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Twitter Starter-Kit: Die zehn wichtigsten Twitterstreams

Jeder, der schon einmal versucht hat, eine Bekannte, einen Freund oder ein Familienmitglied zum Twittern zu bringen, hat vermutlich diese Erfahrung schon einmal gemacht: Man erklärt lang und breit, wie wichtig es heutzutage ist, das Mittagessen, die eigenen Reiserouten und hin und wieder einen guten Link zu twittern. Die Person legt sich dann brav einen Twitter-Account an und dann kommt ein paar Tage später eine Mail, in der steht: “Hi, ich habe jetzt dieses Twitter ausprobiert, sitze jeden Tag ein paar Minuten davor, schreibe ein paar Updates, aber es tut sich absolut gar nichts. Nada. Niente. So ein langweiliges Ding. Ich bin enttäuscht”.

Deshalb ist es wichtig, einer Twittereinsteigerin gleich von Anfang an eine Liste von, sagen wir einmal, zehn Personen mitzugeben, damit Bewegung in die Timeline kommt. Mir erscheinen die folgenden zehn Accounts besonders folgewürdig (natürlich eine höchst subjektive Auswahl):

Mit diesen zehn Namen ist auf jeden Fall schon einmal etwas los auf der eigenen Twitterseite.

Was sind eure zehn wichtigsten Twitterinnen und Twitterer?



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    Wie lassen sich soziale Medien für Marketingzwecke einsetzen? Das Buch “Groundswell” von Charlene Li und Josh Bernoff ist voll mit Beispielen davon und die Listen von Peter Kim oder Jeremiah Owyang, der auch eine sehr spannende Liste mit Negativbeispielen (“Brands that Got Punk’d by Social Media”) pflegt, scheinen von Tag zu Tag länger zu werden.

    Und hierzulande? Auch in Deutschland bemerken immer mehr Unternehmen, dass mit dem Anbruch des Internetzeitalters auch neue Formen der Kommunikation mit den Leuten erforderlich wird: Brand Communities, Netnography und Social (Media) Marketing sind Schlagworte, die auf diese neue Wahrnehmung hinweisen. Das Ziel klingt auf dem ersten Blick gar nicht so abgefahren: den Leuten zuhören, sie versuchen zu verstehen und mit ihnen in ein Gespräch kommen, von dem beide Seiten profitieren können. Was das aber impliziert, wenn man es ernst meint, kann man kaum unterschätzen: Ich finde, Kai-Uwe Hellmanns Formulierung einer “Unternehmenskulturrevolution” trifft das sehr gut.

    Es folgt eine Liste von Beispielen für Social (Media) Marketing aus dem deutschsprachigen Raum (Ergänzungen in die Kommentare oder per Twitter an mich):

    UPDATE (3.12.2008): Neue Fallbeispiele von Coca Cola, Daimler Benz, Deutsche Telekom, General Motors, Herbert-von-Halem-Verlag, Klett-Cotta, Pons
    UPDATE (9.12.2008): Neue Fallbeispiele von Cirquent, Nike, Siemens, Tele 5, Zanox

    Aber das können noch nicht alle gewesen sein. Wer fehlt?


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    Viele Blogs haben auf ihrer Seitenleiste einen Kasten mit den populärsten Blogbeiträgen. Dahinter steckt die Logik des Matthäus-Prinzips: Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. (Mat 25, 29). Populäre Beiträge haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, noch populärer zu werden als Beiträge, die nur wenig Beachtung finden.

    Heute bin ich über Profy auf eine Seite gestoßen, die dieses Prinzip umstoßen will: Digital City, ein Blog mit Entertainment-Nachrichten hat nicht eine Rubrik der “Most Popular Stories”, sondern auch der “Least Popular Stories”. Schließlich muss es nicht immer mangelnde Qualität eines Artikels sein, der sich in niedrigen Aufrufzahlen ausdrückt, sondern Schuld kann auch ein ungünstiger Zeitpunkt sein.

    Ich habe gleich einmal in meinen Statistiken gestöbert, um die “Least Popular Stories” dieses Blogs anzusehen. In einigen Fällen ist das niedrige Interesse verdient und es handelt sich um kurze Veranstaltungsankündigungen oder Notizen. Manchmal sind es jedoch Beiträge aus der Anfangszeit dieses Blogs, die heute – ein gutes Jahr später – gar nicht so schlecht wirken. Aber urteilt besser selbst:

    1. Commercialisation of privacy? (23. September 2007, 4 Aufrufe)
    2. Aktuelles Lexikon: Blogger (2004) (19. Juli 2007, 5 Aufrufe)
    3. Weblogs in den Printmedien (16. Juli 2007, 6 Aufrufe)
    4. Die Macht des Mikrobloggens (10. September 2007, 8 Aufrufe)
    5. Die Tyrannei der Authentizität (12. September 2007, 21 Aufrufe)


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  • Die Nominierten für den Grimme Online Award 2008u.a.

    Einmal mehr ein Beispiel, wie Nachrichten mittlerweile über Twitter zuerst verbreitet werden. Bevor auf der Seite des Grimme Online Awards die Liste der Nominierten zu sehen ist und noch während die Nominierten auf der Grimme-Pressekonferenz bekannt gegeben werden, war die Liste bereits über Twitter verbreitet worden (alle Angaben ohne Gewähr):

    Kategorie Information

    Geo.de Raja Ampat (Gruner + Jahr)
    graumarktinfo.de (Gruner + Jahr)
    netzpolitik.org (Markus Beckedahl)
    Störungsmelder (u.a. Holtzbrinck)

    Kategorie Wissen und Bildung

    einestages (Spiegel)
    kids-hotline (Kinderschutz und Mutterschutz e.V.)
    Kinder-Reiseführer (SWR)
    neuneinhalb (WDR)
    Weltreligionen (WDR)
    zeitzeugengeschichte.de (Metaversa e.V.)

    Kategorie Kultur und Unterhaltung

    FAZ Reading Room “Die Wohlgesinnten” (FAZ)
    Literaturport (Brandenburgischer Literaturverein / Literarisches Colloquium Berlin e. V.)
    ROOTS&ROUTES TV (Jugendfilmclub Köln e. V.)
    undertube.tv (Daniel Poli)

    Kategorie Spezial

    Hobnox.com (Hobnox AG)
    Sandra Schadek ALS (Sandra Schadek)
    ZDF Mediathek (ZDF)

    Klar, in diesem Fall lohnt sich der Blick darauf nicht besonders, da es sich um eine wenig mutige, wenn nicht sogar belanglose Zusammenstellung von Webangeboten handelt, bei der man eigentlich nur darüber diskutieren könnte, ob so das eine Überraschung oder nicht vielmehr erwartbar gewesen ist. Besonders schade: in den Kategorien Information und Wissen wurden fast nur Webangebote von großen Verlagen oder öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nominiert. Schade, hat doch die Ausschreibung betont, dass dank Web 2.0 mittlerweile auch Privatleute und kleine Unternehmen in einer Liga mit den großen Spielen können.



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  • Die 25 dynamischsten Medienblogs

    Die üblichen Medienblogcharts, die sich an der Technorati-Authority (also der Anzahl der eingehenden Verlinkungen in den letzten sechs Monaten) liefern nur selten überraschende Ergebnisse. Mal kommt ein neues Blog hinzu, mal fällt ein anderes aus der Liste. Aber vorne stehen immer dieselben. Bildblog, Niggemeier, Indiskretion Ehrensache, Blogbar und die Medienlese.

    Sehr viel spannender erscheint mir die Frage, welches Blog gerade im Aufwind ist; welches Blog gerade in den letzten 30 Tagen besonders viele neue Links gewonnen hat. In den metaroll-Channels für Medien-, Wissenschafts-, Karriere- und Genussblogs kann man sich schon seit einiger Zeit an den Sparklines (also diesen Minidiagrammen vor dem Blognamen: ) orientieren.

    Man kann diese Daten jedoch auch automatisch auswerten, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie stark sich ein Blog in einem bestimmten Zeitabschnitt verbessert oder verschlechtert hat. Für die Medienblogs ergibt sich dann folgendes Bild – als Visualisierung habe ich die Form der Tagcloud gewählt, also: je größer der Eintrag, desto stärker das Wachstum in den letzten 30 Tagen.

    Die 25 dynamischsten Medienblogs

    Hier geht’s weiter mit den Wissenschaftsblogs.



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  • Blogging the Black Atlantic: Ethnoblogs (Streifzüge durch die Blogosphäre I)

    Mit dem Begriff “Black Atlantic” versucht der britische Soziologe Paul Gilroy das Phänomen einer kosmopolitischen black culture zu beschreiben. Auch in Deutschland gibt es eine (größtenteils ungeschriebene) Geschichte einer Schwarzen Diaspora (dazu habe ich auch in meiner Dissertation ein Kapitel geschrieben). Wie lebt es sich in diesem Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen historischen “Reiserouten” (routes) und lokalen Verwurzelungen (roots)? Im Folgenden möchte ich (angeregt durch Marc, der so etwas ähnliches für die Mediblogszene vorgemacht hat) fünf Blogs kurz vorstellen, durch die man etwas über diese subalterne Historiographie der BRD erfahren kann: Blogging the Black Atlantic.

    1) anders deutsch

    In diesem Blog, das schon lange Teil meiner RSS-Lektüre darstellt, widmet sich Dr. Urmila Goel, Volkswirtin und Südostasienwissenschaftlerin, den “rassistischen Diskursen aus der Mitte der Gesellschaft.” Häufig sind es Zeitungsmeldungen, die Urmila kurz kommentiert und im (anti)rassistischen Diskurs verortet. Es geht immer wieder um den deutschen Abschiebewahn, Islamophobie, das Leben in der Festung Europa sowie die Aufarbeitung von Nationalsozialismus und Kolonialismus. Neben den vielen Zeitungsschnipseln, die wie das Thema nahelegt zumeist aus der taz stammen, gibt es aber immer wieder kleine Bilder, mit denen eindrucksvoll klar wird, wie sehr rassistische Stereotype nach wie vor das Alltagsleben prägen. Daraus entsteht dann eine Phänomenologie des Deutschseins, die sich in schönen Formulierungen wie der folgenden ausdrückt: “Was genau passiert, wenn ‘deutsche Kinder’ kein Schweinefleisch mehr zum Mittag bekommen? Verlieren sie Ihr Deutschsein? Leidet ihre Gesundheit? Können sie nicht mehr lernen?”

    anders deutsch besteht seit gut zwei Jahren. RSS-Feed. Creative-Commons-Lizenz. Verwandte Weblogs

    2) Riemer-O-Rama

    Auch bei Martin Riemer findet man ganz ähnliche Fotodokumente aus dem alltäglichen Rassismus und latent (oder manifest) patriarchalischen Integrationsdenken in Deutschland – konkret: in der Hauptstadt Berlin (siehe auch die Rubrik “Postkoloniales Berlin“). Zugleich sieht sich Martin, der als IT-Assistent an einer Grundschule in Friedrichshain-Kreuzberg arbeitet, aber aber auch als “Anstoßer und Initiator für Schülerblogs” und liefert immer wieder Anekdoten über seine Bemühungen, Schülern bis Senioren das Bloggen näherzubringen. Sehr hilfreich ist auch seine lange Blogroll mit vielen Infos zu Postkolonialismus und Bloggen. Am 4. April trägt er unter dem Titel “Das hat mein Kind gebloggt” etwas auf der Re-Publica vor. Da ich ebenfalls in dem Hard Blogging Scientists-Track etwas sagen werde, freue ich mich schon auf ein Treffen.

    Riemer-O-Rama besteht seit bald vier Jahren. RSS-Feed. Creative-Commons-Lizenz. Verwandte Weblogs

    3) katunia

    Katunia bloggt anonym über Heteronormativität, Fortpflanzung und Erziehung, Postkolonialismus, Zuwanderung und Integration, Aufkleber und Teddybären. Lehnt sich dabei (ein dankbares Ergebnis der Anonymität) manches Mal herzhaft aus dem Fenster, was das Lesen zu einem Vergnügen macht. Katunia warnt aber (unter anderem ihre Mutter) davor, die Inhalte immer für bare Münze zu nehmen, denn: “‘katunia# ist kein wahrhaftes abbild vom leben katunias (oder vom leben ihres umfeldes). liebe mutti, dieser punkt ist für dich! mich treibt viel mehr und viel weniger um, als das, was hier steht. viele texte haben deutlich fiktive züge. ich mag zuspitzungen und polemiken und abkacken. das hier ist text — wenn überhaupt: repräsentation — ständiges verfehlen und konstruieren von oberfläche und tiefe. blubbern und verzerren, aber kein blick in meine seele.”

    katunia besteht seit zwei Jahren. RSS-Feed. Creative-Commons-Lizenz. Verwandte Weblogs

    4) Ethno::log

    Kein erzählendes Weblog im eigentlichen Sinne, aber wahrscheinlich die wichtigste digitale Anlaufstation für Informationen aus Ethnologie, Postcolonial Studies und Feldforschung in Deutschland ist das Ethno::log. Besonders bemerkenswert ist der durchaus naheliegende Fokus auf Ethnologie im Internet bzw. Cyberethnology:

    We think, that the internet is a space with an emerging culture, and anthropology has to think about this culture, has to look at it, how it developes. We should try to understand how this new culture works. So don’t be surprised to find tech news here. It’s not only about bushman drums!

    Entstanden ist das Blog, sofern ich mich richtig erinnere, als studentisches Projekt am Institut für Völkerkunde und Afrikanistik der LMU München. Mitmachen kann aber jeder, der ein Konto bei antville angelegt hat.

    Ethno::log besteht seit fast fünfeinhalb Jahren. RSS-Feed. Verwandte Weblogs

    5) @mundo.de

    Zum Schluss noch ein Blog, das ich selbst erst kürzlich entdeckt habe: @mundo. Okay, der Name ist vielleicht nicht so unglaublich gelungen, aber die Inhalte sind spannend. In dem Gruppenblog schreiben neun ehemalige oder gegenwärtige Ethnologiestudenten über Mythen, Feste, Wohnen, Kannibalismus, (post)koloniale Fremdbilder und das Web 2.0 – die ganze Bandbreite der zeitgenössischen Ethnologie also. Darüber hinaus versuchen die Autoren, dem Blog einen Magazincharakter zu geben, in dem bestimmte Themen ausgewählt und aus unterschiedlichen Blickwinkeln bzw. an unterschiedlichen Beispielen veranschaulicht werden. Auch hier heißt es: Mitmachen! Ein kleiner Schönheitsfehler: nur die Startseite hat die Adresse “ethmundo.de”, die restlichen Seiten verweisen auf einen 1&1-Server mit entsprechend uneleganter Adresse “web142.troy.kundenserver42.de”.

    @mundo.de besteht seit gut einem Jahr. RSS-Feed. Verwandte Weblogs

    Das ist selbstverständlich eine subjektive Liste meiner Lieblings-Ethnoblogs. Aber vielleicht kennt ihr ja noch weitere Geheimtipps?



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  • Patterns of mobilization in the blogosphere (English version)
  • 10+ Gründe für oder gegen Trackbacklinks in der Blogosphäre

    Dafür dass die Technologie “Trackback” erst fünfeinhalb Jahre alt ist, wurde bereits ziemlich oft ihr Tod verkündet. Im August 2002 wurde in der Weblogsoftware Movable Type Version 2.2 die Möglichkeit dieser automatisierbaren Verlinkung eingebaut. In der Praxis sieht das so aus: Angenommen ich verlinke in einem Blogbeitrag einen anderen Blogbeitrag auf einem Trackback-fähigen Weblog, dann sendet mein Weblog eine Benachrichtigung an dieses andere Blog, das dann in dem von mir zitierten Post z.B. einen Kommentar anlegt mit einem kurzen Textauszug aus meinem Blogbeitrag sowie einem Link dazu. Auf den ersten Blick eine geniale Möglichkeit, nicht nur den Vernetzungsgrad im Internet zu steigern, sondern auch eine ganz neue Art der Bezugnahme auf andere Texte. In etwa so als würde, wenn ich in einem wissenschaftlichen Aufsatz einen anderen Aufsatz zitiere, in diesem Aufsatz dann eine kurze Fußnote erscheinen, dass ich diesen zitiert habe. Siehe dazu auch die Abbildungen in dem lesenswerten Artikel “Taking TrackBack Back (from Spam)“.

    Der Nachteil dieser kommunikationstechnologischen Errungenschaft? Es gibt da ein Gesetz in der digitalen Welt: Wenn Kommunikationsfunktionen automatisierbar sind, werden diese früher oder später für den Versand von Spam verwendet. Jeder, der ein Weblog besitzt, hat das sicher schon einmal erfahren: Jede Menge sinnlose Trackbacks von Spamseiten landen Tag für Tag in der Kommentarliste. Das ist ärgerlich und die Bereinigung erfordert einiges an Aufwand. Sollte man deshalb die Trackbackfunktion einfach ausschalten oder lohnt sich die Mühe? Im Folgenden einige Argumente für und gegen das Trackbacken:

    1. PRO Trackbacks sind eine der selten Möglichkeiten, im WWW bidirektionale Links ohne größeren Aufwand anzulegen und erhöhen dadurch den Vernetzungsgrad sowie für den einzelnen Internetsurfer die Wahlmöglichkeit.
    2. PRO Trackbacks machen Kommunikationsstrukturen in der digitalen Welt sichtbar (und sind für Soziologen wie mich darin sehr nützlich). Als Blogger wie auch als Leserin kann ich direkt sehen, wer sich auf einen Artikel bezieht. Man kann sehen auf welchen Wegen sich “Meme” reproduzieren.
    3. PRO Trackbacks sind ein wichtiger Bestandteil des Informationsflusses in der Blogosphäre, was jeder schon einmal beobachten konnte, der neue Besucher über einen Trackbacklink empfangen hat.
    4. PRO Trackbacks sind ein Anreiz zu Verlinkung und Kommunikation (der Verzicht auf Trackbacks gehört zu Christianes 20 Tipps für erfolgloses Bloggen). Trackback schafft Traffic (in beide Richtungen) und ist daher im Eigeninteresse der Bloggerin. Iskwew schreibt dazu: “Trackbacking is the formalised glue of the blogging community”.
    5. PRO Trackbacks fördern die Diskussionskultur. In Seth Godins Blog sind z.B. nur Trackbacks erlaubt und keine Kommentare, um zu erreichen, dass die Nutzer eigene Texte in Anschluß an den Ursprungsbeitrag formulieren und nicht nur “full ack” hinformularisieren.
    6. PRO Trackbacks funktionieren als dezentrales System. Man ist auf keinen anderen Dienst (Google, Technorati) angewiesen, um zu sehen, wer einen Blogbeitrag verlinkt hat. Das meint auch Paul O’Flaherty, der fragt: “Is The Trackback Dead? Only If You’re Selfish?”
    7. PRO Trackbacks erhöhen die beobachtbare Aktivität auf einem Blog. Sowohl Autoren als auch Leser haben das Gefühl, “dass sich etwas tut” und nicht nur ins Leere geschrieben wurde.
    8. PRO Mit Hilfe von Trackbacks kann man häufig Contentdiebe entlarven, die eigene Blogbeiträge Wort für Wort übernehmen, um mit begleitender Werbung Geld zu verdienen.
    9. CONTRA Ein großer Teil der Trackbacks sind Spam. Wobei hier zum einen das Pingback-Protokoll etwas fortschrittlicher ist, da es nur Links akzeptiert, die von einer real existierenden Quelle stammen und zum anderen gibt es Tools wie den Spamfilter Akismet oder das WordPressplugin Simple Trackback Validation, die mittlerweile ziemlich zuverlässig einen großen Teil des Viagra-Spams entfernt.
    10. CONTRA Mittlerweile gibt es andere Möglichkeiten, zu erfahren, wer einen Blogbeitrag verlinkt. Beispiele sind die Technorati-Reaktionen, Memetracker wie Rivva oder die Suche mit dem link:-Präfix in Suchmaschinen wie GoogleBlogsearch oder Blogato.
    11. CONTRA Automaten sind Spam-anfällig, mit manuellen Trackbacks kann man die gleichen Ziele erreichen.

    Ich komme also unter dem Strich zu einem deutlich positiven Fazit. Was meint ihr dazu? Habt ihr auch schon längst die Trackbackfunktion ausgeschaltet oder ist das für euch ein essentielles Feature eures Blogs (bzw. der von euch gelesenen Blogs)?

    Andere zu diesem Thema:

    • Ronald Huereca fragt “Trackbacks: Still Useful?” und bekommt viele Antworten.
    • Anne erklärt Unterschied von Track- und Pingbacks.
    • Horst stellt schon 2005 fest, dass eigentlich niemand mehr Trackbacks verwendet.
    • Ebenso Tom Coates, der den Slogan prägte: “It has been killed by spam and by spammers”
    • Kurz darauf hat auch Jörg Kantel auf seinem Blog Trackbacks und gleich auch noch Kommentare abgeschaltet (mittlerweile gibt es sie aber wieder – doch kein “krankes Protokoll”?)


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    Wie sieht es aus mit der Web (2.0)-Tauglichkeit der großen Markt- und Medienforschungsinstitute? Man dürfte eigentlich meinen, dass hier mustergültig alle Techniken eingesetzt werden, die den Zugang zu den angebotenen Informationen erleichtern (vgl. auch das inflationär verwendete Stichwort “Google for Information”), die Verständnis und Einprägsamkeit der Informationen stützen und vielleicht sogar (Corporate Weblog) neue reziproke Kommunikationswege zwischen Unternehmen und Nutzern schaffen. Im Moment sieht es hier allerdings düster aus.

    Ich habe mir für die folgende Tabelle einmal die News-, Nachrichten- bzw. Pressemitteilungsseite einiger großen Institute, die immer wieder Zahlen über Internet und das Web 2.0 publizieren angesehen und miteinander verglichen. Dabei habe ich darauf geachtet:

    • Kann man sich per RSS über neue Studien, Nachrichten aus dem Haus etc. informieren lassen? (Hierzu ein kurzes Zitat aus Christianes 10 Thesen zur Zukunft der Medien: “Ein weiterer Beschleuniger sind Dienste, die Nutzer und Leser dazu befähigen, sich auf ihre Interessen maßgeschneiderte Angebote zusammenzustellen. Die Stichworte hier: RSS und Aggregation.”)
    • Gibt es alternativ einen klassischen Newsletter?
    • Kommunizieren Mitarbeiter per Corporate Weblog mit den Nutzern?
    • Kann man sich die Berichte als PDF-Dokument (also mit Tabellen, Abbildungen etc.) herunterladen?
    • Besteht die Möglichkeit, sich fertige Charts, z.B. für Powerpoint, herunterzuladen?
    • Wird ein persönlicher Ansprechpartner genannt?
    • Werden die Texte durch multimediale Inhalte ergänzt?
    • Gibt es einen Zugang zu den Datensätzen?


    RSS?News-
    letter?
    Web-
    log?
    PDF?Charts?Persönlicher Kontakt?Multi
    media?
    Daten
    sätze?
    TNS Infratest (de)neinjaneinjajajaneinnein
    TNS Emnid (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    Nielsen Media Research (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    IfD Allensbach (de)neinneinneinjaneinneinneinnein
    GfK (de)neinneinneinjaneinjaneinnein
    Ipsos (de)neinjaneinjaneinjaneinnein
    synovate (de)janeinneinjaneinjaneinnein
    Psyma (de)neinneinneinneinneinjaneinnein
    PEW / Internet (us)janeinjajajaneinja (Video)ja (SPSS, Crosstabs, Fragebogen)

    Damit die Bilanz nicht allzu düster ausfällt, habe ich noch das in dieser Hinsicht vorbildliche PEW-Internetprojekt mit hinzu genommen. Weitere Punkte, die ich ebenfalls hätte aufführen können, die aber nur negative Einträge produziert hätten, wären z.B.:

    • Gibt es eine Möglichkeit, die Informationen in social bookmarking-Dienste einzuspeisen? (Dazu wieder Christiane: “Veröffentlichte Inhalte können über Werkzeuge, die die Struktur von Linknetzwerken intelligent auswerten, leichter gefunden werden. Dazu gehören nicht nur Suchmaschinen, sondern auch Tagging-Dienste wie Social-Bookmarking-Dienste.”)
    • Kann man die Inhalte bequem mit wenigen Mausklicks in eigene Veröffentlichungen (z.B. Weblogs) einbinden?
    • Können die Nutzer Informationen kommentieren, bewerten?
    • Gibt es intelligente Empfehlungsalgorithmen à la “Nutzer, die diesen Bericht gelesen haben, interessierten sich auch für …”?

    Natürlich ist nicht immer und für jeden alles sinnvoll. Aber ein bisschen mehr Webtauglichkeit würde ich mir doch wünschen.

    Welche Markt- und Medienforschungsinstitute in Deutschland (oder international) müssen noch in die Liste? Gibt es weitere Musterschüler?



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    Nachdem ich mir hier nur Ausschnitte der Deutschen Blogcharts angesehen habe, hier nun the full monty: die aktuellen deutschsprachigen Top-100-Blogs nach Alter geordnet. Der Schockwellenreiter ist also meinem Erkenntnisstand nach das älteste Blog der Charts. Aber nicht das älteste der Blogosphäre insgesamt. Im Bloghistory-Zeitstrahl liegt bislang Moving Target (20. Juli 1996) vorne. Achtung: Es kann gut sein, dass das ein oder andere Blog noch falsch datiert ist, wenn die entsprechenden Posts nicht im Archiv waren. Ich bessere das aber gerne aus.

      Blog Erster Eintrag Datum Blogcharts-
    Rang
    1 Der Schockwellenreiter Das offene Ohr 23.04.2000 53
    2 wirres.net kanaldeckelficker mit fettansatz 11.07.2000 29
    3 anke gröner Ocean’s Eleven 30.01.2002 96
    4 Spreeblick Politik Pur 06.04.2002 3
    5 Irgendwas ist ja immer Neues Blog – Neues Glück 31.08.2002 40
    6 Basic Thinking Mein erster Eintrag 03.02.2003 1
    7 popkulturjunkie.de downloadbefehl 10.02.2003 63
    8 law blog Terminplan 26.03.2003 6
    9 Wortfeld Teletext: 30 Jahre Austastlücke 29.05.2003 92
    10 rabenhorst Der große Bruder sieht dich (immermehr) 01.07.2003 68
    11 fscklog Weiteres zu X.3 06.08.2003 23
    12 praegnanz.de So, der base-blog ist eröffnet 03.09.2003 33
    13 Werbeblogger Deutscher Markenverband: Kampagne umstritten 06.10.2003 9
    14 NachDenkSeiten INSM verbreitert die Öffentlichkeitsarbeit 30.11.2003 58
    15 Rebellen ohne Markt Ich bin´s 03.12.2003 74
    16 telagon sichelputzer Wir fangen an! 11.12.2003 69
    17 pixelgraphix Keine Geldnoten in Bildbearbeitungen 08.01.2004 39
    18 peruns weblog Jetzt geht’s los! 15.01.2004 46
    19 Fontblog Sonderzeichen Europa 12.02.2004 25
    20 Dr. Web Weblog Symbole, Buttons und Icons zum Download 14.03.2004 21
    21 Mario Sixtus Check.. One.. Two.. 18.03.2004 72
    22 slanted Versus nun erhältlich 02.04.2004 24
    23 Chilloutzone.de flash4 treecrashtraining 13.05.2004 16
    24 Blogbar Open 16.05.2004 12
    25 Bild Blog Frage zum Anfang 06.06.2004 2
    26 sagichdoch   15.06.2004 61
    27 medienrauschen Willkommen 27.06.2004 57
    28 MC Winkels weBlog Fieser Scheitel 28.07.2004 17
    29 PR Blogger Verlage schöpfen B2B-Potenzial des Internets nicht aus 28.07.2004 56
    30 netzpolitik.org FSFE & LinuxTag e.V. 10.08.2004 5
    31 agenturblog Corvette-Spot mit Fehlstart 28.08.2004 84
    32 Photoshop Weblog Technische Zeichnungen von Kevin Hulsey 01.09.2004 95
    33 1x umrühren bitte Einladung 17.09.2004 18
    34 WordPress Deutschland Willkommen 01.11.2004 20
    35 lummaland Snap BETA – transparente Suche? 01.12.2004 100
    36 Connected-Marketing.de Ein Anfang 20.01.2005 78
    38 Der Shopblogger Spirituosen in Mehrwegflaschen 24.01.2005 14
    37 Mac Essentials IT&W rekonstruiert Mac-Video 24.01.2005 88
    39 Indiskretion Ehrensache Wie alles beginnt ? 28.01.2005 10
    40 Fischmarkt Warum enttäuscht Amazon? 03.02.2005 82
    41 BloggingTom Ich bin auch ein Blogger 10.02.2005 36
    42 Nerdcore Nerdcore Online! 21.03.2005 8
    43 Fefes Blog 31.03.2005 45
    44 Internetmarketing News Google und Yahoo werden verklagt 26.04.2005 51
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    48 yoda.ch Schade um die Roestibeiz 16.06.2005 48
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    69 ahoi polloi (1) 05.03.2006 98
    70 neuerdings neuerdings.com launcht am 9. März 08.03.2006 70
    71 Fünf Filmfreunde Im Auftrag des Vatikans 22.03.2006 43
    72 Readers Edition Langsam wird es konkret 28.03.2006 37
    73 Krusenstern Wir hissen die Segel und los gehts! 26.04.2006 91
    75 MacNotes.de Warten auf’s iPhone 14.05.2006 60
    74 Gründerszene Hello world! 14.05.2006 76
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    77 admartinator.de apfelquak 14.06.2006 89
    78 Das Kopfschüttel-Blog Krabbensalat 26.06.2006 77
    79 Prinzess’ Allerlei Hallo Welt! 27.06.2006 34
    80 Stefan Niggemeier Turi & Fonsi 27.07.2006 4
    81 medienlese.com 6 vor 9 02.08.2006 41
    82 blog.tagesschau.de Los geht’s 08.08.2006 67
    83 Style-Spion Designer T-Shirts Angebot 19.08.2006 90
    84 stereopoly.de RSS? Ist das lecker? 24.08.2006 52
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    Jedem ?p=1 wohnt ein Zauber inne.



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    Jedes Mal wenn eine neue Technologie oder Kommunikationsform auftaucht, melden sich die “Kontinuitätstheoretiker” zu Wort und konstatieren, dass man es hier keineswegs mit etwas Neuem zu tun hat, sondern allenfalls mit einer neuen Welle oder einer Wiederentdeckung. Die Globalisierung der 1990er ist nichts im Vergleich mit der Verflechtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der Computer ist auch nur eine besonders vielseitige elektronische Schreibmaschine und Weblogs sind digitalisierte Tagebücher. Wer jedoch genauer auf die damit verbundenen sozialen Veränderungen blickt, stößt schnell auf eine ganz andere Geschichte. So könnte man auch das Mobiltelefon zunächst recht unspektakulär als “tragbare Telefonzelle” oder “miniaturisiertes Funkgerät” betrachten. Auch dann entgeht einem die Möglichkeit, zu beobachten, wie der Gebrauch von Mobiltelefonen in bestimmten sozialen Gruppen ein neues Verhältnis von home and away schafft.

    Diesem Thema hat sich Giovanna Mascheroni, Sozialwissenschaftlerin an der katholischen Universität zu Mailand, in ihrem Aufsatz “Global Nomads’ Network and Mobile Sociality. Exploring New Media Uses on the Move” gewidmet, der soeben in der Fachzeitschrift Information, Communication & Society erschienen ist. Die zentrale These des Aufsatzes ist: Durch die Konvergenz von Kommunikation und Reisen entsteht in der Gruppe der Backpacker eine neue Form mobiler Sozialität, in der Mobiltelefonie und Internet eine zentrale Rolle spielen. Die Ergebnisse ihrer Feldforschung in italienischen Backpacker-Communities lassen sich in den folgenden 10 Punkten zusammenfassen:

    1. Reisevorbereitung: Das Internet dient ganz praktischen Zwecken von der Reisevorbereitung in Travellerforen bis zur imaginierten Mobilität (“Cybertourismus”) – beides Punkte, die gut zur spontanen Reiseform der Backpacker passen.
    2. Unterwegs arbeiten: Zudem ist es durch das Internet zunehmend möglich, auch unterwegs zu arbeiten und so nicht mehr darauf angewiesen zu sein, auf “immobilen” Zwischenaufenthalten das benötigte Geld für den weiteren Reiseverlauf zu verdienen. Da viele der Backpacker aus Wissensberufen kommen, beginnt sich dadurch das Reisemuster deutlich zu verändern. Ja, ein Reisender beschreibt sogar, wie ihn seine Arbeit im Internet überhaupt erst zum Backpacken gebracht hat: “And I have this image stuck in mind, of myself flying with an open laptop as wings” (531).
    3. Internet Cafés als Traveler Ghettos: Damit eng verbunden sind Internet Cafés mittlerweile zu zentralen Orten der Reiserouten geworden, da dort nicht nur Kontakte zu sozialen Netzwerken zu Hause, sondern auch zu fellow backpackers vor Ort und zum Teil mit Einheimischen geknüpft werden können. Auch Freundschaften mit anderen Backpackern entstehen mittlerweile häufig in Internetcafés. Auf diese Weise durchdringen sich virtuelle und face-to-face Gemeinschaften.
    4. Mikrokoordination: Ein wichtiges Schlagwort in diesem Zusammenhang ist die “Mikrokoordination”, also z.B. das Verabreden von Treffen per Handy und Internet sowie das wechselseitige Abstimmen von Reiserouten. Diese Funktion ist ebenfalls die Grundlage für die von Howard Rheingold beschriebenen Smart Mobs.
    5. Soziales Beziehungsmanagement: Während sich die Mikrokoordination vor allem auf begrenzte Räume bezieht (z.B. eine Stadt), ist es per Email und SMS auch möglich, soziale Beziehungen zu anderen Travellers auf Distanz zu unterhalten: “Inasmuch as it enables regular contact with friends met during the trip, CMC contributes to a deepening of relationships born in contexts of co-presence by providing them with a temporal sediment” (533-534).
    6. Internet als Reiseanreiz: Besonders bemerkenswert ist, dass in einigen Fällen das Internet auch als Anreiz zum Reisen gesehen werden kann. So sagt einer der interviewten Backpacker: “What I like best is to have friends all over the world, and this is always a good reason to make a new trip” (534). Hier zeigt sich sehr deutlich, wie virtuelle und physische Welten sich mittlerweile in diesem “mobilen Medium” durchdringen können und wie Orte und Beziehungen verdoppelt werden.
    7. Online-Offline-Komplementarität: Aber hier kommt es nicht zu einer Substitution, denn die Leute reisen ja immer noch und auch die face-to-face-Kontakte bleiben weiterhin bedeutend. Stattdessen lässt sich eine Komplementarität von online- und offline-Interaktionen beobachten: Über reale Begegnungen unterwegs wird in Blogs berichtet, man verabredet Treffen mit unbekannten Anderen in einem Forum u.s.w.
    8. SMS und Email statt Brief und Festnetz: Was nach Mascheroni tatsächlich kaum eine Rolle mehr spielt sind Briefe und Festnetzgespräche, die früher der einzige Weg gewesen waren, um mit Freunden und Familie in Verbindung zu bleiben. Heute sind SMS und Emails das bevorzugte Material dieser “bridge to home” (wobei interessanterweise Email als das intimere Medium angesehen wird). Dadurch, dass vertraute Personen immer nur eine Email oder eine SMS weit entfernt sind, entsteht zudem ein Sicherheitsgefühl (das allerdings, wie Mascheroni bemerkt, bisweilen auch als Überwachung wahrgenommen werden kann). Vielleicht müsste man heute noch Dienste wie Twitter dazurechnen, durch die ganz ähnliche Formen der ambient communication oder gar intimacy (“Ich bin da – bist du auch da?”) möglich werden.
    9. Interaktive Reise: Letztlich führt dieser mediale Wandel (SMS, Foren, Blogs) zu einer neuen medial vermittelt und kollektiv erfahrbare Form des Reisens: die interaktive Reise, wie Germann Molz das nennt. Für Reisen 2.0 gilt also: “Blogs and personal sites represent a place where these multiple mobile communities are localized, and where sociality and connections within mobility are established” (538-9). Übrigens: Wo sind eigentlich die deutschsprachigen Backpackerforen und -blogs?
    10. Tragbarer Medienraum: Vielleicht kann man aber noch weiter gehen und davon sprechen, dass das Internet selbst zu einer Art Heimat wird, einem “tragbaren Medienraum”, in dem man Freunde und Familie treffen kann. Das bedeutete aber einen tatsächlichen Wandel der Bedeutung des Reisens, denn eines lässt sich damit nicht mehr aufrechterhalten: das Reisen als temporäre Entkopplung von zu Hause.

    Was sind eure Erfahrungen mit Internet und Mobiltelefon auf Reisen? Würdet ihr Mascheroni zustimmen? Ich selbst habe zumindest festgestellt, dass ich auch unterwegs auf die Wikipedia kaum verzichten kann.

    Abbildung aus: Jules Verne, Reise um die Erde in 80 Tagen, 1875, 11. Capitel: Ein Reitthier, S. 66, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH.



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