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Der Neuigkeitswert von RSS-Feeds

Wir leben noch in einer Ära, in der das Einrichten eines RSS-Feeds auf einer Internetseite eine eigene Pressemitteilung wert ist:

Pressemitteilung
MPI für Bildungsforschung bietet RSS-Feed
Dr. Petra Fox-Kuchenbecker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
13.06.2008

Die Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung bietet ab sofort einen Informationsdienst an, der es Interessierten weltweit erlaubt, die Anzeige neuer Publikationen aus dem Institut zu abonnieren.
Alle, die sich für die Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung interessieren, müssen künftig nicht mehr mühsam die Publikationen-Webseite des Instituts nach Beiträgen durchsuchen. Stattdessen erhalten Sie automatisch eine Nachricht, wenn die Veröffentlichung erscheint. Ein link führt dann zur vollständigen Titelanzeige.
Dieser Dienst, der technisch als RSS-Feed realisiert ist, kann für alle Publikationen des Instituts oder getrennt nach Forschungsbereichen abonniert werden. Sie erreichen den Dienst unter http://library.mpib-berlin.mpg.de/iv/iv.php?year=2008-

Weitere Informationen:

http://www.mpib-berlin.mpg.de

(via)



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    Doc Searls, Mitauthor des Cluetrain-Manifests (“Märkte sind Gespräche“), hat auf seinem Blog in prägnanter Form zehn Empfehlungen für die Zeitung der Zukunft formuliert (bzw. aus dem Archiv hervorgeholt). Da diese Punkte sehr gut zu meinem letzten Blogeintrag zum Tod der Tageszeitungen und dem Überleben der Zeitschriften passt, möchte ich die Thesen hier kurz kommentieren:

    1. Die Archive öffnen. Wenn die alten Beiträge hinter einer kostenpflichtigen Anmeldemaske versteckt sind, können sie von Suchmaschinen nicht gefunden werden. Was im Suchmaschinenzeitalter schlicht heißt: sie existieren nicht. Hier hat sich einiges getan. Das Zeit-Archiv reicht trotz einiger Mängel bis ins Jahr 1946 zurück. Das taz-Archiv ist zwar kostenpflichtig, Google darf aber umsonst hinein, so dass die älteren Beiträge in den Suchmaschinenindices zu finden sind. FAZ und SZ sind dagegen größtenteils kostenpflichtig.
    2. Archiviertes auf die Titelseite bringen. Doc Searls empfielt, Links zu alten Artikeln aus den Archiven auf die Titelseite zu bringen, um die Suchmaschinen und Nutzer in die Archive einzuladen. Zwar haben die Onlineausgaben mittlerweile durch die Bank Verweise auf thematisch ähnliche Beiträge (“related items”) auf den Artikelseiten. Aber der Weg von der Titelseite ins Archiv ist meistens so versteckt, dass man nicht ernsthaft davon ausgehen darf, dass man die Leser dort haben will. Hier als Beispiel der gut getarnte Archivlink ganz unten auf der Tagesspiegel-Seite:
      Gut getarnter Archivlink auf Tagesspiegel.de
      Einige Archive sind zudem nur durchsuchbar und nicht Artikel für Artikel, Ressort für Ressort durchblätterbar.

    3. Nach außen verlinken. Wie ich hier schon erwähnt habe: bei deutschen Zeitungswebseits Fehlanzeige. Verlinkt wird nur auf das eigene Blatt. Links nach außen sind nahezu immer Werbelinks. Von Tageszeitungstrackbacks in die Blogosphäre können wir im Augenblick nur träumen.
    4. Blogs und andere Zeitungen verfolgen und verlinken. Auch hier nicht viel neues. Immerhin leisten sich viele Tageszeitungen nun Blogger, die anscheinend diese Arbeit für die Zeitungsredaktion übernehmen sollen.
    5. Blogger als potentielle Berichterstatter einbeziehen. Bislang ist die Kluft zwischen Zeitungen und Blogs nur in eine Seite durchlässig: Journalisten können Blogger werden. Bewegungen in die andere Richtung, also dass ein wichtiger Blogger oder eine Bloggerin in eine Redaktion geholt wurde, sind mir nicht bekannt. Robert Basics Techniktipps auf der Computerseite der Süddeutschen? Schwenzels Woche in der Taz? Aber das geht natürlich nur, wenn der Scheingegensatz zwischen Journalisten und Bloggern aufgegeben wird.
    6. Bürgerjournalisten für lokale Themen einsetzen. Auch hierfür fallen mir auf Anhieb keine prägnanten Beispiele ein.
    7. Weg mit dem Begriff “Content”. Es geht um Texte, Bilder, Meinungen, nicht um Inhalt, der nur dazu da ist, einen Leerraum zu füllen. Eine Onlineredaktion sollte mehr sein als ein Content-Management-System.
    8. Einfache Webseiten bauen. Klare Strukturen und Navigationspfade, kurz: Benutzerfreundlichkeit.
    9. Ins “Live Web” einsteigen. Statt Site, Content, Box und Container sollte im Idealfall der Eindruck entstehen, dass hier lebendige Menschen recherchieren, fotografieren, schreiben, verlinken, beobachten, kommentieren. Das neue Netz ist dynamisch.
    10. Für mobile Endgeräte “Nachrichtenströme” veröffentlichen. Auf einem Mobiltelefon will man die Essenz der Seite lesen. Mehr nicht. Das kann dann in etwa so aussehen.

    Mir fallen da noch zwei Ergänzungen ein:

    1. Zugänge in die Nachrichtenmaschine anlegen. RSS-Feeds haben mittlerweile die meisten Tageszeitungen im Netz. Aber das sind meistens One-Size-Fits-Them-All-Lösungen. Die Personalisierung geht in der Regel nur so weit, dass man Feeds für einzelne Ressorts abrufen kann. Mit Nachrichten-APIs könnte man sehr viel spezifischere Zugänge zu den Datenbanken ermöglichen und so das dort gespeicherte Wissen besser nutzen. Die amtliche Statistik hat damit auch schon angefangen, so dass man die offiziellen Daten in Mashups weiter umwandeln kann. Warum sollten die Zeitungen das nicht auch können?
    2. Die Nachrichten verschlagworten und geocodieren. Wenn es hoch kommt, sind in den Metatags gerade einmal die ersten zehn Worte der Meldung als Stichworte abgespeichert. Was fehlt ist eine aussagekräftige Verschlagwortung der Beiträge sowie die Geocodierung. In Verbindung mit dem vorangegangenen Punkt entstünde auf diese Weise eine umfassende und dynamische Datenbank mit Begriffen und ihren Orten, auf die man dann z.B. für eigene Blogbeiträge oder Mashups (vgl. dazu meinen geolokalisierten Wein-Nachrichtenfluss mivino) zurückgreifen könnte.


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    Lutz Hachmeister weist in einem Interview für den Rheinischen Merkur darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen “Internet” hier und “Fernsehen” da möglicherweise ein Auslaufmodell ist. Eine ähnliche Konvergenz könnte man nun auch zwischen “Zeitung” und “Weblog” feststellen, zumindest wenn man die Onlineausgaben der Zeitungen betrachtet. Einige in dieser Hinsicht fortschrittliche Verlage haben bereits ihr Onlineangebot zum primären Informationskanal erklärt – die Devise lautet: “Online first“. Ich habe mir einmal die Internetangebote einiger Tages- und einer Wochenzeitung angesehen, um herauszufinden, wie “bloggig” diese Seiten schon geworden sind. Dazu habe ich 16 Merkmale untersucht, die für mich ein idealtypisches Blog ausmachen und dann einen gewichteten Index gebildet, der Auskunft darüber geben soll, wie nah ein Onlineangebot an diesem idealtypischen Blog ist. Hier zunächst das Ergebnis, dann die Erklärung der einzelnen Merkmale:

      SZ Taz FAZ NYTimes Welt Guardian Tagesspiegel Zeit
    RSS + - + + + + + +
    Kommentare + + + - + - + +
    Stapel - - + - - - + -
    Volltext - + - + + + + +
    Permalinks + + + + + + + +
    Tags - - - - + + - +
    Autorenkat. - - - + - + - -
    Trackbacks - - - - - - - -
    Links - - - - - - - -
    Archiv - + - + - + - -
    Blogroll - - - - - - - -
    Kategorien + + + + + + + +
    Related + + + + + + + +
    Share + - + + - + + +
    Navigation - - - + + - + -
    Suche + + + + + + + +
    Score 10 10 12 13 14 14 15 15

    Die “bloggigsten” Zeitungen sind also Die Zeit und der Tagesspiegel (beide 15), danach der Guardian und die Welt (beide 14), dann die New York Times (13) und die FAZ (12) und die Schlusslichter sind taz und Süddeutsche Zeitung (beide 10). Wenn man dieselben Kriterien für einige Weblogs betrachtet, dann kommt das Bildblog nur auf 13 Punkte, während zum Beispiel wirres.net 17 Punkt und Basic Thinking 19 Punkte erreichen, beide also deutlich mehr als die untersuchten Tageszeitungen. Einige Onlineangebote von Zeitungen kann man also auch als Blogs betrachten – freilich bezieht sich das nur auf die genannten formalen Kriterien und nicht auf die Professionalität der Autoren oder die jeweiligen Inhalte. Interessant ist auch die Heterogenität der Onlinestrategien. Keine Zeitungen haben, was diese Indikatoren betrifft, ein identisches Profil. Es scheint also noch kein Best Practice auf diesem Gebiet zu geben.

    Nun kurz zu den Indikatoren, über die man sich natürlich streiten kann:

    • RSS: Die Verfügbarkeit eines RSS- oder Atom-Feeds. Fast alle Zeitungen bieten dies an, in der Regel auch für einzelne Ressorts.
    • Kommentare: Die Möglichkeit, einen Eintrag zu kommentieren. Dieses Feature findet man bei allen deutschsprachigen, nicht aber bei den englischsprachigen Zeitungen.
    • Stapel: Die Organisation der Homepage als ein Stapel, bei dem die neuesten Beiträge oben eingefügt werden, während ältere Beiträge unten herausfallen (bzw. ins Archiv wandern).
    • Volltext: Die Verfügbarkeit aller Texte aus den Printausgaben.
    • Permalinks: Die Möglichkeit, einen Artikel über eine stabile URL zu erreichen. Alle Zeitungen haben dieses Feature.
    • Tags: Die Verschlagwortung eines Artikels mit horizontalen Tags. Ein Tag kann auf mehrere Artikel verweisen, ein Artikel kann mehrere Tags haben.
    • Autorenkategorie: Die Möglichkeit, sich nur Beiträge eines bestimmten Autors anzusehen.
    • Trackbacks: Die Registrierung einkommender Trackbacklinks. Dieses Feature, das eine wesentliche Grundlage der intensiven Vernetzung der Blogosphäre ist, findet man bei keinem Onlineangebot.
    • Links: Auch externe Links findet man nur in Ausnahmefällen (Werbung). Zeitungen verlinken auf in der Zeitachse, d.h. auf eigene Beiträge.
    • Archiv: Ein Archiv, in dem man blättern kann und sich z.B. alle Beiträge anzeigen lassen kann, die im letzten Januar erschienen sind.
    • Blogroll: Auch die Anzeige von interessanten Blogs ist ein Blog-exklusives Feature.
    • Kategorien: Die Möglichkeit, sich Beiträge einer bestimmten Kategorie anzuzeigen, haben alle Zeitungen – unter dem Namen “Ressort”.
    • Related Items: Alle Onlineausgaben zeigen interne Links an, die zu einem bestimmten Beitrag inhaltlich passen.
    • Share: Die Möglichkeit, einen Beitrag bei del.icio.us, Mr. Wong etc. abzuspeichern und für andere verfügbar zu machen.
    • Artikelnavigation: Die Möglichkeit von einem Artikel zum vorherigen bzw. nächsten zu surfen.
    • Suche: Auch das ist ein ubiquitäres Feature.

    Doppelt gewertet wurden die ersten sechs Merkmale, da ich sie für besonders wesentlich für Blogs halte.



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  • Wie die Marktforschung das neue Netz verschläft

    Wie sieht es aus mit der Web (2.0)-Tauglichkeit der großen Markt- und Medienforschungsinstitute? Man dürfte eigentlich meinen, dass hier mustergültig alle Techniken eingesetzt werden, die den Zugang zu den angebotenen Informationen erleichtern (vgl. auch das inflationär verwendete Stichwort “Google for Information”), die Verständnis und Einprägsamkeit der Informationen stützen und vielleicht sogar (Corporate Weblog) neue reziproke Kommunikationswege zwischen Unternehmen und Nutzern schaffen. Im Moment sieht es hier allerdings düster aus.

    Ich habe mir für die folgende Tabelle einmal die News-, Nachrichten- bzw. Pressemitteilungsseite einiger großen Institute, die immer wieder Zahlen über Internet und das Web 2.0 publizieren angesehen und miteinander verglichen. Dabei habe ich darauf geachtet:

    • Kann man sich per RSS über neue Studien, Nachrichten aus dem Haus etc. informieren lassen? (Hierzu ein kurzes Zitat aus Christianes 10 Thesen zur Zukunft der Medien: “Ein weiterer Beschleuniger sind Dienste, die Nutzer und Leser dazu befähigen, sich auf ihre Interessen maßgeschneiderte Angebote zusammenzustellen. Die Stichworte hier: RSS und Aggregation.”)
    • Gibt es alternativ einen klassischen Newsletter?
    • Kommunizieren Mitarbeiter per Corporate Weblog mit den Nutzern?
    • Kann man sich die Berichte als PDF-Dokument (also mit Tabellen, Abbildungen etc.) herunterladen?
    • Besteht die Möglichkeit, sich fertige Charts, z.B. für Powerpoint, herunterzuladen?
    • Wird ein persönlicher Ansprechpartner genannt?
    • Werden die Texte durch multimediale Inhalte ergänzt?
    • Gibt es einen Zugang zu den Datensätzen?


    RSS?News-
    letter?
    Web-
    log?
    PDF?Charts?Persönlicher Kontakt?Multi
    media?
    Daten
    sätze?
    TNS Infratest (de)neinjaneinjajajaneinnein
    TNS Emnid (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    Nielsen Media Research (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    IfD Allensbach (de)neinneinneinjaneinneinneinnein
    GfK (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    Ipsos (de)neinjaneinjaneinjaneinnein
    synovate (de)janeinneinjaneinjaneinnein
    Psyma (de)neinneinneinneinneinjaneinnein
    PEW / Internet (us)janeinjajajaneinja (Video)ja (SPSS, Crosstabs, Fragebogen)

    Damit die Bilanz nicht allzu düster ausfällt, habe ich noch das in dieser Hinsicht vorbildliche PEW-Internetprojekt mit hinzu genommen. Weitere Punkte, die ich ebenfalls hätte aufführen können, die aber nur negative Einträge produziert hätten, wären z.B.:

    • Gibt es eine Möglichkeit, die Informationen in social bookmarking-Dienste einzuspeisen? (Dazu wieder Christiane: “Veröffentlichte Inhalte können über Werkzeuge, die die Struktur von Linknetzwerken intelligent auswerten, leichter gefunden werden. Dazu gehören nicht nur Suchmaschinen, sondern auch Tagging-Dienste wie Social-Bookmarking-Dienste.”)
    • Kann man die Inhalte bequem mit wenigen Mausklicks in eigene Veröffentlichungen (z.B. Weblogs) einbinden?
    • Können die Nutzer Informationen kommentieren, bewerten?
    • Gibt es intelligente Empfehlungsalgorithmen à la “Nutzer, die diesen Bericht gelesen haben, interessierten sich auch für …”?

    Natürlich ist nicht immer und für jeden alles sinnvoll. Aber ein bisschen mehr Webtauglichkeit würde ich mir doch wünschen.

    Welche Markt- und Medienforschungsinstitute in Deutschland (oder international) müssen noch in die Liste? Gibt es weitere Musterschüler?



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    meister_des_frankfurter_paradiesgartleins_001.jpgGerade eben habe ich gelesen, dass sich Google, Plaxo und Facebook der DataPortability-Workgroup angeschlossen haben und somit vielleicht der walled garden-Charakter der digitalen sozialen Netzwerke (Kosmar nennt das ein “Datengrab“) bald der Vergangenheit angehören könnte. Worum geht es dieser Arbeitsgemeinschaft? Mit dem Slogan “Sharing is Caring” soll auf Grundlage bestehender Technologien und Standards wie OpenID, APML, Microformats, RDF, RSS, OPML und OAuth erreicht werden, dass beispielsweise die Daten zwischen sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace und Xing ausgetauscht werden können. Bislang war das nur schwer möglich.

    Für mich ist das nur eine folgerichtige Entwicklung, die bestehende Netzwerktechnologien näher an die immer wieder verwendete Community-Metapher heranführt. So kann man unterscheiden zwischen objektzentrierten und personenzentrierten Netzwerken. Bei objektzentrierten Netzwerken kann die Verbindung zwischen den Mitgliedern einer virtuellen Gemeinschaft auf Grundlage geteilter Objekte bestehen. Das kann das Abspeichern eines Hyperlinks sein oder die Leidenschaft für das Musikhören. Anders bei personenzentrierten Netzwerken, in denen Beziehungen zwischen Personen abgebildet werden, die ganz unterschiedlicher Art und Stärke sein können. Facebook-Mitglieder haben nicht sehr viel mehr gemeinsam als dass sie sich mit Hilfe dieser social software vernetzen. Dasselbe gilt für Xing-Nutzer.

    Da man aber die dort eingegebenen Personendaten und vor allem die dort abgespeicherten Verbindungen bislang nicht transportieren konnte, bestanden diese Verbindungen streng genommen nicht zwischen den Personen, sondern ihren jeweiligen Netzwerk-Avataren. Wenn Facebook-Bob mit Facebook-Anne verbunden ist, bedeutet das noch lange nicht, dass auch Xing-Bob und Xing-Anne eine Verbindung besitzen. De:bug fasst das schön knapp in der Formel zusammen: “Dein Social Graph war nie deiner”. Außerdem ist man in diesem Modell immer an das Wohlwollen des Anbieters gebunden, der jederzeit Personen sperren konnte wie jüngst Blogdampfinallengassen Robert Scoble.

    Genau an dieser Stelle greifen die oben erwähnten Standards ein, die für die Verwirklichung einer grundlegenden “Webdienste-Freiheit 0” sorgen könnten, also dafür, dass Daten portierbar werden und man – im Idealfall – mit wenigen Mausklicks seine soziale Umwelt, in der man sich in einem Netzwerk bewegt auch in anderen nachbauen kann. Hier kann man dann von tatsächlichen sozialen Beziehungen sprechen und in Folge auch von einer echten (plattformunabhängigen) Community. Mal sehen, was in der Praxis daraus wird und vor allem: welche Lösung die Anbieter von social networking für das Problem finden, dass mit der Transportabilität sozialer Beziehungen auch der Wert der von den Nutzern in der Software hinterlassenen Personendaten schwindet. Vielleicht erweist sich ja das targeted advertising als brauchbare alternative Monetarisierungsquelle.

    Andere zu diesem Thema:

    • Robert Basic packt die Problematik in eine Kaffeehausmetapher und stellt fest: “Sobald ich ein Cafe betrete, werde ich aufgefordert, andere User einzuladen. Wenn ich wieder rausgehe, kann ich meine Freunde nicht mitnehmen, die bleiben als Geiseln, damit ich wiederkomme, ja oft und lange wiederkomme.”
    • Thomas Pleil hält für möglich, dass Facebook und Google der Arbeitsgemeinschaft vor allem deshalb beigetreten sind, um sich auf dem Laufenden zu halten, was zu diesem Thema so alles diskutiert wird. Außerdem ist Datenportabilität nur dann sinnvoll, wenn sich die Netzwerke tatsächlich voneinander unterscheiden.
    • Ähnlich sieht das auch Uli Kutting, der einen Wandel von “SNs (Social Networks)” zu “SINs (Special Interest Networks)” sieht.

    (Abbildung: Das Paradiesgärtlein, Maria im beschlossenen Garten mit Heiligen, um 1410)



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    Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann Xing einen persönlichen Newsfeed (“awareness feed”) einbauen würde, wie man ihn aus Facebook kennt:

    xing.png

    Aber ist das wirklich notwendig? Und vor allem: in dieser Form? Denn nicht nur sind, wie Robert bemerkt, die Möglichkeiten bei Xing noch sehr eingeschränkt, diesen Feed zu persönalisieren, indem man einstellt, welche Nachrichten einem wie wichtig sind und vor allem: über welche Kontakte man besonders gut informiert bleiben möchte. So sieht das z.B. bei Facebook aus:

    facebook.png

    Zudem werden nur Xing-interne “Nachrichten” angezeigt: der Feed bleibt also selbstreferentiell, während bei Facebook über diverse Plugins auch externe Ereignisse und Informationen wie zum Beispiel Twitter-Microbloggings angezeigt werden können.

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso Xing sich nun verstärkt darum bemüht, möglichst Facebook-ähnlich zu werden (bevor Facebook wirklich im europäischen Markt Fuß fassen wird), anstatt sich auf die Features zu konzentrieren, in denen es wirklich etwas besonderes zu bieten hat (zudem sich die Debatte um das neue Feature in eine ähnliche Richtung zu bewegen scheint wie anlässlich Facebooks Newsfeed):

    • Da wäre zum einen so etwas wie ein Seriositätsbonus, denn bislang war Xing vor allem ein einigermaßen leicht bedienbares Adressbuch, mit dessen Hilfe gerade Freiberufler oder Jobwechsler ihre Kontakte aufrechterhalten konnten. Bislang gibt es auf Xing noch keine Piraten, Zombies und virtuelle Maßkrüge.
    • Auf der anderen Seite gehört OpenBC/Xing zu den Pionieren, was die alltagspraktische Umsetzung des Netzwerk- oder Smallworlddenkens angeht. Die Anzeige der unterschiedlichen Verbindungspfade zu einer Person ist schlicht genial. Umso weniger ist verständlich, dass man sich anscheinend nur wenig Gedanken darüber macht, wie man das Potential, das darin steckt, verwirklichen kann. Ich denke z.B. an eine echte Möglichkeit, das eigene Xing-Kontaktnetzwerk zu durchwandern (“surfing the social graph”), an die gewichtete Anzeige der eigenen Kontakte nach der Interaktionshäufigkeit bzw. den Profilbesuchen oder anhand netzwerkanalytischer Einflussmaße.


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  • Kostenloser Ratgeber für Journalisten 2.0

    journalism.pngVielleicht sollten sich die QualitätsPrintjournalisten einmal dieses Buch von Mark Briggs (kostenlos als pdf verfügbar) durchlesen? Darin wird so ziemlich alles erklärt und mit zahlreichen Übungen veranschaulicht, was mit dem neuen Netz zusammenhängt: RSS, Digg, Tagging, Folksonomies, Weblogging oder Podcasting. Wer mindestens mit zwei dieser Begriffe nichts anfangen kann, sollte sich den Ratgeber einmal ansehen.



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    In der Betaversion der metaroll habe ich ein neues Feature eingebaut, das für jedes Blog einen kurzen Ausschnitt aus dem letzten veröffentlichten Beitrag anzeigt:

    feed.PNG

    Außerdem stehen jetzt Links zu den RSS- und Atom-Feeds in jedem Eintrag. Ich denke, jetzt wird es bald Zeit, das Design zu ändern, es sieht wirklich nicht mehr aufgeräumt aus. Vorschläge? Tipps?



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