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Die We-Generation wählt

Die heutige Wahl des 44. Präsidenten der USA ist eine Internet-Wahl. Wer Twitter, Friendfeed und natürlich auch die amerikanische Blogosphäre aufmerksam beobachtet hat, wusste es schon etwas länger, aber jetzt dürfte es auch dem durchschnittlichen 61jährigen ZDF-Gucker auffallen: drei von fünf der Interviewpartner, die sich in der langen ZDF-Wahlnacht mit Anchor Claus Kleber die Zeit vertreiben, sind Blogger. Felix Schwenzel, Marcus Skelton und Christoph Bieber dürfen die Reaktionen im Netz deuten. Sogar externe Links hat das ZDF dafür angelegt.

Besonders spannend sind jedoch Echtzeitmedien wie Twitter, die es ermöglichen, gleichzeitig aus unterschiedlichen Teilen der USA Meldungen zur Wahl zu sammeln und zu publizieren. Das Fernsehen ist nur in Ausnahmefällen wie einer solchen Wahlnacht live dabei und gehorcht zudem einer sequentiellen Logik. Wenn mich ein Lagebericht aus Ohio interessiert, im Fernsehen aber gerade ein Korrespondent aus Florida berichtet, muss ich warten. Ich will aber nicht warten.

Auf TwitterVoteReport kann man zum Beispiel sehen, wie lange die Wartezeiten in den Wahllokalen gewesen sind und ob den Wählern dort irgendetwas aufgefallen ist:

Twitter VoteReport

Auf Twitpic gibt es im Minutentakt Fotos von leeren oder ausgefüllten Stimmzetteln wie zum Beispiel hier oder von den Schlangen vor den Wahllokalen. Das ist eine neue Art von Authentizität. Keine Fernsehkameras, die ein möglichst eindrucksvolles Bild zusammenstellen, sondern ein Twitternutzer, der gerade zur Wahl geht, in der Schlange steht und mit seinem Handy ein Foto macht. Ein unmittelbarer Eindruck.

Am schnellsten ist aber natürlich der Twitter-Wahlfeed, auf dem alle Tweets zur Wahl aggregiert werden. Auf den ersten Blick sieht das wie ein gewöhnlicher Ticker aus. Aber es ist nicht eine Nachrichtenredaktion, die bestimmt, welche Nachrichten in welchen Abständen gepostet werden, sondern es sind Twitternutzer auf der ganzen Welt, die zu einem gewaltigen Massengespräch beitragen – ganz gleich, ob sie einfach nur Neuigkeiten posten, kommentieren oder sich mit anderen darüber austauschen. Was der Ticker für die alte hierarchische Nachrichtenwelt war, ist dieser Dialogstream für den Schwarm oder die Noosphäre:

Election Twitter

Sogar Wahlumfragen werden per Twitter durchgeführt. Auf TwitVote liegt beispielsweise Barack Obama mit 15.370 Stimmen zu 2.719 Stimmen für John McCain weit in Führung:

Oder man zählt die Tweets, die sich für Obama oder McCain aussprechen, sortiert sie nach Staaten und kommt dann zu folgendem Ergebnis (blau = Obama, rot = McCain):

Dialup-Internetnutzer scheinen dagegen sehr viel konservativer zu sein. Eine entsprechende – ebenso wenig repräsentative – Umfrage unter AOL-Nutzern zeigt eine ebenso klare Mehrheit für McCain:

Durch all diese digitalen netzförmigen Kommunikationsmedien ist es möglich, den Wahlabend – bei uns eher: die Wahlnacht – gemeinsam mit Hunderttausenden zu verbringen. Und anders als in der berühmten Redewendung von den “Millionen vor den Fernsehgeräten” gibt es hier tatsächlich die Möglichkeit, zu interagieren, Fragen zu stellen und die Vorgänge zu kommentieren. Warum also nicht zum Beispiel in diesem Thread die Wahlnacht über mit Bruce Schneier über die Sicherheit von Wahlautomaten diskutieren? Oder mit Dave Winer im Election-Day-Chat? Oder auf Twitter?



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    Wir leben noch in einer Ära, in der das Einrichten eines RSS-Feeds auf einer Internetseite eine eigene Pressemitteilung wert ist:

    Pressemitteilung
    MPI für Bildungsforschung bietet RSS-Feed
    Dr. Petra Fox-Kuchenbecker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
    13.06.2008

    Die Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung bietet ab sofort einen Informationsdienst an, der es Interessierten weltweit erlaubt, die Anzeige neuer Publikationen aus dem Institut zu abonnieren.
    Alle, die sich für die Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung interessieren, müssen künftig nicht mehr mühsam die Publikationen-Webseite des Instituts nach Beiträgen durchsuchen. Stattdessen erhalten Sie automatisch eine Nachricht, wenn die Veröffentlichung erscheint. Ein link führt dann zur vollständigen Titelanzeige.
    Dieser Dienst, der technisch als RSS-Feed realisiert ist, kann für alle Publikationen des Instituts oder getrennt nach Forschungsbereichen abonniert werden. Sie erreichen den Dienst unter http://library.mpib-berlin.mpg.de/iv/iv.php?year=2008-

    Weitere Informationen:

    http://www.mpib-berlin.mpg.de

    (via)



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    Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann Xing einen persönlichen Newsfeed (“awareness feed”) einbauen würde, wie man ihn aus Facebook kennt:

    xing.png

    Aber ist das wirklich notwendig? Und vor allem: in dieser Form? Denn nicht nur sind, wie Robert bemerkt, die Möglichkeiten bei Xing noch sehr eingeschränkt, diesen Feed zu persönalisieren, indem man einstellt, welche Nachrichten einem wie wichtig sind und vor allem: über welche Kontakte man besonders gut informiert bleiben möchte. So sieht das z.B. bei Facebook aus:

    facebook.png

    Zudem werden nur Xing-interne “Nachrichten” angezeigt: der Feed bleibt also selbstreferentiell, während bei Facebook über diverse Plugins auch externe Ereignisse und Informationen wie zum Beispiel Twitter-Microbloggings angezeigt werden können.

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso Xing sich nun verstärkt darum bemüht, möglichst Facebook-ähnlich zu werden (bevor Facebook wirklich im europäischen Markt Fuß fassen wird), anstatt sich auf die Features zu konzentrieren, in denen es wirklich etwas besonderes zu bieten hat (zudem sich die Debatte um das neue Feature in eine ähnliche Richtung zu bewegen scheint wie anlässlich Facebooks Newsfeed):

    • Da wäre zum einen so etwas wie ein Seriositätsbonus, denn bislang war Xing vor allem ein einigermaßen leicht bedienbares Adressbuch, mit dessen Hilfe gerade Freiberufler oder Jobwechsler ihre Kontakte aufrechterhalten konnten. Bislang gibt es auf Xing noch keine Piraten, Zombies und virtuelle Maßkrüge.
    • Auf der anderen Seite gehört OpenBC/Xing zu den Pionieren, was die alltagspraktische Umsetzung des Netzwerk- oder Smallworlddenkens angeht. Die Anzeige der unterschiedlichen Verbindungspfade zu einer Person ist schlicht genial. Umso weniger ist verständlich, dass man sich anscheinend nur wenig Gedanken darüber macht, wie man das Potential, das darin steckt, verwirklichen kann. Ich denke z.B. an eine echte Möglichkeit, das eigene Xing-Kontaktnetzwerk zu durchwandern (“surfing the social graph”), an die gewichtete Anzeige der eigenen Kontakte nach der Interaktionshäufigkeit bzw. den Profilbesuchen oder anhand netzwerkanalytischer Einflussmaße.


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    Der Popkulturjunkie hat entdeckt, dass man sich mit Hilfe des GoogleReaders die Anzahl der Feed-Abonnenten anzeigen lassen kann, was ihn dazu animiert hat, auf Grundlage dieser Daten eine weitere Rangliste der Topblogs zu erstellen. Die eigentlich spannende Frage ist nun: Wie hängen die verschiedenen “Blogcharts” zusammen? Oder: hängen sie überhaupt zusammen? Um darauf eine Antwort zu finden, habe ich mir die drei Listen näher angesehen und mit R ein paar Werte berechnet:

    Die Deutschen Blogcharts, die GoogleReader-Charts und die metaroll erfassen unterschiedliche PräferenzenZunächst fällt auf, dass der Überlappungsgrad der Listen nicht allzu groß ist. Anders ausgedrückt: nur 26 Weblogs finden sich sowohl auf den ersten 50 Plätzen der Deutschen Blogcharts und den Google Feedreader-Abozahlen wieder. Weitere 19 Blogs werden in den GoogleReader-Zahlen und der metaroll gelistet und 18 Blogs sind in den Deutschen Blogcharts und der Metaroll vertreten. Nur 15 Weblogs findet man auf allen drei Listen – ein Indiz dafür, dass sie tatsächlich etwas anderes erfassen (für die 15 gemeinsamen Blogs findet man allerdings eine mittlere (Rang-)Korrelation zwischen den Listen um 0.6, nur zwischen den Google-Charts und der metaroll liegt sie mit 0.4 deutlich darunter, ist allerdings nicht mehr signifikant). Zur Veranschaulichung hier ein kleiner Ausflug in die Mengenlehre:

    Oben rechts finden sich also die “Link-Blogs”, also die Topblogs, was die Verlinkung über Trackbacks und Pings angeht, oben links die “Feed-Blogs”, die am häufigsten mit dem GoogleReader gelesen werden und unten die “Roll-Blogs”, die am häufigsten in den Blogrolls verlinkt werden. Unterscheiden sich diese drei Gruppen nur hinsichtlich der jeweiligen Operationalisierung von Wichtigkeit? Oder stecken dahinter auch inhaltliche Unterschiede? Möglicherweise liefert die Liste der Blogs, die nur in einer bestimmten Liste auftauchen, einen Hinweis darauf.

    Schwierig. Ganz vorsichtig würde ich die Hypothese formulieren, dass in den GoogleReader-Charts technische Blogs stark vertreten sind, was vielleicht auch daran liegt, dass die Leserschaft dieser Blogs mit RSS-Feeds am besten vertraut ist. In den Deutschen Blogcharts findet man einige politische Blogs, die in den anderen Listen nicht auftauchen. Vielleicht ein Indiz dafür, dass vor allem kontroverse Themen häufiger verlinkt und kommentiert werden? Auf der metaroll schließlich überproportional viele lyrische und Notizbuchblogs, deren Wertschätzung man per Blogrollverlinkung ausdrückt, aber nicht unbedingt durch einen Trackback.

    UPDATE: Bei Henning Krieg geht es weiter mit den wichtigsten Blawgs (= juristischen Blogs) in Deutschland und Blognation hat dasselbe für Technologieblogs unternommen.



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    In der Betaversion der metaroll habe ich ein neues Feature eingebaut, das für jedes Blog einen kurzen Ausschnitt aus dem letzten veröffentlichten Beitrag anzeigt:

    feed.PNG

    Außerdem stehen jetzt Links zu den RSS- und Atom-Feeds in jedem Eintrag. Ich denke, jetzt wird es bald Zeit, das Design zu ändern, es sieht wirklich nicht mehr aufgeräumt aus. Vorschläge? Tipps?



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