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Wer vertraut wem? Firmenblogs genießen besonders wenig Vertrauen

Gerade auf dem Groundswellblog gefunden: eine Umfrage von Forrester zum Vertrauen in unterschiedliche Nachrichtenkanäle (nach einer mehr oder weniger kurzen Registrierung – je nachdem wieviele Fehler man im Formular macht – bekommt man auch den gesamten Bericht als pdf). So etwas ähnliches hatte ich vor kurzem ja auch für die StudentInnen. Jetzt geht es um einen repräsentativen Schnitt durch die US-Onlinebevölkerung. Die Ergebnisse in Kurzform:

  • Am stärksten vertrauen die Leute ihren Bekannten und Freunden. Besonders glaubwürdig werden die Informationen dann, wenn sie über das klassische Digitalmedium “Email” übertragen werden. 77% geben an, dieser Quelle völlig zu vertrauen oder zu vertrauen. Merkwürdigerweise wirkt das Social-Network-Profil eines Bekannten nur noch auf 43% der Nutzer vertrauenswürdig. Vielleicht ein Effekt des deutlich sichtbaren Branding der Seiten oder der Werbeeinblendungen? Das Medium spielt in diesem Fall doch eine deutliche Rolle. McLuhan würde sich freuen.
  • Ebenfalls sehr glaubwürdig sind Produktrezensionen. Darin liegt der große Vorteil von Amazon gegenüber seinen Mitbewerbern ohne nutzergenerierte Rezensionen. Nicht nur werden auf diese Weise Millionen von Seiten gefüllt und immer wieder aktualisiert, sondern diese Inhalte werden auch noch als besonders vertrauensvoll wahrgenommen. Auch, wenn sie von Unbekannten geschrieben wurden. Für mich ist das ein deutlicher Hinweis, dass Unternehmen, Organisationen, Parteien etc. sich verstärkt diesen Plattformen zuwenden sollten. Sowohl zuhörend, um zu erfahren, wie sie bewertet werden, als auch aktivierend, also selbst Kritiken und Bewertungen anstoßend.
  • Die Massenmedien liegen im Mittelfeld des Vertrauens und erreichen Werte zwischen 48% (gedruckte Branchenverzeichnisse) oder 46% (gedruckte Zeitungen) und 39% (Radio) oder 38% (TV).
  • Wikis (33%) liegen in den Vertrauenswerten unterhalb von professionellen Nachrichtenangeboten im Web (39%), aber immer noch vor Unternehmensemails (28%) oder Forenbeiträgen (21%).
  • Nun zur schlechten Nachricht: Besonders schlecht schneiden Unternehmensblogs ab, die nur von 16% der Befragten als vertrauensvoll bewertet werden. Das ist sehr wenig, aber private Blogs liegen mit 18% auch nicht sehr viel weiter vorne. Allerdings handelt es sich hier um sehr neue Arten der Unternehmenskommunikation, mit denen sowohl die Produzenten als auch die Nutzer noch längst nicht so souverän umgehen wie zum Beispiel mit den klassischen Massenmedien.
  • Sehr spannend ist die Differenzierung nach der Nutzerkategorie, also die Unterschiede zwischen allen Onlinern, Bloglesern und Blogschreibern. Besonders deutlich sind die Unterschiede, wenn es um das Vertrauen in Blogs geht. Blogschreiber vertrauen Unternehmensblogs (fast 40%) und privaten Blogs (fast 50%) stärker. Aber auch Wikis profitieren von der Vertrautheit mit Social Media. Sie liegen bei ihnen gleich auf mit professionellen Onlinenachrichtenangeboten und Printzeitschriften. Social-Network-Profile von Bekannten liegen bei aktiven Bloggern, was das Vertrauen betrifft, an dritter Stelle hinter Email und Produktbewertungen.
  • Dabei ist besonders interessant, dass auch klassische Massenmedien davon profitieren. Blogger und Blogleser scheinen insgesamt den Medien mehr Vertrauen zu schenken als Nicht-Blogger. Womöglich steckt dahinter eine Art generalisiertes Medienvertrauen oder media literacy, das sowohl dazu führt, dass Menschen sich in Blogs ausdrücken als auch dazu, dass sie anderen Medien stärker vertrauen. Eine Schlussfolgerung: Auch klassische Medien wie Zeitschriften oder Printzeitungen sollten sich demnach verstärkt um diese medienaffinen Nutzer bemühen anstatt in ihnen allein eine Bedrohung zu sehen.
Ein Kritikpunkt ist, dass nicht danach gefragt wurde, um welche Inhalte es jeweils geht. Ich vermute, dass sich das Medienvertrauen deutlich unterscheidet, je nachdem ob es um Informationen über einen Bombenanschlag in Mumbai geht oder um Erfahrungen mit dem neuen EEE-PC oder um das Leben der Paris Hilton. Ein zweiter Punkt ist, dass nicht zeitlich differenziert wird, um welche Stadien der Informationsgewinnung es sich handelt: ob um die zwanglose Recherche, das Überprüfen von Informationen oder um breaking news. Überhaupt wäre es interessant, auch einmal die wahrgenommenen Geschwindigkeiten zu überprüfen. Das ist schließlich auch ein Faktor, der einen Informationskanal kennzeichnet: der Informationsdurchsatz.


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  • Mit kollegialen Grüßen …

    Gerade eben habe ich von der Post ein Päckchen mit einem Stapel Sonderdrucke meines Aufsatzes über “Amtliche Statistik, Sichtbarkeit und die Herstellung von Verfügbarkeit” (DOI: 10.1007/s11609-008-0005-8) bekommen, dem aktuellen Berliner Journal für Soziologie abgedruckt wurde. Es handelt sich bei diesem Medium (Fachbezeichnung: Separatum) mit Sicherheit um eine aussterbende Art. Da die Aufsätze sowieso für die Onlineausgaben der Zeitschriften ins PDF-Format umgewandelt werden, wenn sie nicht schon in diesem Format gedruckt wurden, ist es viel günstiger und praktischer, Sonderdrucke als digitale Dokumente zu verschicken. Spätestens wenn der letzte Soziologie-Professor einen Email-Account besitzt, wird sich das wohl durchsetzen.

    Die Wikipedia definiert den Sonderdruck wie folgt:

    Sonderdrucke oder Separata sind die Einzeldrucke eines Zeitschriftenartikels oder eines Beitrags in einem Sammelband. Sie dienen dem Autor (den Autoren) als Belegexemplar und zum Versand an interessierte Fachkollegen.

    Der Schluss dieser Definition verweist jedoch auf die eigentliche Bedeutung des Sonderdrucks als akademischen Ritualgegenstand. Durchforstet man die Nachlässe von Professoren, so findet sich dort zumeist ein großer Stapel von vergilbten Sonderdrucken, die befreundete – oder befeindete – Peers ihnen zugeschickt haben. Meist findet sich dabei noch eine darangeheftete Visitenkarte oder ein handschriftlicher Vermerk à la “mit kollegialen Grüßen”. Dieser symbolische Überschuss lässt sich freilich mit den digitalen Nachfolgern des Sonderdrucks nicht auffangen. Insofern handelt es sich bei den momentan noch versandten Sonderdrucken um eine Art Luxusobjekt, einen Gegenstand aus einer zunehmend verblassenden Symbolwelt.

    Wer unter den Leserinnen dieses Blogs – eines fast schon zu digitalen Mediums – einmal in den Genuss eines mit handschriftlichen kollegialen Grüßen versehenen Sonderdrucks kommen möchte, hat jetzt die Gelegenheit dazu. Ein guter Kommentar zu diesem Beitrag genügt, und ich führe dreimal diesen alten akademischen Ritus des “Sonderdruck-Zueignens” aus.



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  • Scholarz und eine Einführung in Web 2.0 für Sozialwissenschaftler

    scholarz.pngLiest sich schon einmal interessant, was die Mitarbeiter des Forschungsprojekts “Wissenschaftlich Arbeiten im Web 2.0″ (Projektleiter: Daniel Koch) an der Uni Würzburg alles vorhaben (via Schmidtmitdete):

    scholarz.net” nennen wir unsere eigens programmierte Online-Software für wissenschaftliches Arbeiten, die sich derzeit noch im Test befindet. Gereift im Zuge des Forschungsprojektes “Wissenschaftlich Arbeiten im Web 2.0? der Universität Würzburg basteln wir weiter an einem “Alleskönner” aus internetbasierter Literaturverwaltung, anspruchsvollem Wissensmanagement, Social Knowledge und Wissenschaftlernetzwerk.

    Momentan ist die Software allerdings noch nicht öffentlich zugänglich – ich würde mich natürlich sehr über eine Einladung zum Alphatest freuen -, aber gebloggt wird schon eifrig auf dem dazugehörigen Scholarz-Blog.

    Ich bin gespannt, wie es mit dem Projekt weitergeht, denn gerade in den Sozial- und Geisteswissenschaften sind Web2.0-Anwendungen noch nicht so besonders stark verbreitet – zumindest im Vergleich mit den Medienpädagogen und Kommunikationswissenschaftlern.

    Vor einiger Zeit hatte ich selbst einmal mit der Arbeit an einen Einführungstext zum Thema “Web 2.0 für Sozialwissenschaftler – Einsatzmöglichkeiten von Wikis, Weblogs und Social Bookmarking in Forschung und Lehre” (download als pdf) begonnen. Zwar ist der Text noch nicht ganz fertig, aber ich kann ihn ja trotzdem hier einmal zur Diskussion stellen. Ich bin gespannt auf eure Kommentare.



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    Wie aus einer aktuellen Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) hervorgeht (hier die Pressemitteilung, hier das pdf), sind mittlerweile fast die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland per Email erreichbar. Aber nach wie vor zeigen sich enorme Unterschiede in der Emaildurchdringung nach Berufsgruppen: Während 76 Prozent der Selbständigen, 65% der Beamten und immerhin 52% der Angestellten Email nutzen, sind es unter den Arbeitern nur neun Prozent:

    bitkom.png

    Insgesamt ist die Email-Durchdringung dagegen noch einmal höher: bereits im Juli hatte der Bundesverband festgestellt, dass 61 Prozent der Bundesbürger eine Email-Adresse haben. Und bereits damals tauchte eine unerfreuliche Zahl auf: 80 Prozent der erhaltenen Emails sind Spam.



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  • Folien zur Tagung “Uneindeutigkeit als Herausforderung”

    Gerade habe ich die ersten beiden Foliensätze zur Tagung “Uneindeutigkeit als Herausforderung” auf den Uni-Server geladen:

    folien_augustin_2007.pngThomas Augustin (LMU München): Unsicherheit und Uneindeutigkeit aus der Sicht der statistischen Modellbildung

    folien_leisch_2007.pngUnsicherheit und Methodenpluralität: Warum sind Antworten der Statistik selten eindeutig?

    Viel Spaß beim Durchblättern!



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    journalism.pngVielleicht sollten sich die QualitätsPrintjournalisten einmal dieses Buch von Mark Briggs (kostenlos als pdf verfügbar) durchlesen? Darin wird so ziemlich alles erklärt und mit zahlreichen Übungen veranschaulicht, was mit dem neuen Netz zusammenhängt: RSS, Digg, Tagging, Folksonomies, Weblogging oder Podcasting. Wer mindestens mit zwei dieser Begriffe nichts anfangen kann, sollte sich den Ratgeber einmal ansehen.



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