Mit kollegialen Grüßen …

Gerade eben habe ich von der Post ein Päckchen mit einem Stapel Sonderdrucke meines Aufsatzes über “Amtliche Statistik, Sichtbarkeit und die Herstellung von Verfügbarkeit” (DOI: 10.1007/s11609-008-0005-8) bekommen, dem aktuellen Berliner Journal für Soziologie abgedruckt wurde. Es handelt sich bei diesem Medium (Fachbezeichnung: Separatum) mit Sicherheit um eine aussterbende Art. Da die Aufsätze sowieso für die Onlineausgaben der Zeitschriften ins PDF-Format umgewandelt werden, wenn sie nicht schon in diesem Format gedruckt wurden, ist es viel günstiger und praktischer, Sonderdrucke als digitale Dokumente zu verschicken. Spätestens wenn der letzte Soziologie-Professor einen Email-Account besitzt, wird sich das wohl durchsetzen.

Die Wikipedia definiert den Sonderdruck wie folgt:

Sonderdrucke oder Separata sind die Einzeldrucke eines Zeitschriftenartikels oder eines Beitrags in einem Sammelband. Sie dienen dem Autor (den Autoren) als Belegexemplar und zum Versand an interessierte Fachkollegen.

Der Schluss dieser Definition verweist jedoch auf die eigentliche Bedeutung des Sonderdrucks als akademischen Ritualgegenstand. Durchforstet man die Nachlässe von Professoren, so findet sich dort zumeist ein großer Stapel von vergilbten Sonderdrucken, die befreundete – oder befeindete – Peers ihnen zugeschickt haben. Meist findet sich dabei noch eine darangeheftete Visitenkarte oder ein handschriftlicher Vermerk à la “mit kollegialen Grüßen”. Dieser symbolische Überschuss lässt sich freilich mit den digitalen Nachfolgern des Sonderdrucks nicht auffangen. Insofern handelt es sich bei den momentan noch versandten Sonderdrucken um eine Art Luxusobjekt, einen Gegenstand aus einer zunehmend verblassenden Symbolwelt.

Wer unter den Leserinnen dieses Blogs – eines fast schon zu digitalen Mediums – einmal in den Genuss eines mit handschriftlichen kollegialen Grüßen versehenen Sonderdrucks kommen möchte, hat jetzt die Gelegenheit dazu. Ein guter Kommentar zu diesem Beitrag genügt, und ich führe dreimal diesen alten akademischen Ritus des “Sonderdruck-Zueignens” aus.



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  • 5 Responses to “Mit kollegialen Grüßen …”


    1. 1 Nils Hitze

      Einen “guten” Kommentar, was zählt denn so zu einem “guten” Kommentar? Der erste Kommentar? Der witzigste? Der mit den meisten Fremdwörtern und umständlichen Umschreibungen? Jedenfalls wäre ich gerne Besitzer eines deiner Sonderdrucke, vielleicht kannst du mir den nächste Woche ja einfach händisch überreichen und einen Kaffee gleich dazu. Meld dich einfach.

    2. 2 Benedikt

      Ja, das war ein guter Kommentar ;-)

    3. 3 Jan Schmidt

      Es gibt Linktausch und Frauentausch, da sollte es auch Sonderdrucktausch geben. Ich biete Dir einen signierten Sonderdruck meines Aufsatzes “Orte des guten Lebens im Internet” für einen signierten Sonderdruck von “Amtliche Statistik, Sichtbarkeit und die Herstellung von Verfügbarkeit”. Deal? :)

    4. 4 Benedikt

      Es lebe der Sonderdrucktausch! Bin dabei.

    5. 5 Fischer

      *Spätestens wenn der letzte Soziologie-Professor einen Email-Account besitzt, wird sich das wohl durchsetzen.*

      Ja. Aber wann wird das sein? ;)

      Re Sonderdrucktausch: Könnte eine drittklassige Diplomarbeit (meine) als Tauschware anbieten.

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