Daily Archive for April 1st, 2008

Wir fahren nach Berlin

re:publica in Berlin

Auch hier ist Aufbruchstimmung, denn wie so viele andere aus der Nachbarschaft zieht es auch mich nach Berlin auf dieses seltsame, umstrittene Ritual re:publica. Der Ethnologe in mir ist besonders gespannt. Da Marc in der Wissenswerkstatt schon ausführlich das Vortragsprogramm dargestellt hat, das im wesentlichen auch für mich gilt, kann ich mich hier kurz fassen:

  • Donnerstag, 3.4., 10:00 in der Radebergerlounge: “Forschungsgruppe Social Media” oder “Arbeitsgemeinschaft Blog- und Communityforschung”. Hier wollen wir die Möglichkeiten einer solchen Arbeitsgemeinschaft sondieren, mit deren Hilfe die Blogosphäre ihre eigene Erforschung und Vermessung in die Hände nehmen könnte: Graswurzelforschung also. Wer will, kann sich hier für die Veranstaltung anmelden, Kurzentschlossene können natürlich sehr gerne auch einfach in die Veranstaltung kommen.
  • Donnerstag, 3.4., 16:00 im Großen Saal: Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus. Dort werden Marc und ich Befunde aus unserer Free-Burma-Begleitforschung präsentieren und auch den Versuch unternehmen, das ganze auch theoretisch auf den Punkt zu bringen.
  • Freitag, 4.4., 15:00 Workshop: Social Media in der Wissenschaft. Dort werde ich am Beispiel der Soziologie darstellen, dass es manchmal auch heißen kann: “Keine Social Media in der Wissenschaft”. Etwas ausführlicher klingt das dann so:

    Es ist ein Widerspruch, an dem Paradoxie-Gourmets wie Niklas Luhmann sicher ihre Freude gehabt hätte: Auf der einen Seite tummeln sich die Studenten an deutschen Unis munter auf Facebook oder StudiVZ und der Gedanke, eine Seminararbeit ohne Wikipedia-Recherche zu schreiben, ist phantastisches Wunschdenken altmodischer Zettelkasten-Dozenten. Auf der anderen Seite findet das Internet (über das Web 2.0 brauchen wir gar nicht zu reden) in den Lehrplänen kaum statt. Ich möchte diese Aussage mit ein paar Beobachtungen und Zahlen aus der deutschen Universitätslandschaft belegen und nach möglichen Gründen suchen. Liegt es daran, dass das Internet deshalb nicht als solches vorkommt, weil es als Querschnittphänomen überall Eingang gefunden hat? Oder liegt es an der Selbstverständlichkeit der Internetnutzung, die ihre Beobachtung unmöglich macht? Ist es eine postmarxistische Abneigung dieses durchkommerzialisierten Mediums? Wenn ja, wo bleibt dann die Kritik? Oder gibt es vielleicht doch einige “Leuchttürme” oder “thematische Inseln” in der Soziologie, wo das Internet nicht nur ernst genommen, sondern sogar verstanden wurde?

Aber eigentlich geht es natürlich darum, einmal wieder diesen angenehmen Schauer zu spüren, der sich unweigerlich einstellt, wenn man erkennt: Hinter jedem der 200.000 Blogs in Deutschland steckt ein Mensch.



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