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Vom Geist des modernen Prosumerismus

Vorhang auf für die nächste Web2.0-Studie aus der Marktforschung. Diesmal hat TNS Infratest MediaResearch nach dem Nutzungsverhalten im neuen Netz gefragt: “Werden die Menschen im ‘Mitmachnetz’ nun reihenweise von passiven Konsumenten zu aktiven, selbst produzierenden ‘Prosumenten’?” Das Ergebnis: Die Deutschen behandeln das neue Netz nach wie vor wie ein klassisches Medium und nutzen es weitgehend passiv. Nur neun Prozent der über 14-Jährigen fallen der aktuellen Umfrage nach in die Kategorie der Prosumenten, sind also “Nutzer, die Inhalte aktiv ins Internet hochladen, gestalten oder verändern”. Ich frage mich schon etwas, wie man zu der merkwürdigen Annahme kommen kann, die Nutzer würden sich auf einmal “reihenweise” in Web2.0-Prosumenten verwandeln. Und neun Prozent sind immerhin 5,7 Millionen Menschen.

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass die Prosumerisierung der Nutzer ganz eng mit dem Alter zusammenhängt: 4,3 Millionen der deutschen Web2.0-Nutzer fallen nämlich in die Altersgruppe der 14-29-Jährigen. Aber: ist es wirklich das Alter? Ist Web2.0 eine Jugendbeschäftigung? Oder trifft nicht doch eher eine Generationenthese zu, die eine zeitliche Abfolge in der Diffusion von Web2.0-Kulturmustern von den digitalen Eingeborenen zu den digitalen Einwanderern beschreibt? Die Beobachtung, dass der Prosumerismus ebenfalls eng mit der Höhe des Einkommens sowie dem Bildungsgrad korrelliert passt zumindest nicht ganz zu der Altersthese.

Natürlich gibt es in der Studie auch ein paar Zahlen zu Weblogs:

Sogenannte Weblogs oder Blogs, also Online-Tagebücher, werden von insgesamt 14 Prozent (9,1 Mio.) aller über 14-Jährigen zumindest gelegentlich gelesen (im Vergleich: Allensbach kam auf 18 Prozent). Eigene Weblogs werden allerdings nur von zwei Prozent (1,3 Mio.) der Bevölkerung veröffentlicht (ACTA: sechs Prozent, aber nur ein Prozent häufiger und zwei Prozent ab und zu).

Auch hier finde ich das “nur” nicht ganz passend. Wenn tatsächlich 1,3 Millionen Menschen regelmäßig in Weblogs schreiben, ist das sehr viel (besonders im Vergleich mit den von blogcensus ermittelten gut 200.000 deutschen Blogs). Schließlich noch ein paar Zahlen zu social networks:

Nach den vorliegenden Ergebnissen sind mittlerweile bereits knapp zwölf Prozent (oder 7,5 Mio.) der über 14-Jährigen in Deutschland Mitglied in mindestens einem dieser Online-Netzwerke. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 39 Prozent. Auch hier finden sich also die bereits erwähnten starken Zusammenhänge zwischen der Mitgliedschaft in einer solchen Community und den Variablen Alter, Bildung und Haushalts-Nettoeinkommen.

(via w&v)



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