Woher kommen die Nutzer?

Gerade habe ich bei Turi2 folgendes Zitat von Manfred Hasenbeck (Burda-Yukom) gelesen:

Sie können heute die schönsten medialen Weihnachtsbäume ins Netz stellen. Wenn der Rezipient nicht weiß, dass es sie gibt, wird er sie nicht finden.

Ganz ähnliche Kommentare habe ich in den letzten Tagen auch immer gehört, wenn es um die Produktion neuer, zum Teil crossmedialer Angebote der Wissenschaftskommunikation geht: “Was ist denn, wenn wir mit großem Aufwand tolle Filme über Wissenschaftler herstellen, und dann findet diese Filme niemand im Netz?”

Der Denkfehler liegt darin, dass es gar nicht so sehr darum geht, dass die Rezipienten (hoffentlich landet dieses Schimpfwort zusammen mit dem Konsumenten auf dem diskursiven Müllhaufen) selbst diese Inhalte finden. Natürlich guckt der normale Nutzer nicht täglich auf die Seiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um nachzusehen, ob es da womöglich neue Multimediainhalte gibt. Was für eine seltsame Vorstellung.

Nutzer suchen nach Themen. Die meisten suchen auf Google. Deshalb gilt: Wenn die Inhalte gut sind und über Suchmaschinen wie Google gut auffindbar sind (also gut verschlagwortet), dann werden sie gefunden. Wenn ich meine Angebote im Deep Web verstecke, brauche ich mich nicht wundern, dass sie nicht gefunden werden.

Also: stellt eure schönen medialen Weihnachtsbäume ins Netz, sorgt dafür, dass Google damit etwas anfangen kann. Wenn die Inhalte gut sind, dann werden die Nutzer auch kommen.



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  • 4 Responses to “Woher kommen die Nutzer?”


    1. 1 Simon Columbus

      Dazu fällt mir ein sehr schönes Beispiel ein: Ich traf vor einiger Zeit in Budapest auf einem Kongress einen Wissenschaftler, der zu mir, als ich sagte, dass ich aus Siegen käme, meinte, dort sei er doch im November auf einer Konferenz. Nicht ganz zufällig eine Konferenz, deren Thema mich recht stark interessiert. Muss ich nach Budapest reisen, um mich über Veranstaltungen in meiner Heimatstadt zu informieren?

      In diesem – wie in vielen Fällen – würde allerdings auch gute SEO nicht helfen: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine für mich interessante Konferenz in Siegen stattfindet, ist zu gering, als dass ich danach suchen würde.
      Daher sind meiner Meinung nach in vielen Bereichen Aggregatoren wichtiger als Suchmaschinen.

      Ich wäre ohne diesen Zufall also nicht über diese Konferenz gestolpert, obwohl sie direkt vor meiner Haustür stattfindet. Das liegt in meinen Augen vor allem daran, dass es keinen abonnierbaren Veranstaltungskalender für Siegen gibt (zumindest nicht online).

    2. 2 Ole

      Spannende Diskussion, die ich gerne auch gestern bereits gerne weiter getrieben hätte. Zugegeben: Sie haben recht – über Google erreiche ich die multimedialen Tannenbäume und bei entsprechender Aufbereitung und Verschlagwortung kommen sogar massenweise Leser/ Nutzer/ Surfer / etc auf meine Website. (Das ist meiner Meinung allerdings nur der technische Aspekt)

      Es muss mir allerdings, und da stimme ich Ihnen wieder zu, gelingen Themen zu schaffen, die auf Google gesucht werden. Ich muss also die Menschen auf ein Thema aufmerksam machen – wie schaffe ich es zum Beispiel, dass die Menschen den Begriff multimedialer Weihnachtsbaum im Juni googeln? Und vor allem, wie schaffe ich, dass sie das richtige Schlagwort verwenden?

      Meiner Meinung nach geht es also allein darum ein Thema/ Bedürfnis/ Begehrlichkeit zu wecken: das erreiche ich allerdings nur über Kommunikation…. also über den klassischen Weg: Marketing, PR bzw. allgemein die Medien (und dazu zählen auch Blogs), oder über den Web 2.0 Weg: „virale“ Verbreitungswege jeglicher Form.

      Wenn ich also ein tolles Thema habe und es so aufbereiten kann, das es interessant ist, habe ich viele Nutzer, habe ich viele Querverweise, werde ich zitiert und schaffe so Aufmerksamkeit…..

      Ohne Ehrensenf hätte die DGF zum Beispiel nicht dieses Maß an Aufmerksamkeit bekommen, oder was meine Sie?

    3. 3 Micha

      Da ist einfach ein typisches Beispiel wie es oft im Leben passiert. In Suchmaschinen kann man solche Termine eh nie finden. In solchen Fällen sollte man einfach mehr die Tagespresse lesen.

    4. 4 Simon Columbus

      “In solchen Fällen sollte man einfach mehr die Tagespresse lesen.”

      Mal ganz ehrlich: Täglich mindestens eine halbe Stunde dafür zu verschwenden, eine Zeitung von grausiger Qualität zu lesen um evtl. auf interessante Veranstaltungen aufmerksam gemacht zu werden – das kann ja wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

      Ich sage ja: Es braucht mehr Aggregatoren. Regionale Tageszeitungen erfüllen eine aggregierende Aufgabe – eigens recherchierte Inhalte stellen schließlich die Minderheit dar -, nur nicht im digitalen Zeitalter.

      Da schon lieber Methoden zum erleichterten GeoTagging von Nachrichten im Netz als automatisierte oder redaktionell betreute Aggregatoren regional relevanter Informationen.

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