Archive for the 'marktforschung' Category

Twitteranalyse for Dummies

Als ich vor drei Jahren die Twitter-Analysesoftware BrandTweet geschrieben habe (damals noch unter dem ursprünglichen Namen TwitterFriends), dachte ich schon, ich hätte mit diesem Lob von Tim O’Reilly höchstpersönlich alles erreicht, was man im Bereich Web 2.0 erreichen kann. Ich meine, er hat das Web 2.0 erfunden!

Aber so etwas lässt sich durchaus noch steigern. Denn das Tool hat es jetzt sogar an sehr prominenter Stelle in den Ratgeber “Twitter Marketing for Dummies” (Wiley-Verlag) geschafft, wo es neben Tweetdeck und HootSuite eines von “Ten Tools for Twitter Productivity” genannt und beschrieben wird:

Das Tool ist nach zwei Namensänderungen unter dieser URL zu finden: stats.brandtweet.com.



Verwandte Artikel:
  • Code, Hacks & Projects
  • Marktforschung und Social Media

    Gerade habe ich festgestellt, dass ich noch einige Präsentationen auf dem USB-Stick liegen habe. Nach und nach möchte ich die “Folien” nun auf Slideshare hochladen. Hier ist schon einmal der erste Teil – ein Vortrag über Marktforschung und Social Media, den ich letzten Donnerstag in Hamburg für das Network Online-Marktforschung des BVM gehalten habe.

    In dem Vortrag habe ich zunächst den Nogger Choc-Fall als Beispiel für die Relevanz von Social Media vorgestellt und dann “10 Punkte, warum Marktforschung Social Media ernst nehmen sollte” vorgestellt. Abschließend folgt dann noch ein eigenes Beispiel einer Twitter-Netnography (“Twitnography”) zum Thema Rebsorten.



    Verwandte Artikel:
  • Publikationen & Vorträge
  • Update zur AG Social Media
  • Über mich
  • Die Suche nach dem Social Media Dashboard

    Social-Media-Monitoring ist derzeit hoch im Kurs. Immer mehr Unternehmen, Parteien und Journalisten bemerken, dass man nicht nur durch Fokusgruppen und Panels etwas darüber erfahren kann, was über sie gedacht oder geredet wird, sondern dass diese Gespräche an zahlreichen Orten des Internets bereits stattfinden. In Foren, Blogs, Social Networks oder Chatrooms. Übrigens schon lange – vermutlich schon so lange, wie es das Internet gibt. Nur war es in den Anfangszeiten des Web 1.0 nur eine ganz kleine Zahl ganz spezieller Personen, die sich über dieses Medium austauschten: “Internet-Freaks”. Also der Legende nach Chips-futternde, korpulente männliche Technikjünger mit langen Haaren. Ihre Meinung zählte nicht.

    Mittlerweile ist die Internetdurchdringung jedoch so stark angestiegen, dass aus Sicht von Politik, Unternehmen und Presse auch ganz normale Menschen dieses Medium nutzen. Dazu kommen dann noch neue Technologien, die es eben diesen Leuten ermöglichen, sich ohne technisches Know-how im Internet auszudrücken – Social Web oder Web 2.0 sind die mehr oder weniger eleganten Formeln, mit denen diese Entwicklung bezeichnet wird. Kurz: Es wird immer interessanter, zu erfahren, was die Leute im Internet über Parteien, Politiker, Produkte, Marken, Unternehmen oder auch nur andere Personen sprechen. Die Suche nach dem Social Media Dashboard hat begonnen.

    Gesucht wird ein Interface für das Social Web, auf dem in Echtzeit zum Beispiel abgelesen werden kann,

    • wie oft über eine Partei, Marke etc. gesprochen wird (“Buzz”)
    • was über sie gesagt wird (“Content”)
    • welche Bedeutungen dahinter stecken (“Sinn”)
    • welche Werturteile in den Konversationen auftauchen (“Bewertungen”)
    • wer darüber spricht (“Zielgruppen”)
    • wie diese Gruppen konstituiert sind (“Brand Communities”)
    • welche Personen in den Gesprächen eine besondere Rolle spielen (“Einfluss”)
    • wie sich das alles über die Zeit verändert (“Wandel”)
    • wie schnell sich die Gespräche ausbreiten (“Viralität”)
    • wie diese Veränderungen mit anderen Ereignissen zusammenhängen (“Kontext”)
    • wie sich die Veränderungen weiter entwickeln könnten (“Trends”)
    • … und das alles dann auch noch ansprechend und anschaulich dargestellt (“Visualisierung”)

    Noch gibt es ein derartiges Social Media Dashboard noch nicht und insbesondere der qualitativ-verstehende Aspekt (die “Sinndimension” der Social Media Analyse) lässt sich derzeit nur mit vergleichsweise aufwändigen und noch nicht echtzeitfähigen Methoden wie der Netnography erfassen. Und die Trendforschung steht auf diesem Gebiet noch auf sehr wackligen Beinen. Aber früher oder später werden die Marketing-, Kommunikations- und Customer-Support-Abteilungen solche Tools wie selbstverständlich für die Planung, Überwachung und Evaluierung ihrer KampagnenInitiativen verwenden.

    Einen kleinen Vorgeschmack liefert das Tool Perspctv, mit dem sich immerhin schon der Buzz auf sehr vielen unterschiedlichen Kanälen in Echtzeit verfolgen lässt:

    Man kann sich ein ähnliches Dashboard auch für selbst gewählte Begriffe erstellen lassen, zum Beispiel um den Social Media-Buzz von Audi, VW und BMW miteinander zu vergleichen. Aber verglichen mit der obigen Liste potentieller Bestandteile eines Social Media Dashboards ist das dann noch ziemlich wenig Information.



    Verwandte Artikel:
  • Creative-Commons-Blogs – ein Erfolgsgeheimnis?
  • Update zur AG Social Media
  • Marktforschung und Social Media
  • Print-News sind ein Zombie: IDG-Studie zur Mediennutzung von Entscheidern

    Das Medienhaus IDG (u.a. PC Welt, Mac Welt, Computerwoche) hat in seiner aktuellen Mediennutzungsstudie “Wie Entscheider heute Medien nutzen: Neue Formen und Möglichkeiten vernetzter Medienmarken” (hier als pdf) dreitägige Mediennutzungstagebücher von Führungskräften der Medienbranche untersucht. Dabei zeigte sich eine hohe Affinität zu “aus der Print-Tradition heraus entstandenen Medienmarken”. Ganz gleich, in welchem medialen Kontext diese genutzt wurden – ob Print oder Online -, sie wurden als besonders seriöse Informationsquelle wahrgenommen.

    Die Medientagebücher zeigten, dass der Tagesablauf von IT-Entscheidern sich in zwei unterterschiedliche Hälften aufteilt: Während die erste Tageshälfte von Routinen geprägt ist, finden die Führungskräfte in der zweiten, offeneren Tageshälfte Zeit für Aktivitäten, die nicht der unmittelbaren Problemlösung dienen. Dementsprechend werden am Vormittag Onlinemedien lösungsorientiert angewandt, während am Nachmittag verstärkt Printmedien genutzt werden um einen allgemeinen Marktüberblick zu bekommen.

    Die eigentlich viel spannendere Frage danach, ob man im digitalen Zeitalter überhaupt noch trennscharf zwischen Print und Online unterscheiden kann, gehen die Autoren leider nicht an. Stattdessen interpretieren die Autoren die Daten in Richtung einer fortbestehenden Dominanz von Print:

    Im Umfeld der sich wandelnden Mediennutzung ist das Internet vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie zum Leitmedium avanciert. Doch auch nach der Etablierung der neuen Informationskultur im Netz bleibt der Qualitätsjournalismus Kern allen Handels.

    Gemeint ist freilich: Print-Qualitätsjournalismus. Genau an dieser Stelle liegt der grundlegende Fehler von Studien dieser Art. Die Gegenüberstellung von qualitativ-hochwertigen “Fachzeitschriften” und “Online-Medien”, die für die (armen) Entscheider als information overload erlebt werden, war spätestens an dem Moment überholt, als die ersten Fachzeitschriften ihre Inhalte ins Internet transferierten und per RSS zugänglich gemacht haben (obwohl: in den Medientagebüchern der Entscheider sind Newsletter wichtiger als Feeds).

    Überhaupt wimmelt es in dieser Studie von Formulierungen, die eine Überlegenheit von Printzeitschriften suggerieren: So ist etwa die Rede von Webseiten, “die die Lösung des anstehenden Problems scheinbar am schnellsten” versprechen (eigene Hervorhebung). Ebenso kurios wie bezeichnend ist auch die Wahrnehmung der Entscheider, dass Online-Medien teilweise zur Überforderung werden, während sich Print-Medien auf wundersame Weise dem “individuellen Lese-Rhythmus” anpassen können.

    Ein Punkt ist aber plausibel: Printzeitschriften spielen als Nachrichtenquelle nur noch eine Untergeordnete Rolle. Das Internet – trotz aller Diffusität, Unübersichtlichkeit und Flüchtigkeit – liefert die aktuelleren Informationen. Also: Print ist nicht tot, aber Print-News sind ein Zombie. Und Marken, welche eine Überraschung, spielen sowohl in der Print- wie Onlinewelt eine große Rolle. Das passt zu den aktuellen Überlegungen zu “Media-Tribes“.

    Diese qualitative Studie wurde August bis Oktober 2007 von IFCom in Hamburg durchgeführt und basiert auf der Auswertung von 20 ausgefüllten Mediennutzungstagebüchern und 20 ergänzenden explorativen Interviews. Für eine explorative qualitative Studie ist die Stichprobengröße durchaus in Ordnung, um die These der unterschiedlichen “Medientageszeiten” weiter zu erhärte, wäre allerdings eine Nacherhebung größeren Umfangs notwendig. Ist so etwas geplant?



    Verwandte Artikel:
  • Internet beeinflusst Kaufentscheidungen stärker als Print oder Fernsehen
  • Mein zweiter Tag als Foursquare-Zombie
  • Gruscheln als Alternative zum Nachrichtenkonsum?
  • Einladung zum re:publica-Workshop “Brauchen wir eine Forschungsgruppe Social Media?”

    republica1.jpgNun gibt es einen festen Termin und einen festen Ort für den re:publica-Workshop zum Thema “Forschungsgruppe Social Media”: Wir treffen uns am Donnerstag, 3. April 2008, um 10:00 in der “Radeberger-Lounge”. In dieser gemütlichen und kommunikationsanregenden Umgebung haben wir dann 90 Minuten Zeit, unsere Vorstellungen über eine “Forschungsgruppe Social Media” auszutauschen.

    Hier der Ankündigungstext für unseren re:publica-Workshop (siehe dazu auch hier und hier):

    Jedes Medium hat eine Arbeitsgemeinschaft oder Forschungsgruppe, die sich um seine Erforschung und die Erhebung von Zahlen kümmert – von IVW, ag.ma bis AGOF. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die großen Medienhäuser auch die Bedeutung des Social Web erkennen und beginnen, es zu vermessen. Nach ihren Kriterien und Interessen.

    Wäre es da nicht sinnvoll, diese Angelegenheit selbst in die Hände zu nehmen und eine Forschungsgruppe Social Media ins Leben zu rufen, in der die BloggerInnen sich selbst über die Spielregeln verständigen, mit denen Blogosphäre und Social Networks erforscht und vermessen werden? Zudem könnte eine solche Institution auch als Träger für qualitative wie quantitative Blogstudien agieren sowie als Informationsstelle, die der interessierten Öffentlichkeit zuverlässige Daten über das Web 2.0 zur Verfügung stellt.

    Auch die ewige Relevanzfrage könnte in diesem Kontext aufgegriffen werden, berufen sich die Kritiker des neuen Netzes doch immer wieder auf die im Vergleich mit Print und TV geringere Reichweite von Blogs. Doch außer der internen Verlinkung der Blogosphäre gibt es dazu kaum brauchbare Daten. Insofern wäre es auch spannend, darüber zu diskutieren, welche Möglichkeit zur Messung der gesellschaftlichen Bedeutung der Blogosphäre denkbar sind.

    Hier geht’s zur Anmeldung für die Teilnehmer



    Verwandte Artikel:
  • Wir fahren nach Berlin
  • Call for Participation: “Forschungsgruppe Social Media” auf der re:publica 2008
  • Greenpeace hat “ganz viele geile Kampagnen” – Digital Advocacy auf der re:publica 2008
  • Der heilige Gral der Konsumkulturen

    parziv_cgm19_50v.jpgAndreas Göldi hat im Medienkonvergenzblog einen äußerst lesenswerten Beitrag über Amazon.com geschrieben. Seine These: Amazon.com ist wichtiger als Google, iTunes, Facebook und eBay. Er spricht dabei auch die related items-Funktion an:

    Und noch interessanter: Aus dem Kaufverhalten ergibt sich eine Art implizites soziales Netzwerk von Geschmacksgenossen. Für mein Shoppingerlebnis ist das “Andere Leute, die sich dieses Produkt gekauft haben, haben auch folgende Produkte gekauft” von Amazon viel wichtiger als die ziemlich ungefilterten (und darum bisher grandios erfolglosen) Produktempfehlungen auf Facebook. Nur weil ich mit jemandem bekannt bin, heisst das noch lange nicht, dass ich auch den gleichen Geschmack habe wie diese Person — oder unbedingt wissen will, was die Person gut findet.

    Ich würde hier noch weiter gehen und von dieser Funktion und vor allem der Möglichkeit, die Daten über APIs abzugreifen, als eine Art “heiliger Gral der Erforschung von Online Konsumkulturen” sprechen. Gerade die Diversifizierung des Unternehmens, das nicht nur Bücher anbietet, sondern auch Computer, Küchengeräte, Spielzeug – so ziemlich alles, was man sich in seine Wohnung stellen kann -, ermöglicht es, holistische Konsumkulturen zu erforschen.

    Das Ergebnis ist also viel mehr als einfache Produktempfehlungen à la “wer X kauft, kauft mit einer Wahrscheinlichkeit von Z auch Y” bzw. Konsumentenverhalten, sondern Lebensstile. Das aus diesen Daten ableitbare Netz der Dinge lässt sich z.B. im Sinne der Southern School of Marketing (Cova, Badot) als postmoderne neotribale Gemeinschaften deuten – als Blaupause für Commercial Communities. Und zum Teil auch als materieller Kontext für die neuen “digital empowered consumers”, hinter denen die Marktforscher derzeit her sind.

    Der große Vorteil liegt dabei nicht nur in der großen Zahl von Produktbeziehungen, die in der Amazon-Datenbank abgespeichert sind, sondern in ihrer automatisierbaren Verarbeitung. Ich hatte vor einiger Zeit mit der Entwicklung eines Analysetools begonnen, das genau diese Produktnetzwerke – das lässt sich aber ohne Probleme auf Markennetzwerke übertragen – abruft und visualisiert wie z.B. hier für den “Stamm derer vom iPod Touch” (Klick zum Vergrößern):

    (Anmerkung: Besonders interessant finde ich diese Grafik vor dem Hintergrund der Durchsetzung der Blue-ray Disc als Nachfolger der DVD. Zumindest für dieses Netzwerk ist die Verbindung deutlich: Apple – Playstation – Blue-ray. Keine Spur von HD-DVD.)

    Noch scheint dieser enorme vernetzte Wissenspool weder von der akademischen noch der privatwirtschaftlichen Konsum- und Markenforschung angezapft zu werden. Ich vermute jedoch, dass sich das sehr schnell ändern wird, gerade als Ergänzung für die eher qualitativ-textanalytisch ausgerichteten ethnographischen Verfahren der Onlinemarktforschung.



    Verwandte Artikel:
  • Der Appstore als Netzwerk – Newsreader, Newsportale und digitale Zeitungen
  • 200% Internetwachstum in Deutschland?
  • Das Ende der Klickökonomie?

    153250398_1b794486b6_m.jpgMan stelle sich einmal vor, die Werbewirkung mobiler Außenwerbung würde so gemessen, dass man ausschließlich zählt, wie oft ein Sandwich-Mann, der für eine Zigarettenfirma durch die Fußgängerzone schlendert, um Zigaretten gebeten wird. Das Szenario mag zwar ungewöhnlich wirken, eignet sich aber nach wie vor für die Beschreibung des Onlinewerbemarktes.

    Wenn es um die Online-Werbevermarktung geht, ist nicht nur die Volumensfrage von Bedeutung – Wie stark wird das Internet überhaupt genutzt? Wie oft werden Werbemittel angeklickt? Wie oft resultieren aus Klicks tatsächliche (Trans)aktionen -, sondern immer häufiger wird nun auch die Qualitätsfrage gestellt: Wer klickt überhaupt auf Banner? Die Volumensfrage lässt sich vergleichsweise einfach beantworten indem man die Werbeklicks in ein Verhältnis zu den gesamten Seitenaufrufen, Besuchen oder möglicherweise auch der Besuchszeit setzt. Die Qualitätsfrage nicht.

    Um herauszufinden, wer die „Werbeklicker“ sind, muss man das Surfverhalten mit Hilfe Panels von Internetnutzern beobachten, deren demographische Merkmale bekannt sind bzw. kontrolliert werden können. Eines der größten solcher Panels aus zwei Millionen Teilnehmern besitzt comScore, die sich in Zusammenarbeit mit Tacoda und Starcom nun dem Werbeklickverhalten gewidmet hat. Das Ergebnis der Studie mit dem schönen Titel „Natural Born Clickers“ lautet schlicht: „der Klick ist tot“.

    Da die Werbeklicker („natural born clickers“) nur eine kleine Gruppe von Nutzern darstellen, die in keiner Weise repräsentativ für die große Mehrheit der Onlinenutzer sind, wird nun das Prinzip „Bannerklick“ oder „Click-Through-Rate“ als solches in Frage gestellt. Eigentlich ist es überraschend, dass sich das so lange halten konnte. Zunächst war die Euphorie noch verständlich: Werbekunden und Werbevermarkter hatten mit der Onlinewerbung ein Instrument in der Hand, das es technisch relativ leicht macht, den Abruf der Werbemittel sowie die Konversion der Werbeklicks in tatsächlich Kaufakte zu messen, da diese – so die Theorie – ebenfalls online stattfinden.

    So rückten nach und nach die Klicker in den Mittelpunkt der Online-Werbebemühungen, während die indirekte Konversion von Werbemittelabrufen in zeitlich oder räumlich verschobene ökonomische Transaktionen aus dem Blick gerieten. Erst jetzt wird dieser Irrweg klar sichtbar, denn Studien wie diese legen die Vermutung nahe, dass diejenigen, die tatsächlich auf Werbebanner klicken, als Zielgruppe sehr viel weniger spannend sind als die Nichtklicker. Womöglich lässt sich das auch auf den nach wie vor grassierenden Bildergaleriewahn auf den Portalen von Spiegel, Süddeutsche und Focus übertragen: diejenigen, die sich eifrig durch die Galerien klicken, schaffen zwar vergleichsweise billig Reichweite, sind aber in allen anderen Punkten schlicht uninteressant.

    Die Studie zeigt, dass die Natural Born Clickers nur sechs Prozent der gesamten (US-)Onlinenutzer darstellen, aber für die Hälfte der Werbeklicks verantwortlich sind. Schaut man sich die Merkmale dieser Gruppe an, dann ist die klickfreudige Population mittleren Alters (25-44) und hat ein eher niedriges Jahreseinkommen (unter $40.000). Außerdem verbringen sie überdurchschnittlich viel Zeit im Internet – Auktionsportale, Glücksspielseiten und Karriereportale gehören zu ihren Lieblingszielen –, was sich jedoch nicht in entsprechende Onlineumsätze übersetzen lässt. Kurz: Die Heavy Clickers sind im WWW eine Ausnahme.

    Aber noch ein weiteres Ergebnis der Studie ist brisant für die Onlinevermarkter: Die Klickraten auf Werbebanner haben kaum etwas mit der Markenwahrnehmung zu tun. Insofern laufen Bemühungen, das Markenbewusstsein über klick-optimierte Kampagnen zu fördern, ins Leere. Auch – oder vielleicht gerade dann –, wenn die Werbemittel überdurchschnittlich häufig angeklickt werden. Erfolg ist gleich Misserfolg.

    Für die Markt- und Medienforschung kommen diese Ergebnisse wie gerufen, bieten sie doch eine Gelegenheit, das spezifische Know-how dieser Branche – zum Beispiel, wenn es um die Untersuchung von Konsumentenkulturen oder Markenwahrnehmung geht – wieder in den Mittelpunkt zu stellen. So fragt Danah Boyd zu recht:

    While studies of consumer culture go back decades, I’m having a hard time surfacing what is known about the culture of web advertising. Who is being targeted? Who is responding? Why are they responding? What are the implications?

    (Abbildung “strange work” von \\kleezerocinque//)



    Verwandte Artikel:
  • Gastbeitrag für KoopTech: Messen nach dem Ende der Massengesellschaft
  • Das Ende der Blogsphäre
  • Erntezeit (2): Wölfin trotz inet zugangs weiterhin zum offline schreiben verurteilt
  • Wie die Marktforschung das neue Netz verschläft

    Wie sieht es aus mit der Web (2.0)-Tauglichkeit der großen Markt- und Medienforschungsinstitute? Man dürfte eigentlich meinen, dass hier mustergültig alle Techniken eingesetzt werden, die den Zugang zu den angebotenen Informationen erleichtern (vgl. auch das inflationär verwendete Stichwort “Google for Information”), die Verständnis und Einprägsamkeit der Informationen stützen und vielleicht sogar (Corporate Weblog) neue reziproke Kommunikationswege zwischen Unternehmen und Nutzern schaffen. Im Moment sieht es hier allerdings düster aus.

    Ich habe mir für die folgende Tabelle einmal die News-, Nachrichten- bzw. Pressemitteilungsseite einiger großen Institute, die immer wieder Zahlen über Internet und das Web 2.0 publizieren angesehen und miteinander verglichen. Dabei habe ich darauf geachtet:

    • Kann man sich per RSS über neue Studien, Nachrichten aus dem Haus etc. informieren lassen? (Hierzu ein kurzes Zitat aus Christianes 10 Thesen zur Zukunft der Medien: “Ein weiterer Beschleuniger sind Dienste, die Nutzer und Leser dazu befähigen, sich auf ihre Interessen maßgeschneiderte Angebote zusammenzustellen. Die Stichworte hier: RSS und Aggregation.”)
    • Gibt es alternativ einen klassischen Newsletter?
    • Kommunizieren Mitarbeiter per Corporate Weblog mit den Nutzern?
    • Kann man sich die Berichte als PDF-Dokument (also mit Tabellen, Abbildungen etc.) herunterladen?
    • Besteht die Möglichkeit, sich fertige Charts, z.B. für Powerpoint, herunterzuladen?
    • Wird ein persönlicher Ansprechpartner genannt?
    • Werden die Texte durch multimediale Inhalte ergänzt?
    • Gibt es einen Zugang zu den Datensätzen?


    RSS?News-
    letter?
    Web-
    log?
    PDF?Charts?Persönlicher Kontakt?Multi
    media?
    Daten
    sätze?
    TNS Infratest (de)neinjaneinjajajaneinnein
    TNS Emnid (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    Nielsen Media Research (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    IfD Allensbach (de)neinneinneinjaneinneinneinnein
    GfK (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    Ipsos (de)neinjaneinjaneinjaneinnein
    synovate (de)janeinneinjaneinjaneinnein
    Psyma (de)neinneinneinneinneinjaneinnein
    PEW / Internet (us)janeinjajajaneinja (Video)ja (SPSS, Crosstabs, Fragebogen)

    Damit die Bilanz nicht allzu düster ausfällt, habe ich noch das in dieser Hinsicht vorbildliche PEW-Internetprojekt mit hinzu genommen. Weitere Punkte, die ich ebenfalls hätte aufführen können, die aber nur negative Einträge produziert hätten, wären z.B.:

    • Gibt es eine Möglichkeit, die Informationen in social bookmarking-Dienste einzuspeisen? (Dazu wieder Christiane: “Veröffentlichte Inhalte können über Werkzeuge, die die Struktur von Linknetzwerken intelligent auswerten, leichter gefunden werden. Dazu gehören nicht nur Suchmaschinen, sondern auch Tagging-Dienste wie Social-Bookmarking-Dienste.”)
    • Kann man die Inhalte bequem mit wenigen Mausklicks in eigene Veröffentlichungen (z.B. Weblogs) einbinden?
    • Können die Nutzer Informationen kommentieren, bewerten?
    • Gibt es intelligente Empfehlungsalgorithmen à la “Nutzer, die diesen Bericht gelesen haben, interessierten sich auch für …”?

    Natürlich ist nicht immer und für jeden alles sinnvoll. Aber ein bisschen mehr Webtauglichkeit würde ich mir doch wünschen.

    Welche Markt- und Medienforschungsinstitute in Deutschland (oder international) müssen noch in die Liste? Gibt es weitere Musterschüler?



    Verwandte Artikel:
  • Marktforschung und Social Media
  • Vom Geist des modernen Prosumerismus
  • Woher kommen die Nutzer?
  • Vom Geist des modernen Prosumerismus

    Vorhang auf für die nächste Web2.0-Studie aus der Marktforschung. Diesmal hat TNS Infratest MediaResearch nach dem Nutzungsverhalten im neuen Netz gefragt: “Werden die Menschen im ‘Mitmachnetz’ nun reihenweise von passiven Konsumenten zu aktiven, selbst produzierenden ‘Prosumenten’?” Das Ergebnis: Die Deutschen behandeln das neue Netz nach wie vor wie ein klassisches Medium und nutzen es weitgehend passiv. Nur neun Prozent der über 14-Jährigen fallen der aktuellen Umfrage nach in die Kategorie der Prosumenten, sind also “Nutzer, die Inhalte aktiv ins Internet hochladen, gestalten oder verändern”. Ich frage mich schon etwas, wie man zu der merkwürdigen Annahme kommen kann, die Nutzer würden sich auf einmal “reihenweise” in Web2.0-Prosumenten verwandeln. Und neun Prozent sind immerhin 5,7 Millionen Menschen.

    Darüber hinaus zeigt die Studie, dass die Prosumerisierung der Nutzer ganz eng mit dem Alter zusammenhängt: 4,3 Millionen der deutschen Web2.0-Nutzer fallen nämlich in die Altersgruppe der 14-29-Jährigen. Aber: ist es wirklich das Alter? Ist Web2.0 eine Jugendbeschäftigung? Oder trifft nicht doch eher eine Generationenthese zu, die eine zeitliche Abfolge in der Diffusion von Web2.0-Kulturmustern von den digitalen Eingeborenen zu den digitalen Einwanderern beschreibt? Die Beobachtung, dass der Prosumerismus ebenfalls eng mit der Höhe des Einkommens sowie dem Bildungsgrad korrelliert passt zumindest nicht ganz zu der Altersthese.

    Natürlich gibt es in der Studie auch ein paar Zahlen zu Weblogs:

    Sogenannte Weblogs oder Blogs, also Online-Tagebücher, werden von insgesamt 14 Prozent (9,1 Mio.) aller über 14-Jährigen zumindest gelegentlich gelesen (im Vergleich: Allensbach kam auf 18 Prozent). Eigene Weblogs werden allerdings nur von zwei Prozent (1,3 Mio.) der Bevölkerung veröffentlicht (ACTA: sechs Prozent, aber nur ein Prozent häufiger und zwei Prozent ab und zu).

    Auch hier finde ich das “nur” nicht ganz passend. Wenn tatsächlich 1,3 Millionen Menschen regelmäßig in Weblogs schreiben, ist das sehr viel (besonders im Vergleich mit den von blogcensus ermittelten gut 200.000 deutschen Blogs). Schließlich noch ein paar Zahlen zu social networks:

    Nach den vorliegenden Ergebnissen sind mittlerweile bereits knapp zwölf Prozent (oder 7,5 Mio.) der über 14-Jährigen in Deutschland Mitglied in mindestens einem dieser Online-Netzwerke. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 39 Prozent. Auch hier finden sich also die bereits erwähnten starken Zusammenhänge zwischen der Mitgliedschaft in einer solchen Community und den Variablen Alter, Bildung und Haushalts-Nettoeinkommen.

    (via w&v)



    Verwandte Artikel:
  • Gehirn&Geist startet Brainlogs-Blogportal
  • Amazon als Turing-Maschine
  • Die Tyrannei der Authentizität
  • Weinblogs und -portale fast gleichauf mit Zeitschriften und Sommeliers

    2036780185_2d3fdf50bf.jpgGestern hatte ich ja bereits etwas über die Karriere der Foodblogs im Allgemeinen geschrieben. Heute lese ich im Drink Tank, dass Weinblogs, -foren und -portale mittlerweile als Informationsquelle für die Konsumenten eine fast so wichtige Rolle spielen (21 Prozent) wie die traditionellen Printmedien oder die Sommeliers in Restaurants (je 23 Prozent). Und das, obwohl dieses “Wein-Internet” größtenteils erst in den letzten Jahren entstanden sind. Nach wie vor als wichtigste Informationsquelle wurden genannt: Freunde und Bekannte (61 Prozent) sowie der Fachhandel (38%). Die Zahlen sind das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Fachmesse ProWein. (Foto: boubou1)



    Verwandte Artikel:
  • Fachzeitschriftsblogger gesucht
  • Food for thought: Liste sozialwissenschaftlicher Open-Access-Zeitschriften
  • Internet ist einflussreichstes Medium