Neue Medientheorie

Wie ich bereits erwähnt habe, liegt gerade der “Reader Neue Medien” von Karin Bruns und Ramón Reichert auf meinem Schreibtisch (hier gibt’s eine Leseprobe). Sieht auf den ersten Blick sehr interessant aus zumal mir die sehr “Transcriptische” Perspektive, unter der dieser Band zusammengestellt wurde, sehr sympathisch ist:

“Der Schwerpunkt … liegt auf einem kulturwissenschaftlichen Ansatz, der den Computer als Bedeutung generierendes Medium versteht, mit dem sich Macht erzeugen, Politik betreiben und Kunst hervorbringen lässt.”

Auf stolzen 540 Seiten werden die Themen Digitalisierung, Virtualität, Hypertext, Cyberfeminismus, Networking, Spiele und Avatare in 38 grundlegenden Texten abgehandelt. Dabei fällt auf, dass es vor allem angelsächsische Autoren sind, die für die Theorie Neuer Medien für einflussreich gehalten werden. Die deutschsprachige Medientheorie ist durch die usual suspects Max Bense, Friedrich Kittler, Claus Pias und Siegfried J. Schmidt sowie noch Marie-Luise Angerer vertreten.

Bei der Auswahl der Texte, von denen ich viele schon aus anderen Zusammenhängen kenne (Alan Turing, Vannevar Bush, Esther Dyson, John B. Barlow, Donna Haraway, Steven Levy, Howard Rheingold, Sherry Turkle), erkennt man deutlich die Problematik der Zusammenstellung eines solchen Readers: Auf der einen Seite möchte man aktuelles Material bieten, das den state of the art des Nachdenkens über Neue Medien repräsentiert. Auf der anderen Seite müssen die Texte aber schon ein wenig “abgehangen” sein, so dass sich überhaupt beurteilen lässt, welche Entwürfe Bestand haben werden und eine Diskussion hervorgebracht haben. So lässt sich erklären, dass nur ein einziger Beitrag jünger als fünf Jahre ist.

Nur bedeutet das, dass der hier präsentierte Blick auf digitale Medien das Mainstreaming vieler Webanwendungen, die durch das mobile Netz mögliche Durchdringung von virtuellen und materiellen Welten sowie die Entstehung eines Teilhardschen globalen Bewusstseins (“Noosphäre”) noch nicht im Blick hat.

Außerdem fehlen Beiträge von ausgerechnet den beiden Theoretikern, in deren Theorien die jüngsten Entwicklungen tatsächlich schon auftauchen: Vilém Flusser und Marshall McLuhan.



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