10+ Gründe für oder gegen Trackbacklinks in der Blogosphäre

Dafür dass die Technologie “Trackback” erst fünfeinhalb Jahre alt ist, wurde bereits ziemlich oft ihr Tod verkündet. Im August 2002 wurde in der Weblogsoftware Movable Type Version 2.2 die Möglichkeit dieser automatisierbaren Verlinkung eingebaut. In der Praxis sieht das so aus: Angenommen ich verlinke in einem Blogbeitrag einen anderen Blogbeitrag auf einem Trackback-fähigen Weblog, dann sendet mein Weblog eine Benachrichtigung an dieses andere Blog, das dann in dem von mir zitierten Post z.B. einen Kommentar anlegt mit einem kurzen Textauszug aus meinem Blogbeitrag sowie einem Link dazu. Auf den ersten Blick eine geniale Möglichkeit, nicht nur den Vernetzungsgrad im Internet zu steigern, sondern auch eine ganz neue Art der Bezugnahme auf andere Texte. In etwa so als würde, wenn ich in einem wissenschaftlichen Aufsatz einen anderen Aufsatz zitiere, in diesem Aufsatz dann eine kurze Fußnote erscheinen, dass ich diesen zitiert habe. Siehe dazu auch die Abbildungen in dem lesenswerten Artikel “Taking TrackBack Back (from Spam)“.

Der Nachteil dieser kommunikationstechnologischen Errungenschaft? Es gibt da ein Gesetz in der digitalen Welt: Wenn Kommunikationsfunktionen automatisierbar sind, werden diese früher oder später für den Versand von Spam verwendet. Jeder, der ein Weblog besitzt, hat das sicher schon einmal erfahren: Jede Menge sinnlose Trackbacks von Spamseiten landen Tag für Tag in der Kommentarliste. Das ist ärgerlich und die Bereinigung erfordert einiges an Aufwand. Sollte man deshalb die Trackbackfunktion einfach ausschalten oder lohnt sich die Mühe? Im Folgenden einige Argumente für und gegen das Trackbacken:

  1. PRO Trackbacks sind eine der selten Möglichkeiten, im WWW bidirektionale Links ohne größeren Aufwand anzulegen und erhöhen dadurch den Vernetzungsgrad sowie für den einzelnen Internetsurfer die Wahlmöglichkeit.
  2. PRO Trackbacks machen Kommunikationsstrukturen in der digitalen Welt sichtbar (und sind für Soziologen wie mich darin sehr nützlich). Als Blogger wie auch als Leserin kann ich direkt sehen, wer sich auf einen Artikel bezieht. Man kann sehen auf welchen Wegen sich “Meme” reproduzieren.
  3. PRO Trackbacks sind ein wichtiger Bestandteil des Informationsflusses in der Blogosphäre, was jeder schon einmal beobachten konnte, der neue Besucher über einen Trackbacklink empfangen hat.
  4. PRO Trackbacks sind ein Anreiz zu Verlinkung und Kommunikation (der Verzicht auf Trackbacks gehört zu Christianes 20 Tipps für erfolgloses Bloggen). Trackback schafft Traffic (in beide Richtungen) und ist daher im Eigeninteresse der Bloggerin. Iskwew schreibt dazu: “Trackbacking is the formalised glue of the blogging community”.
  5. PRO Trackbacks fördern die Diskussionskultur. In Seth Godins Blog sind z.B. nur Trackbacks erlaubt und keine Kommentare, um zu erreichen, dass die Nutzer eigene Texte in Anschluß an den Ursprungsbeitrag formulieren und nicht nur “full ack” hinformularisieren.
  6. PRO Trackbacks funktionieren als dezentrales System. Man ist auf keinen anderen Dienst (Google, Technorati) angewiesen, um zu sehen, wer einen Blogbeitrag verlinkt hat. Das meint auch Paul O’Flaherty, der fragt: “Is The Trackback Dead? Only If You’re Selfish?”
  7. PRO Trackbacks erhöhen die beobachtbare Aktivität auf einem Blog. Sowohl Autoren als auch Leser haben das Gefühl, “dass sich etwas tut” und nicht nur ins Leere geschrieben wurde.
  8. PRO Mit Hilfe von Trackbacks kann man häufig Contentdiebe entlarven, die eigene Blogbeiträge Wort für Wort übernehmen, um mit begleitender Werbung Geld zu verdienen.
  9. CONTRA Ein großer Teil der Trackbacks sind Spam. Wobei hier zum einen das Pingback-Protokoll etwas fortschrittlicher ist, da es nur Links akzeptiert, die von einer real existierenden Quelle stammen und zum anderen gibt es Tools wie den Spamfilter Akismet oder das WordPressplugin Simple Trackback Validation, die mittlerweile ziemlich zuverlässig einen großen Teil des Viagra-Spams entfernt.
  10. CONTRA Mittlerweile gibt es andere Möglichkeiten, zu erfahren, wer einen Blogbeitrag verlinkt. Beispiele sind die Technorati-Reaktionen, Memetracker wie Rivva oder die Suche mit dem link:-Präfix in Suchmaschinen wie GoogleBlogsearch oder Blogato.
  11. CONTRA Automaten sind Spam-anfällig, mit manuellen Trackbacks kann man die gleichen Ziele erreichen.

Ich komme also unter dem Strich zu einem deutlich positiven Fazit. Was meint ihr dazu? Habt ihr auch schon längst die Trackbackfunktion ausgeschaltet oder ist das für euch ein essentielles Feature eures Blogs (bzw. der von euch gelesenen Blogs)?

Andere zu diesem Thema:

  • Ronald Huereca fragt “Trackbacks: Still Useful?” und bekommt viele Antworten.
  • Anne erklärt Unterschied von Track- und Pingbacks.
  • Horst stellt schon 2005 fest, dass eigentlich niemand mehr Trackbacks verwendet.
  • Ebenso Tom Coates, der den Slogan prägte: “It has been killed by spam and by spammers”
  • Kurz darauf hat auch Jörg Kantel auf seinem Blog Trackbacks und gleich auch noch Kommentare abgeschaltet (mittlerweile gibt es sie aber wieder – doch kein “krankes Protokoll”?)


Verwandte Artikel:
  • Als der Retweet noch Trackback hieß
  • Scientific American versucht sich am Prinzip Trackback
  • Blogs als Diskurs- und Dialogmedien
  • 11 Responses to “10+ Gründe für oder gegen Trackbacklinks in der Blogosphäre”


    1. 1 KMTO

      Eigentlich wollte ich einen Trackback setzen, aber das Thema passt inhaltlich nicht so super. Anyway, ich liebe sie. Die Idee des Zitierens ist eine der ältesten im Web, Trackbacks sind im wahrsten Sinne des Wortes der “Missing Link”.
      Nur leider funktionieren sie sehr oft nicht. Unabhängig vom Spam sollte da dringend was geschehen…

    2. 2 Christiane

      Ich finde Trackbacks sehr nützlich, da sie ein dezentrales Infrastrukurelement des Netzes sind. Deshalb empfinde ich es als schweren Nachteil, dass meine Blogsoftware Trackbacks nur schwer erkennt bzw. ihre Trackbacks nur schwer erkannt werden. Das lässt mich immer wieder an Serendipity zweifeln. Allerdings: Ich habe wohl deshalb auch noch nie einen Spam-Trackback erhalten. Dafür scheint wohl WordPress anfällig zu sein.

    3. 3 Marc | Wissenswerkstatt

      Die Unkenrufe, daß Trackbacks der Vergangenheit angehören, verstehe ich nicht. In meinen Augen zählen Trackbacks zu den essentiellsten Blog- und Web2.0-Features. Denn, was ist die Blogosphäre? Genau: sie ist “verteilte Kommunikation”. Und diese braucht nicht durch externe Dienste (Technorati etc.) sichtbar gemacht zu werden, sondern wird jedem transparent als Trackbackliste präsentiert.

      In meinen Augen (und Du sprichst es an) wäre die Blogosphäre ohne Trackbacks viel weniger lebendig: Trackbacks machen deutlich, daß Resonanz und Feedback vorhanden sind. Und man kann die diskursiven Ströme nachvollziehen… Jedes Blogprojekt, das etwas auf sich hält, kann auf Trackbacks nicht verzichten. Ich hatte ja vor 2 Wochen darauf verwiesen, daß etwa Scienceblogs.de (bislang?) keine Trackbackfunktion hat – in meinen Augen ein unverzeihlicher Fehler.

      Das Spam-Argument zieht m.E. nicht: es gibt geeignete Tools und ohne bestimmte Maßnahmen könnte man auch keine Kommentarfunktion anbieten, denn sonst wäre diese auch ein Spamfriedhof. Aber kommt jemand auf die Idee die Comments abzuschalten? ;-)

    4. 4 Benedikt

      @KMTO: Da bin ich deiner Meinung, ich finde das Prinzip des Zurückverlinkens unheimlich praktisch und bin immer wieder genervt, dass es so etwas bei wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln noch nicht gibt. Naja, vielleicht wenn die Journals irgendwann einmal auf digitalem Papier veröffentlicht werden ;-)

      @Christiane: Tatsächlich ist die Trackback-Funktion bei WordPress etwas anfällig. Aber dafür gibt es ja Akismet und Konsorten. Ich habe zwar schon viele Spamtrackbacks gehabt, aber bis jetzt ist keiner durchgekommen und es waren auch nur 1-2 falsch positive Einstufungen (bzw. die sind glaube ich in der Moderation hängen geblieben).

    5. 5 Benedikt

      @Marc: Ich kann die frühen 2001er/2002er Verabschiedungen des Trackback-Prinzips nachvollziehen, bzw. mir so erklären, dass man damals einfach noch nicht begriffen hat, womit man es hier zu tun hat – dem “Klebstoff” der Blogosphäre. Dass man heute wieder daran herummeckert, verstehe ich auch nicht so wirklich – mir ist es wirklich schwer gefallen, Gegenargumente zu finden, die man nicht so schnell entkräften kann. Ist es eine Automatenfeindlichkeit? Oder schaffen es die Leute nicht, Akismet oder SimpleTrackbackValidation zu konfigurieren? Oder gibt es Blogger, die sich nicht automatisch verlinken lassen wollen?

    6. 6 Philomenon

      Hallo! Ich mag Trackbacklinks, aber scheinbar hat Blogger damit größere Probleme. Obwohl ich diese Funktion aktiviert habe, zeigt mit Blogger fast nie Links an, obwohl ich weiß, dass jemand auf den einen oder anderen Artikel verlinkt hat und wenn ich verlinke, hat Blogger mit dem Senden des Signals an den anderen Blog scheinbar auch seine Probleme.

    7. 7 Tobias | Informationsprodukte

      Natürlich gibt es wie bei jeder Sache immer für und wieder, es kommt immer darauf an wie man es nutzt. Viele Blogger verbinden mit Trackbacks bestimmt eine Art “HassLiebe”, zu einem freuen Sie sich ein paar schöne Backlinks zu erhaschen, zum anderen wollen sie sich selbst davor schützen.

      Wenn man Beiträge mit einer Menge Trackbacks bzw. Links zu anderen Blogs verfasst, sollte einfach der Wert des Beitrags selbst ordentlich sein, dann wird sich niemand beschweren. Ein sehr schönes Beispiel gibt da smashingmagazine.com ab. Die meisten der Posts sind qualitativ hervorragend, auch wenn sie oftmals vollgestopft von Verweisen zu anderen Blogs, also Trackbacks, sind. Aber solche Quellensammlungen sind nun mal beliebt im Internet. In dieser Art zu “trackbacken” denke ich ist ok und sollte kein Problem darstellen.

      Grüße Tobias

    1. 1 Timo Heuers Weblog » Argumente für und gegen Trackbacks
    2. 2 Links 06/02/2008 | PR-Camp
    3. 3 Earnfreak Weblog » Blog Archive » Der Erfolg eines Weblogs
    4. 4 Als der Retweet noch Trackback hieß at viralmythen

    Leave a Reply