Die Suche nach dem Social Media Dashboard

Social-Media-Monitoring ist derzeit hoch im Kurs. Immer mehr Unternehmen, Parteien und Journalisten bemerken, dass man nicht nur durch Fokusgruppen und Panels etwas darüber erfahren kann, was über sie gedacht oder geredet wird, sondern dass diese Gespräche an zahlreichen Orten des Internets bereits stattfinden. In Foren, Blogs, Social Networks oder Chatrooms. Übrigens schon lange – vermutlich schon so lange, wie es das Internet gibt. Nur war es in den Anfangszeiten des Web 1.0 nur eine ganz kleine Zahl ganz spezieller Personen, die sich über dieses Medium austauschten: “Internet-Freaks”. Also der Legende nach Chips-futternde, korpulente männliche Technikjünger mit langen Haaren. Ihre Meinung zählte nicht.

Mittlerweile ist die Internetdurchdringung jedoch so stark angestiegen, dass aus Sicht von Politik, Unternehmen und Presse auch ganz normale Menschen dieses Medium nutzen. Dazu kommen dann noch neue Technologien, die es eben diesen Leuten ermöglichen, sich ohne technisches Know-how im Internet auszudrücken – Social Web oder Web 2.0 sind die mehr oder weniger eleganten Formeln, mit denen diese Entwicklung bezeichnet wird. Kurz: Es wird immer interessanter, zu erfahren, was die Leute im Internet über Parteien, Politiker, Produkte, Marken, Unternehmen oder auch nur andere Personen sprechen. Die Suche nach dem Social Media Dashboard hat begonnen.

Gesucht wird ein Interface für das Social Web, auf dem in Echtzeit zum Beispiel abgelesen werden kann,

  • wie oft über eine Partei, Marke etc. gesprochen wird (“Buzz”)
  • was über sie gesagt wird (“Content”)
  • welche Bedeutungen dahinter stecken (“Sinn”)
  • welche Werturteile in den Konversationen auftauchen (“Bewertungen”)
  • wer darüber spricht (“Zielgruppen”)
  • wie diese Gruppen konstituiert sind (“Brand Communities”)
  • welche Personen in den Gesprächen eine besondere Rolle spielen (“Einfluss”)
  • wie sich das alles über die Zeit verändert (“Wandel”)
  • wie schnell sich die Gespräche ausbreiten (“Viralität”)
  • wie diese Veränderungen mit anderen Ereignissen zusammenhängen (“Kontext”)
  • wie sich die Veränderungen weiter entwickeln könnten (“Trends”)
  • … und das alles dann auch noch ansprechend und anschaulich dargestellt (“Visualisierung”)

Noch gibt es ein derartiges Social Media Dashboard noch nicht und insbesondere der qualitativ-verstehende Aspekt (die “Sinndimension” der Social Media Analyse) lässt sich derzeit nur mit vergleichsweise aufwändigen und noch nicht echtzeitfähigen Methoden wie der Netnography erfassen. Und die Trendforschung steht auf diesem Gebiet noch auf sehr wackligen Beinen. Aber früher oder später werden die Marketing-, Kommunikations- und Customer-Support-Abteilungen solche Tools wie selbstverständlich für die Planung, Überwachung und Evaluierung ihrer KampagnenInitiativen verwenden.

Einen kleinen Vorgeschmack liefert das Tool Perspctv, mit dem sich immerhin schon der Buzz auf sehr vielen unterschiedlichen Kanälen in Echtzeit verfolgen lässt:

Man kann sich ein ähnliches Dashboard auch für selbst gewählte Begriffe erstellen lassen, zum Beispiel um den Social Media-Buzz von Audi, VW und BMW miteinander zu vergleichen. Aber verglichen mit der obigen Liste potentieller Bestandteile eines Social Media Dashboards ist das dann noch ziemlich wenig Information.



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  • 3 Responses to “Die Suche nach dem Social Media Dashboard”


    1. 1 Ludwig

      Danke für den Tipp zu perspctv. Bin schon sehr gespannt wann die ersten Dienste diese Leistungen der erweiterten Medienresonanzanalyse bieten werden. Jedenfalls erwarte ich dass sie es irgendwann können werden. Viele Grüße, Ludwig

    2. 2 KP

      Was ist denn mit Tools wie http://www.radian6.com ?

      Ich höre immer wieder von solchen Services, aber die gehen m.E. nicht weit genug. Wenn man wirklich einen Dashboardanspruch hat, dann muss da auch CMS-Funktionalität drin sein. Also eine smartes Frontend, das es Markenmanagern erlaubt, die Inhalte auf den Networks zu verteilen und diese inklusive der entstehenden Gespräche (Kommentare) zurückzuaggregieren. Das wäre zumindest mein Anspruch …

    3. 3 Michael

      Sicher ein spannendes Thema. Die Falle lauert immer da, wo man anfängt aufgrund getroffener Aussagen derartiger Systeme (oder auch vermeintlicher Aussagen derartiger Systeme) zu glauben, dies entspräche einer tragfähigen Entscheidungsbasis. Fair wäre so etwas z.B. mit einer kritischen Selbsteinschätzung über den “Wahrheits- oder Wirklichkeitsquotienten” der zugrundeliegenden Datenmenge.

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