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Die deutschsprachigen Top-Twitterer auf einen Blick

Diese Idee von Dave Winer war einfach zu schön (“standing on the shoulders of …”), um sie nicht auf die deutschsprachige Twittersphäre zu übertragen: Eine Seite, auf der automatisch die aktuellsten Tweets der beliebtesten Twitterer angezeigt werden. Ich habe das Winersche Vorbild 100TWT kurzerhand nachprogrammiert und die 75 meistgelesenen Twitterer der Deutschen Twittercharts des popkulturjunkies als Grundlage dafür genommen. Das Ergebnis sieht dann so aus:

75twitterer

Sinnvoll für Twitterer-Einsteiger? Unsinnige Spielerei? Was fehlt? Was ist überflüssig?



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    Sehr schön, was der “Medienhacker” Dave Winer auf dieser Seite mit dem NY-Times-Newsfeed anstellt: er filtert aus allen neuen Nachrichtenartikel die Keywords heraus und erstellt eine Rangfolge. Beziehungsweise: nicht er macht das alles, sondern ein Script. Möglich wird das dadurch, dass alle (jedenfalls die meisten) Artikel der NY Times auf vorbildliche Weise mit Metadaten versehen sind. So findet man zum Beispiel im Quelltext der Nachricht “In Iran, Putin Warns Against Military Action” folgende Metadaten, die sich alle per Computer auslesen und weiterverarbeiten lassen:

    • Kurzbeschreibung
    • Schlagworte
    • Datum
    • Titel
    • Autor
    • Themengebiete
    • Personen
    • Geographischer Kontext
    • Ressort

    Ein Computer könnte diesen Metadaten entnehmen, dass sich das berichtete Ereignis auf Russland und den Iran bezieht, dass es mit Vladimir Putin und Mahmoud Ahmadinejad zu tun hat sowie dass es dabei um Internationale Beziehungen und Atomenergie geht. Damit lässt sich schon eine Menge anfangen und ohne großen Aufwand Verknüpfungen zu anderen Nachrichten herstellen. Fehlt nur eine geeignete Darstellungsform, um der Leser könnte durch diese Angaben “Pivot-Browsen“, also immer wieder einen neuen Ausgangspunkt auswählen, sei es ein Ort, eine Person oder ein Thema, und von dort aus neue Beiträge entdecken. Vielleicht sogar in anderen Nachrichtenquellen oder gar Medienformen (GoogleEarth, Youtube, Facebook).

    Sieht man sich dagegen die deutschen überregionalen Tageszeitungen an, so kann man nur einen gewaltigen Aufholbedarf feststellen. Der Artikel zum selben Thema in der Süddeutschen Zeitung wartet zwar mit einigen Keywords auf, doch diese wollen mir doch tatsächlich weißmachen, es gehe in dem Artikel um “Bush”, “Cofi Annan”, “Saddam”, den “Bundestag” oder um “Steuer”. Davon, dass “Saddam” und “Cofi Annan” schon etwas länger Geschichte sind, will ich gar nicht reden.

    Weiter zur FAZ, die ebenfalls einen Artikel zu Putins Solidaritätserklärung parat hat. Aber auch hier ist das semantische Netz zerrissen, denn ein Computer würde zu dem Ergebnis kommen, der Artikel thematisiere “Merkel”, die “EU”, “Steuern” und irgendeine “Wahl”.

    Die Welt hat keinen Artikel direkt zu dem Thema, also habe ich mir einen Beitrag über die Terrorrisiken der Putinreise ausgesucht. Auch hier führen die Metadaten zunächst ins Leere, denn mit “Urlaub”, “Sport” und “Satire” hat das nichts zu tun. Aber halt! Ganz am Ende der Keywords doch noch ein paar sinnvolle Hinweise: Iran, Russland, Wladimir Putin, Staatsbesuch, Atomenergie, Anschlag. Gar nicht übel, aber schlecht auszuwerten.

    Zum Schluss noch zur taz, wo mich wieder nur Standardkeywords erwarten, außer hinter der Wahl von Schlagworten wie “politische Karikatur”, “Cartoons” und “Comic” steckt eine tiefere Absicht? Klar ist: ein Computer würde beim Versuch, diesen Humor zu entschlüsseln, versagen.



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    Dave Winer hat hier skizziert, wie er sich ein “HyperCamp” – die Pressekonferenz der Zukunft – vorstellt:

    87587076_c9af7fc98b.jpg

    Vorne, auf einem Podium steht der Vortragende und hat 20 Minuten Zeit, seine Ideen vorzutragen. “Totally commercial”, versteht sich: für die Aufmerksamkeit der bloggenden Öffentlichkeit wird bezahlt. In der Mitte des Saales steht eine riesige Tafel, an der mindestens 100 BloggerInnen Platz haben. Am anderen Ende des Saales ist dann noch ein Podium, auf dem ebenfalls präsentiert wird. Gleichzeitig. Links und rechts des Tisches hat das Buffet – “Great Food + Drink” – und eine Tratschecke (“Schmoozing Area”) Platz. Natürlich ist es in dem Raum laut, es wird geplaudert und getippt, so dass die Vortragenden (“They might be boring”) sich bemühen müssen, für ihre Ideen Gehör zu finden.
    Sowenig mir der Gedanke des pay-for-attention in diesem Kontext behagt, desto lustiger finde ich die Idee des Stereovortragens. So mancher Konferenz-Langeweiler würde dadurch vielleicht erträglicher oder von vornherein abgeschreckt.



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