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Print-News sind ein Zombie: IDG-Studie zur Mediennutzung von Entscheidern

Das Medienhaus IDG (u.a. PC Welt, Mac Welt, Computerwoche) hat in seiner aktuellen Mediennutzungsstudie “Wie Entscheider heute Medien nutzen: Neue Formen und Möglichkeiten vernetzter Medienmarken” (hier als pdf) dreitägige Mediennutzungstagebücher von Führungskräften der Medienbranche untersucht. Dabei zeigte sich eine hohe Affinität zu “aus der Print-Tradition heraus entstandenen Medienmarken”. Ganz gleich, in welchem medialen Kontext diese genutzt wurden – ob Print oder Online -, sie wurden als besonders seriöse Informationsquelle wahrgenommen.

Die Medientagebücher zeigten, dass der Tagesablauf von IT-Entscheidern sich in zwei unterterschiedliche Hälften aufteilt: Während die erste Tageshälfte von Routinen geprägt ist, finden die Führungskräfte in der zweiten, offeneren Tageshälfte Zeit für Aktivitäten, die nicht der unmittelbaren Problemlösung dienen. Dementsprechend werden am Vormittag Onlinemedien lösungsorientiert angewandt, während am Nachmittag verstärkt Printmedien genutzt werden um einen allgemeinen Marktüberblick zu bekommen.

Die eigentlich viel spannendere Frage danach, ob man im digitalen Zeitalter überhaupt noch trennscharf zwischen Print und Online unterscheiden kann, gehen die Autoren leider nicht an. Stattdessen interpretieren die Autoren die Daten in Richtung einer fortbestehenden Dominanz von Print:

Im Umfeld der sich wandelnden Mediennutzung ist das Internet vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie zum Leitmedium avanciert. Doch auch nach der Etablierung der neuen Informationskultur im Netz bleibt der Qualitätsjournalismus Kern allen Handels.

Gemeint ist freilich: Print-Qualitätsjournalismus. Genau an dieser Stelle liegt der grundlegende Fehler von Studien dieser Art. Die Gegenüberstellung von qualitativ-hochwertigen “Fachzeitschriften” und “Online-Medien”, die für die (armen) Entscheider als information overload erlebt werden, war spätestens an dem Moment überholt, als die ersten Fachzeitschriften ihre Inhalte ins Internet transferierten und per RSS zugänglich gemacht haben (obwohl: in den Medientagebüchern der Entscheider sind Newsletter wichtiger als Feeds).

Überhaupt wimmelt es in dieser Studie von Formulierungen, die eine Überlegenheit von Printzeitschriften suggerieren: So ist etwa die Rede von Webseiten, “die die Lösung des anstehenden Problems scheinbar am schnellsten” versprechen (eigene Hervorhebung). Ebenso kurios wie bezeichnend ist auch die Wahrnehmung der Entscheider, dass Online-Medien teilweise zur Überforderung werden, während sich Print-Medien auf wundersame Weise dem “individuellen Lese-Rhythmus” anpassen können.

Ein Punkt ist aber plausibel: Printzeitschriften spielen als Nachrichtenquelle nur noch eine Untergeordnete Rolle. Das Internet – trotz aller Diffusität, Unübersichtlichkeit und Flüchtigkeit – liefert die aktuelleren Informationen. Also: Print ist nicht tot, aber Print-News sind ein Zombie. Und Marken, welche eine Überraschung, spielen sowohl in der Print- wie Onlinewelt eine große Rolle. Das passt zu den aktuellen Überlegungen zu “Media-Tribes“.

Diese qualitative Studie wurde August bis Oktober 2007 von IFCom in Hamburg durchgeführt und basiert auf der Auswertung von 20 ausgefüllten Mediennutzungstagebüchern und 20 ergänzenden explorativen Interviews. Für eine explorative qualitative Studie ist die Stichprobengröße durchaus in Ordnung, um die These der unterschiedlichen “Medientageszeiten” weiter zu erhärte, wäre allerdings eine Nacherhebung größeren Umfangs notwendig. Ist so etwas geplant?



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    Gerade eben ist eine der wichtigsten regelmäßigen Online-Studien in München präsentiert worden: die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA). Diese Studie, die auf jährlich 10.000 Interviews von 14-64jährigen basiert, zielt nicht nur darauf, neue Märkte und Zielgruppen zu erfassen, sondern auch darauf, “die Veränderungen des Informations-, Kommunikations- und Transaktionsverhaltens in der digitalen Welt” nachzuzeichnen. Das macht sie zu einer auch für Soziologen spannenden Datenfundgrube (Lob gibt es auch von den Münchner Kommunikationswissenschaftlern).

    Vergleicht man die Daten mit den Werten der Vorjahre, so kommt man schon einmal zu dem ersten Schluss: in vielen Dimensionen geht die Entwicklung so weiter wie bisher. Hier einige interessante Ergebnisse aus der Präsentation “Qualitative Veränderung der Internetnutzung” von Renate Köcher und Johannes Schneller (hier als pdf):

    • Obwohl die Internetnutzung 2006 mit 67% bereits ein hohes Niveau erreicht hat, ist erneut eine Steigerung auf 72% möglich gewesen (bei einer gleichzeitigen weitergehenden Verbesserung der technischen Ausstattung der Haushalte). Gleichzeitig nimmt der Anteil derer weiter ab, die auch auf absehbare Zeit nicht planen, das Internet zu nutzen (von 23% auf 19%). Womöglich lässt sich hier tatsächlich eine internationale Angleichung betrachten, so dass auch in Deutschland früh oder später ähnliche Internetdurchdringungs- und -nutzungsraten beobachten lassen wie in den USA (70% lt. Nielsen//NR), Schweden (76% lt. ITU) oder die Niederlande (88% lt. Nielsen//NR)? Potential scheint jedenfalls noch da zu sein – fragt sich nur: in welcher Altersgruppe oder in welcher Schicht?
    • Beeindruckend ist auch der Anstieg der Nutzungshäufigkeit. Waren es 2006 erst 34%, die das Internet täglich oder mehrmals täglich nutzten, sind es 2007 bereits 39%. Leider wurden zu diesem Punkt keine Daten angegeben, aber ich vermute, dass nicht nur die Frequenz, sondern auch die Intensität der Nutzung mit angestiegen ist. Diese beiden Randbedingungen sind von erheblicher Bedeutung, will man z.B. Veränderungen der Mediennutzung beschreiben.
    • Als Informationsquelle wird das Internet immer häufiger genutzt, bleibt aber, was das Gesamtbild und die aktuellen Nachrichten betrifft, hinter Fernsehen, Zeitung und Radio zurück (wobei allerdings gerade bei den Jüngeren das Internet teilweise schon vor der Zeitung liegt – sollte das kein Alterseffekt sein, sondern ein Kohorteneffekt, haben die Printmedien tatsächlich ein Problem). Hier wäre nicht nur spannend, die tatsächliche Nutzungsdauer zu erfahren, sondern auch die Frage, inwiefern sich hier eine Entgrenzung der Medienprofile beobachten lässt: Wer seine Tageszeitung per Email als pdf geschickt bekommt oder die wichtigsten Schlagzeilen auf dem Mobiltelefon durchliest, nutzt das Internet – womöglich ohne das zu bemerken. Ich vermute, dass diese hidden internet usage stark ansteigen wird. Eine echte Herausforderung für die Medienforscher. Eine andere Präsentation (pdf) stellt zudem fest, dass das Bedürfnis danach, über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden zu bleiben, generell abgenommen hat (vor allem bei den Jüngeren). Eine Entschleunigung durch die Beschleunigung des “jederzeit abrufbaren Informationsbestandes”?
    • Lobenswert ist die intensive Berücksichtigung des Web 2.0 in der Studie. Und so kann man der Studie auch einige Zahlen zur Blognutzung entnehmen. Kurz gefasst: Weblogs sind immer noch eine Nischen-Domäne. Obwohl 18% der Befragten Weblogs lesen, sind es nur 2% davon, die dies häufiger tun und 5% nur ab und zu. Die deutsche Weblogöffentlichkeit wird von Seltenlesern beherrscht. Eine recht ähnliche Verteilung zeigt sich auch bei den Blogkommentaren sowie den Bloggern. Ein großer Teil der regelmäßigen Blogleser und -kommentierer bloggt selber (ich sehe das als weiteren Hinweis darauf, Bloggercommunities mit Netzwerkanalysen zu untersuchen, denn diese Netzwerköffentlichkeiten gehorchen möglicherweise nicht denselben Gesetzen wie “klassische” massenmediale Öffentlichkeiten). Anteilsmäßig bedeutendere Web2.0-Anwendungen sind: Fotos hochladen (14%) und Bewertungen abgeben (13%). Aber auch hier sind es weniger als ein Zehntel, die regelmäßig user generated content produzieren.
    • Eine mögliche Erklärung für den Erfolg der ambient communication à la Twitter, Jaiku und Pownce (zum Stichwort Mikrobloggen hier entlang) liefert die Beobachtung einer gesunkenen Aufmerksamkeitsfähigkeit der jüngeren und intensiven Internetnutzer. Nur noch 41% gegenüber 49% 2005 lesen auch längere Artikel konzentriert und 69% der intensiven Internetnutzer erwarten innerhalb eines Tages eine Antwort auf ihre Emails (gegenüber 55% der gesamten Internetnutzer). Wachsende Convenience-Orientierung (vgl. auch diesen Beitrag) als Grundlage für den Trend zur Mikrokommunikation?

    Eine weitere spannende Präsentation (pdf) liefert Zahlen zur crossmedialen Verknüpfung von Medienmarken (mehr dazu auch bei “kein thema”). Was mir allerdings fehlt, sind Daten zur mobilen Mediennutzung (2005 waren es lt. OECD weltweit 930 Mio Mobiltelefonnutzer!). Da die Mobilfunkdurchdringung noch deutlich über der Internetdurchdringung liegt – und das gilt noch viel mehr für Regionen ohne ausgebaute Kabelinfrastruktur mit großen Entfernungen wie z.B. viele afrikanische Länder -, dürfte hier eines der wichtigsten Potentiale der Mediennutzung liegen – von Social Networking über Mikrokommunikation bis hin zu geolokalisierten und -taggenden Anwendungen. Gibt es hierzu aktuelle Zahlen?



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