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Die Struktur der Wissenschaft

Eine der zentralen Fragen der Wissenschaftsforschung lautet: Welche Struktur hat das System der Wissenschaft? Insbesondere die quantitativen Wissenschaftsforscher (Scientometricians) haben sich vorgenommen, aus dem Zitierverhalten in wissenschaftlichen Publikationen abzulesen, wie sich die Disziplinen und Subdisziplinen zueinander verhalten. Mit dem Science Citation Index (SCI) des Institute of Scientific Information (ISI) gibt es eine umfangreiche Datenbank, aus der man zum Beispiel genau ablesen kann, in welchen Journals wie oft auf welche andere Journals verwiesen wird und ob diese Verweise auch erwiedert werden. Ein Paradies für Netzwerkforscher!

In ihrem jüngsten Papier “A Global Map of Science Based on the ISI Subject Categories “versuchen Loet Leydesdorff und Ismael Rafols auf Grundlage von Faktoren- und Netzwerkanalysen der 22 Hauptkategorien und 172 Themenfelder des ISI den Zusammenhang der wissenschaftlichen Disziplinen und Subdisziplinen zu ergründen (aufgrund der unterschiedlichen Zitierverhalten geht es dabei nur um naturwissenschaftliche Felder, also die englischen sciences). Dabei sind sie auf 14 Makrodisziplinen und drei große Cluster gestoßen:

  • Biologie-Medizin,
  • Physik-Material-Ingenieurswissenschaften-Informatik
  • Umwelt-Ökologie-Geowissenschaften

Unter den 14 Makrodisziplinen sind die Biomedizin (gelb), aber auch die Chemie (orange), was die Zitierhäufigkeit angeht, besonders prominent (interessanterweise sind die Wikipedia-Einträge zur Biomedizin trotz ihrer innerwissenschaftlichen Bedeutung sehr klein bzw. unvollständig)

(Hier gibt es diese Karte in groß und navigierbar.)

Man sieht deutlich, dass die Chemie eine vermittelnde Position (“broker”) zwischen dem medizinischen Pol links und dem “hard-science”-Pol auf der rechten Seite einnimmt. Aber es gibt auch noch eine Verbindungslinie zwischen der Informatik und einigen medizinischen Spezialfeldern sowie eine Verbindung über das Umweltthema. Geht man auf die Ebene der Unterkategorien, so zeigt sich, dass auch die Biologie als interdisziplinäres Feld betrachtet werden kann.

Sehr erfreulich ist, dass das Forscherteam ihre Datengrundlage als Excel-Datei zur Verfügung stellen, so dass andere die Möglichkeit haben, ihre Schlussfolgerungen zu überprüfen.



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