Google AdPlanner: Das Ende der Online-Mediaplanung?

Gerade eben habe ich meinen Zugang für die Betaversion des neuen Googledienstes AdPlanner bekommen. Schon mit den ersten paar Klicks wird deutlich, welche Sprengkraft dieses neue Kostenlosangebot von Google für das Berufsbild des Mediaplaners haben könnte: Im Handumdrehen lassen sich hier Zielgruppen suchen, sortieren, vergleichen und dann in vielen Fällen gleich die entsprechenden Google-Ads buchen. Die Differenzierung nach Land, Sprache, Alter, Bildung, Geschlecht, Haushaltseinkommen funktioniert tadellos – allerdings gibt es diese demographischen Daten bislang erst für die USA.

Ich habe einmal die letzten AGOF-Internet Facts (Juni 2008) zur Hand genommen und die jeweils angegebenen Unique Visitorzahlen verglichen. Das Ergebnis (Klick zum Vergrößern):

Man erkennt, dass die Werte für viele Angebote sehr ähnlich liegen, einige Male kommt Google zu einer etwas höheren Reichweite (GMX, Yahoo, StudiVZ, Chip) und bei T-Online und ProSieben.de liegt Google weit unter den AGOF-Zahlen. Deutlich wird aber auch, dass Googles Planungswerkzeug anders funktioniert als die AGOF Zählung: Hier können Daten für fast alle Angebote abgerufen werden (außer Googleeigenen Diensten wie Google oder Youtube) und nicht nur für teilnehmende Vermarkter. Ebay.de, Mozilla.com und Wikipedia.org liegen bei den deutschen Internetnutzern weit vorne – drei beispielhafte Angebote, die in den Internet Facts nicht vorkommen.

Aber nicht nur der Blick nach vorne ist interessant, sondern vor allem der Blick in den Long Tail. Hier zeigt sich die wahre Stärke des Google-Tools, denn auch Angebote mit wenigen Tausend Besuchern im Monat können hier angezeigt und in die Online-Mediaplanung einbezogen werden. Und die Zahlen für dieses Blog hier sind sogar einigermaßen realistisch. Richtig spannend für die Online-Mediaplanung wird es freilich dann, wenn auch für das deutsche Publikum demographische Angaben verfügbar sind und wenn die Integration des Google-Werbenetzwerkes in den AdPlanner reibungslos funktioniert (momentan werden die Werbeplätze in diesem Blog noch nicht angezeigt). Das könnte dann tatsächlich den Markt der Online-Mediaplanung kräftig durcheinanderwirbeln.

Eine weitere interessante Frage ist: Was macht Google mit den Mediaplanungsdaten? In den Plänen stecken viele Informationen über die wahrgenommene Passung von Internetangeboten und Zielgruppen, die wiederum in aggregierter Form ausgewertet werden könnten, um einen Eindruck von der Perspektive der Mediaplanung auf das Internet zu bekommen.



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  • 9 Responses to “Google AdPlanner: Das Ende der Online-Mediaplanung?”


    1. 1 Martin

      Es ist wahrlich erstaunlich, wie sich die Mediaplanung langsam aber sicher automatisiert angesichts der Dienste von AdPlanner, AdBrite, Adscale, usw… (siehe Post zu ‘Automatisierte Mediaplanung…’) Man frägt sich langsam, ob die Entwicklung für die Media-Agenturen nicht gefährlich wird, denn irgendwann werden die Kunden entscheiden, dass sie eine Agentur nicht mehr zwingend gebrauchen können. Vor allem, wenn die Medienhäuser kreative Dienstleistungen und Beratungsdienste für ihre Kunden ausbauen.

    2. 2 Marc | Wissenswerkstatt

      Ich warte noch auf meinen Beta-Zugang, hatte aber vor 2 Wochen schonmal kurz Gelegenheit in das neue Zauberwerkzeug zu blicken. Und, ja, alles sehr, sehr spannend und hinsichtlich der feinteiligen Analysekategorien und den Vergleichswerkzeugen für verschiedene Internetangebote schon mehr als bemerkenswert.

      Allerdings hatte ich den Eindruck, daß die angegebenen Werte desto zuverlässiger sind, je größer das Angebot. Soll heißen: die großen Player werden recht zuverlässig erfasst, die kleineren Sites schwanken hinsichtlich der Treffgenauigkeit. Muß dann bei Gelegenheit testen, wie sich das mit Seiten verhält, deren harte Werte mir bekannt sind.

      Und die Frage, die sich mir bei der ganzen Sache stellt: woher hat Google diese Zahlen? Denn nach eigener Verlautbarung sind es nicht die Analytics-Zahlen…

    3. 3 Kersten

      Wieso liegt mozilla.com so weit vorne? Weil die vermeintlich mündigen Firefox-User alle ihre Startseite nicht ändern? Sieht jemand einen anderen Grund?

    4. 4 dsl

      Da bin ich mal gespannt was da so alles kommt.

    5. 5 tim

      Disclaimer: Ich arbeite als Planer in einer Agentur für digiales Marketing.

      Mich wundert etwas, dass dieser Artikel hier bisher unkommentiert geblieben ist.

      Die durchaus provokative Headline möchte ich gerne etwas einordnen. Ich habe mir den Ad Planner natürlich auch angeschaut und mit AGOF-Daten verglichen. Wir als Agentur sind im Bereich des Online-Marketings für Finanzkunden aktiv und suchen Umfelder für z. T. sehr spitze Zielgruppen. Gerade an diesem Punkt sehe ich eine große Schwachstelle von Google und auch der AGOF, weil ich z. B. einen Discount-Zertifikate-Interessenten nicht als Zielgruppe einstellen kann, sondern auf sehr “grobe” Zielgruppen zurückgreifen kann. (Mal schauen, ob sich das in Zukunft ändert)

      Den Vorteil des Google-Ad Planner sehe ich darin, das man recht gut weitere Anregungen für den Long-Tail-Bereich bekomme. Aber wenn ich weiß, dass ein OnVista-Nutzer auch Godmode-Trader nutzt, bleibt es doch ohne weiteres Know How unklar, welche spezielle Rubrik dort für das Produkt sinnvoll ist. Des Weiteren lassen sich ja auch nicht alle Sites, die im Planner aufgeführt sind, als Werbemedium nutzen. Hier sei z. B. die Erkenntnis kritisch hinterfagt zu wissen, dass Wikipedia eine hohe Reichweite hat.

      Ich denke, dass der Mediaplaner aus diesen Gründen gefragt ist, diese Ergebnisse sinnvoll einzuordnen. Darüber hinaus sehe ich die Arbeit des Mediaplaners auch darin, eine gesamte Online-/Digital-Strategien zu entwickeln (Online-Media, SEM, SEO, Mobile, Landingpages, etc.). Bei dieser Arbeit kann der Ad Planner dem User eine wichtige Unterstützung liefern. Er bleibt aber ein Tool.

      Nichtsdestotrotz gilt es, die weitere Entwicklung mit wachem Auge zu betrachten. Gerade auch im Hinblick, dass für AGOF-Daten Lizenzgebühren fällig werden.

    6. 6 Wolfgang

      Ich kann tim nur zustimmen und halte die Überschrift und die Einleitung (“Sprengkraft [...] für das Berufsbild des Mediaplaners”) für völlig überzogen. Im Artikel findet sich auch nichts, was diesen logischen Schluss zuließe.

      Die Daten von Google sind für die Mediaplanung eine sinnvolle Ergänzung zu den vorhandenen Studien, können diese aber in nächster Zeit nicht ersetzen. Die Bedeutung des Planers, der diese Tools bedienen und ihre Ergebnisse bewerten kann, nimmt m.E. sogar eher ZU als AB.

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