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Reputationsmanagement und “Google’s unforgiving memory” – Soloves Buch “The Future of Reputation” als eBook downloadbar

reputation.pngDie ehrwürdige Yale University Press (vor 100 Jahren gegründet) macht es vor: Das aktuelle Buch von Daniel Solove (Unihomepage, Blog), das sich mit dem Problem des digitalen Reputationsmanagements befasst, wurde unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlich und lässt sich kapitelweise als PDF-Dokumente herunterladen.

Nachdem Solove in dem Vorgänger “The Digital Person” die Datensammelwut der Unternehmen und des Staats unter die Lupe genommen hat, geht es in “The Future of Reputation” jetzt um die Informationen, die wir – die Internetnutzer – freiwillig über uns verbreiten. Zum Problem wird das Ganze dann, wenn man Informationen über sich selbst veröffentlicht hat, die man später bereut (Star Wars-Kid oder gerade eben erst Nicolas Sarkozy). Oder noch schlimmer: Wenn andere Personen reputationsschädigende Informationen über einen selbst verbreiten, die dann kaum mehr kontrolliert werden können (also digitale Rufmorde oder Hexenjagden wie in dem Fall des koreanischen “dog-poop girl“, den Solove zitiert, oder z.B. die BILD-Leserreporter). Doch gleichzeitig gilt es auch das grundlegende Recht auf freie Meinungsäußerung zu bewahren. Das ist das Spannungsfeld, mit dem sich Solove in dem Buch auseinandersetzt:

This is a book about how the free flow of information on the Internet can make us less free.

Es geht also um das Problem der Freiheit im Internet. Auf der einen Seite die ganzen positiven Effekte, die zum Beispiel mit dem Bloggen verbunden sind, wie zum Beispiel die Unabhängigkeit von Redakteuren und Zeilenlimits:

Blogging brings instant gratification. I can quickly work up my thoughts into a post and publish them to the website for the world to read. People then post comments, and I can have a discussion with them. Blogging has allowed me to explore many an idea that might have languished in a forgotten corner of my mind.

Auf der anderen Seite gelangen über Blogs auch Informationen in die mittlerweile globalisierte und unvergängliche – Google ist ein “grausamer Historiker” – Internetöffentlichkeit, die die persönliche Freiheit des Bloggers oder anderer Personen einschränken können. Schnell wird dabei deutlich, dass man im Fall der “Generation Google” mit den herkömmlichen Unterscheidungen wie etwa zwischen einer (i.d.R. häuslichen) Privatsphäre und einer öffentlichen Sphäre nicht mehr so richtig weiter kommt. Sind Blogs öffentliche oder private Meinungsäußerungen? Agora oder Tagebuch?

2227505888_4bd1090c41_m.jpgDazu kommt, dass die Viralität des Internets (endlich einmal kann ich dem Titel dieses Blogs gerecht werden) die für die moderne funktional-differenzierte Gesellschaft grundlegende Unterteilung in verschiedene mehr oder weniger isolierte Sphären hinfällig machen kann. Funktionale Differenzierung (“Teilinklusion”) garantiert, dass das, was ich mit meinen Arbeitskollegen, mit meinem Weinhändler und mit meinen Kindern bespreche, nicht ineinander fließt, sondern mir erlaubt, verschiedene Rollen einzunehmen: wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kunde und Vater. Mit MySpace, Facebook und Weblogs gibt es immer mehr Lecks in diesem Differenzierungsgebäude, die mittlerweile das neue Geschäftsfeld des Reputationsmanagements ins Leben gerufen haben:

Everybody’s googling. People google friends, dates, potential employees, long-lost relatives, and anybody else who happens to arouse their curiosity.

Mittlerweile gibt es sogar bereits spezialisierte Personensuchmaschinen wie yasni.

Der erste Teil des Buches versucht sich in einer Bestandaufnahme der digitalen Reputation von den neuen Techniken der Informationsverbreitung über den Wandel von Klatsch im digitalen Zeitalter bis hin zu Praktiken des naming and shaming. Der zweite Teil zieht dann rechtliche Schlussfolgerungen daraus und bearbeitet das Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäußerung und Rufschädigung anderer, formuliert einen angemessenen Begriff der Privatsphäre und wirft einen Blick auf die rechtlichen Regulierungsmöglichkeiten.

Ich habe bis jetzt nur das erste Kapitel ganz gelesen und in den Rest nur kurz hineingesehen, möchte aber auf jeden Fall schon einmal eine Leseempfehlung aussprechen. Und dann am besten das Buch auch noch in der Papierversion kaufen, damit sich das CC-Experiment für den Yale-Verlag lohnt. (via)

(Abbildung “Spanish Wine Shop 1873″ von souravdas)



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