Monthly Archive for April, 2008

Das Ende der URL – “Google ‘viralmythen’ to find out more”

Die Geschichte der massenhaften Durchsetzung des Internet ist auch eine Geschichte eines sprachlichen Wandels. Zu Anfang waren die Adressen, die man händisch in den Browser eingeben mussten, noch kryptische Kombinationen – tief verschachtelt und in der häufigen Verwendung der Tilde “~” noch mit deutlichen Referenten an die UNIX-Filestruktur (dort ist “~” eine Abkürzung für das Heimatverzeichnis eines Benutzers). So war zum Beispiel ein sehr frühes Blog unter der Adresse http://www.link-goe.com/~hwo/MeinFramo.htm erreichbar.

Mit der großen Internetblase um die Jahrtausendwende veränderte sich auch das Sprechen über das Internet. Der Buchstabe “w” wurde damit zu einem der wichtigsten auf den Tastaturen. Zudem entstanden Unternehmen, die sich über ihre Internetadresse definierten und die .com- oder .de-Endung in ihren Markennamen integrierten. Ein prominentes Beispiel dafür ist Amazon.com (“Amazondotcom”).

Cabel Maxfield Sasser hat auf seiner Japanreise erste Anzeichen dafür gefunden, dass sich dieses Phänomen wieder auf dem Abschwung befindet. Die URLs werden in der Werbesprache allmählich durch etwas neues ersetzt: Plakat- oder TV-Werbung, auf der ein Suchmaschinenfeld abgebildet ist, in dem der Name des Unternehmens steht. Das ergibt natürlich nur dann Sinn, wenn das Unternehmen oder die Marke im Suchmaschinenuniversum auch überall an erster Stelle gerankt wird. Ergebnis ist eine Semantik, die wesentlich auf dem Funktionieren der Suchmaschinenoptimierung (SEO) beruht. “Google ‘pontiac’ to find out more”, hieß es zum Beispiel 2006 in einem Werbeclip des Autoherstellers (siehe dazu auch dieses schöne Beispiel).

Nachdem nur noch die wenigsten Leute sich URLs merken und Buchstabe für Buchstabe in die Adresszeile des Browsers eintippen, sondern einfach die Google-, Yahoo- oder Wikipedia-Suchleiste daneben verwenden, spielt die Reservierung einer möglichst kurzen Domain keine große Rolle mehr. Lieber eine etwas umständliche URL, auf die dann aber bei alle wichtigen Suchmaschinen bei der Suche nach Unternehmen oder Marke verweisen. Vielleicht spielen in Zukunft aber auch Quick Response-Codes bei der Überwindung der Medienlücke zwischen Offline und Online eine größere Rolle oder RealName-ähnliche Dienste werden als Geschäftsidee wieder attraktiv.



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    Märkte sind Gespräche. Das merkt man zur Zeit an dem starken Anstieg der twitternden Unternehmen (Corporate Twitter). Hier eine Liste (anzumerken ist jedoch, dass es sich in den meisten vielen Fällen um Feeds handelt, die automatisch auch in Twitter eingespeist werden):

    Transport
    Deutsche Bahn (seit 11.4.2008, Feed)

    Medien
    Bild Newsticker (seit 9.10.2007, Feed, letzte Meldung vor zwei Wochen)
    Bunte Online (seit 22.8.2007, Feed, letzte Meldung vor fünf Monaten)
    Computerwoche (seit 10.4.2008, Feed)
    Der Westen (seit 10.6.2008, Dialog)

    Deutsche Welle (seit 14.5.2007, Feed)
    Focus Online (seit 26.4.2007, Feed, letzte Meldung vor zwei Wochen)
    Hannoversche Allgemeine Zeitung (seit 17.10.2008, Dialog)
    Heise Online (seit 2.4.2007, Feed, letzte Meldung vor zwei Monaten)
    iBusiness.de (seit 4.4.2008, Feed)
    NZZ (seit 31.3.2008, Feed)
    Online PC (seit 4.3.2008, Feed)
    Sevenload (seit 23.3.2007, Links)
    Spex (seit 6.4.2008, Dialog)
    Stern.de (seit 1.11.2007, Feed)
    T3N Magazine (seit 11.12.2007, Feed)
    Tagesanzeiger (seit 10.5.2007, Feed)
    Titanic (seit 22.1.2008, Feed)
    Welt Kompakt (seit 13.3.2008, Dialog)
    Welt Online (seit 7.9.2007, Feed)
    Zeit Online (seit 2.5.2007, Feed, letzte Meldung vor zwei Wochen)

    Handel
    Lehmann’s Buchhandlung (seit 6.10.2008, Dialog)

    Mode
    A better tomorrow (seit 13.4.2007, Dialog)
    Spreadshirt (seit 8.3.2008, Dialog)

    Internet
    Blogpiloten (seit 10.1.2008, Dialog)
    DocInsider (seit 17.7.2008, Dialog)
    Hitflip (seit 12.3.2007, Dialog)
    hype! (seit 11.12.2007, Feed)
    Mixxt (seit 1.11.2007, Dialog, auch englisch)
    NETFORMIC (seit 4.3.2008, Dialog)
    Netzathleten (seit 4.9.2007, Dialog)
    Preisbock (seit 21.12.2007, Feed)
    Qype (seit 29.3.2007, Dialog)
    Travello (seit 10.8.2007, Dialog)
    Yeebase (seit 11.12.2007, Dialog)

    Technologie
    Cellity (seit 11.4.2008, Dialog)
    Newthinking Store (seit 4.4.2008, Dialog)

    Telekommunikation
    O2 Surf Stick (seit 19.1.2009, Dialog)

    Agenturen
    Ad!Think (seit 16.9.2008, Dialog)
    conosco (seit 22.4.2008)
    Kehrseite (gerade eben begonnen)
    KMTO (seit 12.10.2007, Dialog)
    nugg.ad (seit 7.12.2007, Dialog)
    sinnerschrader (seit 28.8.2007, Dialog)
    Smaboo (seit 1.4.2008, Dialog)

    Genuss
    Lamian Restaurant (seit 16.4.2008, Dialog)
    MyMuesli (seit 12.4.2008, Dialog)
    Saftblog (seit 24.4.2008, Dialog)
    San Lorenzo (seit 30.1.2008, Dialog)
    Sonntagmorgen (seit 29.8.2007, Dialog)
    Südafrika Weininformation (seit 16.4.2008, Dialog)
    verkostet.de (seit 2.4.2008, Dialog)
    Viva-Vino (seit 14.11.2007, Dialog)
    Weingut Probst (seit 13.4.2008, erst ein Update)
    Weingut Staffelter Hof (seit 12.4.2008, Dialog)

    NGOs
    Ärzte ohne Grenzen Österreich (seit 29.8.2008, Feed)
    Greenpeace Hamburg (seit 17.1.2008, Dialog)
    pl0gbar (seit 16.3.2007, Dialog)

    Kunst
    Galerie Royal (seit 16.5.2008)

    Siehe dazu auch:



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  • Haftung für offene Netze

    Reto Mantz hat zum Thema “Rechtsfragen offener Netze. Rechtliche Gestaltung und Haftung des Access Providers in zugangsoffenen (Funk-)Netzen” promoviert.

    Das mag zunächst recht abstrakt klingen, dürfte aber für alle, die einen offenen WLAN-Zugangspunkt betreiben (z.B. FON-Mitglieder) interessieren. In der Arbeit, die hier unter einer CC-Lizenz heruntergeladen oder natürlich auch gekauft werden kann, geht es unter anderem auch um die Frage, inwiefern ein Betreiber eines offenen WLAN für Delikte haftet, die über diesen Zugang begangen werden.

    Wenn ich Mantz richtig verstehe, wird dies nach wie vor kontrovers diskutiert und bleibt abhängig vom jeweiligen Einzelfall. Aber so schlecht sieht es für die Zugangsbetreiber nicht aus, da sie in der Regel eine “sozial erwünschte Aufgabe vor dem Hintergrund einer sozialen Motivation” erfüllen und da ihnen aufgrund der Unentgeltlichkeit ihrer Handlungen keine größeren Pflichten zugemutet werden können.

    Außerdem: “Wenn die Störerhaftung nicht greift, verbleibt dem Geschädigten lediglich der Anspruch gegen den unmittelbaren Verletzer. Um dessen Identität festzustellen, kann er versuchen, vom Access Provider Auskunft über den Störer zu erhalten. In offenen Netzen sind die notwendigen Daten allerdings regelmäßig nicht vorhanden. Zudem widerspricht der Auskunftsanspruch geltendem Datenschutzrecht. Nicht zuletzt deshalb bestehen Auskunftsansprüche gegen den Netzknotenbetreiber nicht.” (via Lawblog)



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    Tom O’Brien verweist auf ein Konferenzpaper mit den Ergebnissen einer ziemlich umfangreichen Analyse (n=1.900.000) von MySpace-Profilen, die James Caverlee und Steve Webb durchgeführt haben.

    Untersucht werden drei Dimensionen: Soziabilität (Wie vernetzen sich die MySpace-Nutzer untereinander?), Demographie (Alter, Geschlecht, Ort) und Sprachmodell (Wie verständigen sich die Nutzer?).

    Die wichtigsten Resultate in Kurzform:

    • Aktivität: Fast die Hälfte der untersuchten Profile waren Karteileichen (bei den Bands scheint es ähnlich zu sein) Das macht einmal mehr deutlich, dass das simple Zählen der Profile kaum etwas über den Wert eines Social Networks aussagt.
    • Alter: Bei den jüngeren Nutzern (14-20) sind weibliche, bei den älteren (ab 20) männliche Nutzer überrepräsentiert
    • Sprache: Es gibt deutlich unterschiedliche Sprachmodelle für Nutzer unterschiedlichen Alters, Geschlechts oder Wohnorts. Das bedeutet nichts anderes als folgendes: wenn man den Sprachgebrauch untersucht, kann man falsche demographische Angaben korrigieren. Denn es dürfte deutlich schwieriger sein, seine Art zu Schreiben zu fälschen als demographische Angaben.
    • Privatsphäre: Der Anteil nicht-öffentlicher Profile nimmt zu, was die Autoren als ein gestiegenes Privacy-Bewusstsein bei den Späteinsteigern deuten.
    • Rentner aufgepasst: Nutzer, die als Alter 69 eingetragen haben, ähneln ihrem Sprachmodell verblüffend den Mittdreißigern, scheinen die Altersangabe aber als Code für bestimmte sexuelle Vorlieben zu verwenden, denn das Mittdreißiger-Sprachmodell wird hier ergänzt durch Begriffe wie “swinger”, “sex”, “night”, “a**” und “f***”. Mashable hatte auch schon einmal darüber berichtet.


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  • Stapelverarbeitung – 16.4.2008

    Der Stapel für heute enthält wieder einmal einiges zu Twitter, aber auch ein paar grundsätzliche Gedanken zum Web 2.0 bzw. Social Media.

    Mythen des Web 2.0

    John Dodds hat ein klein wenig Diskursforschung betrieben und die fünf besten erfundenen Wörter des Web 2.0 zusammengestellt: Conversation, Community, Relationship, Content und Authenticity. Diese Begriffe werden jedoch viel zu häufig missverstanden: Web 2.0 bedeutet für ihn eine Rückkehr zur “guten alten” Kundenorientierung auf Grundlage einer gesteigerten Reaktionsfähigkeit. Was sich aber nicht ändert: die Kunden. “It doesn’t mean that your customers want a conversation with you. They generally want a quiet life without unwanted noise from you.” Zu so einem Ergebnis kommt man aber nur, wenn man die empirisch gut belegte Veränderung in der Mediennutzung der Menschen ignoriert.

    Corporate-Twitter

    Allmählich entdecken die Unternehmen die mit Twitter mögliche Instantkommunikation (sowie: die dort Tag für Tag erreichbare Premium-Zielgruppe). Daniel Riveoung hat sich das näher angesehen. Mit dabei sind z.B. schon H&R Block, 10 Downing Street, Zappos, BBC News, Yahoo Marketing, Amazon.com oder der LaGuardia-Flughafen in New York. Warum twittern sie alle? Zum einen ist das eine Gelegenheit, sich auf praktischem Wege Knowhow für die Verwendung von Social Media anzueignen. Zum anderen bekommen sie dort mit, wie die “Linkerati”, also die “bleeding edge of early adopters” ticken. Über Twitter können sich Unternehmen überdies ein menschliches Antlitz geben, zum Beispiel indem sich Corporate Twitterer ab und zu an Nonsense-Gesprächen (“occasional fart-related humour”) beteiligen. Aber auch als Mikro-Presseverteiler und für das Reputationsmonitoring lässt sich Twitter einsetzen. Wann twittern Merkel, Fraport oder die Deutsche Bank?

    Social Media-Experte

    Wenn man einen Blick auf Netzwerke wie Xing wirft, dann gewinnt man den Eindruck, dass dieses Land geradezu vor Expertise strotzt. Social Media-Experten überall. Doch was sollte ein Social Media-Experte eigentlich alles wissen und können, damit diese Bezeichnung gerechtfertigt ist? Chris Brogan hat in seiner Reihe “100 nützliche Blogposts über Social Media” einige Anhaltspunkte für die Beantwortung dieser Frage gegeben. Er unterscheidet zwischen strategischen Fähigkeiten (z.B. integrierte Medienkampagnen durchzuführen, 100 Leute aus dem Bereich kennen oder den Stand einer Community in 2 Minuten zusammenfassen zu können) und technischen Fähigkeiten (z.B. Blogsoftware installieren, Social Networks nutzen können oder Suchmaschinenoptimierung). Mal sehen, wie lange es dauert, bis diese Fähigkeitsliste in die amtlichen Beschreibungen der Bundesagentur für Arbeit Eingang findet.

    Das kuratierte Netz

    Fred Stutzman erkennt: Das Web 2.0, das für ihn das Ende der Ressourcenknappheit darstellt (Speicherplatz, Rechenpower, Zugangsschwellen), benötigt digitale “Kurateure” (oder Redakteure), die mit diesem Überfluss umgehen können. Die Zukunft liegt in kleinen, überschaubaren weil handverlesenen Netzwerken wie Twitter, Tumblr oder Seesmic und nicht in großen überkomplexen monolithischen Plattformen wie Facebook. Die Technologien sind nicht mehr das Problem, sondern der kreative Umgang damit. Dafür verwendet er dann den Lévi-Strauss’schen Begriff der “Bricolage“: “To this extent, the fuel of the next web is bricolage, as opposed to the more inherently techno-capitalist notions of mashup and remix.”

    Twitter als Radiogerät

    Hartmut Wöhlbier sieht durch Aggregatoren wie Friendfeed, Socialthing und demnächst auch Facebook einen “volatilen Kommunikationsraum einer völlig neuen Art” entstehen: “Mit der Authentizität der Lifestreams vergegenwärtigt sich die Person bei anderen und bildet so eine verteilte Präsenz aus: Man wird von verschieden Menschen an verschieden Orten wahrgenommen und tritt mit diesen wiederum in Kontakt.” Anzumerken ist, dass die Möglichkeit, Informationen rundfunkartig beliebigen Personen zur Verfügung zu stellen, nichts neues ist (Stichwort: Fernsehen). Neu ist jedoch, dass dies nun für (fast) jeden möglich ist, und zwar “zeitnah von jedem Ort”. Mit Flusser gesprochen: Es geht also um eine Konvergenz amphitheatralischer Diskursmedien wie dem Fernsehen und ortsungebundenen Dialogmedien wie der SMS.



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    Eine der Institutionen der Web 2.0-Medienwelt ist schon seit einiger Zeit der turi2-Köpfe-Fragebogen. Wer hat dort nicht schon alles geistreiche, humorvolle oder einfach nur interessante Antworten gegeben. Felix Schwenzel war da, ebenso Mercedes Bunz und Christoph Keese sowie gerade eben erst Robert Basic. Auf der re:publica hat es dann fast wie aus heiterem Himmel mich erwischt. Ich hatte das Geistreiche-Antworten-für-den-Videofragebogen-Ausdenken zwar schon auf meiner Todo-Liste, aber da ich kein allzu großer Getting-Things-Done-Fan bin, ist dieser Punkt aus dem Blick geraten. Insofern kann ich hier nur 5 Minuten Improvisation eines “bloggenden Soziologen aus München” anbieten:

    Eine Antwort möchte ich nachträglich ergänzen, denn ich werde meinen Kindern auf jedenfall den Rat mitgeben, sich auf den turi2-Videofragebogen gut vorzubereiten.



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    Das die Soziologie ein Imageproblem hat ist kein Geheimnis. Nach wie vor ist sicher ein großer Teil der Bevölkerung der Auffassung, “Soziologie” sei nur ein weiteres Synonym für “Sozialismus”. Alismus oder Ologie, ist doch beides dasselbe.

    Ein Blick auf die aktuell veröffentlichten Wissenschaftsindikatoren der US-amerikanischen National Science Foundation zeigt das ganze Grauen: Nicht nur sind gerade einmal 8 Prozent der Befragten davon überzeugt, die Soziologie sei “sehr wissenschaftlich” (für die Medizin sagen das 81 Prozent). Nein, 8 Prozent der Befragten können mit dem Begriff Soziologie überhaupt nichts anfangen:

    Table 7-12
    Perceptions of scientific nature of various fields: 2006
    (Percent)
     
    Field    Very
    scientific
       Pretty
    scientific
       Not too

    scientific

       Not at all
    scientific
       Haven’t
    heard
    of field
       Don’t know
     
    Medicine   81   16   1       1
    Biology    70   24   2   1     2
    Physics    69   21   3   1   2   4
    Engineering    45   32   11   7     4
    Economics    16   35   31   13   1   3
    Sociology    8   41   29   9   8   6
    Accounting    13   21   31   32     3
    History    10   21   37   29     3
     

    — = ≤0.5% responded

    NOTES: Responses to: How scientific is [field]? Detail may not add to total because of rounding.

    SOURCE: University of Chicago, National Opinion Research Center, General Social Survey (2006). See appendix table 7-27.

    Science and Engineering Indicators 2008

    Obwohl, wenn man diejenigen dazuzählt, die der Soziologie immerhin einigermaßen Wissenschaftlichkeit zugestehen (“pretty scientific”), dann sind es schon 49 Prozent. Die Accounting Studies halten nur 34 Prozent für sehr oder etwas wissenschaftlich, die Geschichtswissenschaften nur 31 Prozent. Aber diese beiden kennt man wenigstens in den USA. Hat jemand zufällig vergleichbare Zahlen für Deutschland parat? (via)

    Übrigens: die Deutsche Gesellschaft für Soziologie hat eine neue Homepage. Das Motto: Es geht auch ohne Layout und so neumodischen Schnickschnack wie RSS. Mal sehen, was Tina dazu sagt.



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    Wieder ein paar subjektive Lesenotizen zu den jüngsten Äußerungen aus meinem Feedreader. Eine Verneigung vor einem der beiden Ursprüngen des Bloggens.

    • Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hat sich in einer Studie dem Thema Social Networks gewidmet. Die Ergebnisse in Kurzform: 85 Prozent der Internetintensivnutzer sind Mitglied in sozialen Netzwerken. 70 Prozent der Befragten sehen ihre Mitgliedschaft als langfristiges Commitment und wollen ihrem wichtigsten Netzwerk “für immer” bleiben. Mitgliedsbeiträge werden dabei weniger akzeptiert als Werbeeinblendungen. Das Durchschnittsalter der Communities liegt zwischen 23 und 47 Jahren. Etwas verwunderlich: Die Forscher kommen auf ein SchülerVZ-Durchschnittsalter von 23 Jahren – handelt es sich in Wirklichkeit um ein Abendschüler-Verzeichnis?
    • Small News – Big News. Schon einen Tag später gibt es die erste Antwort auf Jeff Jarvis’ “Pressesphärenmodell” (siehe gestern). Steve Boriss ist wenig überzeugt davon, dass wir uns nun alle in “Nachrichtenathleten” verwandeln, die aktiv nach Nachrichten suchen und dabei “a taste for the work of amateurs – amateurs in their topic areas and in their writing skills” ausbilden. Seiner Meinung nach bleibt der Einfluss von Social Software auf “small news” begrenzt, also auf Nachrichten aus Familie oder Freundeskreis, wie sie z.B. per Facebookstatusmeldungen verbreitet werden. “Big news” werden sich nur insofern verändern, als die Aufgabe und Verantwortung der “middlemen” komplexer wird: Nachrichten verbreiten kann jeder – in der Schaffung von Mehrwert liegt die Herausforderung. Das ist richtig, aber die Konvergenz von Tageszeitungen und Blogs geht weiter und schafft neue “dialogische Inseln” in der Nachrichtenwelt.
    • Die Antwort auf die Relevanzfrage lautet: Acht. Zumindest für SevenOne Media, die Relevanz als Antwort auf die Frage, “Wie viele Internet-Seiten gibt es, die sie regelmäßig besuchen?”, operationalisieren. Das Ergebnis: “Deutsche besuchen acht Seiten regelmäßig”. Männer sind etwas experimentierfreudiger: fast ein Viertel besucht regelmäßig 11 und mehr Seiten im Internet. Ebenfalls interessant: mit steigendem Alter wächst der Anteil derjenigen, die über Zeitung und Zeitschriften auf neue Internetseiten aufmerksam werden. Zugleich sinkt der Anteil der Empfehlungen durch Bekannte, Freunde und Kollegen. Das Internet der Jugendlichen ist sozial eingebettet.
    • Wieder eine Twitter-ist-das-neue-Email-Meldung: Diesmal von Marcus Bösch (Deutsche Welle), der mit extensivem Namedropping seine subkulturelle Kompetenz demonstriert. Aber wenn immer wieder von dem “weltweite[n] vielstimmige[n] Gezwitscher und Geschnatter” die Rede ist, merkt man, dass hier das wesentliche nicht begriffen wurde: bei Twitter geht es nicht um die weltweite Reichweite, sondern darum, seine Stammesgenossen zu erreichen. Twitter ist digitaler Neotribalismus.
    • Und noch etwas zum Thema Twitter: Cem Basman hat acht Interviews mit leidenschaftlichen Twitterern geführt, um hinter das Geheimnis dieser neuen Kommunikationsform zu kommen. Sein Vorschlag: “Twitter findet in den Köpfen statt. Nicht in der Software.” Als Neal Stephenson-Fan könnte man natürlich auch formulieren: “Twitter ist die Kommandozeile für die Schwarmintelligenz”.
    • Löschversuch: Jan Schmidt weist im Berliner Journalisten darauf hin, dass sich nur ein geringer Teil der Blogger als Konkurrenz zum professionellen Journalisten sieht. Der größte Teil begnügt sich damit, “persönlich Öffentlichkeiten” zu erreichen, beschränkt sich also auf die oben erwähnten “small news”. Sein Fazit: “Eine Überhöhung von Weblogs zur gesellschaftlichen Gegenöffentlichkeit wie umgekehrt die Banalisierung ihre Inhalte als ‘Laienjournalismus’ hilft deswegen nicht weiter, sondern erschwert den Blick auf die tatsächlichen Veränderungen in den vernetzten und individualisierten Öffentlichkeiten des Internets.” Dieses “Bürgerbloggen” ist aber nur eine Seite Medaille. Daneben kann man auch die allmähliche Verbloggung des Journalismus betrachten. Dann werden genau die semi-professionellen Blogs interessant, die Jan ausklammert.
    • Zum Schluss noch eine kurze Meldung in eigener Sache: In der Arbeitsgemeinschaft Social Media (Facebook-Gruppe) arbeiten nun etwa 40 Personen aus Wissenschaft, Marktforschung, Werbeagenturen, werbetreibenden Unternehmen und BloggerInnen in einem Wiki gemeinsam an einer Satzung für eine “Arbeitsgemeinschaft Social Media e.V.” Nach der Gründung wird eine technische Arbeitsgruppe das schon in Grundzügen bereitstehende Basisvokabular Social Media für eine technische Erfassung operationalisieren. Anfragen bitte per Email an kontakt (at) ag-sm.de.


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    Wenn ich nur alles ausführlich verbloggen könnte, was mir da tagtäglich durch den Feedreader rutscht … Dann würde ich mich zum Beispiel den folgenden Beiträgen widmen:

    • Robert Scoble stößt einmal mehr eine Diskussion über die Zukunft der Blogosphäre an. Er ist sich nämlich ziemlich sicher, die “era when bloggers could control where the discussion of their stuff took place is totally over.” Dienste wie FriendFeed verteilen die Gespräche nämlich dezentral. Eine wirkliche Beschreibung dieses spannenden Phänomens ist damit aber noch lange nicht erreicht.
    • 1.0, 2.0, 3.0 oder gar 4.0? Diese Frage kann man nicht nur auf das Web beziehen, sondern auch auf die Zukunft der Bibliothek. René Schneider (FH Genf) hat nun die Folien auf Slideshare gestellt, mit denen er die Evolution vom klassischen OPAC über das nutzerorientierte Web 2.0 und das semantischen Netz bis zum künstlich-intelligenten Web 4.0 skizziert. Mich würde interessieren, wie weit man mit Begriffen wie “Bibliothek 4.0” vom bibliothekswissenschaftlichen Mainstream ist? (netbib, Steuereule)
    • Kai-Uwe Hellmann nimmt ausführlich einen klassischen Text (pdf) von Barry Wellman, dem Pionier der Netzwerkanalyse, auseinander und kann der Wellmanschen Idee eines “vernetzten Individualismus” als neue Gemeinschaftsform nicht viel abgewinnen. Zurecht. Hellmanns Fazit sollte man sich im Zeitalter des Social Graph ruhig einmal auf der Zunge zergehen lassen: “Unstrittig ist: Jede ‘Community‘ ist ein ‘social network’, dies gilt umgekehrt
      aber keineswegs.”

    • Mit Amateurvideos gegen den Staat? Das berlin Institute aus, nun, Berlin versucht diesen Trick und hat ein “Video zur fragwürdigen Unabhängigkeit von Tagesschau und NDR-Rundfunkratins Netz gestellt. Das Ziel ist eine möglichst weitläufige virale Ausbreitung des Materials, mit dem nachgewiesen werden soll, dass das gegenwärtige Rundfunkkontrollsystem nicht funktioniert und mehr Transparenz und Expertise verdient hätte. Bis jetzt sieht es ganz gut aus – zumindest was die Viralität betrifft.
    • Weblog-Geringverdiener Jeff Jarvis zeichnet die Zukunft von Medien und Nachrichten in sein Blog. Der alte Filter der Presse – zwischen der Welt und uns – wird ersetzt durch eine heterogene und pluralisierte “Presse-Sphäre”, in der viele Quellen zur individuellen Konstruktion einer Story herangezogen werden können und Feeds dafür sorgen, dass wir auf dem Laufenden bleiben. Der große Unterschied zwischen Print und Online: “In print, the process leads to a product. Online, the process is the product.” Die neuen Nachrichten sind nicht mehr in Ressorts organisiert, sondern um Themen, Tags oder Geschichten, “because the notion of a section is as out of date as the Dewey Decimal System“.
    • Solche Listen werden wir in Zukunft noch häufiger sehen: Josh Bernoff hat neun Gründe gesammelt, warum Menschen Social Media nutzen: Freundschaften pflegen, neue Freunde finden, sozialer Druck, seinen Beitrag leisten, Altruismus, Exhibitionismus, Kreativität, Selbstbestätigung und Affinität. Daraus folgt ein wichtiger Hinweis an die Macher von Social Software: “Respect this diversity.”
    • Auch der Altmeister der Medienkonvergenztheorie, Henry Jenkins, meldet sich wieder zu Wort und erörtert auf dem C3-Blog das Thema: “Why academics should blog…” Er betont insbesondere die Bedeutung von Weblogs für die Sichtbarkeit junger Forscher: “increasingly, younger researchers are using blogs as resources for reputation building, especially in cutting-edge fields that lack established authorities.” Außerdem ermöglichen Wissenschaftlerblogs eine proaktive Haltung gegenüber den Massenmedien: Wir bloggende Wissenschaftler warten nicht mehr, bis wir von Journalisten zu einem Thema befragt werden, sondern reden einfach los. “Just-in-time-Scholarship” nennt Jenkins das.


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    Der gerade eben veröffentlichte Medien-Trendmonitor liefert wieder einmal spannende Einblicke in die Überzeugungen der Journalisten und Redakteure. Eine Frage ist besonders schön, da sie einen tiefen Glaubensinhalt des Printjournalismus betrifft: Die Frage nach dem Leitmedium.

    Man muss sich das in etwa so vorstellen: Unabhängig von kleineren Veränderungen und Verschiebungen gibt es große gesellschaftliche Trends, was den öffentlichen (oder: veröffentlichten) Diskurs betrifft. Luthers Zeitgenossen haben sich noch Flugschriften bedient, wenn sie eine relevante Öffentlichkeit erreichen wollten, 100 Jahre später konnte man sich mit gelehrten Büchern an die Öffentlichkeit wenden. Im 19. Jahrhundert begann dann die Ära der Zeitung, genauer: der Massenpresse, die durch neue Drucktechnologien möglich wurde. Und danach? Nichts mehr. Der Medien-Trendmonitor formuliert es wie folgt:

    Das Ergebnis ist eindeutig: Die gedruckte Zeitung bleibt weiterhin das maßgebliche Leitmedium. Diese Meinung zieht sich durch alle Berufsgruppen sowie Medienbereiche.

    Kein Radio, kein TV, kein World Wide Web, ja nicht einmal die Onlineausgaben der Tageszeitungen und Zeitschriften spielen hier eine Rolle. Nur 3,8 Prozent der 3093 online-befragten Redakteure und freien Journalisten sind der Meinung, dass das Internet die Zeitung als Leitmedium bereits abgelöst hat. Noch weniger sind es in den Redaktionen der Tageszeitungen. Verständlich. Da überrascht es auch nicht, dass das Web 2.0 (was auch immer darunter verstanden wird) für zwei Drittel der Befragten nur eine geringe oder gar keine Relevanz für die journalistische Arbeit hat. Zum Glück ist es nur von untergeordneter Wichtigkeit, was die Zeitungsmacher selbst für relevant halten oder als Leitmedium empfinden. Viel wichtiger ist die gesellschaftliche Relevanz, die allerdings mangels zuverlässiger Zahlen und Forschung noch nicht hinreichend belegt werden kann.

    Einschränkend muss man dazu sagen, dass die gedruckte Zeitung hier nur mit dem Internet verglichen wurde und nicht mit den Leitmedien des 20. Jahrhundert Radio und TV, die was Glaubwürdigkeit und Verbreitung betrifft, gerade bei den jüngeren Mediennutzern die Zeitung schon seit längerem abgelöst haben. Aktuelle Studien zeigen, dass dort mittlerweile auch das Internet schon vor den Zeitungen liegt. (via Martin Welker)



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