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Twitter überholt die NY Times

Was schon länger in diversen Analystenblogs vorhergesagt wurde, ist nun geschehen: der Traffic auf twitter.com hat den Traffic auf dem Onlineangebot der New York Times deutlich überholt:

Im April 2009 hat Compete für Twitter 19,4 Mio Unique Users ermittelt gegenüber nur 15,6 Mio für die New York Times. Dazu kommt freilich noch eine wahrscheinlich noch einmal so große Zahl von Menschen, die Twitter über eine der zahlreichen Clients verwenden – und im Fall der New York Times noch eine vermutlich geringere Anzahl von Leuten, die ihre Zeitung über RSS lesen. Dazu kommt: Die Besucherzahlen der New York Times stagniert, während Twitter weiter wächst.
Doch wenn man dieses Wachstum in Relation zu den wirklich großen Seiten wie Google oder Facebook setzt, verändert sich der Eindruck etwas.

Facebook z.B. liegt mit 104,1 Mio Unique Users weit vor Twitter – und kann sogar eine noch steilere Wachstumskurve vorweisen. Da auch Facebook mittlerweile stark von den Statusmitteilungen lebt, könnte man als Indiz dafür lesen, dass für das “Twittern” längst nicht mehr die namensgebende Plattform entscheidend ist (und noch viel weniger die ursprünglichen Konkurrenten wie Pownce oder Jaiku), sondern dass die großen Networks diese Kommunikationsform an sich gezogen haben.
Diese Zahlen beziehen sich darüber hinaus auf den US-Markt. Die Nutzung in Deutschland wird von Compete nicht erhoben. Hier kann man aber einen Eindruck gewinnen, wenn man sich die Zahlen von Googles AdPlanner ansieht. Twitter kommt hierzulande auf etwa 1 Mio Unique Users, und die Süddeutsche Zeitung mit 3,1 Mio Besuchern liegt hier noch deutlich vorne. Noch. Auch hier hat Facebook etwa fünfmal mehr Besucher.
Aber StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ kommen laut AdPlanner insgesamt sogar auf 18 Mio Besucher im Monat. Da StudiVZ seit kurzem ebenfalls ein Kurzmitteilungssystem namens “Buschfunk” besitzt, könnte es durchaus sein, dass früher oder später die VZ-Gruppe das meistgenutzte Microbloggingsystem in Deutschland besitzt.



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    Ich habe gerade testweise einmal zwei FriendConnect-Widgets von Google in die Seitenleiste des Blogs eingebaut. Das erste verwandelt dieses Blog in eine Social Community, der man mit seinem Google-Profil beitreten kann. Wenn man die entsprechende Aktion in seinem Profil ankreuzt, wird auch ein Aktivitätsstream erzeugt.




    Welche Aktivitäten werden in den FC Google-Widgets angezeigt? Die kommen aus dem zweiten Widget, dem Kommentarfeld (oder wahlweise auch Shoutbox oder Wall). Dort kann man entweder angemeldet oder nicht angemeldet Kommentare hinterlassen, auf andere Kommentare reagieren oder sich die Profile der (angemeldeten) Kommentierenden ansehen:


    Was bedeutet das?

    • Dezentralisierung: Im Prinzip ähneln die Widgets dem, was man auch schon von Disqus oder Friendfeed kennt – siehe dazu auch die lange Diskussion “The Conversation has left the Blogosphere“, die Anfang des Jahres vor allem in den USA geführt wurde. Mit FriendConnect wird diese Debatte wieder neu aufflammen: Welche Folgen hat es, wenn die Kommentare der eigenen Blogeinträge nun auf Google und nicht mehr auf dem eigenen Server gespeichert werden?
    • Dialogifizierung: Allerdings ermöglicht FriendConnect das Einbauen dialogischer Web 2.0-Elemente auch auf klassische Web 1.0-Seiten. Einfach das Widget einfügen und schon hat man eine statistische Webseite in eine Community oder einen Dialog verwandelt. Dieser Eindruck wird auf jeden Fall vermittelt.
    • Expansion: Noch besitzen nur wenige meiner Kontakte ein öffentliches Google-Profil, aber über Googles Social Graph findet man schon zahlreiche personenrelevante Daten (zum Testen einfach einmal hier die URL des eigenen Blogs oder Friendfeedaccounts eingeben). Vielleicht gelingt Google damit besser, was auch Yahoo und Microsoft versuchen: ihre Emailnutzer in Adressen sozialer Netzwerke verwandeln. Die Frage ist, ob hier nicht Facebook – Googles größter Konkurrent auf dem Gebiet Social Graph derzeit – die besseren Karten hat, denn hier bestehen bereits Netzwerke, die sich in der Tat sinnvoll auf andere Netzwerke übertragen ließen.
    Die große Frage lautet auch hier: Erfüllt dieser Dienst ein tatsächliches Bedürfnis der Internetnutzer? Das Interaktiv-Machen von Webseiten? Geht mit einem Blog besser. Die anderen Wohltaten, die FriendConnect verspricht (zum Beispiel das Sammeln von Kontakten im eigenen Social Graph), erscheinen mir hier viel zu umständlich realisiert, um eine breite Benutzergruppe anzusprechen.
    Das nächste große Ding wird Google Friend Connect wohl nicht werden. Was hingegen wirklich gebraucht wird, ist ein Protokoll oder Dienst, das es ermöglicht, sich mit seinen Bekannten, Freunden und Kollegen zu vernetzen, ohne dass die Technik dazwischensteht. Ein Netzwerkmedium, das die sozialen Beziehungen in den Vordergrund rückt und selbst als Medium gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Social Networking-Plattformen, aber auch der Microbloggingdienst Twitter oder Blogs allgemein, gehören immer stärker in das Repertoire von Alltagspraktiken, die es uns ermöglichen, mit Menschen in Kontakt zu treten. Langsam wird es Zeit, die dafür benötigten Technologien unsichtbar zu machen.
    Ein Freund ist ein Freund. Egal, ob auf Facebook, Twitter oder StudiVZ. Eine Anwendung, die dazu in der Lage ist, dieses Grundgesetz sozialer Medien in eine Praxis zu verwandeln, hat das Zeug, zum next big thing zu werden.

    Siehe dazu auch:



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  • Social Media Marketing in Deutschland

    Wie lassen sich soziale Medien für Marketingzwecke einsetzen? Das Buch “Groundswell” von Charlene Li und Josh Bernoff ist voll mit Beispielen davon und die Listen von Peter Kim oder Jeremiah Owyang, der auch eine sehr spannende Liste mit Negativbeispielen (“Brands that Got Punk’d by Social Media”) pflegt, scheinen von Tag zu Tag länger zu werden.

    Und hierzulande? Auch in Deutschland bemerken immer mehr Unternehmen, dass mit dem Anbruch des Internetzeitalters auch neue Formen der Kommunikation mit den Leuten erforderlich wird: Brand Communities, Netnography und Social (Media) Marketing sind Schlagworte, die auf diese neue Wahrnehmung hinweisen. Das Ziel klingt auf dem ersten Blick gar nicht so abgefahren: den Leuten zuhören, sie versuchen zu verstehen und mit ihnen in ein Gespräch kommen, von dem beide Seiten profitieren können. Was das aber impliziert, wenn man es ernst meint, kann man kaum unterschätzen: Ich finde, Kai-Uwe Hellmanns Formulierung einer “Unternehmenskulturrevolution” trifft das sehr gut.

    Es folgt eine Liste von Beispielen für Social (Media) Marketing aus dem deutschsprachigen Raum (Ergänzungen in die Kommentare oder per Twitter an mich):

    UPDATE (3.12.2008): Neue Fallbeispiele von Coca Cola, Daimler Benz, Deutsche Telekom, General Motors, Herbert-von-Halem-Verlag, Klett-Cotta, Pons
    UPDATE (9.12.2008): Neue Fallbeispiele von Cirquent, Nike, Siemens, Tele 5, Zanox

    Aber das können noch nicht alle gewesen sein. Wer fehlt?


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  • Stapelverarbeitung – 16.4.2008

    Der Stapel für heute enthält wieder einmal einiges zu Twitter, aber auch ein paar grundsätzliche Gedanken zum Web 2.0 bzw. Social Media.

    Mythen des Web 2.0

    John Dodds hat ein klein wenig Diskursforschung betrieben und die fünf besten erfundenen Wörter des Web 2.0 zusammengestellt: Conversation, Community, Relationship, Content und Authenticity. Diese Begriffe werden jedoch viel zu häufig missverstanden: Web 2.0 bedeutet für ihn eine Rückkehr zur “guten alten” Kundenorientierung auf Grundlage einer gesteigerten Reaktionsfähigkeit. Was sich aber nicht ändert: die Kunden. “It doesn’t mean that your customers want a conversation with you. They generally want a quiet life without unwanted noise from you.” Zu so einem Ergebnis kommt man aber nur, wenn man die empirisch gut belegte Veränderung in der Mediennutzung der Menschen ignoriert.

    Corporate-Twitter

    Allmählich entdecken die Unternehmen die mit Twitter mögliche Instantkommunikation (sowie: die dort Tag für Tag erreichbare Premium-Zielgruppe). Daniel Riveoung hat sich das näher angesehen. Mit dabei sind z.B. schon H&R Block, 10 Downing Street, Zappos, BBC News, Yahoo Marketing, Amazon.com oder der LaGuardia-Flughafen in New York. Warum twittern sie alle? Zum einen ist das eine Gelegenheit, sich auf praktischem Wege Knowhow für die Verwendung von Social Media anzueignen. Zum anderen bekommen sie dort mit, wie die “Linkerati”, also die “bleeding edge of early adopters” ticken. Über Twitter können sich Unternehmen überdies ein menschliches Antlitz geben, zum Beispiel indem sich Corporate Twitterer ab und zu an Nonsense-Gesprächen (“occasional fart-related humour”) beteiligen. Aber auch als Mikro-Presseverteiler und für das Reputationsmonitoring lässt sich Twitter einsetzen. Wann twittern Merkel, Fraport oder die Deutsche Bank?

    Social Media-Experte

    Wenn man einen Blick auf Netzwerke wie Xing wirft, dann gewinnt man den Eindruck, dass dieses Land geradezu vor Expertise strotzt. Social Media-Experten überall. Doch was sollte ein Social Media-Experte eigentlich alles wissen und können, damit diese Bezeichnung gerechtfertigt ist? Chris Brogan hat in seiner Reihe “100 nützliche Blogposts über Social Media” einige Anhaltspunkte für die Beantwortung dieser Frage gegeben. Er unterscheidet zwischen strategischen Fähigkeiten (z.B. integrierte Medienkampagnen durchzuführen, 100 Leute aus dem Bereich kennen oder den Stand einer Community in 2 Minuten zusammenfassen zu können) und technischen Fähigkeiten (z.B. Blogsoftware installieren, Social Networks nutzen können oder Suchmaschinenoptimierung). Mal sehen, wie lange es dauert, bis diese Fähigkeitsliste in die amtlichen Beschreibungen der Bundesagentur für Arbeit Eingang findet.

    Das kuratierte Netz

    Fred Stutzman erkennt: Das Web 2.0, das für ihn das Ende der Ressourcenknappheit darstellt (Speicherplatz, Rechenpower, Zugangsschwellen), benötigt digitale “Kurateure” (oder Redakteure), die mit diesem Überfluss umgehen können. Die Zukunft liegt in kleinen, überschaubaren weil handverlesenen Netzwerken wie Twitter, Tumblr oder Seesmic und nicht in großen überkomplexen monolithischen Plattformen wie Facebook. Die Technologien sind nicht mehr das Problem, sondern der kreative Umgang damit. Dafür verwendet er dann den Lévi-Strauss’schen Begriff der “Bricolage“: “To this extent, the fuel of the next web is bricolage, as opposed to the more inherently techno-capitalist notions of mashup and remix.”

    Twitter als Radiogerät

    Hartmut Wöhlbier sieht durch Aggregatoren wie Friendfeed, Socialthing und demnächst auch Facebook einen “volatilen Kommunikationsraum einer völlig neuen Art” entstehen: “Mit der Authentizität der Lifestreams vergegenwärtigt sich die Person bei anderen und bildet so eine verteilte Präsenz aus: Man wird von verschieden Menschen an verschieden Orten wahrgenommen und tritt mit diesen wiederum in Kontakt.” Anzumerken ist, dass die Möglichkeit, Informationen rundfunkartig beliebigen Personen zur Verfügung zu stellen, nichts neues ist (Stichwort: Fernsehen). Neu ist jedoch, dass dies nun für (fast) jeden möglich ist, und zwar “zeitnah von jedem Ort”. Mit Flusser gesprochen: Es geht also um eine Konvergenz amphitheatralischer Diskursmedien wie dem Fernsehen und ortsungebundenen Dialogmedien wie der SMS.



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    Wieder ein paar subjektive Lesenotizen zu den jüngsten Äußerungen aus meinem Feedreader. Eine Verneigung vor einem der beiden Ursprüngen des Bloggens.

    • Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hat sich in einer Studie dem Thema Social Networks gewidmet. Die Ergebnisse in Kurzform: 85 Prozent der Internetintensivnutzer sind Mitglied in sozialen Netzwerken. 70 Prozent der Befragten sehen ihre Mitgliedschaft als langfristiges Commitment und wollen ihrem wichtigsten Netzwerk “für immer” bleiben. Mitgliedsbeiträge werden dabei weniger akzeptiert als Werbeeinblendungen. Das Durchschnittsalter der Communities liegt zwischen 23 und 47 Jahren. Etwas verwunderlich: Die Forscher kommen auf ein SchülerVZ-Durchschnittsalter von 23 Jahren – handelt es sich in Wirklichkeit um ein Abendschüler-Verzeichnis?
    • Small News – Big News. Schon einen Tag später gibt es die erste Antwort auf Jeff Jarvis’ “Pressesphärenmodell” (siehe gestern). Steve Boriss ist wenig überzeugt davon, dass wir uns nun alle in “Nachrichtenathleten” verwandeln, die aktiv nach Nachrichten suchen und dabei “a taste for the work of amateurs – amateurs in their topic areas and in their writing skills” ausbilden. Seiner Meinung nach bleibt der Einfluss von Social Software auf “small news” begrenzt, also auf Nachrichten aus Familie oder Freundeskreis, wie sie z.B. per Facebookstatusmeldungen verbreitet werden. “Big news” werden sich nur insofern verändern, als die Aufgabe und Verantwortung der “middlemen” komplexer wird: Nachrichten verbreiten kann jeder – in der Schaffung von Mehrwert liegt die Herausforderung. Das ist richtig, aber die Konvergenz von Tageszeitungen und Blogs geht weiter und schafft neue “dialogische Inseln” in der Nachrichtenwelt.
    • Die Antwort auf die Relevanzfrage lautet: Acht. Zumindest für SevenOne Media, die Relevanz als Antwort auf die Frage, “Wie viele Internet-Seiten gibt es, die sie regelmäßig besuchen?”, operationalisieren. Das Ergebnis: “Deutsche besuchen acht Seiten regelmäßig”. Männer sind etwas experimentierfreudiger: fast ein Viertel besucht regelmäßig 11 und mehr Seiten im Internet. Ebenfalls interessant: mit steigendem Alter wächst der Anteil derjenigen, die über Zeitung und Zeitschriften auf neue Internetseiten aufmerksam werden. Zugleich sinkt der Anteil der Empfehlungen durch Bekannte, Freunde und Kollegen. Das Internet der Jugendlichen ist sozial eingebettet.
    • Wieder eine Twitter-ist-das-neue-Email-Meldung: Diesmal von Marcus Bösch (Deutsche Welle), der mit extensivem Namedropping seine subkulturelle Kompetenz demonstriert. Aber wenn immer wieder von dem “weltweite[n] vielstimmige[n] Gezwitscher und Geschnatter” die Rede ist, merkt man, dass hier das wesentliche nicht begriffen wurde: bei Twitter geht es nicht um die weltweite Reichweite, sondern darum, seine Stammesgenossen zu erreichen. Twitter ist digitaler Neotribalismus.
    • Und noch etwas zum Thema Twitter: Cem Basman hat acht Interviews mit leidenschaftlichen Twitterern geführt, um hinter das Geheimnis dieser neuen Kommunikationsform zu kommen. Sein Vorschlag: “Twitter findet in den Köpfen statt. Nicht in der Software.” Als Neal Stephenson-Fan könnte man natürlich auch formulieren: “Twitter ist die Kommandozeile für die Schwarmintelligenz”.
    • Löschversuch: Jan Schmidt weist im Berliner Journalisten darauf hin, dass sich nur ein geringer Teil der Blogger als Konkurrenz zum professionellen Journalisten sieht. Der größte Teil begnügt sich damit, “persönlich Öffentlichkeiten” zu erreichen, beschränkt sich also auf die oben erwähnten “small news”. Sein Fazit: “Eine Überhöhung von Weblogs zur gesellschaftlichen Gegenöffentlichkeit wie umgekehrt die Banalisierung ihre Inhalte als ‘Laienjournalismus’ hilft deswegen nicht weiter, sondern erschwert den Blick auf die tatsächlichen Veränderungen in den vernetzten und individualisierten Öffentlichkeiten des Internets.” Dieses “Bürgerbloggen” ist aber nur eine Seite Medaille. Daneben kann man auch die allmähliche Verbloggung des Journalismus betrachten. Dann werden genau die semi-professionellen Blogs interessant, die Jan ausklammert.
    • Zum Schluss noch eine kurze Meldung in eigener Sache: In der Arbeitsgemeinschaft Social Media (Facebook-Gruppe) arbeiten nun etwa 40 Personen aus Wissenschaft, Marktforschung, Werbeagenturen, werbetreibenden Unternehmen und BloggerInnen in einem Wiki gemeinsam an einer Satzung für eine “Arbeitsgemeinschaft Social Media e.V.” Nach der Gründung wird eine technische Arbeitsgruppe das schon in Grundzügen bereitstehende Basisvokabular Social Media für eine technische Erfassung operationalisieren. Anfragen bitte per Email an kontakt (at) ag-sm.de.


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  • Über Twitter: Identitäts-, Beziehungs- und Wissensmanagement mit Microbloggingdiensten

    Wittgenstein 2.0:
    Was sich überhaupt sagen läßt,
    läßt sich twittern.

    off_the_record (via Twitter)

    Jan Schmidt hat (z.B. hier) für seine Analysen der Blogosphäre ein Analyseraster entwickelt, das drei Grundfunktionen von Social Media im Allgemeinen und Blogs im Besonderen unterscheidet:

    • Identitätsmanagement: Meistens ist das persönliche Blog, sofern es nicht anonym geführt wird, einer der ersten Treffer bei der Googlesuche nach einer Person (der bekannte Blogbias der Suchmaschinenöffentlichkeit). Deshalb spielen die dort präsentierten Informationen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, sich ein Bild dieser Person zu machen. Blogs sind also ein Instrument der Selbstdarstellung. Mit ihrer Hilfe kann man sich so darstellen, wie man nach außen wirken möchte (bei Goffman heißt das “presentation of self in everyday life“). Das gilt natürlich auch für andere digitale Identitäten von der klassischen Homepage über das Xingprofil bis zum Lifefeed, aber aufgrund der großen Sichtbarkeit und einfachen Aktualisierung haben Blogs hier eine prominente Bedeutung erlangt.
    • Beziehungsmanagement: Dieser Punkt lässt sich aus dem vorangegangenen Punkt ableiten. Selbstdarstellung ist immer ein sozialer Akt. Sie bedarf eines Publikums, einer Bühne. Weblogs dienen deshalb schon in ihrer einfachsten Erscheinungsform als digitales Tagebuch als Beziehungswerkzeug. Denn auch wenn man nicht explizit für ein Publikum schreibt, die Wahl des Internets als Medium der Selbstdarstellung nimmt Sozialität zumindest in Kauf. Die sich in der Blogosphäre entwickelte Kultur der Verlinkung (culture of links) fördert diesen Charakter noch, insbesondere durch das automatisierte Setzen von Referenzen (Trackbacks und Pingbacks) sowie die Neigung vieler Blogger, ihr soziales Kapital, das mit Angeboten wie Technorati direkt quantifizierbar scheint, zu vermehren.
    • Informations- oder Wissensmanagement: Die beiden ersten Punkte skizzieren die Entwicklung vom digitalen Tagebuch zur entwickelten, gut vernetzten Blogosphäre. Aber man kann die Geschichte der Weblogs auch von einem anderen Startpunkt aus erzählen: der kommentierten Linkliste. In viele frühen Noch-nicht-ganz-Blogs wie zum Beispiel denen von Tim Berners-Lee oder Marc Andreessen bestanden die Einträge aus einer Sammlung Hyperlinks, die teilweise mit kurzen Kommentaren versehen waren, in etwas so wie die gegenwärtigen del.icio.us-Feeds. Hier geht es weniger um Identität oder soziale Beziehung, sondern der Fokus liegt hier auf dem Archivieren und Dokumentieren von Wissen. Diese Funktion findet man auch in vielen zeitgenössischen Weblogs wieder, so lassen sich meine viralmythen auch als elektronischer Zettelkasten betrachten und dienen auch der Vermittlung und Vernetzung von Wissen.

    Keine der drei Funktionen ist neu. Die eigene Identität lässt sich auch über ein papiernes Tagebuch konstruieren, Beziehungen per Visitenkartenaustausch pflegen und Wissen lässt sich in Büchern speichern oder in Briefen austauschen. Weblogs sind jedoch eine ungewöhnliche Kulturtechnik, in der diese drei Funktionen konvergieren und sich gegenseitig steigern lassen.

    Nun stellt sich die Frage, ob das alles auch für Mikrobloggingtechniken wie Twitter, Pownce oder Jaiku gilt. Also: Wie sehen Identitäts-, Beziehungs- und Wissensmanagement im mikrobloggerischen Kontext aus?

    • Identitätsmanagement: Ebenso wie mit Blogs lässt sich auch per Twitter die eigene Identität konstruieren und repräsentieren. Nur: 140 Zeichen sind natürlich viel zu wenig, um komplexe Gedankengänge auszudrücken, so dass es hier meist bei stenographischen Äußerungen bleibt, die sich immer wieder auf neue Technologien, Orte, Fernsehsendungen und Internetseiten beziehen. Viele Twitterati stellen ihre eigene Identität dementsprechend als technikkompetente, hypermobile, prokrastinierende Internetavantgarde mit einem chronisch untererfüllten Schlafbedürfnis dar (“3 Stunden Schlaf ist einfach zu wenig auf Dauer”).

      Bemerkenswert ist die Tatsache, dass man sich hier weniger als das Darstellt, was man ist oder erreicht hat (vergleiche die doch recht konventionellen Lebensläufe bei Facebook oder Xing), sondern als das, was man im Moment tut oder denkt. Für Psychologen ist es nichts neues, aber hier kann man das ganz konkret erfahren: Identität als Prozess.

    • Beziehungsmanagement: Mikrobloggen ist sozial. Vielleicht sogar etwas zu sozial. Denn wenn man nur die Statusmeldungen (“Tweets”) einer Person beobachtet (“follow”), dann wird man schnell bemerken, dass diese für sich nicht entschlüsselbar sind. Immer wieder (unter meinen Twitterkontakten variiert zwischen 1/5 und 1/4 liegen) taucht das Zeichen “@” auf, das für Reaktionen auf andere Tweets steht. Ohne die Ursprungsnachrichten sind diese Tweets unverständlich.

      Insofern besteht ein epistemologischer Anreiz zur Sozialität: Je mehr Kontakten man followt, desto mehr vollständigere Konversationen bekommt man mit (dem ist natürlich aufgrund der Netzwerkstruktur nicht so, denn mit jedem neuen Kontakt kommen neue unvollständigere Gespräche dazu). Mit Twitter lässt sich aber auch eine basale Kontaktpflege betreiben, da es die Grundfunktionen eines Social Networks besitzt (Profil, Kontakte hinzufügen und bestätigen, Avatare).

    • Wissensmanagement: Die Funktion des Wissensmanagements lässt sich mit Twitter, so hat es zunächst den Anschein, denkbar schlecht erfüllen. Denn es gibt nur rudimentäre Möglichkeiten, eigene oder fremde Nachrichten zu speichern und vor allem wiederzufinden. Die einzige Möglichkeit, die Twitter von sich aus mitbringt: Man kann bestimmte Nachrichten anderer Twitterati als Favorit abspeichern. Mittlerweile hat sich aber auch das Taggen von Nachrichten mit Hashtags (z.B. “#politik“) durchgesetzt und wird von Drittanbietern unterstützt, die sich der Twitter-Datenschnittstelle (API) bedienen. Dasselbe gilt für die Suche, auch hierfür gibt es mittlerweile Lösungen. Dennoch: Als digitales Notizbuch lässt sich Twitter schon aufgrund der Beschränkung auf 140 Zeichen nur schwer einsetzen.

      Aber: denkt man nicht nur in den klassischen Kategorien von Informationsspeicherung und -retrieval, dann lässt sich hier doch ein interessantes Potential von Twitter und anderen Mikroblogs erkennen: Die fragmenarischen, oft aphoristischen Meldungen sind immer wieder für Irritationen oder Anregungen gut (bisweilen erinnert das an Brian Enos Oblique Strategies), zudem erhält man auf diese Weise, je nachdem wer die eigenen Kontakt sind, täglich unzählige Links auf andere Internetseiten (Wissen in Gestalt von Hyperlinks). Die unvollständige Sozialität hat auch Folgen für das Wissensmanagement, denn oft sind interessante Gedanken erst in der Abfolge mehrerer – und vor allem verteilter! – Tweets erkennbar. Es kommt zu einer Sozialisierung des Wissens, einem sozialen sechsten Sinn, der sich durchaus in Richtung des Teilhard’schen Noosphäre denken lässt.

    Letztlich lässt sich, glaube ich, recht plausibel die These vertreten, dass auch per Twitter, Pownce und Jaiku Identitäts-, Beziehungs- und Wissensmanagement möglich sind. Aber die Einschränkung auf 140 Zeichen, die nur rudimentäre Vernetzung (es gibt zwar Permalinks, aber Antworten werden auf Personen, nicht Nachrichten bezogen, außerdem fehlen Track- und Pingbacks) sowie das nur wenig ausgearbeite Informationsretrieval lassen das Microblogging zunächst als defizitäre Variante des richtigen “Voll-Bloggens” erscheinen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass in diesen Einschränkungen gerade auch der Reiz und die Innovativität dieses Systems liegen, die Schlagworte lauten: Identität als Prozess, unvollständige Sozialität, aphoristisch-fragmentarisches Wissen. Für Twitter-Soziologen scheint genügend Material da zu sein.

    Nebenbei: Hier geht’s zu meinem Twitter-Feed



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    sw-horz-w3c.pngVor wenigen Tagen zitterten Blogosphäre und Web2.0 vor Aufregung: Yahoo, so hieß es, würde große Nachrichten bekanntgeben, die das Netz zu einem besseren Ort machen würde. Also konnte es schon einmal nicht um die Übernahme durch AOL gehen. Tatsächlich gab Yahoo am Freitag bekannt, dass das Unternehmen sich von nun an als Evangelist des Semantic Web betrachten will.

    Worum geht es im Semantic Web? Die grundlegende Idee ist schnell erzählt: Die Informationen, die wir auf unseren Homepages, in unseren Blogs und Social Networks hinterlegen, sollen maschinenlesbar werden. Die nur für Menschen entzifferbare Aussage “X ist ein Kollege von mir” soll nun zusätzlich mit Hilfe von Mikroformaten wie XFN (kurz für “XHTML Friends Network”) oder FOAF (Akronym für “Friend of a Friend”) derart ausgezeichnet werden, dass ein entsprechender Parser sie verstehen kann. Das kann dann zum Beispiel so aussehen (“friend met” verweist hier auf eine befreundete Person, die der Verlinkende schon im wirklichen Leben getroffen hat):


    <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/" rel="friend met">Marcs Wissenswerkstatt</a>

    Davon erhofft man sich einen besseren Zugriff auf die im Web 2.0 gespeicherten Informationen. So könnte man zum Beispiel mit Personensuchmaschinen auf diese Weise nicht nur erfahren, auf welchen Internetseiten der Name einer Person auftaucht, sondern zudem auch Dinge wie: die eigene Homepage der Person, die Seiten seiner Freunde und Arbeitskollegen, seine Profile bei Facebook, Twitter, Xing usw. Es geht also um die Übertragung der realen Beziehungsnetzwerke (“everyone’s connected”) in die digitale Sphäre (“social graph”). Das Internet wird dadurch sehr viel enger und aussagekräftiger verlinkt als bisher:

    Linked Data is about using the Web to connect related data that wasn’t previously linked, or using the Web to lower the barriers to linking data currently linked using other methods.

    So praktisch das sein mag, wenn es darum geht, seine Freunde und Bekannte im Netz ausfindig zu machen – ganz abgesehen davon, dass ein derart ausgezeichnetes Netz die wildesten Träume vieler Netzwerkanalytiker übertreffen würde –, so problematisch ist diese Entwicklung, was die Missbrauchmöglichkeiten betrifft.

    Was geschieht, wenn meine Seite (und damit meine virtuelle Identität) mit einer Person aus organisiert-kriminellem oder terroristischem Umfeld per Mikroformat verknüpft werden? Die Stärke eines dezentralen Systems (es gibt keinen “Datenbankadministrator, der Gott spielen kann”) werden hier zur Schwäche. Denn: Wer garantiert, dass die Verbindungen zu meiner Person, die auf anderen Webseiten formuliert werden, auch tatsächlich zutreffen? Denn die meisten dieser Formate sind, anders als LinkedIn-, Xing- oder Facebook-Freundschaften, nicht nur dezentral, sondern auch unidirektional, d.h. sie müssen nicht bestätigt werden.

    Verschärft wird dieses Problem noch durch die Permanenz des Internet: wenn einmal an einer Stelle eine Beziehungsaussage über mich getroffen wurde, kann diese möglicherweise nicht mehr gelöscht werden, da sie über Archive aufgefunden werden kann (so scheint das Google Social Graph API, kurz: SGAPI, Beziehungsdaten zu cachen) oder bereits in zahlreiche FOAF-Datensätze auf anderen Seiten integriert wurde. Denn eine sinnvolle Möglichkeit, Beziehungsclaims zu zitieren (“Ich sage, dass Markus gesagt hat, Anne ist mit Peter befreundet”) gibt es meines Wissens noch nicht.

    Das hat zur Folge, darauf hat danbri in seinem VortragSocial Network Portability” am 1. März in Cork hingewiesen, dass derartige Aussagen nicht als Tatsachenaussagen betrachtet werden dürfen, sondern nur als Behauptungen (“Claims”). Ein Semantic Web-Parser muss also in Betracht ziehen, welche Person hinter einer FOAF-Aussage steckt.

    Einen möglichen Ausweg stellen Systeme wie SPARQL (kurz für “SPARQL Protocol and RDF Query Language”) da, die nicht nur die Aussagen aus dem semantischen Netz ziehen, sondern sich darüber hinaus auch dafür interessieren, an welcher Stelle und von welchem Akteur die Aussagen gemacht wurden. Hier geht es also nicht nur um die Frage: “Wer ist mit Peter befreundet?” sondern um “Wer sagt, dass Anne mit Peter befreundet ist?”

    Momentan laufen erste Versuche, WordPress SPARQL-freundlich zu machen (“SparqlPress”). Damit werden zwei Ziele verfolgt: zum einen über einzelne Blogs Daten bereitzustellen, die mit SPARQL abgerufen werden können. Dadurch kann dann zum anderen das eigene Blog in eine automatisch aktualisierte Kontaktdatenbank verwandelt werden. Auf Grundlage der eigenen Kontaktliste können dann Aktivitätsströme erstellt werden, ähnlich zu den Facebook- und Xing-Statusmeldungen oder zu neuen Lifestream-Diensten wie Friendfeed. Mit dem FOAFnaut gibt es auch schon ein graphisches Interface, um das eigene FOAF-Kontaktnetzwerk zu visualisieren.

    Wahrscheinlich lassen sich die Veränderungen, die sich durch die allmähliche Etablierung des Semantischen Netzes für das digitale Identitäts- und Beziehungsmanagement ergeben werden, überhaupt noch nicht in ihrer ganzen Tragweite erkennen. Zwei Punkte scheinen mir jedoch absehbar:

    • Klar ist, dass die in diesem Ausmaß noch nie da gewesene Archivierung und öffentliche Zugänglichkeit von Beziehungsdaten das digitale Identitäts- und Beziehungsmanagement zu einer sehr viel komplexeren Aufgabe machen wird. Das Prinzip “security through obscurity” wird es für diesen Bereich nur noch rudimentär geben: meine sozialen Beziehungen sind nicht mehr Teil der Privatsphäre, sondern öffentlich einsehbar.
    • Das professionelle Reputationsmanagement wird ein sehr wichtiges Geschäftsfeld werden, da für den Normalbürger die Kanäle gar nicht mehr absehbar sind, über die Informationen über die eigene Person verbreitet werden. Früher konnte man sich schon denken, wer ein Gerücht in die Welt gesetzt hat, heute sind es anonyme Maschinen, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen kombinieren und als Ergebnis dann z.B. ein mit Ortskoordinaten versehenes Bild der eigenen Familie ausspucken.
    • Zugleich wird sich dadurch auch das Wesen der Suchmaschinen verändern, die nicht mehr allein zum Abrufen von Textinhalten genutzt werden können, sondern auch zum Abfragen von Beziehungsdaten.

    Frei nach Kisch könnte man also schlussfolgern: Mit den Möglichkeiten des Semantischen Netz wird das Leben schöner, aber unsicherer.



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    Nach zwei Tagen ist der Buzz um das neue Netzwerk meinVZ auch schon wieder vorüber. Auch die damit verbundenen Netzwerke studiVZ und schülerVZ, die ebenfalls von dem Buzz profitieren konnten sind wieder auf ihre normalen Werte zurück, wie der Blick auf das aktuelle Diagramm zeigt:

    Nun liegt wieder MySpace als meistdiskutiertes Netzwerk vorne, gefolgt von Facebook. Bemerkenswert ist allerdings, dass es die deutschsprachige Internationalisierung von Facebook nahezu überhaupt nicht geschaft hat, die Blogosphäre zum Brummen zu bringen. Vielleicht hat sich der meinVZ-Buzz schon allein deshalb für die Holtzbrinck-Gruppe gelohnt, weil er diese Nachricht der Konkurrenz “auslöschen” konnte? Da sich mit dem hier verwendeten Tool leider noch keine Aussagen treffen lassen, ob es ein positiver oder negativer Buzz ist, gibt es auch keine Auskunft darüber, ob sich an den Imageproblemen von studiVZ und schülerVZ, die ethority herausgefunden haben, etwas geändert hat.



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    meinvz.pngErst lässt man die Blogosphäre ein wenig über den genauen Namen des künftigen StudiVZ für Ex-Studenten spekulieren, dann geht man gegen die Verwendung der Buchstabenkombination VZ vor und schließlich dann die große Enthüllung des neuen Netzwerks meinVZ.

    Wenn man den Buzz beobachtet, den diese Ereignisse in der letzten Zeit in der deutschsprachigen Blogosphäre erzeugt haben, kann man nur zu dem Ergebnis kommen, dass die Strategie zumindest in dieser Hinsicht aufgegangen ist:


    (Monatsansicht)


    (Wochenansicht)

    Gerade die Marke studiVZ, die bisher, was die Erwähnungen in der deutschsprachigen Blogosphäre betrifft, hinter Facebook und MySpace an dritter Stelle gelegen ist, hat sich dadurch an die erste Stelle katapultiert. Dieser Buzz nützt aber auch der Konkurrenz, die dadurch ebenfalls wieder ins Gespräch kommen und zum Teil neue Februar-Höchstwerte erreichen können. Der meinVZ-Hype könnte sich also zu einem neuen Community-Hype entwickeln. Betrachtet man den Querschnitt für gestern und heute, dann erwähnen zwei von drei Blogbeiträgen mit Bezug auf Social Networks eines der Holtzbrinck-VZe:

    Das spiegelt sich dann natürlich auch darin wieder, das die Holtzbrinck-Gruppe gerade die Blogkonversationen dominiert und Bertelsmann, Springer und Burda auf die Plätze verweist:

    Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das in den nächsten Tagen und Wochen weiterentwickeln wird.

    UPDATE: Wie man hier erkennen kann, hat studiVZ gestern weiter Buzz erzeugt und meinVZ ist nun das am zweithäufigsten erwähnte Social Network in der deutschen Blogosphäre. Dabei gab es einen time lag zwischen studiVZ und meinVZ, das erst einen Tag später einen entsprechenden “Sprung” gemacht hat:

    Was schreiben die anderen zum Thema meinVZ?

    • In der Gründerszene gibt’s ein Videointerview mit den StudiVZ-Gründern Michael Brehm und Dennis Bemmann
    • Martin Weigert kündigt den meinVZ-Start an und verursacht eine lebhafte Diskussion.
    • Auf turi-2 gibt es die ersten Screenshots des neuen VZs.
    • Brandkraft hat ein Video entdeckt, das die Zielgruppe von meinVZ darstellen soll.
    • Markus relativiert den Hype etwas und verweist auf eine Le Monde-Karte, auf der man sehen kann, in welchen Netzwerke Nord- und Süd-Amerikaner, Europäer, Afrikaner und Asiaten am liebsten gruscheln.
    • Und Robert Basic findet das alles nicht besonders spannend, während der Sichelputzer nicht davon lassen konnte, es gleich einmal am eigenen Leib auszuprobieren.


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  • Patterns of mobilization in the blogosphere (English version)
  • Reputationsmanagement und “Google’s unforgiving memory” – Soloves Buch “The Future of Reputation” als eBook downloadbar

    reputation.pngDie ehrwürdige Yale University Press (vor 100 Jahren gegründet) macht es vor: Das aktuelle Buch von Daniel Solove (Unihomepage, Blog), das sich mit dem Problem des digitalen Reputationsmanagements befasst, wurde unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlich und lässt sich kapitelweise als PDF-Dokumente herunterladen.

    Nachdem Solove in dem Vorgänger “The Digital Person” die Datensammelwut der Unternehmen und des Staats unter die Lupe genommen hat, geht es in “The Future of Reputation” jetzt um die Informationen, die wir – die Internetnutzer – freiwillig über uns verbreiten. Zum Problem wird das Ganze dann, wenn man Informationen über sich selbst veröffentlicht hat, die man später bereut (Star Wars-Kid oder gerade eben erst Nicolas Sarkozy). Oder noch schlimmer: Wenn andere Personen reputationsschädigende Informationen über einen selbst verbreiten, die dann kaum mehr kontrolliert werden können (also digitale Rufmorde oder Hexenjagden wie in dem Fall des koreanischen “dog-poop girl“, den Solove zitiert, oder z.B. die BILD-Leserreporter). Doch gleichzeitig gilt es auch das grundlegende Recht auf freie Meinungsäußerung zu bewahren. Das ist das Spannungsfeld, mit dem sich Solove in dem Buch auseinandersetzt:

    This is a book about how the free flow of information on the Internet can make us less free.

    Es geht also um das Problem der Freiheit im Internet. Auf der einen Seite die ganzen positiven Effekte, die zum Beispiel mit dem Bloggen verbunden sind, wie zum Beispiel die Unabhängigkeit von Redakteuren und Zeilenlimits:

    Blogging brings instant gratification. I can quickly work up my thoughts into a post and publish them to the website for the world to read. People then post comments, and I can have a discussion with them. Blogging has allowed me to explore many an idea that might have languished in a forgotten corner of my mind.

    Auf der anderen Seite gelangen über Blogs auch Informationen in die mittlerweile globalisierte und unvergängliche – Google ist ein “grausamer Historiker” – Internetöffentlichkeit, die die persönliche Freiheit des Bloggers oder anderer Personen einschränken können. Schnell wird dabei deutlich, dass man im Fall der “Generation Google” mit den herkömmlichen Unterscheidungen wie etwa zwischen einer (i.d.R. häuslichen) Privatsphäre und einer öffentlichen Sphäre nicht mehr so richtig weiter kommt. Sind Blogs öffentliche oder private Meinungsäußerungen? Agora oder Tagebuch?

    2227505888_4bd1090c41_m.jpgDazu kommt, dass die Viralität des Internets (endlich einmal kann ich dem Titel dieses Blogs gerecht werden) die für die moderne funktional-differenzierte Gesellschaft grundlegende Unterteilung in verschiedene mehr oder weniger isolierte Sphären hinfällig machen kann. Funktionale Differenzierung (“Teilinklusion”) garantiert, dass das, was ich mit meinen Arbeitskollegen, mit meinem Weinhändler und mit meinen Kindern bespreche, nicht ineinander fließt, sondern mir erlaubt, verschiedene Rollen einzunehmen: wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kunde und Vater. Mit MySpace, Facebook und Weblogs gibt es immer mehr Lecks in diesem Differenzierungsgebäude, die mittlerweile das neue Geschäftsfeld des Reputationsmanagements ins Leben gerufen haben:

    Everybody’s googling. People google friends, dates, potential employees, long-lost relatives, and anybody else who happens to arouse their curiosity.

    Mittlerweile gibt es sogar bereits spezialisierte Personensuchmaschinen wie yasni.

    Der erste Teil des Buches versucht sich in einer Bestandaufnahme der digitalen Reputation von den neuen Techniken der Informationsverbreitung über den Wandel von Klatsch im digitalen Zeitalter bis hin zu Praktiken des naming and shaming. Der zweite Teil zieht dann rechtliche Schlussfolgerungen daraus und bearbeitet das Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäußerung und Rufschädigung anderer, formuliert einen angemessenen Begriff der Privatsphäre und wirft einen Blick auf die rechtlichen Regulierungsmöglichkeiten.

    Ich habe bis jetzt nur das erste Kapitel ganz gelesen und in den Rest nur kurz hineingesehen, möchte aber auf jeden Fall schon einmal eine Leseempfehlung aussprechen. Und dann am besten das Buch auch noch in der Papierversion kaufen, damit sich das CC-Experiment für den Yale-Verlag lohnt. (via)

    (Abbildung “Spanish Wine Shop 1873″ von souravdas)



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