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Der Appstore als Netzwerk – Newsreader, Newsportale und digitale Zeitungen

Why then the world’s mine network
Which I with software will open.

Der Vorteil einer abstrakten Methode wie der Social Network Analysis ist es, dass sich fast alle Daten, die irgendwie zusammenhängen, als Netzwerk betrachten und analysieren lassen. Das Paradebeispiel sind natürlich die Empfehlungsalgorithmen, die Nutzern von Google, Youtube oder Amazon erzählen, was sie sonst noch interessieren könnte. Überall dort, wo es empfohlene Produkte oder Produkte, die andere Kunden auch gekauft haben, gibt, kann man sehr einfach mit den Methoden der Netzwerkanalyse angreifen. Auf diese Weise wird aus den isolierten Paaren oder Mengen verwandter Produkte eine große Verwandtschaftskarte, auf der nicht nur Beziehungen, sondern auch Muster und Schwerpunkte erkennbar sind.

Ich habe mir einmal den iTunes-Appstore vorgenommen. Auf jeder (bzw. fast jeder) Downloadseite einer App sind weitere fünf Apps verzeichnet, die überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit dieser App heruntergeladen oder gekauft werden. Das Netzwerk springt einem hier förmlich entgegen. Wenn man die 240 beliebtesten Apps der Kategorie Nachrichten auf diese Beziehungen hin erfasst, erhält man folgendes Netzwerk der Nachrichten-Applandschaft (Klick zum Vergrößern):

Social network visualization of app downloads

Die Größe der Knoten steht für die Anzahl der Bewertungen der Apps – solange es keinen Zugriff auf die Downloadzahlen der Apps gibt, könnte das eine Annäherung an die Bedeutung oder Verbreitung einer App sein. Die Farbe zeigt die unterschiedlichen Cluster von Apps, die besonders eng miteinander verbunden sind: Links in Hellblau und rechts in Dunkelblau sind zwei Cluster von Nachrichtenapps. Rechts findet man die Zeitungsapps von FAZ, Bild, Süddeutsche, Abendzeitung, Weserkurier etc., während links eher die iPad-Varianten von Onlineportalen wie Spiegel, Focus Online, Süddeutsche.de zu finden sind. Oben in Violett ist ein kleines Cluster von redaktionsunabhängigen Newsaggregatoren wie Pulse, Flipboard oder Reeder. Ganz rechts liegt Österreich, während im Süden die Türkei zu finden ist. Dazwischen ein Applecluster mit Apfeltech und Macwelt. Ganz im Norden ist das Review-stärkste Cluster von Nachrichtenaggregatoren und App-Nachrichten-Apps, das von MeinProspekt dominiert wird.

Die Apps mit den meisten Reviews in dieser Karte sind:

  1. Mein Prospekt XL – 39.382 Reviews
  2. n-tv iPhone edition – 16.140 Reviews
  3. DER SPIEGEL eReader – 12.759 Reviews
  4. FOCUS Online – 10.300 Reviews
  5. DIE WELT – 9.312 Reviews
  6. Flipboard – 6.394 Reviews
  7. BILD HD – 5.722 Reviews
  8. Tagesschau – 5.705 Reviews
  9. NYTimes – 5.533 Reviews
  10. AppTicker Push – 5.524 Reviews

In dieser Aufzählung fehlt die normale Version von BILD mit 24.146 Reviews, die ein isolierter Knoten ist, da für diese App keine verwandten Apps angegeben sind und auch keine der anderen Apps auf sie verweist – eine echte Anomalie, die ich mir im Moment nicht erklären kann.

Interessant ist auch der Blick auf die Anzahl der eingehenden Links, d.h. welche Apps besonders häufig als verwandte Apps genannt werden. Der Durchschnitt liegt bei 2,3.  Hier sieht die Liste ganz anders aus:

  1. The Wall Street Journal – 51 Nennungen
  2. AppAdvice – 45 Nennungen
  3. Blastr – 40 Nennungen
  4. NPR for iPad – 39 Nennungen
  5. Flo’s Weblog – 27 Nennungen
  6. eGazety Reader – 27 Nennungen
  7. ??-??? ????? a – 25 Nennungen
  8. SAPO News – 23 Nennungen
  9. DVICE – 20 Nennungen
  10. DER SPIEGEL – 18 Nennungen

Dieselben Apps erhält man bei der Berechnung des PageRank, d.h. der Wahrscheinlichkeit, beim Abwandern des Netzwerks zufällig auf die verschiedenen Apps zu stoßen. Die Anzahl der Verbindungen zwischen den Apps, also der Vernetzungsgrad ist relativ niedrig, da für jede App nur jeweils 5 verwandte Produkte angezeigt werden – insgesamt sind die 451 Knoten durch 1.055 Kanten verbunden.



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    Ich finde das Prinzip Wikipedia uneingeschränkt gut. Ich habe keine Probleme mit Cupertino. Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Ich glaube auch nicht, dass die Wikipedia von bösen Mächten unterwandert wird.

    Nur diesen Eintrag auf der Startseite der Wikipedia heute finde ich geschmacklos:

    Ein derartiges product placement auf der Startseite einer der meistbesuchten und mit hohen Glaubwürdigkeitswerten ausgestatteten Seite – jede Werbeagentur würde sich nach einem derartigen Coup die Finger abschlecken. Auch ohne Einflussnahme des Herstellers verfallen die Wikipedia-Autoren hier in den üblichen Werbejargon: “Funktionalität”, “ermöglicht”, “darüber hinaus”, “vereint”, “angeboten”. Und dann wird der Artikel auch noch als “lesenswert” (vorher sogar “exzellent”) gekennzeichnet. Warum nicht gleich “Produkt des Tages” anstelle “Artikel des Tages”?

    Mal sehen, wie die Wikipedisten, die diesen Artikel mit dem Verweis auf die formale Richtigkeit des Verfahrens sowie darauf, dass dafür kein Geld geflossen ist, rechtfertigen, reagieren, sollte Apple auf diese Vorlage einsteigen und dieses user generated advertising in irgendeiner Form aufnehmen.

    Worum es eigentlich geht: darum, dass hiermit eine Grenze verschoben wird für die Akzeptanz nicht gekennzeichneter kommerzieller Inhalte in Social-Media-Projekten. Denn wenn demnächst ein Möbelgeschäft sich dafür einsetzt, die Neueröffnung des größten Möbelhauses in Europa zum Artikel des Tages zu machen, wird man dem etwas weniger entgegensetzen können wie vor dem iPhone-Artikel.

    Noch einmal: Ich habe nichts gegen Werbung auf Social-Media-Seiten. Nur sollte sie als solche gekennzeichnet sein und sollte auch als solche bezahlt werden. Ansonsten werden die Marktpreise verzerrt. (via)



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    Allmählich werde ich mich hier auf diesem Blog an die Nachbereitung der 2008er re:publica machen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mich aus Berlin ab und zu einmal per Blog zu melden, aber die vielen guten Gespräche haben mir keine Zeit dazu gelassen. Außerdem gab es noch ein paar Vorträge vorzubereiten und Interviews zu geben. Dazu aber später noch mehr.

    An dieser Stelle aber wenigstens schon einmal der Foliensatz und ein paar Anmerkungen zu der von Geraldine Bastion moderierten Session zum Thema “Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus” am Donnerstag, 3. April. Wer die Veranstaltung nicht gesehen hat, kann sie sich hier ansehen.

    Ich muss sagen, dass mich insbesondere das “Wir haben ganz viele geile Kampagnen”- bzw. “Und das haben wir so gut gemacht”-Gerede des Greenpeace-PR-Menschen neben mir ziemlich enttäuscht hat. Und wenn dann noch die Kooptation der “A Greener Apple”-Kampagne durch Apple als wichtiger Erfolg gewertet wird, dann sieht man deutlich, wie weit sich diese NGO von ihrer Anfangszeit, in der sie wirklich neue Maßstäbe für politischen Aktivismus gesetzt hatten, entfernt haben. Wenn mitgeholfen wird, Computerschrott als Beitrag zum Umweltschutz umzudefinieren, rückt das für mich gefährlich in die Nähe des Greenwashing. Dann kann man gleich, wie ein Kommentator auf der SMS-Wall anmerkte, auch einmal über “grünen Atomstrom” nachdenken.

    Die vielen Zahlen, die der Vertreter von Aktion Mensch genannt hat, zeigen ziemlich deutlich, dass zwischen Online und Offline im Bereich des sozialen Engagements doch noch eine große Kluft besteht. Immerhin hat die Aktion Sorgenkind relativ früh die mögliche Bedeitung des Web 2.0 erkannt: Im Jahr 2001 haben sie das von Christiane Schulzki-Haddouti entwickelte Projekt Cybertagebuch, das, 1996 gegründet, zu den frühsten “Proto-Blogportalen” in Deutschland gehört, übernommen.

    Hier die Folien der Präsentation von Marc Scheloske und mir, wir werden in den nächsten Tagen auch noch in unseren Blogs darüber berichten, wie hier gewünscht.

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    parziv_cgm19_50v.jpgAndreas Göldi hat im Medienkonvergenzblog einen äußerst lesenswerten Beitrag über Amazon.com geschrieben. Seine These: Amazon.com ist wichtiger als Google, iTunes, Facebook und eBay. Er spricht dabei auch die related items-Funktion an:

    Und noch interessanter: Aus dem Kaufverhalten ergibt sich eine Art implizites soziales Netzwerk von Geschmacksgenossen. Für mein Shoppingerlebnis ist das “Andere Leute, die sich dieses Produkt gekauft haben, haben auch folgende Produkte gekauft” von Amazon viel wichtiger als die ziemlich ungefilterten (und darum bisher grandios erfolglosen) Produktempfehlungen auf Facebook. Nur weil ich mit jemandem bekannt bin, heisst das noch lange nicht, dass ich auch den gleichen Geschmack habe wie diese Person — oder unbedingt wissen will, was die Person gut findet.

    Ich würde hier noch weiter gehen und von dieser Funktion und vor allem der Möglichkeit, die Daten über APIs abzugreifen, als eine Art “heiliger Gral der Erforschung von Online Konsumkulturen” sprechen. Gerade die Diversifizierung des Unternehmens, das nicht nur Bücher anbietet, sondern auch Computer, Küchengeräte, Spielzeug – so ziemlich alles, was man sich in seine Wohnung stellen kann -, ermöglicht es, holistische Konsumkulturen zu erforschen.

    Das Ergebnis ist also viel mehr als einfache Produktempfehlungen à la “wer X kauft, kauft mit einer Wahrscheinlichkeit von Z auch Y” bzw. Konsumentenverhalten, sondern Lebensstile. Das aus diesen Daten ableitbare Netz der Dinge lässt sich z.B. im Sinne der Southern School of Marketing (Cova, Badot) als postmoderne neotribale Gemeinschaften deuten – als Blaupause für Commercial Communities. Und zum Teil auch als materieller Kontext für die neuen “digital empowered consumers”, hinter denen die Marktforscher derzeit her sind.

    Der große Vorteil liegt dabei nicht nur in der großen Zahl von Produktbeziehungen, die in der Amazon-Datenbank abgespeichert sind, sondern in ihrer automatisierbaren Verarbeitung. Ich hatte vor einiger Zeit mit der Entwicklung eines Analysetools begonnen, das genau diese Produktnetzwerke – das lässt sich aber ohne Probleme auf Markennetzwerke übertragen – abruft und visualisiert wie z.B. hier für den “Stamm derer vom iPod Touch” (Klick zum Vergrößern):

    (Anmerkung: Besonders interessant finde ich diese Grafik vor dem Hintergrund der Durchsetzung der Blue-ray Disc als Nachfolger der DVD. Zumindest für dieses Netzwerk ist die Verbindung deutlich: Apple – Playstation – Blue-ray. Keine Spur von HD-DVD.)

    Noch scheint dieser enorme vernetzte Wissenspool weder von der akademischen noch der privatwirtschaftlichen Konsum- und Markenforschung angezapft zu werden. Ich vermute jedoch, dass sich das sehr schnell ändern wird, gerade als Ergänzung für die eher qualitativ-textanalytisch ausgerichteten ethnographischen Verfahren der Onlinemarktforschung.



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    Die Methoden und Techniken der sozialen Netzwerkanalyse (SNA) lassen sich nicht nur zur Untersuchung von Personen und ihren Beziehungen einsetzen, sondern auch Gegenstände können damit analysiert werden: Willkommen im Netz der Dinge.

    Hier ein kleines Anwendungsbeispiel zu diesem Thema: Da ich selbst kein Apple-User bin, ist das für mich eine fremde Welt. Zum Glück kann man mit den amazon.de-Daten die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Apple-Produkten abfragen und daraus dann einen netzwerkanalysefähigen Datensatz basteln. Im Folgenden habe ich den Apple iPod Touch 8GB als Ausgangspunkt genommen und das dazugehörige Ego-Netzwerk 2. Ordnung dargestellt (Klick zum Vergrößern):

    Das Netzwerk wurde mit netzwerkanalytischen Reduktionsverfahren etwas eingedampft, damit man etwas erkennen kann (wen die Details, Einsatzmöglichkeiten und Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Methoden der Onlineforschung interessieren, kann mich gerne kontaktieren). Und tatsächlich, allmählich bekomme ich eine Ahnung davon, wie die Apple-Nutzer so ticken:

    • Sie sehen gerne mal eine DVD mit den neuesten Hollywoodfilmen wie etwa Pan’s Labyrinth, 300, Troja, Stirb Langsam 4.0, Transformers, Hannibal Rising oder Ghost Rising.
    • Aber natürlich sagen die Appler auch zu einem kurzen Playstation-3-Spielchen nicht nein. Motorsport und Piraten scheinen hier Topthemen zu sein.
    • Wer eine PS3 besitzt, nutzt diese vielleicht auch einmal zum Ansehen einer Blue-ray-Disk, etwa von Rocky Balboa oder eben 300.
    • Wie zu erwarten war, verwenden iPod-Nutzer auch auf ihrem Computer Apple-Software, so dass auch iLife 08 und das Betriebssystem OS X Leopard zu ihren Favoriten gehören.
    • Neben den iPod-Touch-Nutzern gibt es auch noch die iPod-nano-Nutzer, die ihr Gerät natürlich auch mit diversen Schutzfolien verkleben, aber hin und wieder auch etwas Sport treiben, wofür sie dann den iPod-Nike-Sport-Kit gekauft haben. Oder hat man einen iPod Touch fürs Büro und einen iPod nano für den Trimmdichpfad?
    • Nicht auf dem reduzierten Netzwerk, aber ebenfalls ein Betätigungsfeld für iPod-Nutzer: Bücher und Hörbücher von Terry Pratchett, Ratgeber zu Ruby on Rails, atheistische Literatur von Richard Dawkins, Philips Wohnleuchten und Sony P1i-Smartphones.

    So, genug der Analyse. Jetzt die Frage an euch, liebe iPod-Nutzer: Kommt das hin?



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