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Datenbank abgeschossen

Eigentlich hätte ich an diesem Pfingstmontag etwas ganz anderes tun wollen als vor dem Computer zu sitzen und mich mit Datenbankexporten und -importen etc. auseinanderzusetzen. Aber aus irgendeinem Grund ist der MySQL-Datenbankserver meines Webhosters, auf dem sowohl die viralmythen- als auch die Metarolldaten liegen, nicht mehr zugänglich. Ab und zu komme ich über phpmyadmin auf den Server und kann dann z.B. Tabellen exportieren. Dann ist der Server wieder stundenlang nicht erreichbar: “Too many connections” heißt es dann, obwohl sich die HTTP-Zugriffe laut Logfile in Grenzen halten.

Ich habe jetzt die Tabellen kurzerhand auf einen anderen Datenbankserver aufgespielt. Bei den viralmythen ging das wunderbar, bei der Metaroll wurden leider die Umlaute in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl sie über phpmyadmin korrekt angezeigt werden (UTF-8), kommen bei mir im Browser nur Rauten an. Sieht das bei euch genauso aus? Hat vielleicht jemand eine Ahnung, was man in so einem Fall anstellen kann?

Ansonsten: Mal sehen, ob der Support mir etwas über die Herkunft der “too many connections” erzählen kann. Über den anderen Server (allinkl) scheint es ansonsten ganz rund zu laufen.



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    parziv_cgm19_50v.jpgAndreas Göldi hat im Medienkonvergenzblog einen äußerst lesenswerten Beitrag über Amazon.com geschrieben. Seine These: Amazon.com ist wichtiger als Google, iTunes, Facebook und eBay. Er spricht dabei auch die related items-Funktion an:

    Und noch interessanter: Aus dem Kaufverhalten ergibt sich eine Art implizites soziales Netzwerk von Geschmacksgenossen. Für mein Shoppingerlebnis ist das “Andere Leute, die sich dieses Produkt gekauft haben, haben auch folgende Produkte gekauft” von Amazon viel wichtiger als die ziemlich ungefilterten (und darum bisher grandios erfolglosen) Produktempfehlungen auf Facebook. Nur weil ich mit jemandem bekannt bin, heisst das noch lange nicht, dass ich auch den gleichen Geschmack habe wie diese Person — oder unbedingt wissen will, was die Person gut findet.

    Ich würde hier noch weiter gehen und von dieser Funktion und vor allem der Möglichkeit, die Daten über APIs abzugreifen, als eine Art “heiliger Gral der Erforschung von Online Konsumkulturen” sprechen. Gerade die Diversifizierung des Unternehmens, das nicht nur Bücher anbietet, sondern auch Computer, Küchengeräte, Spielzeug – so ziemlich alles, was man sich in seine Wohnung stellen kann -, ermöglicht es, holistische Konsumkulturen zu erforschen.

    Das Ergebnis ist also viel mehr als einfache Produktempfehlungen à la “wer X kauft, kauft mit einer Wahrscheinlichkeit von Z auch Y” bzw. Konsumentenverhalten, sondern Lebensstile. Das aus diesen Daten ableitbare Netz der Dinge lässt sich z.B. im Sinne der Southern School of Marketing (Cova, Badot) als postmoderne neotribale Gemeinschaften deuten – als Blaupause für Commercial Communities. Und zum Teil auch als materieller Kontext für die neuen “digital empowered consumers”, hinter denen die Marktforscher derzeit her sind.

    Der große Vorteil liegt dabei nicht nur in der großen Zahl von Produktbeziehungen, die in der Amazon-Datenbank abgespeichert sind, sondern in ihrer automatisierbaren Verarbeitung. Ich hatte vor einiger Zeit mit der Entwicklung eines Analysetools begonnen, das genau diese Produktnetzwerke – das lässt sich aber ohne Probleme auf Markennetzwerke übertragen – abruft und visualisiert wie z.B. hier für den “Stamm derer vom iPod Touch” (Klick zum Vergrößern):

    (Anmerkung: Besonders interessant finde ich diese Grafik vor dem Hintergrund der Durchsetzung der Blue-ray Disc als Nachfolger der DVD. Zumindest für dieses Netzwerk ist die Verbindung deutlich: Apple – Playstation – Blue-ray. Keine Spur von HD-DVD.)

    Noch scheint dieser enorme vernetzte Wissenspool weder von der akademischen noch der privatwirtschaftlichen Konsum- und Markenforschung angezapft zu werden. Ich vermute jedoch, dass sich das sehr schnell ändern wird, gerade als Ergänzung für die eher qualitativ-textanalytisch ausgerichteten ethnographischen Verfahren der Onlinemarktforschung.



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    fischer.pngEiner der wichtigsten Punkte in der Wissenschaft 2.0 ist die Frage, wie man an die unzähligen Informationen herankommt. Bislang spielten Abstract-Zeitschriften (oder Abstracts von Abstracts) eine zentrale Rolle in der Suche nach spezifischen Informationen – das im Internet dezentral abgespeicherte Wissen lässt sich jedoch mit Aggregatoren dieser Art nicht mehr sinnvoll verwalten und durchforsten. Gerade die vielen Publikationsvorstufen, Manuskripte, Diskussionsgrundlagen, Präsentationen, Berichte, Personenprofile und vor allem Datensätze die zunehmend im wissenschaftlichen Web zu finden sind, können nicht mehr wie in einem Telefonbuch verzeichnet werden. Auch hier (wie im Web insgesamt) werden vermutlich Suchmaschinen die Kataloge und Portale nach und nach ablösen.

    Aber die Sache wird dadurch verkompliziert, dass ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Informationen auch mit Suchmaschinen nicht gefunden werden kann: diese Informationen sind im Academic Invisible Web verborgen. Was versteht man unter diesem Begriff? Sherman und Price fassen darunter Texte, Daten und Informationen im WWW, die in den bisherigen Suchmaschinen (v.a. natürlich Google) nicht verzeichnet sind und daher für den WWW-Nutzer gar nicht existieren.

    Wie groß dieser Teil des WWW ist, lässt sich nur abschätzen. Hier wird z.B. behauptet, dass sogar die besten Suchmaschinen nur zu 16% der WWW-Informationen Zugang haben, wobei das unsichtbare Netz sogar 500 Mal so sein soll wie das sichtbare und zudem schneller wächst (für eine Kritik dieser Zahlen sowie grundsätzlichen Fragen zur Messbarkeit des tiefen Webs vgl. hier). Interessanterweise geht es dabei nur in geringem Maß um nicht-öffentliche Seiten, sondern vor allem um dynamisch generierte Datenbankergebnisse. Aber auch einzelne, nicht verlinkte Seiten, Multimediainhalte und andere non-text-Formate (zip, rar), wenn sie nicht mit Metadaten versehen sind oder Echtzeitinformationen gehören zu dieser Kategorie.

    Eindrucksvoll lässt sich dies an den neuen interaktiven Informationsangeboten der statistischen Ämter demonstrieren. Armin Grossenbacher sammelt zur Zeit hier eine Liste von solchen Anwendungen. Wenn man sich zum Beispiel den neuen “Atlas der Außenhandelsstatistik” des Statistischen Bundesamtes betrachtet, fällt zum einen auf, dass dem Nutzer eine Web 2.0-ähnliche Rich Internet Application angeboten wird. Man kann selbst auswählen, welche Daten wie visualisiert werden sollen und zum Teil ist auch der Export in verschiedenen Datenformaten möglich (zum Beispiel mit dem TGM-Modul (“table, graphs and maps”) von Eurostat). Zum anderen sind diese Inhalte nur über den Atlas verfügbar und können nicht über die Suche einer Suchmaschine entdeckt werden.

    Möglicherweise lässt sich an dieser Stelle die These formulieren, dass interaktive, datenbankgestützte Web 2.0-Anwendungen dazu neigen, das “tiefe Web” auszudehnen, werden sie nicht mit Web 3.0-Elementen (“semantisches Netz”) ergänzt. Zum Beispiel durch Informationen darüber, welche Funktion bestimmte Eingabeformulare oder Datenbankschnittstellen haben und welche Inhalte damit abgerufen werden können. Aber die erwähnten Seiten besitzen nicht einmal Dublin Core-Metadaten, mit denen der Inhalt der Seite kurz charakterisiert werden könnte.

    Wer mehr zu dem Thema lesen will, kann auf die beiden Weblogs The Invisible Web und Deep Web Research zurückgreifen sowie die umfangreiche Bibliographie auf “Beyond Google“.

    (Abbildung: Claude Monet, “Zwei Fischer”, 1882, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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