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Warum twittern die deutschen Unternehmen? Warum sollten Verlage twittern?

Hier nur ein kurzer Hinweis auf zwei Beiträge zum Wert von Twitter für Unternehmen, die an anderer Stelle erschienen sind:

  • Im Weblog meines Arbeitgebers ethority habe ich in Anlehnung an diesen Mashable-Beitrag acht deutschen Corporate Twitterern einige Fragen zu ihrer Twitterverwendung gestellt: Hannoversche Allgemeine Zeitung, Welt Kompakt, N24, Turi2, Spreadshirt, GLS Bank, eBay Deutschland und Greenpeace Hamburg. Darin findet man Antworten von den Menschen hinter den Corporate Twitter-Accounts zu ihrer Motivation, ihren Erwartungen und spannenden Twitter-Erlebnissen.
  • Das Börsenblatt hat ein Interview mit mir zum Thema Twitter für Buchhändler und Verlage abgedruckt, in dem ich etwas über die Marketingrelevanz dieses Kanals erzähle. Der Artikel hat mittlerweile auch eine Replik von Wolfgang Tischer mit dem Titel “Warum Twitter bei Verlagen und Buchhandlungen nicht funktionieren wird” hervorgerufen, die jedoch am Punkt vorbeischießt: dass Twitter für jeden Verlag und jeden Buchhändler funktionieren muss, ist selbstverständlich illusorisch, darin unterscheidet sich Twitter nicht von anderen Kommunikationsmitteln. Ebenso wenig überrascht die Feststellung, dass persönliche Tweets persönlicher sind als in Twitter gekippte RSS-Feeds. Völlig falsch ist dagegen die Behauptung, es gäbe keine guten Verlags- und Buchhändlertwitterer. Da hat Wolfgang Tischer schlicht nicht genug gesucht. Hier ist z.B. eine Liste mit 413 Social Media-Kanälen aus dieser Branche, darunter auch viele Twitter-Accounts. Nicht alle davon sind persönlich gehalten, aber einige sind es doch schon geworden. Ich sehe es wie Corinna Lange vom O’Reilly-Verlag, die in einem Kommentar schreibt: “Und es macht übrigens sehr viel Spaß, direkt ansprechbar zu sein und auch direkt teilhaben zu können.”


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  • Wikipedia in Cordhosen: Zur Mediennutzung von Jugendlichen

    bravo.pngSeit einiger Zeit ist der Begriff der “digital natives” (vgl. dazu auch Mark Prensky’s Artikel zum Thema sowie diesen aktuellen Beitrag von Klaus Eck) aus dem Sprachgebrauch der Medien- und Internetforscher kaum mehr wegzudenken. Damit soll die Generation derer beschrieben werden, die als Kind in das digitale Zeitalter hineingewachsen sind und die sich nicht (wie noch meine Generation) diese Welt selbst erarbeiten musste wie man eine Fremdsprache lernt. Die aktuelle Bravo-Jugendstudie “Faktor Jugend 9″ (pdf) hat sich auf explorativem Weg der Altersgruppe 12-15 genähert (wenn auch auf etwas geringer Datengrundlage von 20 Einzelinterviews und 2 Gruppendiskussionen).

    Das zentrale Ergebnis der Exploration sind die unterschiedlichen Medienprofile, wie sie sich aus Sicht der Jugendlichen darstellen:

    • Zeitschriften dienen den Jugendlichen als Ratgeber (“im schnelllebigen In & Out der Glamourwelt”), spielen aber auch im Freundeskreis eine wichtige Rolle: zum einen als Themenlieferant, aber auch als Beschäftigung (Tests). Dabei werden Zeitschriften als besonders glaubwürdig erfahren, da sie von Profis gemacht werden.
    • Fernsehen wird dagegen bewusst dazu eingesetzt, auf unkomplizierte Weise die eigene Stimmung zu beeinflussen oder Zeit totzuschlagen, erscheint den Jugendlichen aber auch unentbehrlich um auf dem Schulhof mitreden zu können (der “GZSZ-Effekt”).
    • Das Radio ist, was wäre anderes zu erwarten gewesen, zu einem reinen Ambient-Medium geworden: nur selten wird bewusst die Aufmerksamkeit auf dieses Medium gelenkt; in den meisten Fällen wird es in den Hintergrund verbannt. Eine Ausnahme: wenn es um lokale und regionale Veranstaltungstipps geht, ist das Radion bei den Jugendmedien ganz vorne mit dabei.
    • Im Zusammenhang mit dem Internet rückt dagegen die Interaktivität in den Vordergrund: dieses Medium wird bewusst als Zwei-Wege-Kommunikation genutzt (“ich schreibe schnell zurück”). Darüber hinaus zeichnet sich dieses Medium aber dadurch aus, dass es amorph ist und vielen Zwecken dienen kann bzw. viele Medien ersetzen kann. Die Substitutionsthese erfreut sich also wenigstens in dieser Altersgruppe einer gewissen Beliebtheit! Komplexere Inhalte in Textform (Wikipedia) werden dagegen vor allem für schulische Zwecke genutzt. Das Internet ist interessanterweise das Medium, in dem die Jugendlichen am offensten für Werbebotschaften sind – besonders, wenn die Werbung neue Informationen oder einen gewissen Unterhaltungswert bietet – virale Botschaften sind bei den Jugendlichen besonders gern gesehen – und nicht zu aufdringlich ist.
    • Interessanterweise geht die Studie extra auch auf das Schlagwort Web 2.0 ein, wenn auch nicht klar wird, was die Autoren damit meinen. Wie auch immer: Weblogs, Foren oder Online Communities werden von den Jugendlichen nicht als besonders wichtige Elemente ihrer Onlinenutzung beschrieben – wenn sie überhaupt schon einmal davon gehört haben. Stattdessen wird auf bewährte Ressourcen (Chat, MSN, ICQ oder “regionale Schülerseiten” – was ist damit gemeint?) zurückgegriffen.
    • Das Handy dient den digitalen Eingeborenen vorrangig als permanente Verbindung zu ihrem Freundeskreis (vgl. dazu auch meinen Beitrag über mobiltelefonierende Nomaden), aber auch als Statussymbol und Gadget (“Mein Handy kann bessere Fotos machen als deins”). Insofern wird nicht nur mit Hilfe des Mobiltelefons kommuniziert, sondern das Handy ist selbst ein wichtiges Gesprächsthema.

    Ach ja, ein weiteres Ergebnis: Wäre die Wikipedia ein Mensch, sie wäre Walter, ein Oldtimer-fahrender und Cordhosen-tragender Oldschooler, der informativ und interessant ist, aber bisweilen etwas länger braucht, um zu verstehen, worum es geht.



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