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Netzwerke müssen draußen bleiben

Eines der Hauptargumente, warum Arbeitgeber ihren Mitarbeitern den Zugang von sozialen Netzwerkplattformen verbieten, ist die Befürchtung, sie würden dadurch von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt beziehungsweise sie würden durch die Zeit, die sie auf diesen Seiten verbringen, nicht mehr so viel Arbeit erledigen wie zuvor. Um welche Seiten geht es dabei? Die Liste, die in einer aktuellen Befragung von 430 PR-Angestellten zustande kam, ergibt eine schöne Momentaufnahme des social web:

* Facebook
* MySpace
* YouTube
* Flickr
* Twitter
* Squidoo
* Second Life
* Blogs
* Podcasts
* Video-sharing sites
* Anything streaming
* Almost everything. I work for the military. It’s considered a threat.
* EVERYTHING!

Deutlich wurde in der Umfrage, dass es meistens nicht um technische Probleme geht (zum Beispiel den hohen Traffic durch das Streamen von Videos, den das US-Verteidigungsministerium als Grund für die Sperrung der Web 2.0-Seiten angegeben hatte), sondern um die Kontrolle der Mitarbeiter.

Doch ist die Frage, inwiefern die Nutzen hier die Kosten aufwiegen können, denn mit dem Verbot bestimmter Webangebote setzen die Arbeitgeber nicht nur das Engagement und Commitment ihrer Mitarbeiter aufs Spiel, sondern verpassen womöglich Chancen, diese Netzwerke und Plattformen für die Unternehmenszwecke produktiv einzusetzen. Der PR-Blogger Hans Kullin hat im Rahmen der Studie “BlogSweden 3″ – so einer Art “Wie ich blogge?!” auf Schwedisch (hier die Ergebnisse der Vorjahresstudie) – 747 Blogger gefragt, warum sie Mitglied einer sozialen Netzwerkplattform sind. Dabei ergaben sich zahlreiche Motive, die durchaus im Sinne eines Unternehmens sein könnten:

* 61.6 said “as a way to stay in touch with former colleagues, classmates or suchlike”
* 54.1% said “to use as a common channel in which to communicate with friends/colleagues”
* 31.3% said “to network”
* 18.7% said “to connect with others in my profession”

Sehr viel sinnvoller als ein Totalverbot des Web 2.0 erscheint mir a) die Ausarbeitung einer Web 2.0-Strategie, b) die Schulung der Mitarbeiter im verantwortungsvollen Umgang mit Web 2.0-Seiten sowie womöglich c) die Einrichtung von Web 2.0-Angeboten im Intranet.

Außerdem setzt das Netzwerkverbot in Unternehmen eine klassische Trennung von Arbeitszeit vs. Privatleben voraus, die gerade in den wissensbasierten Berufen schlicht nicht mehr gegeben ist (“flexible Work-Life-Balance”). Dazu Shel Holtz von Stop Blocking:

The replacement is the idea of work/life integration, which means that if you’re going to expect me to work while I’m at home then you damn well better be prepared to let me live a little bit of my life while I’m at work.



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    meister_des_frankfurter_paradiesgartleins_001.jpgGerade eben habe ich gelesen, dass sich Google, Plaxo und Facebook der DataPortability-Workgroup angeschlossen haben und somit vielleicht der walled garden-Charakter der digitalen sozialen Netzwerke (Kosmar nennt das ein “Datengrab“) bald der Vergangenheit angehören könnte. Worum geht es dieser Arbeitsgemeinschaft? Mit dem Slogan “Sharing is Caring” soll auf Grundlage bestehender Technologien und Standards wie OpenID, APML, Microformats, RDF, RSS, OPML und OAuth erreicht werden, dass beispielsweise die Daten zwischen sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace und Xing ausgetauscht werden können. Bislang war das nur schwer möglich.

    Für mich ist das nur eine folgerichtige Entwicklung, die bestehende Netzwerktechnologien näher an die immer wieder verwendete Community-Metapher heranführt. So kann man unterscheiden zwischen objektzentrierten und personenzentrierten Netzwerken. Bei objektzentrierten Netzwerken kann die Verbindung zwischen den Mitgliedern einer virtuellen Gemeinschaft auf Grundlage geteilter Objekte bestehen. Das kann das Abspeichern eines Hyperlinks sein oder die Leidenschaft für das Musikhören. Anders bei personenzentrierten Netzwerken, in denen Beziehungen zwischen Personen abgebildet werden, die ganz unterschiedlicher Art und Stärke sein können. Facebook-Mitglieder haben nicht sehr viel mehr gemeinsam als dass sie sich mit Hilfe dieser social software vernetzen. Dasselbe gilt für Xing-Nutzer.

    Da man aber die dort eingegebenen Personendaten und vor allem die dort abgespeicherten Verbindungen bislang nicht transportieren konnte, bestanden diese Verbindungen streng genommen nicht zwischen den Personen, sondern ihren jeweiligen Netzwerk-Avataren. Wenn Facebook-Bob mit Facebook-Anne verbunden ist, bedeutet das noch lange nicht, dass auch Xing-Bob und Xing-Anne eine Verbindung besitzen. De:bug fasst das schön knapp in der Formel zusammen: “Dein Social Graph war nie deiner”. Außerdem ist man in diesem Modell immer an das Wohlwollen des Anbieters gebunden, der jederzeit Personen sperren konnte wie jüngst Blogdampfinallengassen Robert Scoble.

    Genau an dieser Stelle greifen die oben erwähnten Standards ein, die für die Verwirklichung einer grundlegenden “Webdienste-Freiheit 0” sorgen könnten, also dafür, dass Daten portierbar werden und man – im Idealfall – mit wenigen Mausklicks seine soziale Umwelt, in der man sich in einem Netzwerk bewegt auch in anderen nachbauen kann. Hier kann man dann von tatsächlichen sozialen Beziehungen sprechen und in Folge auch von einer echten (plattformunabhängigen) Community. Mal sehen, was in der Praxis daraus wird und vor allem: welche Lösung die Anbieter von social networking für das Problem finden, dass mit der Transportabilität sozialer Beziehungen auch der Wert der von den Nutzern in der Software hinterlassenen Personendaten schwindet. Vielleicht erweist sich ja das targeted advertising als brauchbare alternative Monetarisierungsquelle.

    Andere zu diesem Thema:

    • Robert Basic packt die Problematik in eine Kaffeehausmetapher und stellt fest: “Sobald ich ein Cafe betrete, werde ich aufgefordert, andere User einzuladen. Wenn ich wieder rausgehe, kann ich meine Freunde nicht mitnehmen, die bleiben als Geiseln, damit ich wiederkomme, ja oft und lange wiederkomme.”
    • Thomas Pleil hält für möglich, dass Facebook und Google der Arbeitsgemeinschaft vor allem deshalb beigetreten sind, um sich auf dem Laufenden zu halten, was zu diesem Thema so alles diskutiert wird. Außerdem ist Datenportabilität nur dann sinnvoll, wenn sich die Netzwerke tatsächlich voneinander unterscheiden.
    • Ähnlich sieht das auch Uli Kutting, der einen Wandel von “SNs (Social Networks)” zu “SINs (Special Interest Networks)” sieht.

    (Abbildung: Das Paradiesgärtlein, Maria im beschlossenen Garten mit Heiligen, um 1410)



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    Noch ein kleiner Nachschlag zur Print-versus-Online-Debatte: Kalle Jungkvist, Chefredakteur der schwedischen Tageszeitung Aftonbladet, sieht nicht in anderen Printprodukten die scharfsten Konkurrenten der eigenen Onlineausgabe, sondern erstaunlicherweise in Facebook:

    When Aftonbladet.se recently did a focus group with twentysomethings, the main competitor in terms of time to Aftonbladet.se was said to be Facebook. The choice for young Internet users was to, more or less, aimlessly surf Aftonbladet or Facebook for a while.

    Jeff Jarvis ist da etwas zurückhaltender und sieht Facebook nicht als Konkurrenz für Tageszeitungen, sondern vielmehr als zusätzlichen Vertriebskanal für Nachrichten:

    If I were making Facebook applications for news organizations now, I wouldn’t be making quizzes and such fripperies. I’d be figuring out how to get news that matters to you in your news feed. I’d be finding ways to tie you with other people who share your interest and know what you want to know. I’d find ways to enable you to recommend more news to your friends.

    Seen this way, Facebook isn’t a competitor for a newspaper. It’s just another place to help your community.

    Irgendwie haben beide Recht. Natürlich ist Facebook (oder auch Google) kein direkter Konkurrent für eine Tageszeitung, wenn es um den Abruf von Nachrichten geht – wie edenstrom es so schön sagt: “Googling for ‘news’ gets you nowhere.” Aber wenn man allgemeiner auf die aufmerksamkeitsökonomische Zeitkonkurrenz sieht (Stichwort: “Umverteilung von Medienzeitbudgets”), dann könnte ein Social Network tatsächlich als Alternative zu einer Tageszeitung wahrgenommen werden. Je ähnlicher die Aktivitäten wahrgenommen werden, die sich auf die unterschiedlichen Medienzeitbudgets beziehen, desto realistischer ist die Substitutionsthese. Wenn es also wirklich nur um das “aimlessly surfing” geht, kann es tatsächlich egal sein, ob man in einem sozialen Netzwerk oder einer Onlinezeitung unterwegs ist.



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  • Die Facebookisierung von Xing

    Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann Xing einen persönlichen Newsfeed (“awareness feed”) einbauen würde, wie man ihn aus Facebook kennt:

    xing.png

    Aber ist das wirklich notwendig? Und vor allem: in dieser Form? Denn nicht nur sind, wie Robert bemerkt, die Möglichkeiten bei Xing noch sehr eingeschränkt, diesen Feed zu persönalisieren, indem man einstellt, welche Nachrichten einem wie wichtig sind und vor allem: über welche Kontakte man besonders gut informiert bleiben möchte. So sieht das z.B. bei Facebook aus:

    facebook.png

    Zudem werden nur Xing-interne “Nachrichten” angezeigt: der Feed bleibt also selbstreferentiell, während bei Facebook über diverse Plugins auch externe Ereignisse und Informationen wie zum Beispiel Twitter-Microbloggings angezeigt werden können.

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso Xing sich nun verstärkt darum bemüht, möglichst Facebook-ähnlich zu werden (bevor Facebook wirklich im europäischen Markt Fuß fassen wird), anstatt sich auf die Features zu konzentrieren, in denen es wirklich etwas besonderes zu bieten hat (zudem sich die Debatte um das neue Feature in eine ähnliche Richtung zu bewegen scheint wie anlässlich Facebooks Newsfeed):

    • Da wäre zum einen so etwas wie ein Seriositätsbonus, denn bislang war Xing vor allem ein einigermaßen leicht bedienbares Adressbuch, mit dessen Hilfe gerade Freiberufler oder Jobwechsler ihre Kontakte aufrechterhalten konnten. Bislang gibt es auf Xing noch keine Piraten, Zombies und virtuelle Maßkrüge.
    • Auf der anderen Seite gehört OpenBC/Xing zu den Pionieren, was die alltagspraktische Umsetzung des Netzwerk- oder Smallworlddenkens angeht. Die Anzeige der unterschiedlichen Verbindungspfade zu einer Person ist schlicht genial. Umso weniger ist verständlich, dass man sich anscheinend nur wenig Gedanken darüber macht, wie man das Potential, das darin steckt, verwirklichen kann. Ich denke z.B. an eine echte Möglichkeit, das eigene Xing-Kontaktnetzwerk zu durchwandern (“surfing the social graph”), an die gewichtete Anzeige der eigenen Kontakte nach der Interaktionshäufigkeit bzw. den Profilbesuchen oder anhand netzwerkanalytischer Einflussmaße.


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  • New York Times: Freier Zugang zahlt sich aus

    nyt.pngDas Experiment der New York Times scheint aufzugehen. Im September hatte der Verlag beschlossen, sowohl die aktuellen Ausgaben als auch Teile des Archivs freizugeben. Die Abogebühr für den Online-Content (“Times Select”) ist damit weggefallen. Jetzt gibt es die ersten Zahlen, die belegen, dass sich dieser Schritt gelohnt hat – auch wenn man zunächst nicht ganz ausschließen kann, dass ein Teil des Traffic-Anstiegs auf die generierte Aufmerksamkeit zurückzuführen ist und sich womöglich nicht in Online-Stammleser überführen lässt. Jedenfalls liegt die Online-New York Times den aktuellen Nielsen-Zahlen zufolge nun weit, weit vor der zweitplatzierten USATODAY.com.

    In reaching 17.5 million uniques, the paper had its best month ever, a Times spokeswoman told me. The numbers are up from 14.6 million in September (Quelle: beet.tv, dort gibt es außerdem noch ein Interview mit Vivian Schiller, Managerin von NYTimes.com)

    Ziemlich euphorisch sieht sich die Zeitung jetzt nicht mehr allein im Wettbewerb mit anderen überregionalen Zeitungen, sondern auch mit Nachrichtenportalen und -sendern. Man darf allerdings nicht vergessen, dass sich dieser September-Sprung von immerhin 20% im Kontext des massiven Abwärtstrends gemessen an der prozentualen WWW-Reichweite, der im Februar 2006 begonnen hatte, doch etwas bescheiden ausnimmt (siehe rote Markierung):
    nyt_alexa.png
    Ziemlich deutlich wird das zum Beispiel im Vergleich mit Facebook:
    fb_alexa.png
    Immerhin haben sie das erkannt und versuchen nun, mit einer Facebook-Microsite dort auch etwas Aufmerksamkeit abzubekommen. Olaf hat diese Variante vor kurzem so kommentiert: “Erinnert alles irgendwie an die Glaskästen in denen [...] die aufgeblätterten Zeitungen ausgestellt werden.”



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  • Was ist Googles Open Social und wozu brauche ich das?

    Sehr schön zu beobachten, wie Google mit einer Neuentwicklung an die Öffentlichkeit geht, und die Diskussionen darüber, ob Google nun die Welt regieren wird oder nicht, brechen los. Nur, was genau Googles Open Social sein soll, haben wohl die allerwenigsten verstanden. Allmählich lichtet sich der Nebel und die ersten verständlichen Erklärungen tauchen auf. Zuallererst: Open Social ist kein neues Netzwerk. Kein Closed Beta des Facebook von Morgen. Es bringt also nichts, Inviteshare um Einladungen anzuhauen, neue Profilfotos beim Fotografen in Auftrag zu geben und den Lebenslauf noch einmal durchzugehen. Aber wenn kein neues Netzwerk – was ist es dann?

    • Lars Hinrichs zum Beispiel weist im OpenBlog auf die Vorteile offener APIs und Standards hin: “Our members themselves can choose which applications they adopt—who better? The freedom of such an approach is infinitely superior to a walled garden approach.”
    • Marc Andreessen erklärt: “Open Social’s API is based entirely on Javascript. If you know HTML and Javascript today, you will be able to immediately use Open Social to turn your web applications and web sites into Open Social apps.” Dabei geht es um zwei verschiedene Komponenten: Container (darunter sind z.B. soziale Netzwerke wie Ning, OpenBC oder MySpace zu verstehen) und Applikationen. Der Witz an Open Social ist, dass die Netzwerke weder an bestimmte Container gebunden sind, noch an bestimmte proprietäre Sprachen wie es zum Beispiel bei den Facebook-Anwendungen der Fall ist.
    • Die von Google bereitgestellten JavaScript-Anwendungen ermöglicht also den Programmierern von Anwendungen für Social Software, in drei Dimensionen Informationen aus einem (oder mehreren) bestimmten Netzwerk(en) abzurufen: Profil-Informationen (Name, Adresse, Beruf), Kontakte (“Freunde”) sowie Aktivitäten (z.B. Feeds). Dimension2K ist begeistert: “Zumindest aus Entwicklersicht bietet OpenSocial fast unendlich viele Möglichkeiten, Applikationen für diverse Networks zu schreiben, ohne sich dabei ständig mit neuen Markup-Sprachen auseinandersetzen zu müssen.”
    • Ob auch ein Authentifizierungsmechanismus dabei sein wird, ist nicht ganz klar. Fischmarkt befürchtet, das könnte das Ende von OpenID bedeuten.

    Also: Open Social ist zunächst vor allem für Programmierer interessant, die Anwendungen für Social Networks schreiben wollen oder verschiedene Social Networks miteinander vernetzen wollen (Cem Basman nennt das “seamless social networking”, ich würde es eher “noserubbing” nennen). Aber damit ist noch nicht gesagt, dass das von Google für den 5. November angekündigte “Second Generation Social Network” (GoogleContacts?) nicht auf der Grundlage von Open Social das ein oder andere spannende Alleinstellungsmerkmal besitzen wird.

    Was könnte daraus entstehen?

    • Eine erhebliche Expansion des Marktes für Social Software-Applikationen
    • Sehr viele, differenzierte Nutzerprofile, die sich für gezielte Werbevermarktung nutzen lassen (à la Facebook Flyer). Durch die Vernetzung der Profile entsteht, so finyard, eine “unglaubliche Flut an persönlichen Daten, die sich wunderbar in personalisierte Werbung umwandeln lässt.”
    • Ein Soziales Netz der Netze, das zum Beispiel als Informationskanal genutzt werden kann (“Publicity Network“)
    • Ein Brücken-API, das früher oder später die Mobilität zwischen sozialen Netzwerken kontrollieren wird und Google eine weitere Monopolstellung ermöglicht (Andreas Göldi fasst das mit “Kontext ist King” schön zusammen)
    • Vielleicht, wie auch Robert Basic hofft, irgendwann eine stärkere Interoperabilität der Social Network Services, die bedeutet, dass ich die Dienste eines Netzwerkes auch aus einem anderen heraus nutzen kann.
    • Das Netzwerkparadigma wird sich weiter durchsetzen und Leuten wie mir, die sich mit der social network analysis befassen, viel Freude und harte Arbeit verschaffen. Yes!


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    Ich bin wirklich gespannt, ob Google mit dem morgen startenden “OpenSocial” (Link) es erneut schaffen wird, sich als verspäteter Einsteiger durchsetzen zu können. 1998 mit ihrer Suchmaschine, 2007 auf dem heißumkämpften Markt der Social Networks (damit ist vor allem gemeint: den nordamerikanischen und europäischen Markt, den in Südamerika sind Google mit Orkut bereits ganz vorne). Der Vergleich mit Yahoo drängt sich auf: das Unternehmen besaß schon länger ein Quasi-Netzwerk, das dann mit 360° eine einheitliche Identität bekam. Kürzlich versuchten sie dann, mit einer kuriosen Neuentwicklung namens Mash eine völlig neue Art des Social Networking zu erfinden, konnten sich damit aber nicht durchsetzen. Die Technorati-Grafik zeigt, wie schnell das Interesse abgeflacht ist:
    yahoo-mash.png
    Das sieht für Facebook im selben Zeitraum doch ganz anders aus:
    facebook1.png

    Interessant ist jedenfalls, dass Google für ihr OpenSocial einen offenen oder besser integrativen Ansatz verfolgt, der ähnlich wie noserub (hier ist mein Profil) darauf abzielt, unterschiedliche Netzwerke miteinander zu vernetzen: “OpenSocial is a set of common APIs for building social applications on the web”. Das könnte einen Schritt aus der bisherigen Walled Garden-Malaise des Web 2.0 bedeuten, dass man zwar sehr leicht seine eigenen Inhalte in einen Webdienst einspeisen kann, diese aber nur sehr schwer wieder dort hinaus bekommt.

    Wird es Google gelingen, einen Standard für den Datenaustausch zwischen sozialen Netzwerken zu definieren und eventuell sogar die Spielregeln des Social Networking-Spiels nachhaltig zu verändern, so wie es ihnen damals mit dem Suchmaschinen-Spiel gelungen ist? Mit Partnern wie XING, Friendster, hi5, LinkedIn, Plaxo, Newsgator und Ning dürfte das eine wirklich spannende Frage werden. Nach Richard MacManus könnten die Spielregeln in Zukunft wie folgt aussehen: “It’s Facebook vs MySpace vs The Rest – and The Rest is now operating under a Google framework.”

    Weitere Informationen gibt es:



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    Nun ist geschehen, was bereits seit geraumer Zeit in der Blogosphäre vermutet wurde. Ein Teil von Facebook gehört jetzt dem Microsoft-Konzern. Für 240 Millionen USD hat das Softwareunternehmen einen 1,6%igen Anteil unseres Lieblingszeitvertreibs aufgekauft. Damit liegt der momentane Gesamtwert von Facebook bei 15 Mrd. USD. Damit lag die NY Post, was den Deal an sich angeht, richtig, mit den Zahlen aber doch etwas daneben. Das Unternehmen dürfte jetzt über ausreichend Reserven verfügen, auch in Europa richtig Fuß zu fassen.

    UPDATE: Was meinen die Kolleginnen und Kollegen dazu?

    1. Klaus Eck ist gespannt, wie sich die finanziell gestärkte Netzwerkplattform weiter entwickelt und welche Rolle neue Werbeformen in Zukunft spielen werden.
    2. Robert Basic verleiht facebook das Gütesiegel “hottest shit” und verweist insbesondere auf die “Klebrigkeit” des Netzwerkes, die dazu führt, dass die Nutzer viel Zeit darauf verbringen. Was ich aber nicht ganz verstehe: Wo hörst du ein “Plopp”, Robert?
    3. Der Sichelputzer lenkt den Blick vor allem auf den Umgang mit den Nutzerdaten und fragt: “Das Fratzenbuch lebt nur davon, dass wir uns alle daran beteiligen und unsere Kontaktdaten dort freiwillig hinterlegen. Was haben wir denn bitte schön davon?”
    4. Marcel Weiß sieht den Deal eher positiv und scheint sich für Microsoft zu freuen, endlich einmal einen sinnvollen Gegenentwurf zu Google anbieten zu können.
    5. Fasst schon ins Erotische reicht der Beitrag von Nicolai Kuban, der den Deal als “Kuss” beschreibt. In dem Zusammenhang fällt mir ein: es gibt da so eine in Einführungsvorlesungen immer wieder zitierte Studie über die verschiedenen Stadien des Kennenlernens. Während ein Kuss in Europa eine relativ harmlose Geste ist, sehen Amerikaner darin schon eine eindeutige (wenn nicht sogar obszöne) sexuelle Handlung.
    6. Nicht ein Kuss, sondern eine Blase ist es dagegen bei Thomas Gigold, der in seinem Beitrag auch gleich die Frage stellt, wo das alles enden wird.
    7. dimension2k spricht von einem “Spaß”, den sich Microsoft mit der Übernahme geleistet hat, und zeigt sich skeptisch, ob Facebook eines Tages in Deutschland Xing überflügeln kann.
    8. Robert/Othertimes dreht die Frage geschickt herum und sucht nach Gründen dafür, dass Facebook lieber mit Microsoft als mit Google zusammenarbeiten will. Für ihn ist es nur folgerichtig, dass sich ein Unternehmen, dass eine Art “soziales Betriebssystem” des WWW werden will, mit einem echten Betriebssystemhersteller kooperiert. Interessanter Gedanke.
    9. Auf dem Kasi-Blog gibt es eine ausführliche Zusammenfassung einiger weiterer Positionen u.a. aus der englischsprachigen Presse. Darin taucht dann auch die Frage auf, ob dieser Deal möglicherweise der letzte Deal der Blase sein könnte (Erinnerungen an das letzte Mal gibt es hier)?


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    Denn jetzt bin ich überzeugt davon, dass in den nächsten Tagen in der SZ eine Ernährungswissenschaftlerin in einem großen Interview zu den Auswirkungen von schnitzlr auf den Ernährungszustand der Bevölkerung befragt werden wird.



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    Martin Weigert hat über die Möglichkeit berichtet, mittels der Facebook-Applikation Flyers Pro soziodemographische und Einstellungsdaten der Facebook-Nutzer zu gewinnen. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen, auch einmal ein paar soziodemographische Rahmendaten zu extrahieren. Zum Beispiel zur Geschlechterverteilung der Facebook-Nutzer in verschiedenen Ländern.

    • Das deutsche Facebook ist geschlechterneutral: Was das Geschlechterverhältnis angeht, unterscheiden sich die Facebook-Nutzer deutlich von den, sagen wir einmal, Besuchern eines Barcamp: nur 49,4% derjenigen, die zum Geschlecht eine Angabe gemacht haben (74,1% der “Germans”), sind männlich und 50,6% weiblich. Das entspricht ziemlich genau der Verteilung in der Bevölkerung insgesamt.
    • Die Hälfte sind Singles: So sieht es zumindest aus, wenn man die Verteilung auf die Kategorien betrachtet: 14,8% sind verheiratet, 0,3% verlobt, 35,4% in einer Beziehung und 46,6% Singles. Allerdings neigen womöglich Singles stärker dazu, in diesem Punkt eine Angabe zu machen, da sie eventuell auf diesem Weg Kontakte suchen. Insgesamt haben nur 54,4% der “Germans” hier eine Angabe gemacht.
    • Mehr männliche Singles: Obwohl das Geschlechterverhältnis sowie der Beziehungsstatus einigermaßen ausgewogen sind, unterscheiden sich die weiblichen und männlichen Nutzer deutlich in ihrem Beziehungsstatus: 53,5% der Männer geben an, Single zu sein, während 46,5% sich auf irgendeine Weise in einer Beziehung befinden. Bei den Frauen ist es genau umgekehrt: 41,7% sind Single gegenüber 58,3% in Beziehungen. Interessant, dass nur 65,8% der Nutzerinnen zu ihrem Beziehungsstatus eine Angabe machen und 70,0% der Nutzer.
    • Internationales Phänomen: Dass es sich hierbei nicht um ein deutsches Phänomen handelt, zeigt der Blick ins Ausland. Auch in den USA überwiegen die weiblichen Facebook-Nutzer (54,8%), während die Singlequote bei den Männern mit 61,2% deutlich über der weiblichen Singlequote (46,5%) liegt. In Frankreich sieht es ähnlich aus: 52,4% der Nutzer sind weiblich. 52,8% der männlichen Nutzer geben an, Single zu sein, aber nur 41,9% der weiblichen Nutzer. Auch in Kanada, UK, Irland, Niederlande, Schweden, Schweiz, Italien, Spanien, Südafrika, Malaysia, Singapur, Australien, Neuseeland, China, Japan, Kolumbien, Mexiko und der Dominikanischen Republik überwiegen die weiblichen Nutzer. Nur in Ägypten, Israel, Libanon, Saudi-Arabien, VAE, Indien, Pakistan und der Türkei sieht es anders aus: dort überwiegen die männlichen Nutzer – aber nur leicht.

    Das ist natürlich nur eine von mehreren Variablen, die sich mit der Applikation beschreiben und zielgerichtet für die Platzierung von Werbung ansteuern lässt (siehe auch Techcrunch):

    Abbildung oben: Pierre-Auguste Renoir, Der Tanz in Bougival, 1882–1883, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH



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