Schwarz-gelb-rot

Während halb Deutschland vor dem Fernseher sitzt und das “kleine Finale” ansieht (die ein oder anderen Kim-Leonies oder Lucas sicher unfreiwillig von ihren geographisch-herausgeforderten Eltern mit den Farben der belgischen Trikolore bemalt), beschäftige ich mich lieber mit zwei der großen Köstlichkeiten meiner Brüsseler Jugend: Tomate aux crevettes (gefüllte Tomaten mit Krabben) und Vol-au-vent (mit Hühnerragout gefüllte Blätterteigpasteten).

Die ausgehöhlten und mit einer Krabbenmischung gefüllten Tomaten sind so eine Art heimliches Nationalgericht der Belgier – vielleicht deshalb, weil die drei Hauptzutaten ebenso schwierig zusammenpassen wollen wie die drei Bevölkerungsgruppen der Belgier? Die Frische der Tomaten, die cremig-süße Fülle der Mayonnaise und dazu dann die salzig-fischigen Garnelen. Die Petersilie wäre dann wahrscheinlich die belgische Hauptstadt, die zu keiner der drei Landesteile gehört, sondern auf den ersten Blick den Eurokraten und auf dem zweiten Blick den Antiquitätensammlern gehört. Sobald man aber die erste Gabel in den Mund geschoben hat, passt auf einmal alles zusammen. Vielleicht ein Taschenspielertrick? Mag sein, aber das politische Konstrukt Belgien hält nun auch schon 180 Jahre.



Verwandte Artikel:
  • Die Struktur der Wissenschaft
  • Mit dem Blackberry im Methusalemkomplott
  • 1 Response to “Schwarz-gelb-rot”


    1. 1 Michael

      Sind die Tomaten frittiert? Schaut irgendwie so aus.. aber muss ich auch mal probieren, wenn ich das nächste mal in Belgien bin. Schaut find ich eigentlich gar nicht so schlecht aus – liegt vielleicht auch dran, dass ich alle 3 Sachen absolut liebe :)

    Leave a Reply