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Galerie 2.0 oder: Schon einmal einen Rupprecht Geiger gejpged?

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Jori Finkel beschreibt in der New York-Times in dem Artikel “You’ve Seen the E-Mail, Now Buy the Art” einen starken Trend zur Galerie 2.0. So könnte man nämlich das Phänomen beschreiben, dass in US-Galerien wie der Gagosian oder Cheim & Read mittlerweile ganze Ausstellungen noch vor der Vernissage verkauft werden – per Email-Ankündigungen und JPEG-Bildergalerien. Auch die Kunstszene hat sich also an die digitalen Medien gewöhnt, dass das Betrachten einer JPEG-Abbildung als ausreichender Beurteilungsmaßstab gilt, um mehrere 100.000 USD auszugeben. Die Folge ist eine ungeahnte Beschleunigung der Kunstmarkttransaktionen:

It’s another sign of the acceleration of the contemporary art market: New works, even in the six-figure range, are selling by digital image alone. For the Friedman show, Gagosian set up a private section on its Web site, accessible only by a password sent via e-mail message to select collectors.

Klar, es handelt sich hier streng genommen nicht um eine digitale Ökonomie, denn gekauft und verkauft werden nach wie vor materielle Objekte und keine JPEG-Dateien. Aber dennoch finde ich es spannend, welche Rolle digitale Informationen mittlerweile in diesem Sektor spielt, in dem doch eigentlich die Aura der Gemälde und ihre Materialität so wichtig ist. Interessant ist auch die bereits im Titel dieses Blogposts angesprochene Veränderung der Kunstsprache:

Lisa Schiff, a New York art consultant, agreed, saying that “99 percent” of her sales now involve a JPEG at one stage or another. “It’s changed the way we all do business,” she said. “People have begun using JPEG as a verb: JPEG me this work.” (On the resale market, where many art consultants operate, JPEGs can be shopped so widely that a seller can find himself in the puzzling position of being offered his own work.)

(Abbildung: “Bild:Gasteig Muenchen-2.jpg” von Rufus46, GNU FDL)



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    bibliothek.pngIm Zusammenhang mit der Meldung der NY Times ist auch auf den Dienst von Zenodot hinzuweisen, einem Ableger des Berliner Verlags Directmedia Publishing, der auf seiner Webseite hinter einer angenehm reduzierten Suchmaske den Volltext-Zugriff auf zahlreiche Nachschlagewerke der Digitalen Bibliothek ermöglicht. Mit dabei sind nicht nur Lexika (Brockhaus, Herder oder Pierer), sondern auch philosophische Wörterbücher (Eisler, Kirchner, Mauthner), Werke zu Geschichtswissenschaft (Mommsen, Burckhardt, Droysen), Mythologie und Kulturgeschichte sowie die digitale Ausgabe der Werke von Max Weber und Franz Kafka.

    Finanziert werden soll das ganze vermutlich über Google-Anzeigen, die bislang allerdings nur auf der Startseite eingeblendet werden. Die Abfragen gehen angenehm schnell, wenn auch z.B. an der Bezeichnung der Bände noch etwas gearbeitet werden könnte. Oder ist allgemein bekannt, dass mit friedländer das spannende Werk “Interessante Kriminalprozesse” gemeint ist? Demnächst sollen auch noch die verschiedenen Literaturanthologien der Digitalen Bibliothek hinzukommen: “allen vorweg natürlich die “Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky”, außerde die Weltliteratur, die Erotische Literatur, die Autobiographien, die Faust-Anthologie … und weitere Lexika.”
    (Abbildung Pietro Longh: “Besuch in der Bibliothek” (um 1741). Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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