Wie ernst meint es die Wissenschaft mit dem Dialog?

Im September habe ich auf dem Symposium für Wissenschaftskommunikation einen Vortrag zum Thema Blogs als Instrumente der Wissenschaftskommunikation gehalten. Jetzt ist die ausführliche Tagungsdokumentation erschienen. Dort findet man auch eine gute Zusammenfassung meines Vortrags.

Ein zentraler Punkt ist für mich die Möglichkeit, mit Wissenschaftsblogs Dialoge mit der Öffentlichkeit zu führen. Oft wird dieser Begriff gerade im Bereich der Wissenschaftskommunikation falsch verstanden, so dass schon das allgemeinverständliche Umformulieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse als Dialog bezeichnet wird. Ist es aber noch lange nicht.

Dialog bedeutet nämlich nicht nur die Ansprache eines Publikums, sondern auch

  • diesem Publikum zuzuhören, also zum Beispiel Blogs und Foren zu lesen, in denen über mein wissenschaftliches Fachgebiet oder meine wissenschaftliche Organisation, ganz gleich ob Forschungsinstitut, Universität oder Fördereinrichtung, gesprochen wird,
  • dieses Publikum und seine Kommunikationen zu verstehen, also nicht nur zu registrieren, dass ein Thema in den sozialen Medien eine Rolle spielt, sondern dahinter blicken, welche Bedeutungen damit assoziiert werden und auch welche Personen es sind, die sich darüber austauschen und dann vor allem
  • mit dem Publikum zu sprechen. Nicht an das Publikum, sondern mit dem Publikum. Das heißt: Fragen auf Twitter beantworten, bei Bedarf Links zu vertiefendem Material zu schicken. Noch schwieriger, aber ebenso wichtig:
  • als authentische Person auftreten. Wissenschaft ist kein anonymer Prozess, sondern wird von Menschen gemacht. Gerade im Fall von social media ist es möglich und wichtig eine eigene Stimme zu entwickeln, die sich nicht wie eine Pressemitteilung liest und auch nicht wie eine Vorlesung, sondern wie ein nettes Gespräch in der Kaffeepause einer Tagung.

Dann zeigt sich, wie ernst es die wissenschaftlichen Organisationen mit dem Dialog meinen. Geht es nur darum, sich und der eigenen Organisation durch ein möglichst breites kommunikatives Sperrfeuer einen Platz im Diskurs zu besetzen? Oder besteht ein echtes Interesse daran, mit der Außenwelt in ein Gespräch einzusteigen? Ich sehe social media wie Blogs, Foren, Twitter und Social Networks hier als eine Art Lackmustest für die Dialogfähigkeit der Wissenschaft.



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  • 2 Responses to “Wie ernst meint es die Wissenschaft mit dem Dialog?”


    1. 1 Alex

      Deine 4 Anforderung an den wissenschaftlichen Dialog gefallen mir gut. Aber wer ist eigentlich “die Wissenschaft”?

    2. 2 Sven

      Ich finde Deinen Vortrag und die hier aufgeführten, ergänzenden Punkte sehr sinnvoll und absolut zeitgemäß. Auch wenn der “Dialog der Elite” wahrscheinlich noch lange über andere Publikationen geführt werden wird, bieten Blogs eine hervorragende Möglichkeit sehr direkt, aktiv an der Erkenntnisgestaltung des jeweiligen Gebietes teil zu nehmen.
      @Alex. Mit der Wissenschaft sind aus meiner Sicht diejenigen Menschen gemeint, die ein Interesse daran haben “Wissen zu schaffen”. Und dies ist eben sehr gut in Dialogen möglich.

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