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Vom Meme zum Genom

Ein Begriff ist auf der DLD-Konferenz immer wieder in allen möglichen Kontexten bemüht worden: das Genom bzw. die DNA. Dass dieser Begriff in dem von Joshua Brockman moderierten Gespräch zwischen Richard Dawkins und Craig Venter immer wieder auftauchte, ist selbstverständlich nicht weiter erstaunlich. Auch in der Präsentation des sehr umstrittenen Startups 23andme geht es nicht um das metaphorische, sondern das tatsächliche Erbgut. Aber auch in den anderen Panels, in ganz anderen Kontexten wurde immer wieder davon gesprochen. So versucht zum Beispiel imagini, deren Gründer Alex Willcock trotz aller technischen Probleme einen klasse Auftritt hatte, die visuelle DNA der Nutzer herauszufinden, um darauf basierend präzise Kaufempfehlungen abgeben zu können.

Nachdem ich jetzt auch im Programm der Messe “Madrid Fusion” einen Hinweis auf “the contemporary cuisine’s genome in the western countries” entdeckt habe, frage ich mich: Wird das Genom zur nächsten Leitmetapher? Wie lange wird es dauern, bis es tatsächlich eine MyGenome-Anwendung für Facebook gibt?

Wohlgemerkt: es geht hier nicht mehr um einzelne “Meme” oder “Gene”, die auf eine Information verweisen, die zwischen verschiedenen Knoten eines Netzwerkes transportiert werden und in unterschiedliche Kontexte “eingebaut” werden können, sondern um das Ganze. Um die Identifikation eines Individuums über seine individuelle Kombination von Merkmalen wie zum Beispiel Präferenzen für bestimmte visuelle Ausdrucksformen bei imagini.



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    Die PR-Firma Edelman hat im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums 3.100 Vertreter der sogenannten “Meinungsführer”, also wohlhabende, wohlinformierte Personen mit Hochschulabschluss aus 18 Ländern gefragt, welchen Institutionen sie am meisten Vertrauen schenken. Die überwiegende (58 Prozent) Antwort lautete: der Wirtschaft. Noch vor den Medien oder der Regierung. Nur Nichtregierungsorganisationen konnten auf dem “Vertrauensbarometer” einen vergleichbaren hohen Stand erreichen. Bei den 25-34-Jährigen ist der Unterschied zwischen Wirtschaft und Regierung noch stärker ausgeprägt.

    Für mich noch spannender ist das Ergebnis, dass die offene Frage nach der vertrauenswürdigsten Quelle für Unternehmensinformationen über die Hälfte der Befragten Wikipedia genannt haben. Damit steht das Web 2.0-Vorzeigeprojekt vor klassischen Informationsquellen wie Fernsehen, Radio, Blogs oder digitalen sozialen Netzwerken. Ganz zu schweigen von den Unternehmenssprechern oder CEOs selbst – das wird das Davoser Publikum besonders freuen. Nur Wirtschaftsmagazine kommen auf höhere Werte als Wikipedia. Leider gibt’s noch keine Details der Studie, die in Davos vorgestellt werden soll. Dank Thomas Pleils Hinweis konnte ich mir nun auch schon die PDF-Zusammenfassung der Studie ansehen. Darin gibt es auch noch weitere spannende Ergebnisse zur Mediennutzung von Entscheidungsträgern, zum Beispiel über die schwindende Bedeutung von Printzeitungen bei den Jüngeren:

    Thirty-five-to-64-year-olds are more likely to read a newspaper in print format (44%) than in electronic format (21%) while their younger counterparts are shifting more toward online news consumption (35% print vs. 30% electronic).

    Oder über das besonders hohe Wikipedia- und Forumvertrauen der Deutschen:

    German opinion elites have highest use of online message boards (39%) and free content encyclopedias like Wikipedia (46%) than in any country surveyed.

    Mich würde besonders die Frage interessieren: Was macht Wikipedia so vertrauenswürdig? Die Tatsache, dass hier die Stimme des Volkes spricht, wie Richard Edelman das vermutet? Oder haben die Meinungsführer selbst schon in der Wikipedia mitgeschrieben und fühlen sich deshalb davon besonders angesprochen (Konsens durch Beteiligung)? Ist es das Image als non-profit-Projekt? Oder gar die Person Jimmy Wales? Seit seinem äußerst unterhaltsamen Streitgespräch mit dem wenig überzeugenden Mahalo-Gründer Jason Calacanis auf der DLD halte ich den letzten Punkt für gar nicht so abwegig.


    Link: sevenload.com

    Über die Debatte Calacanis vs. Wales (vs. Marissa Meyer) berichten auch:



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    Manchmal erwecken praktisch angewandte Onlinewerbeformen schon den Eindruck, als wolle man es jedem Recht machen. In einem Artikel über eine BMW M5-Testfahrt taucht dann schon einmal rechts daneben eine Audiwerbung auf und unten links eine Werbung für ein Bluetoothset für den Ford Fiesta:

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    Lässt sich das noch toppen? Na klar. Ganz oben wird auch noch der VW Polo beworben. Irgendeine Marke wird der Leser schon mögen.

    fg2.png

    Hatte ich nicht auf dem DLD etwas von den Platzierungsprobleme von Onlinewerbung gehört?



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