu die Veränderungen in der Medienlandschaft gegen Anfang des 21. Jahrhunderts zu beschreiben. Wikipedia definiert den Begriff im Augenblick wie folgt:

    Social Media (auch Soziale Medien) ist ein Schlagwort mit dem Webdienste und Plattformen zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen beschrieben werden. Als Kommunikationsmittel wird dabei Text, Bild, Audio oder Video verwendet. Populäre Medien sind dabei Internetforen, Mailinglisten, Weblogs, Podcasting, Vlogs, Wikis, und Social-Bookmarking-Dienste.

    Diese Definition stellt also im Wesentlichen auf die Dialogfähigkeit der Anwendungen ab (“gegenseitiger Austausch”). Also gehören nicht nur die genannten Phänomene dazu, sondern auch ICQ, Chat und IM müssten dieser Definition nach soziale Medien sein. Auf der anderen Seite ist nicht ganz mir nicht ganz klar, inwiefern Podcasts tatsächlich als Dialogmedien betrachtet werden sollten, oder nicht viel mehr als eine demokratisierte Weiterentwicklung des Radios mit sehr viel niedrigeren Zugangsbarrieren. Das Konzept “gegenseitiger Austausch” scheint also nicht zu genügen, um Social Media zu definieren. Robert Scoble hat vor etwa einem Jahr eine Neun-Punkte-Liste für die Definition des Begriffs zur Diskussion gestellt. Seiner Meinung lassen sich soziale Medien wie folgt definieren:

    • Veränderbarkeit: Einträge in Blogs u.ä. lassen sich schnell revidieren oder aktualisieren, falls sich der Wissensstand in der Zwischenzeit geändert hat.
    • Interaktivität: Das zielt in dieselbe Richtung wie die Wikipedia-Definition. Scoble vergisst allerdings zu erwähnen, dass es nicht nur um Interaktivität als solche geht (“Leserbrief”), sondern darum, dass die Reaktionen in demselben Medium stattfinden können (siehe auch hier).
    • Granulare Erfolgsmessung in Echtzeit: Bei Inhalten, die in sozialen Medien publiziert werden, kann die Popularität z.B. anhand von Kommentaren oder Backlinks nahezu in Echtzeit erfasst werden. Dabei ist allerdings umstritten, welche Maße für welche Zwecke angewendet werden sollen.
    • Leichte Zugänglichkeit der Archive: Bei diesem Kriterium wäre ich vorsichtig, da nicht klar ist, was ein “leichter” Zugang sein soll. Außerdem dürften Microblogging-Dienste nach diesem Kriterium eigentlich nicht zu den sozialen Medien gerechnet werden – sie haben zwar Archive, die sind aber nur schwer zugänglich.
    • Medienmischung: In sozialen Medien können unterschiedliche Medien wie Text oder Bewegtbilder kombiniert werden. Dabei wird allerdings der Medienbegriff problematisch. Was sind in diesem Fall die sozialen Medien? Die Inhalt allein oder erst eine spezifische Form ihrer Kombination?
    • Unmittelbare Publikation: Anders als in klassischen Medien (= “asoziale Medien”?) steht zwischen der Produktion von Inhalten und ihrer Publikation keine Instanz wie z.B. ein Herausgeber, der darüber entscheidet, wann und in welcher Form eine Veröffentlichung vorgesehen ist.
    • Unbegrenzte Länge und Quantität: Ein weiterer spannender Punkt, der sehr gut zu Weinbergers Konzept “Everything is miscellaneous” passt. Social Media-Inhalte können sich über die üblichen Restriktionen bezüglich Länge, Quantität und Sortierung hinwegsetzen. So kann man Youtube nicht sinnvoll mit einem Fernsehsender vergleichen, wird doch an einem einzigen Tag mehr Filmmaterial auf die Server hochgeladen als ein Mensch in seinem gesamten Leben ansehen könnte.
    • Syndizierbarkeit und Verlinkbarkeit: Social Media zeichnen sich auch dadurch aus, dass die Inhalte leicht weiterverwertet werden können, entweder durch die Verlinkung oder die automatische Wiedergabe der Inhalte in einem anderen Kontexte. Dieser Punkt ist insbesonder deshalb spannend, weil damit die klassischen Messverfahren der Reichweitenfeststellung beeinträchtigt sind. Dadurch, dass die Inhalte so leicht reproduziert werden können, erscheint ein integrierter Multi-Site-Ansatz notwendig, um Relevanz und Wirkung von Social Media-Inhalten wirklich schlüssig nachweisen zu können. Dies ist ein wichtiges Aktionsfeld der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft Social Media.
    • Vermischung mit Daten aus anderen Quellen: Nicht nur können die Inhalte an anderen Orten reproduziert werden, sondern es können auch Daten aus anderen Quellen einbezogen werden. Social Media sind mashable.

    So verführerisch diese Auflistung von Merkmalen erscheint, es fehlt nach wie vor eine schlüssige theoretische Grundlage, die einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Eigenschaften herstellt oder verdeutlicht, welche der Punkte notwendige bzw. hinreichende Kriterien darstellen.

    Für mich ist ein wichtiger Punkt die Theatralität von Social Media-Kommunikationen. Im Unterschied zu klassischen Dialogmedien wie dem Telefon finden hier die Gespräche auf einer Art Bühne statt, die von anderen Personen beobachtbar ist. Im Social Web wird der dialogische Austausch sendefähig und kann ein quasi-massenmediales Publikum erreichen. Diese Publikum kann allerdings jederzeit die passive Rezipientenrolle verlassen und die Bühne betreten, z.B. indem man einen Kommentar verfasst oder sich mit dem @-Symbol in eine Twitter-Unterhaltung einmischt. Ebenfalls sehr wichtig: Der mit Social Media verknüpfte Medienwandel lässt sich nicht auf ebendiese Medien beschränken, sondern verändert den gesamten Bezugsrahmen für die Beurteilung von Medienwirkungen. Social Media verändern also auch die klassischen Medien. Auch die Printzeitung nach Social Media ist eine andere als davor – und das nicht nur indem Redaktionen zu twittern anfangen oder mit Quick-Response-Codes experimentiert wird.



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