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Wirbt Wikipedia für Apples iPhone?

Ich finde das Prinzip Wikipedia uneingeschränkt gut. Ich habe keine Probleme mit Cupertino. Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Ich glaube auch nicht, dass die Wikipedia von bösen Mächten unterwandert wird.

Nur diesen Eintrag auf der Startseite der Wikipedia heute finde ich geschmacklos:

Ein derartiges product placement auf der Startseite einer der meistbesuchten und mit hohen Glaubwürdigkeitswerten ausgestatteten Seite – jede Werbeagentur würde sich nach einem derartigen Coup die Finger abschlecken. Auch ohne Einflussnahme des Herstellers verfallen die Wikipedia-Autoren hier in den üblichen Werbejargon: “Funktionalität”, “ermöglicht”, “darüber hinaus”, “vereint”, “angeboten”. Und dann wird der Artikel auch noch als “lesenswert” (vorher sogar “exzellent”) gekennzeichnet. Warum nicht gleich “Produkt des Tages” anstelle “Artikel des Tages”?

Mal sehen, wie die Wikipedisten, die diesen Artikel mit dem Verweis auf die formale Richtigkeit des Verfahrens sowie darauf, dass dafür kein Geld geflossen ist, rechtfertigen, reagieren, sollte Apple auf diese Vorlage einsteigen und dieses user generated advertising in irgendeiner Form aufnehmen.

Worum es eigentlich geht: darum, dass hiermit eine Grenze verschoben wird für die Akzeptanz nicht gekennzeichneter kommerzieller Inhalte in Social-Media-Projekten. Denn wenn demnächst ein Möbelgeschäft sich dafür einsetzt, die Neueröffnung des größten Möbelhauses in Europa zum Artikel des Tages zu machen, wird man dem etwas weniger entgegensetzen können wie vor dem iPhone-Artikel.

Noch einmal: Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Nur sollte sie als solche gekennzeichnet sein und sollte auch als solche bezahlt werden. Ansonsten werden die Marktpreise verzerrt. (via)

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    Allmählich werde ich mich hier auf diesem Blog an die Nachbereitung der 2008er re:publica machen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mich aus Berlin ab und zu einmal per Blog zu melden, aber die vielen guten Gespräche haben mir keine Zeit dazu gelassen. Außerdem gab es noch ein paar Vorträge vorzubereiten und Interviews zu geben. Dazu aber später noch mehr.

    An dieser Stelle aber wenigstens schon einmal der Foliensatz und ein paar Anmerkungen zu der von Geraldine Bastion moderierten Session zum Thema “Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus” am Donnerstag, 3. April. Wer die Veranstaltung nicht gesehen hat, kann sie sich hier ansehen.

    Ich muss sagen, dass mich insbesondere das “Wir haben ganz viele geile Kampagnen”- bzw. “Und das haben wir so gut gemacht”-Gerede des Greenpeace-PR-Menschen neben mir ziemlich enttäuscht hat. Und wenn dann noch die Kooptation der “A Greener Apple”-Kampagne durch Apple als wichtiger Erfolg gewertet wird, dann sieht man deutlich, wie weit sich diese NGO von ihrer Anfangszeit, in der sie wirklich neue Maßstäbe für politischen Aktivismus gesetzt hatten, entfernt haben. Wenn mitgeholfen wird, Computerschrott als Beitrag zum Umweltschutz umzudefinieren, rückt das für mich gefährlich in die Nähe des Greenwashing. Dann kann man gleich, wie ein Kommentator auf der SMS-Wall anmerkte, auch einmal über “grünen Atomstrom” nachdenken.

    Die vielen Zahlen, die der Vertreter von Aktion Mensch genannt hat, zeigen ziemlich deutlich, dass zwischen Online und Offline im Bereich des sozialen Engagements doch noch eine große Kluft besteht. Immerhin hat die Aktion Sorgenkind relativ früh die mögliche Bedeitung des Web 2.0 erkannt: Im Jahr 2001 haben sie das von Christiane Schulzki-Haddouti entwickelte Projekt Cybertagebuch, das, 1996 gegründet, zu den frühsten “Proto-Blogportalen” in Deutschland gehört, übernommen.

    Hier die Folien der Präsentation von Marc Scheloske und mir, wir werden in den nächsten Tagen auch noch in unseren Blogs darüber berichten, wie hier gewünscht.

    Andere über diese Veranstaltung

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    parziv_cgm19_50v.jpgAndreas Göldi hat im Medienkonvergenzblog einen äußerst lesenswerten Beitrag über Amazon.com geschrieben. Seine These: Amazon.com ist wichtiger als Google, iTunes, Facebook und eBay. Er spricht dabei auch die related items-Funktion an:

    Und noch interessanter: Aus dem Kaufverhalten ergibt sich eine Art implizites soziales Netzwerk von Geschmacksgenossen. Für mein Shoppingerlebnis ist das “Andere Leute, die sich dieses Produkt gekauft haben, haben auch folgende Produkte gekauft” von Amazon viel wichtiger als die ziemlich ungefilterten (und darum bisher grandios erfolglosen) Produktempfehlungen auf Facebook. Nur weil ich mit jemandem bekannt bin, heisst das noch lange nicht, dass ich auch den gleichen Geschmack habe wie diese Person — oder unbedingt wissen will, was die Person gut findet.

    Ich würde hier noch weiter gehen und von dieser Funktion und vor allem der Möglichkeit, die Daten über APIs abzugreifen, als eine Art “heiliger Gral der Erforschung von Online Konsumkulturen” sprechen. Gerade die Diversifizierung des Unternehmens, das nicht nur Bücher anbietet, sondern auch Computer, Küchengeräte, Spielzeug – so ziemlich alles, was man sich in seine Wohnung stellen kann -, ermöglicht es, holistische Konsumkulturen zu erforschen.

    Das Ergebnis ist also viel mehr als einfache Produktempfehlungen à la “wer X kauft, kauft mit einer Wahrscheinlichkeit von Z auch Y” bzw. Konsumentenverhalten, sondern Lebensstile. Das aus diesen Daten ableitbare Netz der Dinge lässt sich z.B. im Sinne der Southern School of Marketing (Cova, Badot) als postmoderne neotribale Gemeinschaften deuten – als Blaupause für Commercial Communities. Und zum Teil auch als materieller Kontext für die neuen “digital empowered consumers”, hinter denen die Marktforscher derzeit her sind.

    Der große Vorteil liegt dabei nicht nur in der großen Zahl von Produktbeziehungen, die in der Amazon-Datenbank abgespeichert sind, sondern in ihrer automatisierbaren Verarbeitung. Ich hatte vor einiger Zeit mit der Entwicklung eines Analysetools begonnen, das genau diese Produktnetzwerke – das lässt sich aber ohne Probleme auf Markennetzwerke übertragen – abruft und visualisiert wie z.B. hier für den “Stamm derer vom iPod Touch” (Klick zum Vergrößern):

    (Anmerkung: Besonders interessant finde ich diese Grafik vor dem Hintergrund der Durchsetzung der Blue-ray Disc als Nachfolger der DVD. Zumindest für dieses Netzwerk ist die Verbindung deutlich: Apple – Playstation – Blue-ray. Keine Spur von HD-DVD.)

    Noch scheint dieser enorme vernetzte Wissenspool weder von der akademischen noch der privatwirtschaftlichen Konsum- und Markenforschung angezapft zu werden. Ich vermute jedoch, dass sich das sehr schnell ändern wird, gerade als Ergänzung für die eher qualitativ-textanalytisch ausgerichteten ethnographischen Verfahren der Onlinemarktforschung.

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    Die Methoden und Techniken der sozialen Netzwerkanalyse (SNA) lassen sich nicht nur zur Untersuchung von Personen und ihren Beziehungen einsetzen, sondern auch Gegenstände können damit analysiert werden: Willkommen im Netz der Dinge.

    Hier ein kleines Anwendungsbeispiel zu diesem Thema: Da ich selbst kein Apple-User bin, ist das für mich eine fremde Welt. Zum Glück kann man mit den amazon.de-Daten die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Apple-Produkten abfragen und daraus dann einen netzwerkanalysefähigen Datensatz basteln. Im Folgenden habe ich den Apple iPod Touch 8GB als Ausgangspunkt genommen und das dazugehörige Ego-Netzwerk 2. Ordnung dargestellt (Klick zum Vergrößern):

    Das Netzwerk wurde mit netzwerkanalytischen Reduktionsverfahren etwas eingedampft, damit man etwas erkennen kann (wen die Details, Einsatzmöglichkeiten und Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Methoden der Onlineforschung interessieren, kann mich gerne kontaktieren). Und tatsächlich, allmählich bekomme ich eine Ahnung davon, wie die Apple-Nutzer so ticken:

    • Sie sehen gerne mal eine DVD mit den neuesten Hollywoodfilmen wie etwa Pan’s Labyrinth, 300, Troja, Stirb Langsam 4.0, Transformers, Hannibal Rising oder Ghost Rising.
    • Aber natürlich sagen die Appler auch zu einem kurzen Playstation-3-Spielchen nicht nein. Motorsport und Piraten scheinen hier Topthemen zu sein.
    • Wer eine PS3 besitzt, nutzt diese vielleicht auch einmal zum Ansehen einer Blue-ray-Disk, etwa von Rocky Balboa oder eben 300.
    • Wie zu erwarten war, verwenden iPod-Nutzer auch auf ihrem Computer Apple-Software, so dass auch iLife 08 und das Betriebssystem OS X Leopard zu ihren Favoriten gehören.
    • Neben den iPod-Touch-Nutzern gibt es auch noch die iPod-nano-Nutzer, die ihr Gerät natürlich auch mit diversen Schutzfolien verkleben, aber hin und wieder auch etwas Sport treiben, wofür sie dann den iPod-Nike-Sport-Kit gekauft haben. Oder hat man einen iPod Touch fürs Büro und einen iPod nano für den Trimmdichpfad?
    • Nicht auf dem reduzierten Netzwerk, aber ebenfalls ein Betätigungsfeld für iPod-Nutzer: Bücher und Hörbücher von Terry Pratchett, Ratgeber zu Ruby on Rails, atheistische Literatur von Richard Dawkins, Philips Wohnleuchten und Sony P1i-Smartphones.

    So, genug der Analyse. Jetzt die Frage an euch, liebe iPod-Nutzer: Kommt das hin?

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