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Was ist Google FriendConnect?

Ich habe gerade testweise einmal zwei FriendConnect-Widgets von Google in die Seitenleiste des Blogs eingebaut. Das erste verwandelt dieses Blog in eine Social Community, der man mit seinem Google-Profil beitreten kann. Wenn man die entsprechende Aktion in seinem Profil ankreuzt, wird auch ein Aktivitätsstream erzeugt.




Welche Aktivitäten werden in den FC Google-Widgets angezeigt? Die kommen aus dem zweiten Widget, dem Kommentarfeld (oder wahlweise auch Shoutbox oder Wall). Dort kann man entweder angemeldet oder nicht angemeldet Kommentare hinterlassen, auf andere Kommentare reagieren oder sich die Profile der (angemeldeten) Kommentierenden ansehen:


Was bedeutet das?

  • Dezentralisierung: Im Prinzip ähneln die Widgets dem, was man auch schon von Disqus oder Friendfeed kennt – siehe dazu auch die lange Diskussion “The Conversation has left the Blogosphere“, die Anfang des Jahres vor allem in den USA geführt wurde. Mit FriendConnect wird diese Debatte wieder neu aufflammen: Welche Folgen hat es, wenn die Kommentare der eigenen Blogeinträge nun auf Google und nicht mehr auf dem eigenen Server gespeichert werden?
  • Dialogifizierung: Allerdings ermöglicht FriendConnect das Einbauen dialogischer Web 2.0-Elemente auch auf klassische Web 1.0-Seiten. Einfach das Widget einfügen und schon hat man eine statistische Webseite in eine Community oder einen Dialog verwandelt. Dieser Eindruck wird auf jeden Fall vermittelt.
  • Expansion: Noch besitzen nur wenige meiner Kontakte ein öffentliches Google-Profil, aber über Googles Social Graph findet man schon zahlreiche personenrelevante Daten (zum Testen einfach einmal hier die URL des eigenen Blogs oder Friendfeedaccounts eingeben). Vielleicht gelingt Google damit besser, was auch Yahoo und Microsoft versuchen: ihre Emailnutzer in Adressen sozialer Netzwerke verwandeln. Die Frage ist, ob hier nicht Facebook – Googles größter Konkurrent auf dem Gebiet Social Graph derzeit – die besseren Karten hat, denn hier bestehen bereits Netzwerke, die sich in der Tat sinnvoll auf andere Netzwerke übertragen ließen.
Die große Frage lautet auch hier: Erfüllt dieser Dienst ein tatsächliches Bedürfnis der Internetnutzer? Das Interaktiv-Machen von Webseiten? Geht mit einem Blog besser. Die anderen Wohltaten, die FriendConnect verspricht (zum Beispiel das Sammeln von Kontakten im eigenen Social Graph), erscheinen mir hier viel zu umständlich realisiert, um eine breite Benutzergruppe anzusprechen.
Das nächste große Ding wird Google Friend Connect wohl nicht werden. Was hingegen wirklich gebraucht wird, ist ein Protokoll oder Dienst, das es ermöglicht, sich mit seinen Bekannten, Freunden und Kollegen zu vernetzen, ohne dass die Technik dazwischensteht. Ein Netzwerkmedium, das die sozialen Beziehungen in den Vordergrund rückt und selbst als Medium gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Social Networking-Plattformen, aber auch der Microbloggingdienst Twitter oder Blogs allgemein, gehören immer stärker in das Repertoire von Alltagspraktiken, die es uns ermöglichen, mit Menschen in Kontakt zu treten. Langsam wird es Zeit, die dafür benötigten Technologien unsichtbar zu machen.
Ein Freund ist ein Freund. Egal, ob auf Facebook, Twitter oder StudiVZ. Eine Anwendung, die dazu in der Lage ist, dieses Grundgesetz sozialer Medien in eine Praxis zu verwandeln, hat das Zeug, zum next big thing zu werden.

Siehe dazu auch:



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  • Journalismus heißt Verhinderung von nutzergenerierten Inhalten

    Manchmal bekomme ich den Eindruck, dass viele Journalisten sich nicht nur schwer tun mit nutzergenerierten Inhalten, sondern dass sie regelrecht versuchen, diese zu verhindern. Ein Beleg dafür sind die unzählbaren Hinweise auf die mangelnde Qualität von Blogkommentaren und Forendiskussionen (das ist mir erst heute wieder passiert, in einer Reaktion auf meinen Vortrag zu Wissenschaftsblogs auf dem Symposium “Wissenschaft im Dialog” in Bremerhaven), ein anderer Beleg ist die rigide Einschränkung der Kommentarfunktion auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung.

    Der Witz ist: Die Gegnerschaft von Journalisten und user generated content ist nicht neu. Nur hieß das früher nicht so, sondern trug die Bezeichnung “Leserbriefe”. Journalisten schreiben Artikel, Nutzer schreiben Briefe. Und damals wie heute genügte bzw. genügt der größte Teil der Rückmeldungen der Nutzer auf einen Artikel auf Focus Online genauso wie auf einen Artikel im gedruckten Politikteil der FAZ wohl kaum den Qualitätsvorstellungen von Journalisten.

    Nur: Die meisten Leserbriefe werden nach wie vor nicht veröffentlicht, während sich einige Onlinepublikationen auf das Experiment eingelassen haben, alle Reaktionen der Leser (sofern sie im Einklang mit der Verfassung sind) zu publizieren bzw. nicht herauszufiltern. Ich bin überzeugt: Eine Vollpublikation von Leserbriefen würde bei den meisten Lesern genau dasselbe gruselige Gefühl hervorrufen wie die 1134. Mac-vs-Windows-Debatte in einem heise-Forum.

    In diesem Sinne bedeutet Journalismus dann unter anderem auch, nutzergenerierte Inhalte zu verhindern.

    Ich meine das nicht einmal negativ, denn es wird wahrscheinlich auch in Zukunft eine Nachfrage nach solchen “sauberen” Textbiotopen geben, in denen suggeriert wird, wir befänden uns in einer Habermas’schen Utopie eines rationalen Diskurses. Das ist aber eben nur eine Scheinwelt, die mit der tatsächlichen Art und Weise, wie Menschen denken, was sie sich wünschen etc. nicht viel zu tun hat. Ein Blick auf die beliebtesten Begriffe in der Google-Suche zerstören diese Illusion sehr schnell. Manchmal möchte man das auch gar nicht alles wissen. So eine Art Traumfabrik. Und Traumfabriken werden wohl auch in Zukunft noch nachgefragt werden.



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    Lutz Hachmeister weist in einem Interview für den Rheinischen Merkur darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen “Internet” hier und “Fernsehen” da möglicherweise ein Auslaufmodell ist. Eine ähnliche Konvergenz könnte man nun auch zwischen “Zeitung” und “Weblog” feststellen, zumindest wenn man die Onlineausgaben der Zeitungen betrachtet. Einige in dieser Hinsicht fortschrittliche Verlage haben bereits ihr Onlineangebot zum primären Informationskanal erklärt – die Devise lautet: “Online first“. Ich habe mir einmal die Internetangebote einiger Tages- und einer Wochenzeitung angesehen, um herauszufinden, wie “bloggig” diese Seiten schon geworden sind. Dazu habe ich 16 Merkmale untersucht, die für mich ein idealtypisches Blog ausmachen und dann einen gewichteten Index gebildet, der Auskunft darüber geben soll, wie nah ein Onlineangebot an diesem idealtypischen Blog ist. Hier zunächst das Ergebnis, dann die Erklärung der einzelnen Merkmale:

      SZ Taz FAZ NYTimes Welt Guardian Tagesspiegel Zeit
    RSS + - + + + + + +
    Kommentare + + + - + - + +
    Stapel - - + - - - + -
    Volltext - + - + + + + +
    Permalinks + + + + + + + +
    Tags - - - - + + - +
    Autorenkat. - - - + - + - -
    Trackbacks - - - - - - - -
    Links - - - - - - - -
    Archiv - + - + - + - -
    Blogroll - - - - - - - -
    Kategorien + + + + + + + +
    Related + + + + + + + +
    Share + - + + - + + +
    Navigation - - - + + - + -
    Suche + + + + + + + +
    Score 10 10 12 13 14 14 15 15

    Die “bloggigsten” Zeitungen sind also Die Zeit und der Tagesspiegel (beide 15), danach der Guardian und die Welt (beide 14), dann die New York Times (13) und die FAZ (12) und die Schlusslichter sind taz und Süddeutsche Zeitung (beide 10). Wenn man dieselben Kriterien für einige Weblogs betrachtet, dann kommt das Bildblog nur auf 13 Punkte, während zum Beispiel wirres.net 17 Punkt und Basic Thinking 19 Punkte erreichen, beide also deutlich mehr als die untersuchten Tageszeitungen. Einige Onlineangebote von Zeitungen kann man also auch als Blogs betrachten – freilich bezieht sich das nur auf die genannten formalen Kriterien und nicht auf die Professionalität der Autoren oder die jeweiligen Inhalte. Interessant ist auch die Heterogenität der Onlinestrategien. Keine Zeitungen haben, was diese Indikatoren betrifft, ein identisches Profil. Es scheint also noch kein Best Practice auf diesem Gebiet zu geben.

    Nun kurz zu den Indikatoren, über die man sich natürlich streiten kann:

    • RSS: Die Verfügbarkeit eines RSS- oder Atom-Feeds. Fast alle Zeitungen bieten dies an, in der Regel auch für einzelne Ressorts.
    • Kommentare: Die Möglichkeit, einen Eintrag zu kommentieren. Dieses Feature findet man bei allen deutschsprachigen, nicht aber bei den englischsprachigen Zeitungen.
    • Stapel: Die Organisation der Homepage als ein Stapel, bei dem die neuesten Beiträge oben eingefügt werden, während ältere Beiträge unten herausfallen (bzw. ins Archiv wandern).
    • Volltext: Die Verfügbarkeit aller Texte aus den Printausgaben.
    • Permalinks: Die Möglichkeit, einen Artikel über eine stabile URL zu erreichen. Alle Zeitungen haben dieses Feature.
    • Tags: Die Verschlagwortung eines Artikels mit horizontalen Tags. Ein Tag kann auf mehrere Artikel verweisen, ein Artikel kann mehrere Tags haben.
    • Autorenkategorie: Die Möglichkeit, sich nur Beiträge eines bestimmten Autors anzusehen.
    • Trackbacks: Die Registrierung einkommender Trackbacklinks. Dieses Feature, das eine wesentliche Grundlage der intensiven Vernetzung der Blogosphäre ist, findet man bei keinem Onlineangebot.
    • Links: Auch externe Links findet man nur in Ausnahmefällen (Werbung). Zeitungen verlinken auf in der Zeitachse, d.h. auf eigene Beiträge.
    • Archiv: Ein Archiv, in dem man blättern kann und sich z.B. alle Beiträge anzeigen lassen kann, die im letzten Januar erschienen sind.
    • Blogroll: Auch die Anzeige von interessanten Blogs ist ein Blog-exklusives Feature.
    • Kategorien: Die Möglichkeit, sich Beiträge einer bestimmten Kategorie anzuzeigen, haben alle Zeitungen – unter dem Namen “Ressort”.
    • Related Items: Alle Onlineausgaben zeigen interne Links an, die zu einem bestimmten Beitrag inhaltlich passen.
    • Share: Die Möglichkeit, einen Beitrag bei del.icio.us, Mr. Wong etc. abzuspeichern und für andere verfügbar zu machen.
    • Artikelnavigation: Die Möglichkeit von einem Artikel zum vorherigen bzw. nächsten zu surfen.
    • Suche: Auch das ist ein ubiquitäres Feature.

    Doppelt gewertet wurden die ersten sechs Merkmale, da ich sie für besonders wesentlich für Blogs halte.



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  • Weblog ist nicht gleich Weblog: Von den zwei Wurzeln des Bloggens

    Es sieht so aus als gäbe es (mindestens [1]) zwei zentrale Ursprungserzählungen des Bloggens, die bei der Beantwortung der Schlüsselfrage “Wann ist ein Blog ein Blog?” jeweils zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen:

    Version 1: Das Weblog als Linkliste (filterblog)

    In dieser Erzählung gab es in den Urzeiten des WWW zunächst unkommentierte, häufig aktualisierte Linklisten, die dann immer häufiger mit kurzen Anmerkungen versehen wurden (z.B. Tim Berners-Lees Linkliste). Der Kern eines Blogposts ist demnach der Link, wie es auch Jörg Kantel beschreibt:

    Und es war in meinen Augen nahzu folgerichtig, dass Weblogs in ihrer ursrpünglichen Form als kommentierte Linkverzeichnisse angelegt wurden. Und der Link ist kein Anhängsel (in Form einer Fußnote oder eines Literaturverzeichnisses) mehr, sondern integraler Bestandteil des Textes.

    Das Weblog ensteht also aus einer allmählichen textlichen Anreicherung ursprünglich sehr schlichter Linksammlungen. Dies ist auch für die Bloginhalte folgenreich: in Weblogs werden also überwiegend Inhalte abgehandelt, die über einen Link erreichbar sind. Hier liegt also auch der Ursprung der Selbstreferentialitätsthese (“Blogger schreiben nur über sich selbst”).

    Version 2: Das Weblog als Tagebuch (digital diary)

    Einen ganz anderen Ausgangspunkt nimmt die zweite Ursprungserzählung, denn sie sieht das Bloggen als Fortsetzung des Tagebuchschreibens mit anderen Mitteln. Hier geht es also nicht um gefundene Inhalte aus dem Internet, die kommentiert werden, sondern um das Öffentlichmachen eigener (Alltags-)Erlebnisse und Gedanken. Jan Schmidt bemerkt zum Beispiel in seinen drei Thesen zum “Tagebuch-Blogging”:

    Mit der wachsenden Verbreitung im Laufe der vergangenen Jahre haben sich zwar unterschiedliche Prakti­ken des Bloggens herausgebildet, doch empirischen Untersuchungen zu Folge dominieren Elemente des „Tagebuch-Bloggens“.

    Eine Konvergenz der beiden Erzählungen ist natürlich in dem Fall denkbar, in dem eine Person, die tatsächlich fast nur im Netz lebt, über ihren Alltag berichtet. Findet der Alltag jedoch außerhalb des Netzes statt, können diese Blogeinträge auch ganz ohne Links auskommen. Meine bisherige Suche nach den ältesten Blogs in Deutschland hat drei “Ur-Blogs” aus dem Jahr 1996 zu Tage gefördert, die allesamt als digitale Tagebücher beschrieben werden können und dementsprechend auch mit sehr wenig Links ausgekommen sind: Robert Braun, Melody und das Cybertagebuch.

    Koexistenz und Konvergenz

    Meine Vermutung ist, dass beide Arten von Weblogs zunächst (in den 1990er Jahren) nebeneinander existiert haben und erst spät als ein und dasselbe verstanden wurden. Zumindest was den Begriff angeht, kann die erste Variante durchaus als Urform des Bloggens betrachtet werden, sieht man doch auf einen Blick, was im Mittelpunkt von John Bargers Blog steht – nämlich Links, Links und noch einmal Links:

    barger.png

    Allerdings ist zu überlegen, ob man diese Linklisten, die als erstes mit dem Schlagwort “Weblog” versehen wurden, tatsächlich schon als Weblog sehen kann, da Kommentare hier (noch) nicht möglich waren [2] – im Gegensatz z.B. zu den 1996 gestarteten Cybertagebüchern, die sich jedoch nicht als Weblogs bezeichneten. Die Frage ist nun, ob Filterblogs und digitale Tagebücher “nur” als Vorläufer des Weblogs zu sehen sind oder ob nicht der Begriff Weblog auch in der Gegenwart noch so weit offen gehalten werden müsste, so dass er nach wie vor Platz für beide Stränge bietet.

    [1] Ich will natürlich nicht unterschlagen, dass es noch weitere Traditionen des Bloggens gibt, die nicht unter die beiden Stränge fallen, z.B. das digitale Lesejournal (siehe etwa John Baez Blog) oder die Fotologs.

    [2] Auch noch nicht befriedigend geklärt ist die Frage, wie wichtig die Kommentierbarkeit für die Definition des Weblogs ist. Meistens wird die Möglichkeit, Beiträge zu kommentieren als wesentliches Merkmal der Vollform des Bloggens gesehen. Aus meiner Perspektive handelt es sich hier jedoch nur um einen quantitativen Wandel. In vielen Proto-Blogs war die Möglichkeit zu kommentieren von Anfang an gegeben, allerdings per Email oder im Gästebuch. Häufig antworteten die Bloggerinnen auf diese Rückmeldungen dann wiederum in ihren Einträgen. Insofern ist die Kommentierbarkeit nur eine Konvergenz von Filterlog bzw. digitalem Tagebuch und Gästebuch. Keine Frage, durch die Möglichkeit, Kommentar und Beitrag auf einer Seite zu sehen, steigt der Anreiz, sich in Diskussionen einzumischen, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Kommentierbarkeit vor Ort wirklich als zentrales Merkmal herausgestellt werden kann.



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  • Abbildung: Die Genealogie der Weblogs
  • Patterns of mobilization in the blogosphere (English version)