Gespräch über “Deutschland, deine Blogs” im Bayerischen Rundfunk

Gleich mache ich mich auf zum Rundfunkplatz 1 (wird es irgendwann einmal auch einen Social-Media-Platz geben?), um auf on3radio, der Jugendwelle des Bayerischen Rundfunk, etwas über Politik in Weblogs und die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA zu erzählen. Ich bin ja einmal gespannt, wieviel aus dem Fragenkatalog der Vorankündigung sich zweimal sieben Minuten Interview packen lassen:

In den USA prägen Blogs wie “Huffington Post” die Tagespolitik. In Deutschland übernehmen diese Aufgabe immer noch und fast ausnahmslos die klassischen Medien. Wenn es im Internet beachtenswerte Beiträge zu Debatten gibt, dann meist als zweitverwertete Stücke aus Radio, Fernsehen oder Zeitung. Derweil dämmern die deutschen Blogs vor sich hin, im aktuellen Spiegel werden sie als “unpolitisch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell” bezeichnet. Wir fragen uns: Stimmt das? Und wenn ja: Woran liegt das?

Dr. Benedikt Köhler von der Universität der Bundeswehr München ist Soziologe mit Interessensschwerpunkt auf der Soziologie des Internets – und selbst Blogger. Heute ist er bei uns um Studio und wird sich mit Laury über deutsches Internet und deutsche Blogs unterhalten. Sind die deutschen Blogs, die deutschen Blogger wirklich so schlecht? Ist die Tatsache, dass in Deutschland nur wenige etablierte Journalisten ins Internet flüchten, anders beispielsweise als in Frankreich und den USA, nicht eigentlich ein Kompliment für die hiesige Medienlandschaft? Brauchen wir vielleicht gar keine Debatte im Internet, weil wir schon eine haben: in Radio, Fernsehen und Zeitung, mit Meinungen vom rechten bis zum linken Rand der politischen Lager? Wollen es die deutschen Internetnutzer vielleicht gar nicht anders, ist Politik im Internet für sie eher schnelle Information als große Diskussion? Und welche Rolle spielt das deutsche Parteiensystem, das nicht nur Demokraten und Republikaner kennt, sondern auch kleinere Parteien, die immer wieder neue Aspekte in große politische Debatten einbringen?

Eines dürfte aber klar sein: Der These, die deutschen Blogger seien “unpolitisch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell” kann ich in dieser Form nicht zustimmen. Zumal es den deutschen Blogger oder die deutsche Bloggerin sowieso nicht gibt. Überhaupt: Je mehr sich das Medium Blog durchsetzt, desto schwieriger wird es, Gemeinsamkeiten zwischen den Nutzern zu finden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass BloggerInnen früher oder später nicht mehr sehr viel mehr gemeinsam haben als die Briefe-Schreiber früher oder die Handynutzer heute. Was meint ihr?

Das Gespräch wird zwischen 17 und 18 Uhr hier auch online übertragen.



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  • 7 Responses to “Gespräch über “Deutschland, deine Blogs” im Bayerischen Rundfunk”


    1. 1 Nils Hitze

      Den deutschen Blogger gibt es wohl wirklich nicht, aber es gibt ja auch nicht den amerikanischen Blogger .. nur ein bisschen unpolitisch und weltfremd finde ich unsere Blog in Deutschland schon manchmal .. Trotzdem war der Artikel im SPON maßlos überzogen.

      Werd nachher auf alle Fälle mal reinhorchen, sofern ich’s nicht vergesse. Hoffe du stellst den Mitschnitt nachher online ;)

      Kaffee nächste Woche. Eigentlich schuldest du mir noch einen Sonderdruck.

    2. 2 Marc | Wissenswerkstatt

      Eigentlich doch wirklich frustrierend, daß man sich ständig den Mund fusselig redet und gebetsmühlenartig wiederholen muß, daß es die Blogger so gar nicht gibt.
      Wenn Du einigermaßen rüberbringen kannst, daß Blogs schlicht ein dialogorientiertes Onlinemedium sind und deren Inhalte, Qualität, Diskursivität sich von Fall zu Fall unterscheidet, dann ist schonmal was geleistet. Ist doch auch nicht so schwer zu verstehen, denn alles was auf Papier gedruckt ist, erreicht doch auch nicht das Niveau des FAZ- oder SZ-Feuilletons.

    3. 3 Oliver

      Es ist doch ohnehin müßig den Blogger zu suchen, stetig jenes noble Ziel für Blogs zu definieren und überall die Politik zu verneinen. Letztendlich kommt die Politik ohnehin Huckepack beschäftigt man sich denn mit den Menschen, deren Gefühlen, Hoffnungen, Interessen etc. pp. Der sogenannte Cat-Content, das oft verleugnete Tagebuch sind somit ebenso valide Bereiche die zur Kultur beitragen. Blicke ich zurück und als Historiker mache ich das recht häufig, so sind gerade die kulturhistorischen Belange mehr von Interesse als denn die staatstragenden Akte auf internationalem Terrain. Das eine schließt jedenfalls das andere nicht aus und beide bedingen einander.

    4. 4 thilo

      Ich meine genau das: DEN Blogger oder DAS Blog gibt es genausowenig wie DEN Mobilfunknutzer.

    5. 5 Benedikt

      @Nils: Ja, Kaffee nächste Woche ist eine gute Idee. Bringe dafür zwei Sonderdrucke mit.

      @Marc: Vor allem unterscheiden sich die Motive und Ziele der Leute, die Bloggen sehr viel stärker als der Journalisten bzw. Verlage.

      @Oliver: Das denke ich mir auch immer, wenn über die vielen irrelevanten Foodblogs im Netz geschimpft wird. Brot hat schließlich schon mehr als eine Revolution in Gang gebracht. Letztlich steckt hinter der Blogphobie oft nicht viel mehr als ein ganz durchschnittlicher Hochkulturdünkel. Dieselben Leute, die sich heute über die Blogger aufregen, hätten vor zweihundert Jahren über die verrückten Romanleser geschimpft.

      @thilo: Bzw. nicht mehr. Am Anfang werden neue Medien schon von einer ganz spezifischen Personengruppe genutzt. Erinnern wir uns an die ersten Jahre des Fernsehens in Deutschland: ein reines Oberschichtphänomen!

    1. 1 Bitte notieren: Blogs sind keine Massenmedien at viralmythen
    2. 2 Zweitverwertung at viralmythen

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