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Wissenschaft im Dialog – welche Rolle spielen Blogs?

Ob eine Konferenz gut ist oder nicht, merkt man eigentlich sehr schnell an den Gesprächen in den Pausen oder beim gemeinsamen Abendessen. Im Fall des ersten Symposiums zur Wissenschaftskommunikation, die von der Initiative “Wissenschaft im Dialog” gestern und heute veranstaltet wurde, ist mir sehr schnell klar geworden: Selten habe ich mit so vielen Leuten gesprochen, die das Gefühl vermittelten, am Anfang von etwas neuem zu stehen. Das Thema Wissenschaftsdialog scheint sich zu einem absoluten Renner zu entwickeln.

Eigentlich ist die Idee schon recht alt. Am Anfang stand ein Memorandum (1999) der Wissenschaftsstiftungen und -organisationen in Deutschland, das die Rolle der allgemeinverständlichen Kommunikation von Wissenschaft ganz klar in den Mittelpunkt rückte. Darin stehen Dinge wie:

In Abstimmung mit den wissenschaftsfördernden Einrichtungen des Bundes und der Länder, der Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik wird ein den einzelnen Institutionen angemessenes Anreizsystem entwickelt, das geeignet ist, Belohnungen für diejenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Aussicht zu stellen, die sich aktiv im Dialog mit der Öffentlichkeit engagieren. Das Engagement für diesen Dialog darf dem wissenschaftlichen Ruf nicht abträglich sein, es sollte zu einem zusätzlichen Merkmal wissenschaftlicher Reputation werden.

Oder wie das folgende:

Die Würdigung von Leistungen im Dialog mit der Öffentlichkeit soll im Rahmen der internen und externen Begutachtung bzw. Evaluation zusätzlich zur Würdigung der wissenschaftlichen Leistung erfolgen. Geeignete Formen der Anerkennung sollen entwickelt werden.

klingen auch nach fast zehn Jahren noch revolutionär. Aber, wenn man sich ausführlich mit den Wissenschaftskommunikatoren aus Universitäten, Stiftungen, Museen und diversen Initiativen unterhält, wird schnell deutlich, dass sich hier gerade jetzt sehr viel verändert. Die Zeiten, in denen Professoren ihre Interviews in TV und Print bewusst einschränken mussten, um ihre wissenschaftliche Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen, scheint allmählich überwunden. Nicht in allen Disziplinen – die Geistes- und Sozialwissenschaften scheinen hier den Natur- und Technikwissenschaften noch etwas hinterherzuhinken. Aber auch hier gibt es Bewegung.

Für mich das schönste Beispiel ist das Aufblühen von Wissenschaftsblogs in den unterschiedlichsten Bereichen. Allen gemeinsam ist jedoch die Betonung von dialogischen Elementen. Vilém Flusser hat sehr plausibel zwischen diskursiven Kommunikationsstrukturen, die auf der möglichst unverfälschten Weitergabe von Informationen beruht, und der dialogischen Kommunikation, in der die Partner ihre Informationen zusammenbringen, um etwas Neues daraus zu schaffen, unterschieden. Wissenschaft im Dialog heißt, das ist heute in vielen Vorträgen deutlich geworden, mehr als nur Wissenschaftskommunikation oder public understanding of science.

Das Ziel sollte sein, die Öffentlichkeit in den Prozess der Wissenschaft zu involvieren – was natürlich je nach Fachgebiet unterschiedlich aussehen kann -, und Blogs ebenso wie Microblogs stellen für mich ein vielversprechendes Werkzeug für diesen Zweck dar:

  • Blogs sind authentischer: In Blogs schreibt man anders als in Journals. Näher an der Person, weniger ausführlich und häufig auch offener. Mit Blogs kann man auch Institutionen ein Gesicht geben, die bislang in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt waren.
  • Blogs sind dialogisch: Die Leser oder Zuschauer müssen nicht passiv bleiben, sondern können Fragen stellen, auf weitere Informationen verweisen und mit anderen diskutieren. Blogs forden zum Engagement auf.
  • Blogs sind unmittelbarer: Spannende Experimente lassen sich mit Blogs und noch besser mit Microblogs in Tickertempo miterleben. Aber im Unterschied zum Ticker, der immer one-to-many funktioniert, kann hier ein echter Austausch funktionieren. Eines der schönsten Beispiele ist für mich nach wie vor der Mars-Phoenix-Twitteraccount.
  • Blogs sind offener: Auch die Wissenschaftsblogger können Fragen stellen. Fragen sind als Format für Wissenschaftskommunikationen unterrepräsentiert. Publiziert werden meistens nur die Antworten. Auch Misserfolge können in Blogs auf informelle Weise vorgestellt und diskutiert werden. Den gewaltigen Bias aller bisherigen Wissenschaftskommunikationen in Richtung gelungene Experimente und bestätigte Hypothesen ist legendär.
  • Blogs erreichen jüngere Zielgruppen: Nachwuchssicherung in der Wissenschaft ist eines der wichtigsten Ziele der Organisationen. Blogs erreichen eine jüngere Zielgruppe als Wissenschaftsmagazine.


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    Nächste Woche geht’s nach Bremerhaven, um dort in einem Workshop des Symposiums der Initiative “Wissenschaft im Dialog” etwas zum Thema Wissenschaftsbloggen zu erzählen. Das Programm für meinen Input sieht in etwa so aus:

    Die Zeichen stehen auf Öffnung. Public Understanding of Science, Wissenschaftskommunikation oder Wissenschaftsmündigkeit – mit Schlagworten wie diesen wird gerade in den letzten Jahren immer stärker eine Wissenschaft gefordert, die nicht nur forscht, sondern auch kommuniziert, ja gar in einen Dialog mit der Öffentlichkeit tritt. Die Wissenschaftler sollen also endlich ihre Alchemistenlabors verlassen und der Welt mitteilen, was sie tun und was das für die Gesellschaft bedeutet.

    Sind Blogs als typische dialogische Medien der Königsweg zu diesem Ziel? Wie lassen sich Blogs für die interne und externe, formelle und informelle Wissenschaftskommunikation einsetzen? Welche Arten wissenschaftlicher Blogs sind tatsächlich in der freien Wildbahn (in erster Linie der deutschsprachigen Blogosphäre) zu beobachten? Wo liegen die spezifischen Vorteile von Weblogkommunikationen und welche Herausforderungen für Öffentlichkeit und Wissenschaft sind damit verbunden?

    In meinem Referat werde ich versuchen, einige Antworten auf diese Fragen vorzustellen – verbunden mit einigen praktischen Anregungen, das Wissenschaftsbloggen selbst einmal auszuprobieren.

    Sehr gut gefällt mir, dass es nicht nur um das übliche public understanding of science einer erwachsenen Öffentlichkeit geht, sondern dass die Veranstalter Wissenschaftskommunikation bereits im Kindergarten beginnen lassen. Ich glaube, dass wir mehr derartige ganzheitliche, lebenslange Herangehensweisen benötigen.

    Warum sollte man nicht auch schon in der Grundschule anfangen, mit den Schülern über den Umgang mit sozialen Medien zu sprechen? Dabei könnten nicht nur die Schüler einen Eindruck von den Möglichkeiten aber auch Gefahren der digitalen Werkzeuge (SchülerVZ, Wikipedia, ICQ etc.) erlangen, die sie sowieso nahezu täglich verwenden. Auch die Lehrer könnten ein realistisches Bild davon bekommen, wie das Aufwachsen in einer hochmedialisierten Gesellschaft aussieht. Howard Rheingold scheint sich gerade intensiv mit diesen Fragen zu befassen – ich bin gespannt, welche Ideen zu einer Lebenslangen Medienpädagogik oder vielleicht besser: einem Lebenslangen Mediendialog noch alle auftauchen werden.



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    Blogcharts überall: Die Deutschen Blogcharts wurden aktualisiert (was diesem Blog den erfreulichen 100. Platz einbrachte), die Wissenschaftsblog-Charts des Wissenschafts-Cafés gibt es in einer neuen Ausgabe und auch die Medienblogcharts wurden auf den jüngsten Stand gebracht (unter dem schönen, wenn auch nicht ganz zutreffenden Titel “Bloggerland scheint ausgebrannt“. Deshalb hier ebenfalls ein Blick auf die aktuellen Veränderungen in der Blogdynamik.

    Kurze Erklärung: Diese Blogclouds zeigen den Zuwachs der Verlinkungen (gemessen durch Technorati) in den letzten 30 bzw. 7 Tagen. Dabei handelt es sich um den absoluten Zuwachs, das heißt: wenn ein Blog von 2 auf 12 Punkte klettert wird das genauso gewertet als ein Blog, das von 202 auf 212 Punkte wächst. Junge Blogs haben dadurch einen leichten Vorteil, da sie nur zulegen können, denn Technorati misst die Links innerhalb von sechs Monaten. Erst mit einem Alter von mehr als sechs Monaten können Blogs Links verlieren. Je größer der Name des Blogs in der Blogcloud, desto größer der absolute Zuwachs.

    Hier die aktuelle Blogcloud der Wissenschaftsblogs:

    Die 25 dynamischsten Wissenschaftsblogs (30 Tage)

    Viel hat sich nicht geändert in den letzten zwei Wochen. Die meisten Blogs sind also auf ihrem Wachstumskurs geblieben. Neu dabei ist das Scholarz-Blog, das Begleitblog zu einer an der Uni-Würzburg entwickelten Forschungs-Social-Software. Dieses Blog hier hat ebenfalls ein deutliches Wachstum hingelegt. Ansonsten setzt sich die Blogcloud immer noch zur Hälfte aus Scienceblogs zusammen, die eine wachsende Aufmerksamkeit in der Blogosphäre auf sich ziehen konnten. In den letzten 30 Tagen hat die gesamte Subblogosphäre der Wissenschaftsblog weiter zugelegt und 603 Links dazugewonnen (fast 15 Prozent).

    Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man nur die Entwicklungen der letzten sieben Tage betrachtet:

    Die 25 dynamischsten Wissenschaftsblogs (7 Tage)

    In diesem Zeitabschnitt haben andere Blogs wie zum Beispiel das Weiterbildungsblog “Informelles Lernen“, das Blog der “Forschungsgruppe Kooperationssysteme” der Bundeswehruniversität Neubiberg, die Klimalounge, die soeben durch eine spektakuläre Wette Aufsehen erregt hat, sowie die Kulturwissenschaftliche Technikforschung. Vielleicht schaffen es ja einige dieser Blogs ihr Moment auch in die Monatswertung einzubringen.



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    Eine weitere interessante Maßzahl kann nun über die metaroll-Channels abgerufen werden: die quantitative Entwicklung der Technorati-Authority eines Channels bzw. einer Subblogosphäre. Was bedeutet das? Während über die Sparklines der einzelnen Blogs abgelesen werden kann, ob ein Blog in den letzten 30 Tagen Links dazugewonnen oder verloren hat, kann man mit der neuen Maßzahl Aussagen über eine gesamte Subblogosphäre treffen, z.B. über die Wissenschafts-, Medien-, Karriere- oder Foodblogs. Diese Angaben findet man ganz unten auf den Channelseiten, direkt über der dynamischen Blogcloud:

    Die 282 in der metaroll verzeichneten Wissenschaftsblogs haben im Beobachtungszeitraum 637 neue Links dazugewinnen können. Wobei es sich hier um den Nettozugewinn handelt, denn im selben Zeitraum gab es selbstverständlich auch Verluste, die jedoch in der Zahl schon berücksichtigt sind. Die Wissenschaftsblogosphäre hat damit um fast 16 Prozent zugelegt. Ein ziemlich beachtliches Ergebnis, insbesonders wenn man es im Vergleich mit den anderen Subblogosphären betrachtet.

    Denn die 79 verzeichneten Medienblogs haben im selben Zeitraum sogar 176 Links verloren. Ihre Technorati-Authority ist damit um fast 2 Prozent geschrumpft. Zumindest hier scheint der Spruch vom ausgebrannten Bloggerland einigermaßen zuzutreffen. Noch stärker hat es die 76 Foodblogs getroffen. Sie mussten 158 Links abgeben, was einen Rückgang um über 3 Prozent bedeutet. Die 90 Jobblogs der metaroll konnten dagegen 98 Links dazugewinnen, was ein Wachstum von knapp 3 Prozent bedeutet. Wenn man sich die Zahlen nur für die letzten sieben Tage betrachtet, bleibt der Trend ähnlich, wenn auch deutlich schwächer: Wissenschaftsblogs +2%, Medienblogs -0%, Jobblogs +2%, Foodblogs +0%.

    Kurz: Während die Jobblogs nur leicht zugelegt haben und die Food- und Medienblogs sogar an Technorati-Authority verloren haben, haben die Wissenschaftsblogs in der letzten Zeit einen regelrechten Boom erlebt. Das hat sich dann unter anderem auch darin ausgedrückt, dass endlich wieder ein Wissenschaftsblog unter den Top 100 Blogs in Deutschland vertreten ist.



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    Klar, was man für die Medienblogs machen kann, lässt sich auch für die Wissenschaftsblogs anstellen. Hier also die Blogcloud der “heißesten” Wissenschaftsblogs der deutschsprachigen Blogosphäre. Je größer der Name, desto größer das Wachstum in den letzten 30 Tagen:

    Die 25 dynamischsten Wissenschaftsblogs

    Insbesondere das starke Wachstum der Scienceblogs ist bemerkenswert. Am Anfang des Monats waren viele von ihnen noch im einstelligen Authority-Bereich. Jetzt findet man sie schon unter den 25 bestplatzierten Wissenschaftsblogs. Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Wenn jemand noch ein deutschsprachiges Wissenschaftsblog kennt, das hier fehlt – bitte in die Kommentar schreiben, ich nehme es dann möglichst bald in die Liste auf.



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    Die Frage, wo denn die ganzen bloggenden Professoren, Forscher und Dozenten seien, hatten wir ja schon mehrere Male hier oder an anderen Orten ausgiebig diskutiert (auch die Netzeitung hatte das Thema seinerzeit aufgegriffen). Mit dem Wissenschafts-Spartenkanal der metaroll lässt sich nun ein erstes Gesamtbild der wissenschaftlichen Subblogosphäre zeichnen.

    Zunächst die frohe Botschaft: es gibt sie, die bloggenden WissenschaftlerInnen und Wissenschaftlerblogs und es sind mehr als man denkt. Mehr als 200, aber wahrscheinlich noch weniger als 300 dürften es alles in allem sein. Wenn man überlegt, dass noch vor einem Jahrzehnt “Homepages” eine Besonderheit von Informatik-Lehrstühlen darstellte (ich hatte damals selbst einige Lehrstuhlhomepage-Premieren verwirklicht), ist das doch ein recht ordentliches Ergebnis.

    Interessant ist auch die Tatsache, dass es bei den Wissenschaftsblogs gar keinen so ausgeprägten Long Tail gibt, wie man auf in dieser Grafik gut erkennen kann (aufgezeichnet ist die Anzahl der Verlinkungen in den letzten 6 Monaten, Technorati-Authority):

    Es gibt einige Blogs, die sehr oft verlinkt werden, dann ein recht breites Mittelfeld und schließlich einige Blogs, die nie oder fast gar nicht verlinkt werden. Aber das sind nicht so viele wie in der “großen” Blogosphäre. Beim Durchforsten der Blogrolls nach Wissenschaftsblogs bin ich wieder auf einige Blogs gestoßen, die ich noch gar nicht kannte, was einmal mehr das Zweite Grundgesetz der Blogosphäre bestätigt:

    Zu jedem Thema gibt es immer noch mindestens ein Blog, das man noch nicht kennt.

    Deshalb liebe Kollegen Wissenschaftsblogger: vernetzt euch, verlinkt euch, kommt ins Gespräch, quer zu den Disziplinen, quer zu den politischen Orientierungen! Denn mit der internen Vernetzung steigt auch die externe Vernetzung und Sichtbarkeit.

    Um nicht nur die Topblogs zu verlinken, hier ein paar interessante Wissenschaftsblogs aus den “hinteren Bereichen” der Liste:

    • Im GeDICKicht wirft Richard Zinken bloggerisch einen wissenschaftlich geprägten Blick auf Gedichte. Es geht dabei weniger als um eine Analyse der Lyrik als vielmehr um das frei-assoziative Erkunden von Verbindungen zwischen den Welten der Poesie und der Wissenschaft. Etwas ähnliches machen wir auch in unserer Molekularküche – dort geht es aber um das Terrain zwischen der Kochkunst und der Wissenschaft. Er sollte nur bald einmal wieder etwas schreiben, der Herr Zinken!
    • Von interaktive Lernumgebungen über eAssessments bis hin zum eMobbing reicht die Themenvielfalt des Blogs von Karsten D. Wolf, der an der Uni Bremen zum Thema “Didaktische Gestaltung multimedialer Lernumgebungen” forscht und lehrt.
    • BlogSchafftWissen ist ein spannendes naturwissenschaftlich ausgerichtetes Blog, das ruhig etwas mehr Beachtung finden dürfte. Dort bloggt Klaus Delueg von Südtirol aus immer wieder interessante Beiträge über den Klimawandel.
    • Seit Januar bloggt Tobias Eberwein vom Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund auf coolepark.de zu journalistisch-medienwissenschaftlichen Themen. Da werde ich auf jeden Fall öfters einmal hineinsehen.
    • Ich kann es kaum glauben, aber dem Archiv nach gibt es das Blog von Karl-Heinz Pazzini, Erziehungswissenschaftler an der Uni Hamburg, schon seit 1996. Die Postingfrequenz ist zwar sehr gering (z.T. nur zwei Beiträge im Jahr), aber dafür findet man dort einige spannende Videos zur Zukunft der akademischen Lehre.
    • ePUSH ist der Selbstbeschreibung nach “ist Vernetzungs- und Integrationsprojekt, das innerhalb der Laufzeit von zwei Jahren Strukturen der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft [der Uni Hamburg, BK] zusammenführen, entwickeln und nachhaltig etablieren soll.” Hier ist das Projektblog dazu.
    • Hier bloggt der homo sociologicus Martin Booker über … richtig! Soziologie. Gehört natürlich auch in jeden gut sortierten sozialwissenschaftlichen Feedreader.
    • Ebenfalls erst seit gerade eben in meinem Feedreader ist “Hobohms Library and Information Science Blog“, in dem Hans-Christoph Hobohm von der FH Potsdam über Social Software im Bibliothekswesen bloggt.
    • Fast schon vor meiner Haustür gibt es dann auch noch das Piazza-Blog des Instituts für Kommunikationswissenschaften der LMU, für das sowohl Professoren und Instituts-Mitarbeiter als auch Studenten und Alumni schreiben. Klasse Idee. Auch dieses Blog kannte ich bisher nicht, es ist nicht einmal bei Technorati verzeichnet.
    • Außerdem interessant: “Nach der Uni ist vor der Uni“, ein klassisches PhD-Blog von Barbara Rampf, Doktorandin am gerade erwähnten Institut für Kommunikationswissenschaften der LMU.

    Viele der Wissenschaftsblogs in der Liste findet man auch im Wissenschafts-Café, wo man demnächst vielleicht sogar spartenbezogene Feeds abonnieren kann. Ansonsten sei auf die noch jungen Portale Scienceblogs.de und die Scilogs verwiesen, in denen sich viele sehr interessante Blogs finden, von denen es sicher einige ganz nach oben schaffen werden.

    Weitere Hinweise auf Wissenschaftsblogs, die in der metaroll-Liste noch nicht verzeichnet sind, bitte in die Kommentare. Danke!



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    Scienceblogs.de, Brainlogs, Wissenslogs, Wissenschafts-Café – das Thema Wissenschaft und Bloggen kommt gerade richtig in Fahrt – wen überrascht’s, dass ich davon sehr begeistert bin. Jetzt bin ich beim Querlesen der aktuellen Wissenschaftsfeeds auf dieses Icon gestoßen:

    rb3.png

    Was hat es damit auf sich? Dahinter steckt die Initiative “Bloggers for Peer-Reviewed Research Reporting” (kurz BPR2), die ihre Ziele wie folgt beschreibt:

    Bloggers for Peer-Reviewed Research Reporting strives to identify serious academic blog posts about peer-reviewed research by offering an icon and an aggregation site where others can look to find the best academic blogging on the Net.

    Es geht hier also (noch) nicht um den Versuch eines Peer-Review-Prozesses für Wissensblogger als Baustein einer neuen Form der digitalen Wissenspublikation, sondern um das Bloggen über neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Es ist schon ein faszinierender Gedanke, dass sich dieses Label für die ernsthafte Diskussion neuester Forschungsergebnisse jenseits von kurzen Pressemeldungen tatsächlich durchsetzen könnte und so dem Blogleser mit einem Klick eine umfassenden Einblick in aktuelle Wissenschaftsdiskussionen der Blogosphäre eröffnen würde.



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    Nach dem vielen Programmieren im Zusammenhang mit dem letzten metaroll-Update ist es nun wieder einmal Zeit für einen inhaltlichen Beitrag. Marcel Reichart gibt mit dem Satz “Natürlich ist die Blogkultur in Deutschland anders als in den USA, auch im wissenschaftlichen Bereich” dafür eine passende Anregung. Bislang scheinen derartige kulturvergleichende Blogographien (oder Ethnographien des Bloggens) jedoch Mangelware zu sein (ich freue mich aber darauf, durch Gegenbeispiele in diesem Punkt widerlegt zu werden).

    In meinen Free-Burma-Netzwerkanalysen habe ich u.a. auch die Kommentarpraxis in Frankreich und Italien kennengelernt, die sich von der deutschsprachigen Blogosphäre deutlich unterscheidet. Vor allem die ausgeprägten Einzelkommentare in der italienischen Splinder-Szene waren ziemlich genau das Gegenteil des sehr viel stärker gesprächsorientierten Bloggens z.B. bei Basic Thinking. Ich bin mir aber sicher, dass wir in den nächsten Monaten oder Jahren noch einiges über das Kommentieren in Weblogs erfahren werden: Wie entstehen Communities durch das gegenseitige Kommentieren? Wie homogen sind diese Gemeinschaften? Wie werden Informationen (oder etwas stärker à la mode: Meme) weitergegeben oder verändert? Gerade netzwerkanalytische Verfahren dürften hier eine entscheidende Rolle spielen, da sie von Beziehungen ausgehen (Stichwort: social graph) und nicht von Eigenschaften (wie z.B. die Wie ich blogge-Studie).

    Auf dem Feld der Wissenschaftsblogs werden diese blogkulturellen Unterschiede aber noch von den mindestens ebenso deutlichen (wenn auch besser erforschten) Unterschieden zwischen Wissenschaftskulturen überlagert. Als gravierendste Differenz lässt sich womöglich die anhaltende (oder besser: zunehmende) Brisanz der Gretchenfrage in der US-Wissenschaftsöffentlichkeit betrachten: Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Das wird zum Beispiel deutlich, wenn man sich ansieht, welche Themen in diesem Augenblick auf ScienceBlogs am intensivsten diskutiert werden. Die fünf “aktivsten” Blogeinträge sind:

    1. FFRF recap: heroes of the revolution, Hitchens screws the pooch, and the unbearable stodginess of atheists
    2. Student Report: Why do we still talk about the heart
    3. Student Post: Imagining Tennis
    4. The Washington Post’s war on Gore
    5. Gore Derangement Syndrome

    Betrachtet man diese Artikel näher, dann fällt auf, dass sie das Thema Wissenschaft nur periphär berühren, bzw. sich genau mit dem Spannungsfeld Wissenschaft vs. X befassen – wobei dieses X Politik, Emotionalität oder eben: Religion sein kann. Aber das ist wohl eines der Erfolgsgeheimnisse der ScienceBlogs, denn nur durch diese “Randthemen” lässt sich vermeiden, dass ein geschlossener wissenschaftsinterner Kommunikationskreislauf entsteht, der außerhalb der scientific communities als irrelevant wahrgenommen wird. Nun zu den Themen im einzelnen.

    Der erste Beitrag, mit 109 Kommentaren bisher der aktivste der fünf, berichtet von der “Freedom from Religion Convention”, einer Konferenz auf der unter anderem Christopher Hitchens (“God Is Not Great: How Religion Poisons Everything”) die These des “Clash of Civilization” noch einmal aufgewärmt hat und für Rudy Giuliani als US-Präsidenten geworben hat. Da die Konferenz sich explizit mit der Trennung von Staat und Religion befasst hat, ist es nicht verwunderlich, dass auch in den Kommentaren genau dieses Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Religion immer wieder berührt wurde. Einige eifrige Kommentatoren stellen dieses Thema bereits in das Zentrum ihrer Selbstbeschreibung: “I know Evolution is a fact” betont die eine “About Me”-Spalte, “I’m a liberal atheist with a degree in Computer Science” findet man in einem anderen Profil.

    Der zweite Beitrag befasst sich mit der Frage, warum trotz aller wissenschaftlicher Aufklärung das Denken und Reden in Metaphern wie zum Beispiel “er/sie hat mir mein Herz gebrochen” nach wie vor anzutreffen ist. Auch dies ein Thema, das auf die Grenzen von science in society hinweist und sich insofern auch gut für eine breitenwirksame Debatte eignet. Die 37 Kommentare kritisieren nicht nur den Aberglauben bzw. empfehlen, ein gebrochenes Herz als Kardiomyopathie zu operationalisieren, sondern verweisen teilweise auch auf ein grenzwissenschaftliches Wissen, in dem sogar eine spirituelle Funktion des Herzens nicht von vornherein abgetan werden kann.

    Das dritte Thema ist mit dem Problem der Wachkomadiagnose noch am stärksten innerwissenschaftlich ausgerichtet (bei einer gleichzeitigen starken Anwendungsorientierung). Mit 13 Kommentaren ist es auch das am wenigsten kommentierte. Dafür wurden jedoch die beiden letzten Beiträge 21 bzw. 62 mal kommentiert – es ging um die Verleihung des Friedensnobelpreises an Al Gore. Auch diese beiden Beiträge drehen sich nicht explizit um Wissenschaft. Stattdessen geht es um mediale Berichterstattung, insbesondere der Washington Post, die als neokonservatives Sprachrohr beschrieben wird, sowie die Diskussion des politischen Profil Gores und die Frage, wofür er den Preis eigentlich bekommen hat.

    Diese fragmentarische Momentaufnahme der ScienceBlogs (ich hoffe, die Verzerrung ist in diesem sonntäglichen Minisample nicht zu erheblich) gibt für mich einen Hinweis darauf, dass das US-amerikanische Wissenschaftsbloggen die größte Aufmerksamkeit mit Fragen generiert, die sich mit der (gefährdeten) Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft auseinandersetzt oder gar Anschlüsse an die Evolutionismus-vs.-Intelligent-Design-Debatte aufweist. Dabei zeigt sich zudem, dass es sich (zumindest in den hier betrachteten Themen) um eine weitgehend nationale Debatte handelt: auch der (internationale) Friedensnobelpreis wird schnell in den Rahmen der US-Medienlandschaft sowie der kommenden Präsidentschaftswahl gestellt.

    Die Frage lautet nun: Wenn man diese beiden kulturellen Unterschiede (hinsichtlich der Blog- und Kommentarpraktiken sowie der Wissenschaftskommunikation) ernst nimmt, wie könnte ein Modell des Wissenschaftsbloggens aussehen, dass auch in der deutschsprachigen Blogosphäre funktionieren würde? Ich bin gespannt. Auf der anderen Seite: ist die textbasierte Wissenschaftskommunikation (sei es in Blogs, Magazinen oder Zeitungen) wirklich die einzige denkbare? Oder müsste man nicht gleichzeitig auch den Blick für neue Formen der audiovisuellen Wissenschaftskommunikation schärfen – ich denke zum Beispiel an den großartigen filmischen Web 2.0-Essay des Ethnologieprofessors Mike Wesh?



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