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Mobilisierungsmuster in der Blogosphäre

Als Robert Basic vor ein paar Tagen damit begonnen hat, in seinem Blog über die Krise in Burma zu schreiben, konnte er wohl nicht ahnen, welche Breitenwirkung seine Ideen binnen kürzester Zeit entfalten sollten. In den Kommentaren entfaltete sich eine lebhafte Diskussion darüber, welchen Beitrag die Blogger in Europa vor allem zur Verteidigung des freien Informationsflusses (via Blogs) aus Ländern wie Burma in den Rest der Welt leisten können. Daraus entstand dann die Idee eines Blog-Aktionstags am 4. Oktober. Da der Ideenaustausch, der dann u.a. zu diesem Wiki führte vor allem über Blog-Kommentar gelaufen ist, habe ich mir überlegt, ob man diese Entwicklung nicht einmal nachzeichnen könnte. Im Folgenden nun einige Graphen, die jeweils die Vernetzung der Burma-Aktionsblogger über manuelle Kommentare (nicht Trackbacks) am Ende eines bestimmten Tages anzeigen (Klicken zum Vergrößern).

26.09.2007

Der Austausch beginnt hier zwischen Robert Basic (in der Mitte), Simon Columbus und dem Startupblogger. Thema ist vor allem die Abschottung der Blogosphäre in Burma.

27.09.2007

Im Blog Basic Thinking melden sich immer mehr andere Blogger zu Wort, woraus sich die “Sonne” im Mittelpunkt ergibt. Links oben sind die italienischen Blogs abgebildet (z.B. Robie), auch hier beginnt sich die Debatte zu entfalten. Darüber hinaus bilden sich die ersten Verbindungen zwischen den Blogs im Zentrum auszubilden.

28.09.2007

Über Dario Salvelli wird die Verbindung zwischen der italienischen und der deutschen Blogosphäre hergestellt und Texte werden zwischen den Netzwerken ausgetauscht. Deutlich ist zu sehen, wie sich nicht nur in der Mitte die Blogs immer stärker vernetzen, sondern wie auch Blogs wie der Spiegelfechter, Spreeblick, Bloggingtom (Schweiz, links oben) oder die Blogwiese involviert werden, die jeweils neue Knoten ins Netzwerk holen. Rechts oben sieht man, wie auch im Blog Club der halbtoten Dichter eine Burma-Diskussion entsteht und unten (noch nicht mit dem Hauptnetzwerk verbundene) Debatten auf Goggiblog und dem französischen Blog Bloguer ou ne pas bloguer?.

29.09.2007

Die Vernetzung im Zentrum nimmt noch einmal deutlich zu und bislang isolierte Knoten werden jetzt an das Hauptnetz “angeschlossen” (z.B. der Club der halbtoten Dichter über Martina Kausch)

30.09.2007

Jetzt werden auch die letzten noch unverbundenen Knoten in das Burma-Aktions-Netzwerk integriert wie zum Beispiel die französischen Blogger im Süden.

Und hier gibt es noch einmal die letzten Tage in einer kurzen Animation:



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  • Fokus: Berufsblogs

    sarg.pngIn der Blogosphäre gibt es ein Genre der “Berufsblogs”. Damit sind nicht Blogger gemeint, die von ihrem Bloggen leben können (“Berufsblogger”), sondern Blogs, die sich mit einem bestimmten Beruf auseinandersetzen. Bestes Beispiel hierfür ist das Bestatterwebblog. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Corporateblog, denn das Unternehmen selbst wird nicht genannt:

    Aus verschiedenen Gründen schreibe ich ohne meinen Nachnamen zu nennen. In der Branche herrscht ein starker Wettbewerb und ich möchte keine Konfrontation mit Mitbewebern auslösen. Außerdem könnte ich nicht frei über Abläufe, Kundengespräche und meinen Job schreiben, wenn Rückschlüsse auf mein Unternehmen möglich wären. Die Kunden könnten sich dadurch verletzt fühlen. Deshalb beschreibe ich auch Vorgänge, die oft Monate zurückliegen als “heute passiert”, damit niemand sich angegriffen fühlen kann.

    Sucht man in der metaroll nach verwandten Blogs, so fällt auf, dass dort auch andere Berufsblogs stark repräsentiert sind:

    Um die Zahlen geht es jetzt gar nicht, da die Fallzahlen sehr klein sind. Aber das Ergebnis ist doch spannend. Interessanterweise ist die Verbindung hier nicht so sehr themenspezifisch, sondern es scheint ein verallgemeinertes Interesse zu geben, in andere Berufswelten hineinzusehen. Jemand, der sich für den Alltag eines Bestatters interessiert, findet demnach auch die Berufswelt einer Erotikchatterin interessant.
    (Abbildung: Friedrich, Caspar David, “Landschaft mit Grab, Sarg und Eule” (1836–1837). Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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  • Stapelverarbeitung

    Gerade bin ich wieder aus Bamberg zurückgekehrt (später mehr dazu). Jetzt gilt es, die knapp 170 Neuanmeldungen für die metaroll einzuarbeiten, die dank der Verlinkung von Felix, Thomas, Robert und all’ den anderen seit gestern angefallen sind.



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  • Die Pressekonferenz der Zukunft

    Dave Winer hat hier skizziert, wie er sich ein “HyperCamp” – die Pressekonferenz der Zukunft – vorstellt:

    87587076_c9af7fc98b.jpg

    Vorne, auf einem Podium steht der Vortragende und hat 20 Minuten Zeit, seine Ideen vorzutragen. “Totally commercial”, versteht sich: für die Aufmerksamkeit der bloggenden Öffentlichkeit wird bezahlt. In der Mitte des Saales steht eine riesige Tafel, an der mindestens 100 BloggerInnen Platz haben. Am anderen Ende des Saales ist dann noch ein Podium, auf dem ebenfalls präsentiert wird. Gleichzeitig. Links und rechts des Tisches hat das Buffet – “Great Food + Drink” – und eine Tratschecke (“Schmoozing Area”) Platz. Natürlich ist es in dem Raum laut, es wird geplaudert und getippt, so dass die Vortragenden (“They might be boring”) sich bemühen müssen, für ihre Ideen Gehör zu finden.
    Sowenig mir der Gedanke des pay-for-attention in diesem Kontext behagt, desto lustiger finde ich die Idee des Stereovortragens. So mancher Konferenz-Langeweiler würde dadurch vielleicht erträglicher oder von vornherein abgeschreckt.



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  • Neues metaroll-Feature: verwandte Blogs finden

    Habe mir gerade ein Feature für die metaroll einfallen lassen, das ihren Nutzwert wohl um einiges steigern dürfte: Die Suche nach verwandten Blogs. Was verstehe ich darunter? Ganz einfach: Weblogs, die möglichst häufig zusammen mit einem bestimmten Blog genannt werden. Unter der Rollcount findet sich jetzt ein neues Symbol: >>

    related1.png
    Wenn man auf dieses Zeichen klickt, bekommt man alle Weblogs angezeigt, die zusammen mit dem gewählten Blog in Blogrolls (in diesem Fall Spreeblick) verlinkt werden:

    related2.png
    In diesem Fall sehen wir also, dass 31 Weblogs, die Spreeblick in ihrer Blogroll haben, auch auf wirres.net verlinken und 24 auch auf Nerdcore.

    Liest man zum Beispiel sehr gerne malorama, dann genügt ein Klick um eine ganze Liste von Weblogs zu bekommen, die zusammen mit malorama in den Blogrolls verlinkt werden. Man stoßt bereits auf den ersten drei Plätzen mit Gesprächsfetzen, [bov] und argh! auf Blogs, die von Aufmachung und Schreibstil eine malorama-Leserin durchaus ansprechen könnten. Mit einem Klick auf >> kann man wiederum nach Blogs suchen, die diesem Blog ähneln. Dabei bekommt man auch einen Eindruck von der Community-Bildung in der Blogosphäre, denn immer wieder stößt man auf enge Cluster von Weblogs, die häufig gemeinsam verlinkt werden. In manchen dieser Cluster (zum Beispiel in der antville-Welt) spielen dann die großen Weblogs nur eine untergeordnete Rolle.

    Let’s surf the Blogosphäre!



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    woelfin.pngNoch ein Fundstück aus dem interessanteren Ende der metaroll: das Blog von Savannah alias Wölfin alias Susi aus Österreich. Auf den ersten Blick eine chaotische Sammlung von Notizen aus dem Alltag bzw. Berufsleben in anarchischer Orthographie (Ortografi). Dazu dann einige Details aus dem Privatleben. Abhaken als typisches Tagebuch-Blog? Nicht ganz, denn hinter der Rubrik “beruf” verbirgt sich eine Reihe von Eindrücken aus öffentlichen Badeanstalten in Wien. So heißt es etwa über das Amalienbad: “all das interieur berührt mit einer trotzigen ausstrahlung: es gibt uns doch noch.” Ich habe schon schlechtere Bäderprosa gelesen.



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    Gerade ist das 5000. Weblog in der metaroll-Datenbank gelandet. Und wem darf ich gratulieren? Herrn Horst Prillinger (“librarian, teacher and university lecturer in Vienna, Austria”) und seinem Blog “The Aardvark Speaks“. Bei dem kurzen Überfliegen habe ich dann gleich noch etwas gelernt: CDs, die zwischen den späten 1980ern und den frühen 1990ern in einem speziellen Presswerk in den UK hergestellt wurden, leiden unter dem CD Bronzing (Wikipedia-Artikel vom Autor des Aardvarks dazu), einem Oxydationsprozess, der sie letztlich unleserlich macht.

    Übrigens: das nächste metaroll-Feature wird eine Art “related items”-Funktion sein. Also die Möglichkeit für jedes Blog anzuzeigen: “Blogger, die dieses Blog verlinken, haben auch diese Blogs verlinkt”. Das wird richtig lustig.



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  • Erntezeit: Vigilien.

    vigilien.pngIch denke, es ist Zeit, in der metaroll ernten zu gehen. Gerade ist mir dieses Blog auf Platz 85 aufgefallen (R/T-Wert von 27%): Vigilien. Worum geht es in diesem Weblog? Der Autor Ronnie formuliert das Anliegen wie folgt:

    Die Vigilien sind (gewiß nur in ihren besseren Zeiten) das Protokoll einer Forschung. Die Welt kann sehr großartig sein, weswegen wir uns, obwohl sie es uns sonst nicht leicht macht, immer noch für sie interessieren. Trotzdem gibt es kaum Großartigkeitsforschung, jedenfalls außerhalb der Literatur und der sie reflektierenden Wissenschaften nicht. Ein Privatgelehrter wenigstens in solchen Dingen sein zu wollen ist nun zweifellos ebenso ambitioniert wie albern, aber ich verzeihe mir das, wenn Sie erlauben.

    Tatsächlich findet man in diesem Blog dann auch einige literarische Skizzen, die zum Teil eine herb-unterkühlte Schönheit offenbaren wie zum Beispiel folgende Zeilen:

    Das rote Uniform-Halsband der dicken Eisenbahnerin am Bahnhof von Greifswald; Deutschland, in den unbeobachteten Momenten nur ein kühler Hauch über Europa.

    Kurzmitteilungen aus der Großartigkeitsforschung also. Zwischen LED-Throwies, Arno Schmidt und dem Social Web. Das alles in einem eigenen, unverwechselbaren Stil.



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  • Welchem Medium vertrauen die Leser?

    trust.pngIn einer aktuellen Umfrage hat TNS Emnid nach dem Vertrauen in unterschiedliche Informationsquellen gefragt (Pressemitteilung als pdf). Und welche Quelle genießt in der Umfrage bei den 1048 Befragten mit nur 20% das geringste Vertrauen? Richtig: das Internet. Nur haben die Meinungsforscher anscheinend noch etwas Schwierigkeiten mit diesem neuen Ding. Sie sprechen in der Pressemitteilung von “Mediengattungen wie Internet, Lokalzeitung, Zeitschriften, öffentlich-rechtliches Fernsehen, Privatfernsehen, öffentlich-rechtlicher Rundfunk und privater Rundfunk.”
    Irgendwie bekomme ich die Begriffe aber nicht nebeneinander. Denn das Internet – wahrscheinlich ist damit gemeint: das WWW – kann alles und noch mehr sein: Lokalzeitung, Zeitschrift, Fernsehen und Rundfunk.
    ebersberger.png Man braucht sich nur das Beispiel der Ebersberger Nachrichten ansehen, einer Lokalzeitung, die ausschließlich im WWW veröffentlicht wird. Und welche Gründe werden für das schlechte Abschneiden des Internet genannt? Nach Michael Voß

    tragen Software-Sicherheitslücken oder eine allgemeine Verunsicherung durch Meldungen über bzw. eigenen Erfahrungen mit Trojanern, Viren oder Spysoftware mutmaßlich zu diesem Vertrauensdefizit bei.

    Genau das ist das Problem mit vielschichtigen Konzepten wie Vertrauen: es kann sowohl das Vertrauen in die Wahrheit einer Meldung gemeint sein, das Vertrauen in die Authentizität eines Autors oder aber in das Funktionieren einer Technik. Wenn sich auf einmal Konzepte wie Kompetenz (Lokalzeitung) und Spyware (Internet) gegenüberstehen, sollte man doch noch einmal überlegen, ob man wirklich das gemessen hat, was man messen will. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Thomas Pleil, der die Befragung für “etwas unglücklich formuliert” hält.

    Interessanterweise ist gerade eben eine Studie von McKinsey erschienen, die danach fragt, welche Eigenschaften eine Nachrichtenquelle im Internet haben muss. Das Ergebnis: es geht nicht um Qualität, sondern vor allem um Bequemlichkeit und die Breite der Berichterstattung als um Aktualität oder gar Richtigkeit, Informationstiefe, Exklusivität. (via sowie). Möglicherweise muss der von Emnid beobachtete Vertrauensmangel gar nicht als Defizit formuliert werden, sondern ist nur Ausdruck dafür, dass man es hier mit völlig unterschiedlichen Informationsstrategien und -nachfragen zu tun hat?

    (Abbildung: Francisco de Goya y Lucientes: “Vertrauen”, 1796–1797, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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    Einigen Wirbel haben die deutschen Nutzerstatistiken von comScore ausgelöst. Von knapp 33 Millionen gemessenen Unique Visitors insgesamt entfielen knapp 15 Mio auf soziale Netzwerkanwendungen. Unter diesen liegt MySpace mit 3,7 Mio deutlich vor StudiVZ (3,1 Mio) und Jux.de (2,6 Mio). Auch europaweit liegt MySpace vorne und konnte überdies von 20,3 Mio im Juni 2007 auf einen Wert von 25,2 im Juli stark zulegen. Das ist aber nichts gegen das europaweite Wachstum von Facebook: hier ging es von 2,1 Mio im Juni auf unglaubliche 10,8 Mio Unique Visitors im Juli.

    Für Robert Basic sind die Zahlen Anlass, das Thema Social Networks erst einmal ad acta zu legen, bis sich auf dem Sektor etwas wirklich neues tut:

    Na ja, es ist nicht mehr ein Ding der frühen Nutzer (early adaptors), sondern offensichtlich im Massenmarkt angekommen (siehe crossing the chasm). War ein sehr langer und weiter Weg seit 2002 mit Friendster, der Mother of all Social Networks.

    Im Anschluss fasst er noch einmal die Entwicklungen von Friendster über MySpace bis hin zu Facebook zusammen. Sein Fazit ist, dass jetzt erst einmal eine Vervielfältigung des Social Networking (sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Dimension) stattfinden wird. Jeder Zielgruppe ihr eigenes Netzwerk. Außerdem gibt es mittlerweile die ersten Anbieter von (z.T. unter der GPL veröffentlichten) DIY-Kits, mit deren Hilfe man sich selbst ein eigenes Netzwerk aufsetzen kann, wenn man sich nicht die Mühe sparen will und eine gehostete Lösung ausprobieren will (“White Label Social Networks”). Tabellen, in denen die wichtigsten Anbieter auf diesem Gebiet miteinander verglichen werden, kann man sich hier und hier ansehen.

    Über die Reichweite der Social Networking-Plattformen kann man sich also mittlerweile ein Bild machen. Was mich interessieren würde: Wie sehen denn die Nutzer der verschiedenen Communities aus? danah boyd hatte in ihrem umstrittenen Aufsatz “Viewing American class divisions through Facebook and MySpace” Klassenunterschiede zwischen MySpace- und Facebookbenutzern diagnostiziert. Lässt sich das Muster auch auf Deutschland übertragen? Gibt es Segmentierungs- oder Nivellierungsprozesse im Social Networkingbereich? Da es sich hierbei um Fragen handelt, die für die Platzierung zielgruppenspezifischer Werbung entscheidend ist, vermute ich, dass es nicht lange dauern wird, bis es auch hierzu Material geben wird.



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