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Die Karteileichen im MySpace-Keller

Tom O’Brien verweist auf ein Konferenzpaper mit den Ergebnissen einer ziemlich umfangreichen Analyse (n=1.900.000) von MySpace-Profilen, die James Caverlee und Steve Webb durchgeführt haben.

Untersucht werden drei Dimensionen: Soziabilität (Wie vernetzen sich die MySpace-Nutzer untereinander?), Demographie (Alter, Geschlecht, Ort) und Sprachmodell (Wie verständigen sich die Nutzer?).

Die wichtigsten Resultate in Kurzform:

  • Aktivität: Fast die Hälfte der untersuchten Profile waren Karteileichen (bei den Bands scheint es ähnlich zu sein) Das macht einmal mehr deutlich, dass das simple Zählen der Profile kaum etwas über den Wert eines Social Networks aussagt.
  • Alter: Bei den jüngeren Nutzern (14-20) sind weibliche, bei den älteren (ab 20) männliche Nutzer überrepräsentiert
  • Sprache: Es gibt deutlich unterschiedliche Sprachmodelle für Nutzer unterschiedlichen Alters, Geschlechts oder Wohnorts. Das bedeutet nichts anderes als folgendes: wenn man den Sprachgebrauch untersucht, kann man falsche demographische Angaben korrigieren. Denn es dürfte deutlich schwieriger sein, seine Art zu Schreiben zu fälschen als demographische Angaben.
  • Privatsphäre: Der Anteil nicht-öffentlicher Profile nimmt zu, was die Autoren als ein gestiegenes Privacy-Bewusstsein bei den Späteinsteigern deuten.
  • Rentner aufgepasst: Nutzer, die als Alter 69 eingetragen haben, ähneln ihrem Sprachmodell verblüffend den Mittdreißigern, scheinen die Altersangabe aber als Code für bestimmte sexuelle Vorlieben zu verwenden, denn das Mittdreißiger-Sprachmodell wird hier ergänzt durch Begriffe wie “swinger”, “sex”, “night”, “a**” und “f***”. Mashable hatte auch schon einmal darüber berichtet.


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    In diesem Screencast erklärt Marc Andreessen, wie Google’s Social Networking-API Open Social in einem konkreten Anwendungsfall aussehen kann:


    Find more screencasts like this on Ning Network Creators

    Und mit OpenSocialApplist gibt es auch schon ein Blog, das dem Thema Open Social-Anwendungen gewidmet ist. Zum Schluss gibt es von Robert Scoble noch eine Aufnahme der beiden CEOs von Google und MySpace zum Thema:



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    Sehr schön zu beobachten, wie Google mit einer Neuentwicklung an die Öffentlichkeit geht, und die Diskussionen darüber, ob Google nun die Welt regieren wird oder nicht, brechen los. Nur, was genau Googles Open Social sein soll, haben wohl die allerwenigsten verstanden. Allmählich lichtet sich der Nebel und die ersten verständlichen Erklärungen tauchen auf. Zuallererst: Open Social ist kein neues Netzwerk. Kein Closed Beta des Facebook von Morgen. Es bringt also nichts, Inviteshare um Einladungen anzuhauen, neue Profilfotos beim Fotografen in Auftrag zu geben und den Lebenslauf noch einmal durchzugehen. Aber wenn kein neues Netzwerk – was ist es dann?

    • Lars Hinrichs zum Beispiel weist im OpenBlog auf die Vorteile offener APIs und Standards hin: “Our members themselves can choose which applications they adopt—who better? The freedom of such an approach is infinitely superior to a walled garden approach.”
    • Marc Andreessen erklärt: “Open Social’s API is based entirely on Javascript. If you know HTML and Javascript today, you will be able to immediately use Open Social to turn your web applications and web sites into Open Social apps.” Dabei geht es um zwei verschiedene Komponenten: Container (darunter sind z.B. soziale Netzwerke wie Ning, OpenBC oder MySpace zu verstehen) und Applikationen. Der Witz an Open Social ist, dass die Netzwerke weder an bestimmte Container gebunden sind, noch an bestimmte proprietäre Sprachen wie es zum Beispiel bei den Facebook-Anwendungen der Fall ist.
    • Die von Google bereitgestellten JavaScript-Anwendungen ermöglicht also den Programmierern von Anwendungen für Social Software, in drei Dimensionen Informationen aus einem (oder mehreren) bestimmten Netzwerk(en) abzurufen: Profil-Informationen (Name, Adresse, Beruf), Kontakte (“Freunde”) sowie Aktivitäten (z.B. Feeds). Dimension2K ist begeistert: “Zumindest aus Entwicklersicht bietet OpenSocial fast unendlich viele Möglichkeiten, Applikationen für diverse Networks zu schreiben, ohne sich dabei ständig mit neuen Markup-Sprachen auseinandersetzen zu müssen.”
    • Ob auch ein Authentifizierungsmechanismus dabei sein wird, ist nicht ganz klar. Fischmarkt befürchtet, das könnte das Ende von OpenID bedeuten.

    Also: Open Social ist zunächst vor allem für Programmierer interessant, die Anwendungen für Social Networks schreiben wollen oder verschiedene Social Networks miteinander vernetzen wollen (Cem Basman nennt das “seamless social networking”, ich würde es eher “noserubbing” nennen). Aber damit ist noch nicht gesagt, dass das von Google für den 5. November angekündigte “Second Generation Social Network” (GoogleContacts?) nicht auf der Grundlage von Open Social das ein oder andere spannende Alleinstellungsmerkmal besitzen wird.

    Was könnte daraus entstehen?

    • Eine erhebliche Expansion des Marktes für Social Software-Applikationen
    • Sehr viele, differenzierte Nutzerprofile, die sich für gezielte Werbevermarktung nutzen lassen (à la Facebook Flyer). Durch die Vernetzung der Profile entsteht, so finyard, eine “unglaubliche Flut an persönlichen Daten, die sich wunderbar in personalisierte Werbung umwandeln lässt.”
    • Ein Soziales Netz der Netze, das zum Beispiel als Informationskanal genutzt werden kann (“Publicity Network“)
    • Ein Brücken-API, das früher oder später die Mobilität zwischen sozialen Netzwerken kontrollieren wird und Google eine weitere Monopolstellung ermöglicht (Andreas Göldi fasst das mit “Kontext ist King” schön zusammen)
    • Vielleicht, wie auch Robert Basic hofft, irgendwann eine stärkere Interoperabilität der Social Network Services, die bedeutet, dass ich die Dienste eines Netzwerkes auch aus einem anderen heraus nutzen kann.
    • Das Netzwerkparadigma wird sich weiter durchsetzen und Leuten wie mir, die sich mit der social network analysis befassen, viel Freude und harte Arbeit verschaffen. Yes!


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  • Die Sichtbarkeit des bloggenden Wissenschaftlers

    Be a visible researcher (Danah Boyd)

    Ich finde, das fasst es schon ganz gut zusammen, um was es beim Wissenschaftsbloggen geht.

    Auf der einen Seite haben bloggende Wissenschaftler den Vorteil, ein vergleichsweise breites Publikum zu erreichen. Die Auflagen der deutschen Fachzeitschriften für Soziologie liegen beispielsweise zwischen 500 (Berliner Journal für Soziologie) und 1.700 (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie). Das ist ein Bereich, den ein Wissenschaftsblogger durchaus an einem sehr guten Tag erreichen kann (wobei man natürlich gedruckte Exemplare und Unique Visitors einer Webseite nur schwer vergleichen kann).

    Auf der anderen Seite bedeutet diese Sichtbarkeit aber auch, dass man selbst als ForscherIn greifbarer wird und sehr viel stärker die Erwartung spürt, Stellung zu nehmen, Wissenschaft in Gesellschaft zu betreiben. Das wird sehr deutlich in Danah Boyds Beschreibung ihrer MySpace-Forschungen, die zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und Aufklärung, wenn nicht sogar Parteinahme liegen.



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    Einigen Wirbel haben die deutschen Nutzerstatistiken von comScore ausgelöst. Von knapp 33 Millionen gemessenen Unique Visitors insgesamt entfielen knapp 15 Mio auf soziale Netzwerkanwendungen. Unter diesen liegt MySpace mit 3,7 Mio deutlich vor StudiVZ (3,1 Mio) und Jux.de (2,6 Mio). Auch europaweit liegt MySpace vorne und konnte überdies von 20,3 Mio im Juni 2007 auf einen Wert von 25,2 im Juli stark zulegen. Das ist aber nichts gegen das europaweite Wachstum von Facebook: hier ging es von 2,1 Mio im Juni auf unglaubliche 10,8 Mio Unique Visitors im Juli.

    Für Robert Basic sind die Zahlen Anlass, das Thema Social Networks erst einmal ad acta zu legen, bis sich auf dem Sektor etwas wirklich neues tut:

    Na ja, es ist nicht mehr ein Ding der frühen Nutzer (early adaptors), sondern offensichtlich im Massenmarkt angekommen (siehe crossing the chasm). War ein sehr langer und weiter Weg seit 2002 mit Friendster, der Mother of all Social Networks.

    Im Anschluss fasst er noch einmal die Entwicklungen von Friendster über MySpace bis hin zu Facebook zusammen. Sein Fazit ist, dass jetzt erst einmal eine Vervielfältigung des Social Networking (sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Dimension) stattfinden wird. Jeder Zielgruppe ihr eigenes Netzwerk. Außerdem gibt es mittlerweile die ersten Anbieter von (z.T. unter der GPL veröffentlichten) DIY-Kits, mit deren Hilfe man sich selbst ein eigenes Netzwerk aufsetzen kann, wenn man sich nicht die Mühe sparen will und eine gehostete Lösung ausprobieren will (“White Label Social Networks”). Tabellen, in denen die wichtigsten Anbieter auf diesem Gebiet miteinander verglichen werden, kann man sich hier und hier ansehen.

    Über die Reichweite der Social Networking-Plattformen kann man sich also mittlerweile ein Bild machen. Was mich interessieren würde: Wie sehen denn die Nutzer der verschiedenen Communities aus? danah boyd hatte in ihrem umstrittenen Aufsatz “Viewing American class divisions through Facebook and MySpace” Klassenunterschiede zwischen MySpace- und Facebookbenutzern diagnostiziert. Lässt sich das Muster auch auf Deutschland übertragen? Gibt es Segmentierungs- oder Nivellierungsprozesse im Social Networkingbereich? Da es sich hierbei um Fragen handelt, die für die Platzierung zielgruppenspezifischer Werbung entscheidend ist, vermute ich, dass es nicht lange dauern wird, bis es auch hierzu Material geben wird.



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