Das Ende der URL – “Google ‘viralmythen’ to find out more”

Die Geschichte der massenhaften Durchsetzung des Internet ist auch eine Geschichte eines sprachlichen Wandels. Zu Anfang waren die Adressen, die man händisch in den Browser eingeben mussten, noch kryptische Kombinationen – tief verschachtelt und in der häufigen Verwendung der Tilde “~” noch mit deutlichen Referenten an die UNIX-Filestruktur (dort ist “~” eine Abkürzung für das Heimatverzeichnis eines Benutzers). So war zum Beispiel ein sehr frühes Blog unter der Adresse http://www.link-goe.com/~hwo/MeinFramo.htm erreichbar.

Mit der großen Internetblase um die Jahrtausendwende veränderte sich auch das Sprechen über das Internet. Der Buchstabe “w” wurde damit zu einem der wichtigsten auf den Tastaturen. Zudem entstanden Unternehmen, die sich über ihre Internetadresse definierten und die .com- oder .de-Endung in ihren Markennamen integrierten. Ein prominentes Beispiel dafür ist Amazon.com (“Amazondotcom”).

Cabel Maxfield Sasser hat auf seiner Japanreise erste Anzeichen dafür gefunden, dass sich dieses Phänomen wieder auf dem Abschwung befindet. Die URLs werden in der Werbesprache allmählich durch etwas neues ersetzt: Plakat- oder TV-Werbung, auf der ein Suchmaschinenfeld abgebildet ist, in dem der Name des Unternehmens steht. Das ergibt natürlich nur dann Sinn, wenn das Unternehmen oder die Marke im Suchmaschinenuniversum auch überall an erster Stelle gerankt wird. Ergebnis ist eine Semantik, die wesentlich auf dem Funktionieren der Suchmaschinenoptimierung (SEO) beruht. “Google ‘pontiac’ to find out more”, hieß es zum Beispiel 2006 in einem Werbeclip des Autoherstellers (siehe dazu auch dieses schöne Beispiel).

Nachdem nur noch die wenigsten Leute sich URLs merken und Buchstabe für Buchstabe in die Adresszeile des Browsers eintippen, sondern einfach die Google-, Yahoo- oder Wikipedia-Suchleiste daneben verwenden, spielt die Reservierung einer möglichst kurzen Domain keine große Rolle mehr. Lieber eine etwas umständliche URL, auf die dann aber bei alle wichtigen Suchmaschinen bei der Suche nach Unternehmen oder Marke verweisen. Vielleicht spielen in Zukunft aber auch Quick Response-Codes bei der Überwindung der Medienlücke zwischen Offline und Online eine größere Rolle oder RealName-ähnliche Dienste werden als Geschäftsidee wieder attraktiv.



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  • 3 Responses to “Das Ende der URL – “Google ‘viralmythen’ to find out more””


    1. 1 Christiane Schulzki-Haddouti

      Den Eindruck teile ich. Es kommt darauf an, kurze, prägnante und eindeutige Bezeichnungen zu finden, deren Google-Ergebnis ausschließlich auf die eigenen Sachen verweist. Da tun sich insbesondere Menschen schwer damit, die Namen wie Huber, Maier, Müller, Schuster tragen. Wahrscheinlich werden wir über kurz oder lang auch wieder eine Renaissance der Bindestrich-Namen erleben…

    2. 2 Robert

      Solche “Links” können sich aber auch selbst vernichten, nämlich dadurch, dass andere Personen in Foren und Blogs Sachen schreiben wie “Da gibt es nen tollen Artikel, google einfach mal nach ‘foobar’”. Und schon findet Google mehr Blogs als die eigentliche Quelle…

      Mehr dazu findet sich bei google unter dem Suchbegriff “Meerschweinchen-CPU”, und nein, ich poste mit Absicht keinen Link :-P

    3. 3 Mathias Karstädt

      Ich denke auch, dass heute kaum noch jemand wirklich eine URL in die Adresszeile seines Browsers tippt. Vielmehr öffnet man seinen Browser, tippt etwas in die Suchbox und wählt eine Seite aus.
      Selbst wenn jemand die richtige URL weiß, wird er diese wahrscheinlich in das Suchfeld eingeben. Häufig in den Google Trends zu beobachten, wenn dort irgendwelche .com Adressen auftauchen.

      Warum also haben wir überhaupt noch eine Adresszeile im Browser? Weg damit!

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