Internetkritikkritik

Was Douglas Adams vor gut 10 Jahren über die Internetkritiker
geschrieben hat, gilt heute … ähm … immer noch für die
Internetkritiker, aber auch für die Kritiker der Internetkritiker (und
wahrscheinlich auch für die Slow-Media-Kritiker):

“I suppose earlier generations had to sit through all this huffing and
puffing with the invention of television, the phone, cinema, radio,
the car, the bicycle, printing, the wheel and so on, but you would
think we would learn the way these things work, which is this:

1) everything that’s already in the world when you’re born is just normal;

2) anything that gets invented between then and before you turn thirty
is incredibly exciting and creative and with any luck you can make a
career out of it;

3) anything that gets invented after you’re thirty is against the
natural order of things and the beginning of the end of civilisation
as we know it until it’s been around for about ten years when it
gradually turns out to be alright really.

Apply this list to movies, rock music, word processors and mobile
phones to work out how old you are.”



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  • 10 Responses to “Internetkritikkritik”


    1. 1 Jens Best

      Ich mag ja auch was William Gibson 1999 sagte:

      The future is already here – it is just unevenly distributed.

      - DAS wiederum beschreibt eher die Aufgabe vor der wir stehen, als die Kritiker, die sich uns doch leider meist frei von Argumenten und voll der Angst entgegenstellen.

    2. 2 Fritz

      Nun, ja. Nein. Als Beschreibung der Oberfläche einer Symptomatik geht das meinetwegen noch gerade durch. Ist ja witzig. Aber “Slow Media” fußt doch auf der Beobachtung, dass im Fortschritt meistens noch Dialektiken wirken? (Horkheimer/Adorno waren da mal die Großmeister.) Die Internetkritik ist jedenfalls keine Angelegenheit der Generationen. Die Älteren haben oft praktische Schwierigkeiten, neue Technologien so schnell zu begreifen wie ein 16jähriger. Sind aber längst voll drin und mit dem Enthusiasmus, der meistens direkt mit der Intensität der Nutzung zusammenhängt. Die Nutzung hat im Übrigen nach den AGOF-Zahlen z.B. auch viel mit Berufstätigkeit und höherem Einkommen zu tun. Tatsächlich gibt es längst einen phänomenalen Konsens, dass das Internet enorm wichtig sei, zum wirtschaftlichen Fortschritt beiträgt, jedes Gehöft in Deutschland Breitband-Zugang haben müsste und jeder Mensch, wo auch immer, etwas Twittern kann. Echte Kritik am Internet, die über das Geschmäcklerische bzw. die üblichen moralischen Vorwürfe hinausgingen, ist mir so gut wie unbekannt. Gibt es die irgendwo? Dabei gäbe es für Dialektiker schon einige Punkte zu besprechen. Schirrmacher, der maximal ein Teilzeitkritiker des Internets ist, eher ein verkappter Enthusiast, fragt immerhin danach, wie glücklich ein Mensch sein kann, der seinen Kopf täglich von einer multi-thematischen Informationsflut zuschütten lässt. Ihr fragt, wenn ich das richtig verstehe, nach der Dialektik der Beschleunigung (“Wann wird schneller zu einem Nachteil?”, “Was hat es für einen Nachteil, wenn wir immer schneller kommunizieren oder rezipieren?” etc.). Und man könnte zum Beispiel auch fragem, wie teuer es uns kommt, wenn im Internet alles “gratis” zu haben ist. Der Preis ist z.B. eine Durchseuchung des gesamten Mediums von finanziellen Interessen, die in meinen Augen längst eine katastrophale Ausmaß hat – siehe auch die Debatte von Facebook, was ja im Kern ein Streit zwischen den “Gratis”-Nutzern und den Investoren ist, die ihre enormen Investitionen rekapitalisieren wollen und dafür von den Nutzern den Preis verlangen, mit den Daten arbeiten zu dürfen. Die Kritik an den Internetkritikern von Douglas finde ich daher … eben doch alt. In ihrer Oberflächlichkeit so borniert, wie man die Dinge meistens in der konservativen Ecke sich zurecht strickt. “Was habt ihr gegen Autos mit 350 PS? Ist doch toll, dass man jetzt noch schneller fahren kann.” Etc. Gebe Gott jedem seine tägliche Selbsttäuschung. Und die Gnade, nicht das sehen zu müssen, was stinkt und furchtbar ist.

    3. 3 Benedikt

      @Fritz Unabhängig davon, ob Douglas Adams diese drei Punkte ernst gemeint hat oder ironisch, glaube ich, dass die Beobachtung wenigstens in einem Punkt zutrifft. Der Raum für die Kritik an einer Technologie verändert sich über die Zeit hinweg. Heute kann man ganz andere Dinge an dem Internet kritisieren als z.B. noch Ende der 1990er Jahre, weil sich die Nutzungsformen, aber auch die gesellschaftliche Bedeutung dieses Phänomens rasant verändert haben. Slow Media sehe ich als eine Reaktion auf diese Ausweitung der Kritikzone.

      Die Frage danach, wie teuer gratis in Wirklichkeit ist, finde ich sehr wichtig. Sie lässt sich aber auch umdrehen: Wie viel günstiger kämen uns in manchen Fällen teurere Produkte oder Medien? McLuhan hat mit seiner Tetrade der Medienwirkung im Übrigen den Blick genau auf solche Phänomene gelenkt: Was gewinnt man durch ein neues Medium? Was verliert man? Was erobert man dadurch zurück? Was passiert, wenn man das Medium an die Grenzen bringt? Ich glaube, damit ist zumindest ein Weg skizziert, auf dem man zu einer echten Kritik am Internet kommt.

    4. 4 Benedikt

      @Jens Ich denke eher an eine Verbindung aus “Die Zukunft hat bereits begonnen” und “Wir sind nie modern gewesen”. Das Vertrackte an der ganzen Situation ist schließlich die Erkenntnis, dass auch die Zukunft irgendwann (Ende des 18. Jahrhunderts) erfunden wurde.

    5. 5 Hakidus

      Richtig Benedikt genauso denke ich auch.

    6. 6 Tim

      Ich denke ähnlich wie du Benedikt und ich mag deinen Artikel, ich denke das Internet ist ein hervorragendes Medium. Es ist ein wenig wie mit dem Fernsehen, es kommt immer darauf an was man sich anschaut und soviel Wert ist dann auch das Internet.

    7. 7 Heinrich

      Guten Tag,
      hier diskutieren Leute, die etwas von der Evolution der Technik verstehen. Da sollte ich den Versuch unternehmen, Sie in das Forum des Autors Karl Olsberg zu locken, das er gerade eröffnet hat. http://tentheses.com/
      Wenn ich wegen Werbung, Spam oder Unhöflichkeit eingesperrt werden soll, warten Sie mit der Verhaftung bitte noch so lange, bis alle Gefängniszellen DSL, Internet, 3-D Monitore usw haben.

      Danke, Gruß Heinrich

    8. 8 Stefan Sommer

      Na jedenfalls ist das eine einleuchtende Erklärung, wieso mir (Jhg. 1971) Lady Gaga so zuwider ist…

    9. 9 Dirk

      Ich habe einen Bekannten, der ist glaube ich schon mit Phase 3 auf die Welt gekommen…

    1. 1 Faszination und Wahrheit « Skeptic as hell – Die Welt im Blick…

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