Emotional labil, aber offen für Erfahrungen – die Persönlichkeit der Blogger

Merkwürdig, dass ich die Studie “Who blogs? Personality indicators of blogging“, die in der letzten Novemberausgabe von Computers in Human Behavior publiziert wurde, übersehen konnte. Die Autorinnen stellen die Frage danach, welche Persönlichkeitsmerkmale dafür verantwortlich sein können, dass ein ganz normaler Mensch auf einmal mit dem Bloggen beginnt.

Zwei Faktoren des Big 5-Persönlichkeitsinventars erwiesen sich dabei als besonders erklärungskräftig: die Offenheit für Erfahrungen sowie Neurotizismus. Personen, die auf diesen beiden Unterskalen des Persönlichkeitstests hoch punkten, haben demnach eine erhöhte Neigung dazu, mit Hilfe eines eigenen Weblogs mit anderen Menschen zu kommunizieren. Wobei die Neigung zu geringer emotionaler Stabilität (Neurotizismus) allerdings nur für die weiblichen Probanden signifikant mit dem Bloggen zusammenhängt:

Taken together the results of these two studies indicate that openness to new experience and neuroticism predict blogging. That is, people who were high on these Big Five subscales were more likely to report maintaining a blog in this sample. These findings were also moderated by gender. Collapsed across the two studies, women who were high in neuroticism were more likely to maintain a blog than were women low in neuroticism but there was no difference in blogging for men based on their level of neuroticism.

Außerdem zeigten die Autoren, dass Blogger vor allem Details aus ihrem Privatleben veröffentlichen und darüber hinaus dazu neigen, auch andere Onlineforen zur Kommunikation nutzen:

Additionally, we found that similar to prior research, individuals who maintain blogs mostly discuss details of their personal lives and are likely to use other forums for online social interaction. The results of this research also replicated prior findings in that bloggers disclose personal information about themselves in their blogs

Besonders neu sind die Befunde allerdings nicht, denn bereits zuvor hat sich immer wieder abgezeichnet, dass Blogger besonders offen für neue Technologien sind, viel Fantasie haben, neugierig, kreativ, intelligent sind und vielfältige Interessen haben – alles Faktoren, die auch für die Offenheits-Skala von Bedeutung sind. Auch der Zusammenhang mit der Neurotizität liegt nahe, da es sich hier z.B. um Personen handelt, die sich einsam fühlen und das Bloggen (möglicherweise etwas naiv) als eine Möglichkeit sehen, zu kommunizieren ohne zuviel von sich preisgeben zu müssen.

Die Frage ist aber, ob man hiermit nur Bloggen als Avantgardepraxis abbildet oder ob sich diese Zusammenhänge auch mit einer wachsenden Popularisierung des Mediums erhalten:

Since blogging is a relatively new form of online self-expression, this relationship may change over time as more people start to
keep a blog.

Wer wissen möchte, ob dieser Zusammenhang auch auf die eigene Person zutrifft, kann sich hier testen.



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  • 12 Responses to “Emotional labil, aber offen für Erfahrungen – die Persönlichkeit der Blogger”


    1. 1 Bernd

      @ Benedikt, Du schreibst: “Auch der Zusammenhang mit der Neurotizität liegt nahe, da es sich hier z.B. um Personen handelt, die sich einsam fühlen und das Bloggen (möglicherweise etwas naiv) als eine Möglichkeit sehen, zu kommunizieren ohne zuviel von sich preisgeben zu müssen.”

      Ich komme leider nicht an den Originalartikel heran, da die UB Köln kein Abo von Computers in Human Behavior hat. Was bei Deiner Erklärung fehlt, ist der Interaktionseffekt mit Geschlecht. Wie erklärst Du Dir den?

    2. 2 Benedikt

      Im Detail sieht es so aus:

      Overall, there was a significant difference in blogging for women high and low in neuroticism, ?2(1, N = 347) = 3.95, p .05. Specifically, women high in neuroticism (23.8%) reported blogging more than women low in neuroticism (13%). There were no significant differences found for men (high: 15.2% vs. low: 14.3%), p > .05.

      Als weiterführender Hinweis findet sich in dem Paper nur ein Verweis auf die Forschung von Costa, Terracciano und McCrae (2001), die feststellen, dass Frauen auf der Neurotizismusskala höher scoren als Männer. Aber das erklärt nicht, warum “neurotische” Frauen eher zum Bloggen neigen als “neurotische” Männer.

    3. 3 Nismion

      “Auch der Zusammenhang mit der Neurotizität liegt nahe, da es sich hier z.B. um Personen handelt, die sich einsam fühlen und das Bloggen (möglicherweise etwas naiv) als eine Möglichkeit sehen, zu kommunizieren ohne zuviel von sich preisgeben zu müssen.” Das hört sich ja schon in Richtung einer psychologischen Diagnose an. Der nächste Boom für die Psychologie?
      Nur ein kleiner Gedanke am Rand. ;-)
      Ist echt interessant so etwas mal zu lesen.
      Wer ich mal aufgreifen das Thema.
      Grüsse

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