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Wikipedia in Cordhosen: Zur Mediennutzung von Jugendlichen

bravo.pngSeit einiger Zeit ist der Begriff der “digital natives” (vgl. dazu auch Mark Prensky’s Artikel zum Thema sowie diesen aktuellen Beitrag von Klaus Eck) aus dem Sprachgebrauch der Medien- und Internetforscher kaum mehr wegzudenken. Damit soll die Generation derer beschrieben werden, die als Kind in das digitale Zeitalter hineingewachsen sind und die sich nicht (wie noch meine Generation) diese Welt selbst erarbeiten musste wie man eine Fremdsprache lernt. Die aktuelle Bravo-Jugendstudie “Faktor Jugend 9″ (pdf) hat sich auf explorativem Weg der Altersgruppe 12-15 genähert (wenn auch auf etwas geringer Datengrundlage von 20 Einzelinterviews und 2 Gruppendiskussionen).

Das zentrale Ergebnis der Exploration sind die unterschiedlichen Medienprofile, wie sie sich aus Sicht der Jugendlichen darstellen:

  • Zeitschriften dienen den Jugendlichen als Ratgeber (“im schnelllebigen In & Out der Glamourwelt”), spielen aber auch im Freundeskreis eine wichtige Rolle: zum einen als Themenlieferant, aber auch als Beschäftigung (Tests). Dabei werden Zeitschriften als besonders glaubwürdig erfahren, da sie von Profis gemacht werden.
  • Fernsehen wird dagegen bewusst dazu eingesetzt, auf unkomplizierte Weise die eigene Stimmung zu beeinflussen oder Zeit totzuschlagen, erscheint den Jugendlichen aber auch unentbehrlich um auf dem Schulhof mitreden zu können (der “GZSZ-Effekt”).
  • Das Radio ist, was wäre anderes zu erwarten gewesen, zu einem reinen Ambient-Medium geworden: nur selten wird bewusst die Aufmerksamkeit auf dieses Medium gelenkt; in den meisten Fällen wird es in den Hintergrund verbannt. Eine Ausnahme: wenn es um lokale und regionale Veranstaltungstipps geht, ist das Radion bei den Jugendmedien ganz vorne mit dabei.
  • Im Zusammenhang mit dem Internet rückt dagegen die Interaktivität in den Vordergrund: dieses Medium wird bewusst als Zwei-Wege-Kommunikation genutzt (“ich schreibe schnell zurück”). Darüber hinaus zeichnet sich dieses Medium aber dadurch aus, dass es amorph ist und vielen Zwecken dienen kann bzw. viele Medien ersetzen kann. Die Substitutionsthese erfreut sich also wenigstens in dieser Altersgruppe einer gewissen Beliebtheit! Komplexere Inhalte in Textform (Wikipedia) werden dagegen vor allem für schulische Zwecke genutzt. Das Internet ist interessanterweise das Medium, in dem die Jugendlichen am offensten für Werbebotschaften sind – besonders, wenn die Werbung neue Informationen oder einen gewissen Unterhaltungswert bietet – virale Botschaften sind bei den Jugendlichen besonders gern gesehen – und nicht zu aufdringlich ist.
  • Interessanterweise geht die Studie extra auch auf das Schlagwort Web 2.0 ein, wenn auch nicht klar wird, was die Autoren damit meinen. Wie auch immer: Weblogs, Foren oder Online Communities werden von den Jugendlichen nicht als besonders wichtige Elemente ihrer Onlinenutzung beschrieben – wenn sie überhaupt schon einmal davon gehört haben. Stattdessen wird auf bewährte Ressourcen (Chat, MSN, ICQ oder “regionale Schülerseiten” – was ist damit gemeint?) zurückgegriffen.
  • Das Handy dient den digitalen Eingeborenen vorrangig als permanente Verbindung zu ihrem Freundeskreis (vgl. dazu auch meinen Beitrag über mobiltelefonierende Nomaden), aber auch als Statussymbol und Gadget (“Mein Handy kann bessere Fotos machen als deins”). Insofern wird nicht nur mit Hilfe des Mobiltelefons kommuniziert, sondern das Handy ist selbst ein wichtiges Gesprächsthema.

Ach ja, ein weiteres Ergebnis: Wäre die Wikipedia ein Mensch, sie wäre Walter, ein Oldtimer-fahrender und Cordhosen-tragender Oldschooler, der informativ und interessant ist, aber bisweilen etwas länger braucht, um zu verstehen, worum es geht.



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    Die Methoden und Techniken der sozialen Netzwerkanalyse (SNA) lassen sich nicht nur zur Untersuchung von Personen und ihren Beziehungen einsetzen, sondern auch Gegenstände können damit analysiert werden: Willkommen im Netz der Dinge.

    Hier ein kleines Anwendungsbeispiel zu diesem Thema: Da ich selbst kein Apple-User bin, ist das für mich eine fremde Welt. Zum Glück kann man mit den amazon.de-Daten die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Apple-Produkten abfragen und daraus dann einen netzwerkanalysefähigen Datensatz basteln. Im Folgenden habe ich den Apple iPod Touch 8GB als Ausgangspunkt genommen und das dazugehörige Ego-Netzwerk 2. Ordnung dargestellt (Klick zum Vergrößern):

    Das Netzwerk wurde mit netzwerkanalytischen Reduktionsverfahren etwas eingedampft, damit man etwas erkennen kann (wen die Details, Einsatzmöglichkeiten und Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Methoden der Onlineforschung interessieren, kann mich gerne kontaktieren). Und tatsächlich, allmählich bekomme ich eine Ahnung davon, wie die Apple-Nutzer so ticken:

    • Sie sehen gerne mal eine DVD mit den neuesten Hollywoodfilmen wie etwa Pan’s Labyrinth, 300, Troja, Stirb Langsam 4.0, Transformers, Hannibal Rising oder Ghost Rising.
    • Aber natürlich sagen die Appler auch zu einem kurzen Playstation-3-Spielchen nicht nein. Motorsport und Piraten scheinen hier Topthemen zu sein.
    • Wer eine PS3 besitzt, nutzt diese vielleicht auch einmal zum Ansehen einer Blue-ray-Disk, etwa von Rocky Balboa oder eben 300.
    • Wie zu erwarten war, verwenden iPod-Nutzer auch auf ihrem Computer Apple-Software, so dass auch iLife 08 und das Betriebssystem OS X Leopard zu ihren Favoriten gehören.
    • Neben den iPod-Touch-Nutzern gibt es auch noch die iPod-nano-Nutzer, die ihr Gerät natürlich auch mit diversen Schutzfolien verkleben, aber hin und wieder auch etwas Sport treiben, wofür sie dann den iPod-Nike-Sport-Kit gekauft haben. Oder hat man einen iPod Touch fürs Büro und einen iPod nano für den Trimmdichpfad?
    • Nicht auf dem reduzierten Netzwerk, aber ebenfalls ein Betätigungsfeld für iPod-Nutzer: Bücher und Hörbücher von Terry Pratchett, Ratgeber zu Ruby on Rails, atheistische Literatur von Richard Dawkins, Philips Wohnleuchten und Sony P1i-Smartphones.

    So, genug der Analyse. Jetzt die Frage an euch, liebe iPod-Nutzer: Kommt das hin?



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    Gerade eben ist eine der wichtigsten regelmäßigen Online-Studien in München präsentiert worden: die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA). Diese Studie, die auf jährlich 10.000 Interviews von 14-64jährigen basiert, zielt nicht nur darauf, neue Märkte und Zielgruppen zu erfassen, sondern auch darauf, “die Veränderungen des Informations-, Kommunikations- und Transaktionsverhaltens in der digitalen Welt” nachzuzeichnen. Das macht sie zu einer auch für Soziologen spannenden Datenfundgrube (Lob gibt es auch von den Münchner Kommunikationswissenschaftlern).

    Vergleicht man die Daten mit den Werten der Vorjahre, so kommt man schon einmal zu dem ersten Schluss: in vielen Dimensionen geht die Entwicklung so weiter wie bisher. Hier einige interessante Ergebnisse aus der Präsentation “Qualitative Veränderung der Internetnutzung” von Renate Köcher und Johannes Schneller (hier als pdf):

    • Obwohl die Internetnutzung 2006 mit 67% bereits ein hohes Niveau erreicht hat, ist erneut eine Steigerung auf 72% möglich gewesen (bei einer gleichzeitigen weitergehenden Verbesserung der technischen Ausstattung der Haushalte). Gleichzeitig nimmt der Anteil derer weiter ab, die auch auf absehbare Zeit nicht planen, das Internet zu nutzen (von 23% auf 19%). Womöglich lässt sich hier tatsächlich eine internationale Angleichung betrachten, so dass auch in Deutschland früh oder später ähnliche Internetdurchdringungs- und -nutzungsraten beobachten lassen wie in den USA (70% lt. Nielsen//NR), Schweden (76% lt. ITU) oder die Niederlande (88% lt. Nielsen//NR)? Potential scheint jedenfalls noch da zu sein – fragt sich nur: in welcher Altersgruppe oder in welcher Schicht?
    • Beeindruckend ist auch der Anstieg der Nutzungshäufigkeit. Waren es 2006 erst 34%, die das Internet täglich oder mehrmals täglich nutzten, sind es 2007 bereits 39%. Leider wurden zu diesem Punkt keine Daten angegeben, aber ich vermute, dass nicht nur die Frequenz, sondern auch die Intensität der Nutzung mit angestiegen ist. Diese beiden Randbedingungen sind von erheblicher Bedeutung, will man z.B. Veränderungen der Mediennutzung beschreiben.
    • Als Informationsquelle wird das Internet immer häufiger genutzt, bleibt aber, was das Gesamtbild und die aktuellen Nachrichten betrifft, hinter Fernsehen, Zeitung und Radio zurück (wobei allerdings gerade bei den Jüngeren das Internet teilweise schon vor der Zeitung liegt – sollte das kein Alterseffekt sein, sondern ein Kohorteneffekt, haben die Printmedien tatsächlich ein Problem). Hier wäre nicht nur spannend, die tatsächliche Nutzungsdauer zu erfahren, sondern auch die Frage, inwiefern sich hier eine Entgrenzung der Medienprofile beobachten lässt: Wer seine Tageszeitung per Email als pdf geschickt bekommt oder die wichtigsten Schlagzeilen auf dem Mobiltelefon durchliest, nutzt das Internet – womöglich ohne das zu bemerken. Ich vermute, dass diese hidden internet usage stark ansteigen wird. Eine echte Herausforderung für die Medienforscher. Eine andere Präsentation (pdf) stellt zudem fest, dass das Bedürfnis danach, über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden zu bleiben, generell abgenommen hat (vor allem bei den Jüngeren). Eine Entschleunigung durch die Beschleunigung des “jederzeit abrufbaren Informationsbestandes”?
    • Lobenswert ist die intensive Berücksichtigung des Web 2.0 in der Studie. Und so kann man der Studie auch einige Zahlen zur Blognutzung entnehmen. Kurz gefasst: Weblogs sind immer noch eine Nischen-Domäne. Obwohl 18% der Befragten Weblogs lesen, sind es nur 2% davon, die dies häufiger tun und 5% nur ab und zu. Die deutsche Weblogöffentlichkeit wird von Seltenlesern beherrscht. Eine recht ähnliche Verteilung zeigt sich auch bei den Blogkommentaren sowie den Bloggern. Ein großer Teil der regelmäßigen Blogleser und -kommentierer bloggt selber (ich sehe das als weiteren Hinweis darauf, Bloggercommunities mit Netzwerkanalysen zu untersuchen, denn diese Netzwerköffentlichkeiten gehorchen möglicherweise nicht denselben Gesetzen wie “klassische” massenmediale Öffentlichkeiten). Anteilsmäßig bedeutendere Web2.0-Anwendungen sind: Fotos hochladen (14%) und Bewertungen abgeben (13%). Aber auch hier sind es weniger als ein Zehntel, die regelmäßig user generated content produzieren.
    • Eine mögliche Erklärung für den Erfolg der ambient communication à la Twitter, Jaiku und Pownce (zum Stichwort Mikrobloggen hier entlang) liefert die Beobachtung einer gesunkenen Aufmerksamkeitsfähigkeit der jüngeren und intensiven Internetnutzer. Nur noch 41% gegenüber 49% 2005 lesen auch längere Artikel konzentriert und 69% der intensiven Internetnutzer erwarten innerhalb eines Tages eine Antwort auf ihre Emails (gegenüber 55% der gesamten Internetnutzer). Wachsende Convenience-Orientierung (vgl. auch diesen Beitrag) als Grundlage für den Trend zur Mikrokommunikation?

    Eine weitere spannende Präsentation (pdf) liefert Zahlen zur crossmedialen Verknüpfung von Medienmarken (mehr dazu auch bei “kein thema”). Was mir allerdings fehlt, sind Daten zur mobilen Mediennutzung (2005 waren es lt. OECD weltweit 930 Mio Mobiltelefonnutzer!). Da die Mobilfunkdurchdringung noch deutlich über der Internetdurchdringung liegt – und das gilt noch viel mehr für Regionen ohne ausgebaute Kabelinfrastruktur mit großen Entfernungen wie z.B. viele afrikanische Länder -, dürfte hier eines der wichtigsten Potentiale der Mediennutzung liegen – von Social Networking über Mikrokommunikation bis hin zu geolokalisierten und -taggenden Anwendungen. Gibt es hierzu aktuelle Zahlen?



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    comscore.pngWie dieser Mitteilung auf CNN zu entnehmen ist, will das US-Unternehmen comScore nun mit seinem “comScore Conversational Media Report” präzise Zahlen über die Blogosphäre liefern. Es geht dabei um

    a new service that provides enhanced worldwide measurement of the audiences for blogging sites in the burgeoning conversational media space, which includes mainstream and niche blogs and social networking sites.

    Und zu welchen Erkenntnissen kommen comScore? Zum Beispiel stellen die Chicagoer fest, dass die Kategorie eines Weblogs entscheidend dafür ist, wie es von seinen Besuchern aufgenommen wird. Besonders gut funktionieren Weblogs, die sich mit Bekleidung, Speisen und Getränken oder mit Billigprodukten befassen. Dagegen sind Weblogs über “ernste” Dinge wie Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Medikamente nicht so besonders günstig. Interessanterweise geht es hier nicht nur um Besucherzahlen, sondern um die Intensität und Qualität der Interaktion zwischen Besuchern und Bloggern, die sich zum Beispiel in Besuchertreue oder Kommentaren äußert. Diese Daten, so die Überzeugung von comScore, sind für Werbevermarkter besonders interessant, denn

    this audience measurement tool will help advertisers that in general are spending more on online media better allocate their marketing dollars across Web properties and subchannels.

    Die Daten werden aus Logfiles von zwei Millionen Verbrauchern generiert, deren Bewegungen und Transaktionen im Internet im Detail protokolliert werden. (via)



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