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No taxation without microblogging oder: Karriereplanung für Politiker

Auch wenn ich eher kritisch oder besorgt bin, was die Möglichkeiten der digitalen Demokratie betrifft und normalerweise auch nicht dazu neige, pauschal bestimmte Social-Media-Plattformen zu empfehlen: Ich bin der Meinung, dass jeder Politiker twittern sollte.

Politiker werden wie Wissenschaftler oder öffentlich-rechtliche Moderatoren von uns, den Steuerzahlern bezahlt, die im Gegenzug dafür das Recht haben, zu erfahren, was ihre Mandatsträger für ihr Wohl leisten. Man könnte es auch so formulieren: “No taxation without microblogging.” Das gilt genauso natürlich auch für das System der Wissenschaft, das sich noch schwerer mit Transparenz und Dialog tut. Aber davon ein anderes Mal. Besonders wichtig finde ich dieses Prinzip auf den politischen Ebenen, die dem Bürger relativ nah sind wie zum Beispiel die Landtage.

Eventuell sollte es dafür eine Art Staatstwitter geben, das anders als Twitter nicht auf eine globale Skalierbarkeit ausgerichtet ist und sich, viel wichtiger, nicht von den ökonomischen Interessen von Investoren beeinflussen lassen muss.

Aber das auf 140 Zeichen zugespitzte Berichten über die eigene Arbeit sollte nicht nur ein Anspruch der Öffentlichkeit sein, sondern liegt auch im Interesse der Politiker. Kein Amt wird auf Lebenszeit vergeben. Jede Legislaturperiode ist irgendwann einmal zu Ende und auch Politiker müssen sich von Zeit zu Zeit ihrer eigenen Karriereplanung widmen. Social Media, zu denen auch Twitter gehört, sind ein hervorragend geeignetes Instrument, um Spuren zu hinterlassen, die auch dann noch sichtbar sind, wenn die Mandate ausgelaufen sind. Bislang ist der Fokus bei Social Media viel zu sehr auf dem Echtzeit-Aspekt gelegen. Klar, Social Media sind die schnellsten Medien. Aber gleichzeitig sind Social Media auch die nachhaltigsten Medien. Hier versendet sich kaum etwas.

Wenn man sich einmal ansieht, wie diese Möglichkeiten von den Politikern genutzt werden, dann erkennt man schnell, welches Potential in diesen Kurzmitteilungen steckt, aber auch, wie viel Luft hier noch nach oben ist. Im Bayerischen Landtag zum Beispiel mit seinen 187 Abgeordneten twittern gerade einmal 22 Abgeordnete mehr oder weniger regelmäßig. Bemerkenswert ist hier, dass die größte Microbloggingquote nicht bei den großen Volksparteien bzw. der großen Volkspartei CSU zu finden ist, sondern bei den kleinen, allen voran die FDP.


Verteilung der twitternden MdL

Thomas Hacker tanzt beschwingt mit Miriam GruÃ? beim Sommerfe... on TwitpicWas die Abgeordneten auf Twitter über ihre Arbeit publizieren, liefert in vielen Fällen einen guten Überblick über ihre Arbeit in Ausschüssen, öffentlichen Einrichtungen und Abendveranstaltungen. Die Bundesversammlung hat begonnen!Einige Landtagsmitglieder machen sich sogar die Mühe, ihren politischen Alltag mit Bildern zu dokumentieren. So findet man zum Beispiel dieses interessante zeitgeschichtliche Dokument aus der Bundesversammlung bei der Wahl des Bundespräsidenten Wulff. Oder ein Bild der politischen Führungsriege Bayerns.

Ein Herz und eine Seele, CSU aus einem Guß. So sieht die Realität aus!Was mich stark überrascht hat: Auch Landespolitiker in Ministerrang finden momentan auf Twitter nur eine sehr kleines Publikum. Jeder nebenberufliche Social-Media-Berater hat nach einem Monat Retweeten von Mashable- oder Techcrunch-Meldungen mehr Follower als beispielsweise die bayerische Justiz- und Verbraucherschutzministerin.

Dafür gibt es eigentlich nur eine Erklärung: Die regionalen Medien, deren Aufmerksamkeit eigentlich vor allem den Ereignissen in der Landespolitik gelten sollte, haben noch nichts von dem Wandel mitbekommen. In den Redaktionen von Abendzeitung, SZ, Münchener Merkur oder tz scheint man viel mehr damit beschäftigt, die eigenen Meldungen per Twitter in die Welt zu broadcasten als sich auf die Entdeckungsreise zu begeben, was die Objekte (eigentlich: Subjekte) ihrer Berichterstattung oder gar ihre Leser zu sagen haben, wenn sie auf einer halb-offiziellen Bühne stehen. Schade, denn gerade hier gäbe es journalistisch noch viel zu erforschen.

Für den Einstieg in diese Welt habe ich hier schon einmal eine Liste der twitternden bayerischen MdL angelegt. Ergänzungen bitte in die Kommentare.



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    Dienste wie Twitter werden für die politische Kommunikation noch eine große Zukunft haben. Davon bin ich überzeugt. In 140 Zeichen können hier Politiker in den direkten Dialog mit der Bevölkerung (momentan freilich noch: einer überdurchschnittlich gebildeten, kommunikationsfreudigen und technophilen Bevölkerung) treten und einen Einblick in den politischen Alltag bieten, für den es sonst kein Format gibt. Ungefiltert, authentisch und informell.

    Wenn sie das Medium gut handhaben, können Politiker auf diese Weise abseits der Massenmedien politische Meinungen ausdrücken, die weder als der übliche glattgeschliffene Polit-Talk aufgenommen werden noch als peinliche Anbiederungs- und Missionierungsversuche. Letztlich geht es hier um eine Personalisierung der Politik ohne Populismus.

    Volker Beck (Grünes Bundestagsmitglied) twittert zwar erst seit dem 17. September. Aber er scheint das Medium begriffen zu haben (oder einen guten Berater zu haben, mittlerweile hat Volker Beck mir per Twitter bestätigt, er habe keinen Twitter-Berater): Keine Pressemitteilungen, sondern authentisch wirkende Tweets (“Merkel steinmeiert jetzt auch in der Russlandpolitik“) und immer mehr Dialoge mit anderen Twitterati. Bislang hat er erst acht 61 121 Follower, aber das wird sich sehr, sehr schnell ändern.

    Hubertus Heil (Generalsekretär der SPD) hat mit seiner Twitter-Berichterstattung von dem Nominierungsparteitag der Demokraten in Denver als erster dafür gesorgt, dass sich auch die deutschen Massenmedien mit dem Phänomen Twitter in der Politik auseinandersetzten. Die meisten Zeitungen haben entweder nicht verstanden, worum es bei diesem neuen Medium geht, oder aber sie haben eine vage Ahnung davon bekommen, dass hier völlig außerhalb des klassischen politischen Mediensystems ein neuer Kanal entsteht, mit dem sie nichts zu tun haben. Ein Monopol aus Insiderinformationen, Echtzeitinformationen und persönlichem Zugriff auf die Politiker geht allmählich verloren. Hubertus dagegen hat das Medium aber sehr gut verstanden. Politiker halten nicht nur Reden, sondern kaufen auch mal ein oder tanzen. Aber vor allem: sie reden mit anderen. Auch über Twitter. Die spannende Frage ist hier die Nachhaltigkeit dieser Kommunikation. Hubertus hat mittlerweile über 1.000 Follower. Ein beachtliches Netzwerk, das wiederum aus zahlreichen Multiplikatoren und Impulsgebern besteht. Es wäre spannend, hier nachhaltige Kommunikationsstrategien zu entwickeln, die über die Berichterstattung von einem Event und ein paar vereinzelten Nachzügler-Tweets hinausreichen.

    Was macht die FDP mit diesem Medium? Immerhin versucht sie immer wieder, sich das Thema Innovation und Medien auf die Fahnen zu schreiben. Prominente Twitterer habe ich in den Reihen der Liberalen leider nicht gefunden. Immerhin gibt es aber einen Twitter-Account der Bundestagsfraktion, die im übrigen auch ziemlich rege bloggt. Leider werden die spezifischen Vorteile des Mikrobloggens nicht genutzt. Der Twitter-Feed der Bundestagsfraktion ist (im Augenblick noch) ein schnöder Newsticker, der auf neu eingestellte Beiträge der Homepage hinweist. Ganz selten wird ohne Link auf die Homepage getwittert oder auf andere Twitter-Nutzer reagiert. Aber immerhin scheint jemand die Reaktionen auf den Feed zu monitoren. Das ist nicht selbstverständlich. Mit dabei seit Ende August und erst 23 133 Follower. Das ist eindeutig ausbaufähig, insbesondere fehlt hier einfach eine authentische Stimme. Wer spricht hier überhaupt? In der Twittersphäre geht es um Dialoge, aber wer möchte sich schon mit Tickern unterhalten?

    Das ist natürlich nur eine Auswahl aus dem guten Dutzend mir bekannter Politik-Twitterer in Deutschland, wozu dann noch einmal mindestens ebenso viele Fake-Accounts kommen. Welche Politiker-Tweets lest ihr am liebsten? Wird Twitter die politische Kommunikationslandschaft nachhaltig verändern?

    Ach ja, und falls hier politische Kommunikatoren oder Politiker mitlesen: Ich würde mich gerne einmal mit euch über Erfahrungen und Potentiale des politischen Twitterns unterhalten.



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