Der Untergang des Web 2.0 und das Ende der A-Blogger

kulturbilder_325.jpgWenn man die Beobachtungen von Steve Rubel ernst nimmt, dann könnte man tatsächlich von einem baldigen Ende des Web 2.0 sprechen. Aber das neue Netz geht nicht etwa mit einem big burst zu Ende wie die große Internetblase 2000. Das Problem liegt nicht darin, das Blogs, Ajax, Social Networking und Semantic Web die überhohen Erwartungen nicht erfüllen, sondern gerade weil sie sie so gut erfüllen, dass sie zur Normalität werden.

Das „Web 2.0“ hat sich unmerklich in das „Web“ verwandelt, weil es kaum noch „Web 1.0“ gibt. Insofern, so Rubel weiter, spielen auch spezialisierte „Berufe 2.0“ wie „Social Media Consultant“, „Social Media Manager“, Funktionsbeschreibungen wie „Internet Advertising Sales“ oder „Online Advertising Sales“ oder „Digital Talent Agents“ keine Rolle mehr. Diese Berufsbilder und Geschäftsfelder werden allmählich unter andere, allgemeinere Bezeichnungen subsummiert. Onlinewerbung oder Community Marketing und Research sind nicht mehr die Zukunft der Werbung oder des Marketing, sondern die Gegenwart.

Insofern glaube ich auch nicht, dass Alan Patrick in seiner Antwort auf Rubel damit Recht hat, dass der Niedergang des Berufsbild des A-Bloggers nur darin gründet, dass sich das Bloggen professionalisiert und damit den klassischen Onlinemedien annähert: unternehmerisches Denken („Bloggen ist anti-unternehmerisch“, meint John Wesley), PR-Berichte als Füllmaterial, strategische Verlinkung, weniger Kritik.

Auf der anderen Seite finden sich durchaus auch Beispiele für eine Verbloggung der Massenmedien, die von der besonderen Authentizität – und auch der geringen Produktionskosten – dieses Mediums zu sehr profitieren, um es ignorieren zu können. Bei Zeitungen wie dem „Guardian“ sind die Übergänge von klassischen journalistischen Beiträgen zu den dazugehörigen Blogs schon sehr glatt geraten, noch mehr gilt das für Hochglanzmedien wie „(More) Intelligent Life“.

Fast hat es den Anschein, dass in vielen Publizisten und Journalisten kleine Blogger stecken, während sich zugleich in vielen Bloggern kleine Unternehmer verbergen, die auf eine günstige Gelegenheit zum Ausbrechen warten. In manchen Fällen kann das auch schon ein juveniler Rockefeller sein wie im Fall von Michael Arrington, der in einem langen Beitrag mit Manifestcharakter von einem Zusammenschluss von Bloggern träumt, der dann raubritternd durch die Medienlandschaft zieht:

That team could take CNET apart in a year, hire the best of the survivors there, and then move on to bigger prey.



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  • 5 Responses to “Der Untergang des Web 2.0 und das Ende der A-Blogger”


    1. 1 Ryo

      Blogger sind in meinen Augen Journalisten.
      Bei den Pflichten werden sie vor dem Gesetz auch genau so behandelt. Damit hat jeder Blogger auch das Recht die Vorteile zu genießen.
      Und einen Presseausweis bekommt man auch, wenn man es hauptberuflich macht.
      Ich verstehe die Diskussion nicht.

      Zum “Ende des Web 2.0″: Naja, nichts ist für die Ewigkeit. Und es gibt wieder neue Ansätze. Es gab nie eine “Internet-Blase”. Schau dich nur mal um, und vergleiche die Internet-Nutzung 2000 und heute. Und in 20 Jahren? Da heißt es vielleicht anders. Web 4.0 oder Worldnet oder wie auch immer, aber das Netzwerk, dass Menschen miteinander verbindet (und Kapital) wird ein Teil der Realität, die untrenntbar mit dem modernen Leben verbunden ist. In 25 Jahren werden wir vielleicht noch nicht mal mehr eine Kaffeemaschine ohne Web-Interface mehr haben.

    2. 2 Roland

      Generell gebe ich Dir recht, dass in Zukunft keinerlei “digitale Spezialisierung” als solches Bestand haben wird. Es wird aber immer Spezialgebiete geben, die sich auf bestimmte Themen beziehen. Einen Online Advertising Manager kann zum Beispiel immer nötig sein, wenn sich dieses Gebiet in einem Konzern aus welchen Gründen auch immer nicht mit der klassischen Werbung zusammenlegen lässt. Vielleicht, weil es einfach strukturell nicht geht, Vielleicht, weil man ein solches Spezialwissen braucht, dass der klassische Werber order Dialogmanager das nicht mit abdecken kann. Das hat dann aber nichts damit zu tun, dass die Tätigkeit “digital” ist, sondern es ist, auch wenn es ähnlich anmutet, eine Themen-Spezialisierung.
      Ich glaube übrigens auch nicht, dass das Internet eine zweite Bubble erfährt, sondern dass es tatsächlich “verschwindet”, weil es zum einen, wie Du schreibst, normal wird und zum anderen, weil es überall sein wird. Man wird nicht mehr “ins Internet” gehen, denn man wird eh immer und überall drin sein. MIt dem Handy, mit dem Auto, mit dem Toaster und dem bekannten selbsteinkaufenden Kühlschrank…

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