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Die Least Popular Stories dieses Blogs

Viele Blogs haben auf ihrer Seitenleiste einen Kasten mit den populärsten Blogbeiträgen. Dahinter steckt die Logik des Matthäus-Prinzips: Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. (Mat 25, 29). Populäre Beiträge haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, noch populärer zu werden als Beiträge, die nur wenig Beachtung finden.

Heute bin ich über Profy auf eine Seite gestoßen, die dieses Prinzip umstoßen will: Digital City, ein Blog mit Entertainment-Nachrichten hat nicht eine Rubrik der “Most Popular Stories”, sondern auch der “Least Popular Stories”. Schließlich muss es nicht immer mangelnde Qualität eines Artikels sein, der sich in niedrigen Aufrufzahlen ausdrückt, sondern Schuld kann auch ein ungünstiger Zeitpunkt sein.

Ich habe gleich einmal in meinen Statistiken gestöbert, um die “Least Popular Stories” dieses Blogs anzusehen. In einigen Fällen ist das niedrige Interesse verdient und es handelt sich um kurze Veranstaltungsankündigungen oder Notizen. Manchmal sind es jedoch Beiträge aus der Anfangszeit dieses Blogs, die heute – ein gutes Jahr später – gar nicht so schlecht wirken. Aber urteilt besser selbst:

  1. Commercialisation of privacy? (23. September 2007, 4 Aufrufe)
  2. Aktuelles Lexikon: Blogger (2004) (19. Juli 2007, 5 Aufrufe)
  3. Weblogs in den Printmedien (16. Juli 2007, 6 Aufrufe)
  4. Die Macht des Mikrobloggens (10. September 2007, 8 Aufrufe)
  5. Die Tyrannei der Authentizität (12. September 2007, 21 Aufrufe)


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    Immer wieder wurde die Frage laut, welchem Zweck Microblogging-Dienste wie Twitter eigentlich dienen. An dem aktuellen Beispiel des Erdbebens mit Stärke 7,2 auf der Richterskala, das sich heute Nacht im chinesischen Xinjiang ereignete, wird deutlich: trotz des chaotischen und bisweiligen etwas schrägen Eindrucks, den die Twitter-Nutzer (“Twitterati”) manchmal erwecken, erfährt man von solchen Ereignissen als erstes. Noch kein Nachrichtendienst hat von dem Erdbeben berichtet, aber dank Twitter weiß man schon seit einiger Zeit, wo und wann es sich ereignet hat, dass man die Wellen bis in die Schweiz spüren konnte und kann den genauen Ort auf einer Karte betrachten.

    Ganz unabhängig davon, wie wichtig es ist, von diesem Ereignis im fernen China eine Stunde oder mehr vor den klassischen Nachrichtenmedien zu erfahren, sagt dieser Fall einiges über die Bedeutung des Microbloggens als neue Kulturtechnik:

    • Twitter ist eine Art “weltweite Gerüchteküche” (“World Wide Grapevine”), durch die man alles mögliche erfahren kann – von weltbewegenden Ereignissen bis zu Dingen, die nur für eine sehr persönliche Öffentlichkeit relevant sein dürften.
    • Die hohe Aktualität: Viele Dinge erfährt man über Twitter als erstes: Artikel oder Blogposts, die gerade geschrieben werden, Gerüchte über Meldungen, die in Kürze publik werden oder sogar Augenzeugenberichte.
    • Man kann, ähnlich wie im face-to-face-Gerüchtewesen, seine Aufmerksamkeit nicht besonders gut fokussieren, sondern bekommt einen langen Strom von Meldungen mit ganz unterschiedlicher Thematik, Reichweite und Wichtigkeit. Es handelt sich also eher um eine frei flottierende Aufmerksamkeit.
    • Der ausgesprochen unordendliche Netzwerkcharakter des Systems und die unterschiedlichen Kontakte (mit Simmel könnte man hier vielleicht sogar von sozialen Kreisen sprechen), an die jeder Twitter-Nutzer seine Statusmeldungen verschickt, bringen mit sich, dass Meldungen verloren gehen können bzw. ähnliche Meldungen vielfach empfangen werden.

    Ein vielköpfiges Flurgespräch über Kontinente hinweg – wahrscheinlich gibt es momentan kaum bessere Beispiele für den Wandel globaler Kommunikationsstrukturen (Mikromedien statt Massenmedien).



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